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13.04.2017  |  Text: Michael Ahlsdorf  |   Bilder: Volker Rost
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Panhead Bobber von U.S. Custombikes


Auf dieser Panhead von U.S. Custombikes könnt ihr die Tugenden der guten alten Zeit auf zwei Rädern erleben – sie ist ein astreiner Bobber


Alte Technik kann schneller sein. Diese Panhead zündet zum Beispiel ohne die übliche Gedenkminute neuer Bikes, in der Displays geladen werden und die Elektronik sich selbst abfragt. Ihr müsst auch keine Menüs aufrufen, nachdem ihr den Zündschlüssel gedreht habt, um erst mal den Fahrmodus einzustellen. Stattdessen dreht ihr einen metallenen Knauf und dann … ja, dann …

Im Labyrinth der Kraftstoffleitungen

Wie war das nochmal? Wie startet man ein echtes altes Motorrad? Zum Glück nehmen wir vor Testfahrten keine Drogen, sonst wäre uns schon beim Anblick der Kraftstoffleitungen schwindelig geworden. Die winden sich gleich in mehrfachen Lagen, mit T-Stücken verzweigt unter dem Tank. Udo Sacher von U.S. Custombikes hat sich den Spaß gemacht und zwei Benzinhähne eingebaut. Einen für „Auf“ und einen für „Reserve“, beide mit unterschiedlich langen Einlaufröhrchen, aber die kann man im eingebauten Zustand ja nicht sehen. Erst nachdem Udo uns aufgeklärt hat, öffnen wir den richtigen Hahn.
Aber dann. Zündknauf drehen und rechts die Gemischanreicherung dieses sexy S&S-Vergasers hochziehen. Der hat zwei winzige Stufen, in denen das Rädchen lieblich einrastet.

Und jetzt treten!

So schlimm ist das nicht an dieser betagten Panhead: Oberen Totpunkt suchen und rein! Ein Zweitakter tritt sich zwar immer noch leichter, aber Kompression ist anders. Im Jahr 1948 hat man darauf noch nicht so viel Wert gelegt.
Schwieriger ist es, den einmal randalierenden Panhead nicht wieder absterben zu lassen. Das Spiel zwischen Gas und Choke ist Nervensache. Aber irgendwann läuft der Big Twin rund – soweit ein Big Twin unter polterndem „Potato Potato“ rund laufen kann.
Kupplung ziehen, Gang rein, kommen lassen. Das gewaltige „Klonk“ der modernen Twin-Cam-Getriebe ist eine Erfindung der Marketingabteilung von Harley-Davidson im neuen Jahrtausend. Alte Harleys mit der „Pre-Unit“ genannten Aufteilung zwischen Kurbel- und Getriebegehäuse nehmen die Gänge verhalten und leise an. Die Wege dieses Getriebes aber sind laaang. Hier muss schon mal das ganze Bein gehoben werden, um den nächsten Gang einzulegen. Es sind ja nur vier, da sind wir schnell oben angekommen.
Umso mehr rasselt die Kupplung ihre röchelnde Melodie. Einmal ziehen, und wir vernehmen den Sound der guten alten Bikertreffen auf den Ackern der Achtzigerjahre! Und die Fahrt vermittelt uns noch mehr das Feeling dieser guten alten Zeit. Gemütlich poltert es sich nach vorn, begleitet von kleineren Fehlzündungen, die den Dinosaurier nicht aus dem Schwung bringen. Im Stand vor Kreuzungen und Ampeln steigen dann die Düfte hoch: Öl, Benzin und altes Eisen. Das ist Wellness für den Mann.

Über Bremsen und Reifen

Achtung, vorausschauend fahren! Die Pan hat tatsächlich die Trommelbremsen ihrer ersten Tage. Auch hinten sind sie noch nicht hydraulisch verstärkt. Vorn müssen wir deshalb lange Wege mit dem Stiefel bewältigen, bis sich das Bremssignal zu den Trommeln durchgesprochen hat. Der Bremshebel liegt dann dicht am Asphalt, tückisch in Rechtskurven.

Vorausschauend fahren! Das sind noch echte Trommelbremsen aus dem Jahre 1948

Die Avon-MK-II-Bereifung ist sowieso nichts für die Kurven. Schnell fährt man mit diesen Reifen auf der Kante. Dafür halten die Reifen ewig. Ehe ihr das Profil abgefahren habt, sind sie hart wie Holz.
Warum dann Avon? Weil’s gut aussieht – so gut wie dieser Bobber, der eben nur von echten Kerlen gefahren werden kann, die alles haben wollen, was schon vor einem halben Jahrhundert gut war.

Keine Angst vor starren Rahmen

Ein letztes Wort zum Starrrahmen: Keine Angst, er tut nicht weh. Wer nicht ausladende Apehanger bevorzugt und deswegen senkrecht sitzen muss, der steckt die Schläge locker weg. Es ist ja immer nur einer pro Bodenwelle. Und stabil ist das Fahrverhalten eines Starrrahmens allemal. Er fährt sich neutraler als manch eine Schwingenkonstruktion, die sich in der Beschleunigung hebt oder senkt. Ein Starrrahmen drückt dagegen nur nach vorn.
Inzwischen kriegt man starre Rahmen sogar mit Zulassung aus dem neuen Jahrtausend. Eine Menge Hipster sind scharf drauf. Nur wenn sie ihre neue Harley im so oldstylig wirkenden Fahrwerk starten wollen, kämpfen sie sich erst mal durch Displays, Menüs und Elektronik. So lernen sie schon früh das Warten – aber das ist ja auch eine Tugend der guten alten Zeit.

TECHNISCHE DATEN „U.S. Custom Bobber“

Motor
Typ: Panhead, Bj. 1948
Hubraum: 1200 ccm
Leistung: 48 PS
Getriebe: 4-Gang, Ratched Top
Primärantrieb: 5“-Belt im Kasten
Sekundärantrieb: Kette

Fahrwerk
Rahmen: Wishbone, Bj. 1948
Gabel: original Springergabel
Räder: 4“ x 16“
Reifen: Avon Mk II 5“ x 16“
Bremsen: original Trommel

Sonstiges
Schalldämpfer: 1,5“, Fishtail upswept
Lenker: U.S.C.B.
Tank: Race-Tank, geschmälert
Lack: Painted Steel, Christian „Monster“ Moser

Kontakt
U.S. Custombikes
Röllfelder Straße 16
63920 Großheubach
Tel 09371 - 682 35
www.us-custombikes.de

Zuerst veröffentlicht in BIKERS NEWS 02/2017
 

Text: Michael Ahlsdorf
Bilder: Volker Rost

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Ausgabe 9/17 erscheint am 18. August

Im Huber-Verlag erscheinen auch:


Stand:24 July 2017 14:51:47/blog/panhead+bobber+von+us+custombikes_174.html