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28.07.2017  |  Text: Michael Ahlsdorf  |   Bilder: bn
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Das letzte Wort


Wie laut darf man unter Harley-Bikern sein? Ahlsdorf ist leise, aber er hat das letzte Wort


Es war irgendwann Ende der Neunzigerjahre, auf einer der ersten Presserunden, zu denen Harley-Davidson einst regelmäßig geladen hat. Seinerzeit war Mick Hüby noch der Chefredakteur von „Fighters“ und plötzlich saß auch er mit am Tisch. Ich fragte mich damals, wie der Macher eines Streetfighter-Magazins es in diese Runde geschafft hatte.

Sterne am Motorradhimmel
Mick Hüby schaffte alles. Als Mann der Lautstärke und des Tempos legte er am Abend sogar noch ein paar Briketts obendrauf. Er fuhr unter großem Auftritt mit einer lautstarken Lotus Elise vor, das war schon mal der Gesprächsstoff für die erste Hälfte des Abends. Sein Gesprächsstoff. Die zweite Hälfte bestritt er, indem er von nichts anderem redete als von der neuen KTM. Damals gingen diese KTMs gerade als leuchtende Sterne am Motorradhimmel auf, aber für uns Chopperfahrer aus dem jenseitigen Universum waren sie nicht mal ein Wetterleuchten.
Doch Mick Hüby schaffte wirklich alles: Er brachte sogar die Runde der von großvolumigen Big Twins besessenen Biker zum Schweigen, indem er sie mit nicht auszubremsenden Schwärmereien über orangefarbige Sportmaschinen sprengte. Er hörte gar nicht auf zu reden. Und die sonst um Lautstärke nicht verlegenen Harley-Biker waren zur Stille verurteilt. Er hatte sie mit ihren eigenen Waffen geschlagen.

Mythos Harley-Pflicht
Eigentlich war ich ja nur neidisch. Unter fremden Bikern mache ich mich meistens verdächtig, weil ich mehr so der Stille bin, der sich alles aus der dunklen Ecke heraus anguckt. Ich würde gerne mal irgendwo hineinpoltern und mit lauter, whiskygetränkter Stimme den ganzen Laden schmeißen. So erwartet man es schließlich von einem Mann, in dessen Leben es hauptberuflich um Rocker und um Harleys geht.
Nun, nachdem mein Chef Tilmann mir erklärt hatte, dass es in dieser BIKERS NEWS noch mehr um Harleys geht als sonst und ich bitteschön ebenfalls was darüber zu schreiben hätte, musste ich mir dagegen auf die Zunge beißen: Zum wievielten Mal den ganzen Sermon über die Easy-Rider-Bikes, die Peter Fonda selbst kaufen musste, weil Harley für diesen Film keine Bikes zur Verfügung stellen wollte? Oder über das gespannte Verhältnis zwischen der Company und den Rockern, die einander lieben und hassen, aber ohne einander nicht leben können, weil jeder vom Mythos des anderen zehrt? Dann lieber über Sonny Barger, der mit dem Mythos von der Harley-Pflicht für Hells Angels aufgeräumt hat, weil amerikanische Biker nach seinem Verständnis eigentlich nur ein Bike aus dem eigenen Land fahren sollten. Das ist einleuchtend und nach dieser Logik dürfen natürlich britische Biker auch Triumph und deutsche Biker auch BMW fahren.

Ahlsdorfs erster Chopper war eine BMW

Bikes aus dem eigenen Land
Richtig. So habe ich es schon immer gesehen – nicht aus nationalistischen Gründen, sondern aus Gründen der Sozialisation. Ich bin nun mal in diesem meinem Land aufgewachsen und mit metrischen Gewinden groß geworden.
Obendrein hat ein Chopper widersinnig zu sein, das ist der kategorische Imperativ der Chopper-Philosophie. Und was ist widersinniger, als das spießigste aller Motorräder zu einem Chopper umzubauen, mit seinem für diesen Zweck völlig unpassenden Motor?
Es gab in den Achtzigern also viele gute Gründe für mich, einen BMW-Chopper zu bauen. Und ich behaupte, mein erster Chopper ist mir gelungen. Vielleicht sollte ich auf der nächsten Harley-Presserunde einfach mal nur von diesem BMW-Chopper reden? Sowas kann klappen, Mick Hüby hat’s bewiesen.
Euch aber zeige ich an dieser Stelle einfach nur ein Bild von diesem Chopper. In einem Magazin das vornehmlich über Harleys schreibt, habe ich über BMWs geschrieben. Und ihr Harley-Biker, die ihr sonst um Lautstärke nicht verlegen seid, musstet schweigen. So.

Zuerst erschienen in BIKERS NEWS 10/2016

Text: Michael Ahlsdorf
Bilder: bn

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