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04.07.2017  |  Text: wehe  |   Bilder: Privat
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Bikerdemos für mehr Kinderrechte


Seit Monaten wird die „Bikerdemo 2017“ geplant, doch vor Kurzem haben sich die Organisatoren entzweit. Im Interview spricht der Ideengeber über die ursprüngliche Idee – und den jetzigen Zoff hinter den Kulissen


Am kommenden Samstag (8. Juli) versammeln sich Biker in Mannheim und Karlsruhe, um ab 14 Uhr für die Ausweitung und Verbesserung von Kinderrechten zu demonstrieren. Es geht ihnen vor allem um einen erweiterten Schutz von Kindern geschiedener Eltern. Sehr oft würden diese bei den Auseinandersetzungen der Erwachsenen zum Spielball. Eine der Kernforderungen der Veranstalter lautet daher: „Kein Entzug eines Elternteils oder gar beider Eltern!“
Seit Monaten laufen die Planungen, doch vor Kurzem haben sich die Organisatoren entzweit: Ideengeber Veit Geiger hat der „Bikerdemo 2017“ den Rücken gekehrt. Im Interview spricht er über die ursprüngliche Idee – und den jetzigen Zoff hinter den Kulissen.

BIKERS NEWS: Veit, du giltst als das Gesicht und der Kopf der „Bikerdemo 2017“. Was war und ist die Motivation, möglichst viele Biker und Eltern im Rahmen einer Demo für Kinderrechte zusammenzubringen?
Veit Geiger: Es ging mir darum, auf die Willkür in Jugendämtern aufmerksam zu machen. Jugendämter, die bei Gericht lügen. Elternteile werden vom Jugendamt ohne Grund aus dem Leben ihrer Kinder gedrängt. Viele Kinder werden zu unrecht in Obhut genommen.

Der Funke der „Bikerdemo“ sprang angeblich auf 20 Städte in vier Ländern über – korrekt? Macht dich das stolz oder erschreckt dich das eher, weil damit offensichtlich ein Nerv getroffen wurde?
Es waren im Januar 22 Städte, auch in der Schweiz und in Österreich. Und das hätte man bis jetzt noch weiter ausbauen können. Klar macht mich das stolz, endlich mal was Großes für alle Kinder, die unter dem Jugendamt leiden, auf die Beine zu stellen. Dafür habe ich drei Monate jeden Tag zehn Stunden am PC verbracht, um Gruppen auf Facebook zu gründen und um Leute einzuladen.

„Meine Kinder wurden von der Mutter und deren Freund über viele Jahre misshandelt“

Was motiviert dich, Menschen zum Kampf für mehr Kinderrechte aufzufordern?
Ich bin selbst entsorgter Vater. Meine Kinder wurden von der Mutter und deren Freund über viele Jahre misshandelt. Das Jugendamt wusste das seit 2011 und hat es bis 2016 vertuscht. Meine Kinder waren bis heute 15 Mal in Kliniken und immer sagen die Ärzte, die Mutter macht die Kinder krank.

Es gibt eine Liste von Forderungen. Welche steht für dich an erster Stelle?
Wahrheit, Pflicht der Jugendämter. Ein Jugendamt soll zwischen Eltern vermitteln und nicht parteilich sein. Eine Kontrollinstanz müsste es geben, die beide Seiten hört und nicht wie jetzt nur das Jugendamt anhört.

Ihr fordert auch, die Entfremdung zwischen Kindern und Eltern unter Strafe zu stellen. Was ist der Hintergrund?
Wenn sich Eltern trennen und die Kinder bei der Mutter bleiben, die dann jeden Kontakt der Kinder zum Vater verhindert, ist das eine Kindeswohlgefährdung. Viele Kinder verlieren so ihr Leben lang den Kontakt zu dem entsorgten Elternteil. Nur, weil der andere Elternteil den Kontakt nicht möchte. Und die Jugendämter unterstützen das in vielen Fällen.

„Von früher kenne ich Biker und ihren Zusammenhalt“

Du hast gemeinsam mit Otto Höfler und anderen die „Bikerdemo 2017“ ins Leben gerufen. Doch inzwischen gibt es Zoff unter euch. Was ist passiert?
Ich hatte die Idee, eine Demo zu machen und habe auf Facebook betroffene Eltern für eine Demo gesucht. Aber die bekommt man nicht für etwas Gemeinsames zusammen. Von früher kenne ich Biker und ihren Zusammenhalt; auf Facebook habe ich dann auch Otto kennengelernt und als ich gesehen habe, dass er Biker ist, habe ich ihn wegen der Demo angesprochen. Er war nicht begeistert. Aber ich habe ihn immer wieder darauf angesprochen. Dann haben wir uns zum Kaffee getroffen und über meinen Demoplan gesprochen. Ein paar Tage später sagte er mir, er und der Germanen MC Mannheim machen mit. Passiert ist dann das: Der Verein Arche Viva von Heiderose Manthey, die auch einen Fuß in der Demo haben wollte, hat zwei Videos gemacht, in einem Lokal, in dem ein paar Leute zu sehen waren und interviewt wurden. Das war kurz vor Weihnachten. Dann plötzlich war man der Meinung, noch ein Video von fahrenden Bikern machen zu müssen. Da war ich nicht anwesend. Beide wurden veröffentlicht, ohne dass ich sie gesehen habe. In einem Video war im Interview eine Person mit einer 88 auf der Kutte zu sehen. Daraufhin haben sich entsorgte Eltern bei mir beschwert und ich habe das auch nicht gut gefunden. Was auch immer die 88 bedeutet – jeder wird sich das so zurecht legen, dass die Demo nicht ernst genommen wird. Als ich den Einwand in den Raum stellte, rief der Otto alle auf, nun mit ihm die Demo zu machen und er verließ mit den Bikern die Gruppe. Und er rief die Karlsruher Gruppe auf, ihre Gruppe auch ohne mich zu machen. Mannheim und Karlsruhe eröffneten dann ihre eigenen Gruppen. Das Video löste bei den Betroffen auf Facebook viel Protest aus.



Schmerzt dich der Streit nicht sehr? Es geht ja um eine gemeinsame Idee und letztlich um eine gute Sache – um mehr Rechte und das Wohl von Kindern.
Sicher schmerzt es. Ich denke, wenn Otto meint, ich hätte einen Fehler gemacht und er könne das besser, dann hätte er alle Gruppen weitermachen lassen und die Demos in den vergangenen sechs Monaten noch weiter ausbauen müssen. Aber ihm ging es nach meiner Meinung nur darum, die Demo seine nennen zu können.

Warum gibt es mit Blick auf „die gute Sache“ kein Einlenken, keine Versöhnung?
Ich habe es Otto angeboten. Aber er ging zur Behörde in Mannheim und beantragte eine Demo genau zu dem Tag, zu dem ich die Demo angemeldet habe, nachdem ich die Planung bis dahin allein machen musste. Die ganzen Telefonate mit den Behörden, zum Beispiel, wann der Messplatz frei ist, mehrere Fahrtstrecken und Umplanungen mit den Städten Mannheim und Ludwigshafen musste ich neben den Facebook-Aktionen machen. Und zum Teil war ich in der Zeit noch in Reha wegen meiner Krebs- und Folgeerkrankung.

„Fachvorträge oder wer über das Problem spricht? All das wird nicht genannt“

Am 8. Juli finden jetzt zwei Demos in Mannheim und in Karlsruhe statt. Rechnest du mit einer großen Beteiligung – auch angesichts eures Zoffs im Team?
Es finden drei Demos statt. Auch eine in Berlin. Na ja, was ich so sehe ... auf den Flyern ist nur von Bespaßung der Kinder zu lesen, von essen und trinken. Fachvorträge oder wer über das Problem spricht? All das wird nicht genannt. Anwälte, die kommen wollten, der Verein „Väter für Kinder e. V.“ und andere Verbände sowie die Pop-Akademie haben nach meinem Ausscheiden ihre Teilname abgesagt. Die Berliner Demo ist jetzt dafür, dass noch mehr Kinder in Heime kommen – weil die Frau, die die Demo macht, in ganz Deutschland Heime aufmachen möchte, da mit Kindern viel Geld zu machen ist. 2015 kamen 77.600 Kinder in Heime. 2016 prüfte die EU in Deutschland das System und hat vieles untersucht. Eins der Ergebnisse: Jugendämter in Deutschland sind zum Teil kriminell. Videos zu dem Thema sind bei mir für Interessenten einzusehen.



Du bist also nicht mehr mit im Boot?
Nein, das bin ich nicht. Aber auf der Internetseite von Arche Viva von Heiderose Manthey, www.bikerdemo.com, werde ich immer noch als Veranstalter genannt und mit meinem Foto und Namen wird zu Spenden aufgerufen. Heiderose und Otto wurden schon mehrfach von mir aufgefordert, das zu ändern. Ohne Erfolg. Schon das Verhalten gibt zu denken.

Was ist dein Wunsch in Sachen „Bikerdemo“?
Dass sie sich nicht noch unglaubwürdiger machen.

„Ich habe für 2018 schon eine Demo in Mannheim angemeldet. Die wird mir keiner wegnehmen“

Wie sieht die Zukunft für dich und dein Engagement aus?
Ich habe für 2018 schon eine Demo in Mannheim angemeldet. Die wird mir keiner wegnehmen.

Gibt es einen Punkt, der dir noch wichtig ist, den du dringend loswerden willst?
Es ist schade, dass eine so wichtige Sache untergeht, weil Menschen nicht nachdenken; und dass Menschen ihre eigene Person wichtiger ist als die gute Sache.


8. Juli 2017: „Biker kämpfen zum Wohl aller Kinder“
Am Neuen Messplatz, Mannheim, Beginn 10 Uhr
Mehr Infos unter www.bikerdemo.com


Text: wehe
Bilder: Privat

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