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08.04.2017  |  Text: ahl  |   Bilder: ahl/zg
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Kolumne: Das letzte Wort


Tätowierungen geht es wie Wahrheiten: Sie gelten nicht ewig. Ahlsdorf behält darüber das letzte Wort


Keine Wahrheit gilt ewig. Diese bittere Pille müssen auch Harley-Fahrer schlucken.
Ahlsdorf spricht darüber das letzte Wort:

Ich komme jetzt ins Zartbitter-Alter. Jüngst habe ich einen Riegel dieser Altherren-Schokolade mit Genuss verzehrt – früher hätte ich davon kotzen können. Da krempeln sich wohl gerade meine Hormone um.

Bittere Pille für Harley-Fahrer

Was uns darüber belehrt, dass keine Wahrheit ewig gilt. Für Harley-Fahrer ist das eine bittere Pille. Schließlich soll Harley-Davidson sich einst damit gebrüstet haben, kein Motorrad zu verkaufen, sondern eine Philosophie – das Motorrad gäbe es nur umsonst dazu. Was aber, wenn Philosophien, Religionen und andere Glaubenssysteme nicht ewig gelten? Gilt das dann auch für Harley-Davidson?
Nun ist der persönliche Geschmackswandel von Nougat auf Zartbitter nur ein vereinzelter empirischer Wert. Aber hochrangige Philosophen konstatierten das Gleiche. Der griechische Philosoph Heraklit zum Beispiel prägte den Satz, wir würden niemals in den gleichen Fluss steigen. Friedrich Engels wiederum erklärte uns, dass auch das scheinbar ewig geltende Gebot „Du sollst nicht stehlen“ eines Tages nicht mehr gelten könnte. In der kommunistischen Gesellschaft zum Beispiel, in der ja niemand stehlen würde, weil niemand stehlen müsse. Und was es nicht gibt, das kann man auch nicht verbieten.
Unnötiges Wissen? Hirnwixerei? Ich kann mich an eine Scheibe aus den Neunzigerjahren erinnern, ihre Melodie geistert mir noch immer durchs Ohr. Ihr Refrain lautete: „Bones Forever – Forever Bones!“ Noch Fragen?
Es ist schön und warm und gemütlich in unserem Clubhaus, wenn wir wissen, dass wir ewig eines haben werden, weil unser Club ewig besteht. So jedenfalls predigt es die Biker-Philosophie. Aber meine Güte, ich kann die Clubs nicht mehr zählen, die ich hab kommen und gehen sehen. Sang- und klanglos sind immer die verschwunden, deren Member zuvor am lautesten von ihrer Bruderschaft getönt hatten. Meistens verschwanden sie aus allzu menschlichen Gründen, weil die frischgebackenen Brüder sich untereinander schnell zerstritten hatten.
Ein paar wurden auch aufgelöst, okay. In einer Radiodiskussion mit Soziologen hatte ich mal von einer „digitalen Ethik der Rocker“ gesprochen: Rocker kennen nur Ja oder Nein, Schwarz oder Weiß, Immer oder Niemals. Weil es in der echten Welt anders aussieht, so meine Erklärung, entstehen Rocker­kriege.

So vermeidet man Rockerkriege

Wir sollten alle etwas skeptischer an die Dinge herangehen und den Altersstarrsinn infrage stellen, den wir uns offensichtlich schon in jungen Jahren zugelegt haben. Und wenn der Fluss, in den wir steigen, niemals der gleiche ist, dann muss das ja nicht schlecht sein. Auf der Brust trage ich noch die jahrzehntealte Tätowierung eines Boxer-Motors, weil ich einst dachte, diesen Motor würde ich immer fahren. Aber gerade habe ich eine Harley geordert. Und das ist aufregend! Das muss an den Hormonen liegen. Und eine Harley ist schließlich die Zartbitter-Schokolade des Bikers.

Aus der BIKERS NEWS 02 / 2017

Text: ahl
Bilder: ahl/zg

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Ausgabe 9/17 erscheint am 18. August

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