Checkpoint der Rocker


Was ist ein MC?

Abkürzung für: Motorcycle Club
In alten Dokumenten findet sich auch andere Bezeichnungen, wie "Motorcycle Corporation", oder einfach nur "Motorcycle". Unter allen Biker-Gemeinschaften ist der MC am strengsten organisiert. Die Buchstaben "MC" stehen nicht jedem Club zu.

Was ist ein Chapter?

Wörtlich: Kapitel. Ein MC besteht in der Regel aus 10 bis 20 Mann an einem Ort. Erteilt der Club Gemeinschaften an anderen Orten die Erlaubnis, unter dem gleichen Colour und Namen zu fahren, so heißen sie Chapter. Große MCs führen in Deutschland bis zu 40 Chapter. Für die gleiche Sache sind auch andere Begriffe möglich: Beim Hells Angels MC heißen die Chapter "Charter", beim Army Vets MC "Division", beim Chopper Club "County".

Wie gründe ich einen MC?

Grundsätzlich geht das nicht über Nacht. In jedem Fall müsst Ihr als solide Gemeinschaft in der Szene eingeführt sein. Lasst Euch also lange genug und zunächst ohne Colour blicken, macht Euch bekannt bei den benachbarten Clubs und sprecht Euch mit ihnen ab. Andernfalls kann es Ärger geben. MCs erheben nämlich häufig Gebietsansprüche. Eine Anzeige in den BIKERS NEWS Clubnachrichten ist hilfreich.

Was sind Gebietsansprüche?

Clubs sehen es nicht immer gerne, wenn in ihrer Nachbarschaft oder gar im gleichen Ort ein weiterer Club aufgemacht wird. Als Grund wird die Vermeidung von Verwechslungen vorgegeben, weil am Ende sie die Polizei vor der Tür haben, wenn andere Stress machen. Das muss nicht immer stimmen. Grund für Gebietsansprüche sind oft genug auch nur einfaches Revierverhalten und der Ehrenkodex, sich als Club für seine Sache gerade zu machen. Die kommerziellen Gründe werden überschätzt, auch wenn sich mit einem Club und seinen Institutionen, wie Tätowierstudio oder Motorrad-Werkstatt, durchaus ein wenig Geld verdienen lässt.

Gibt es kriminelle MCs?

Grundsätzlich nicht! Aber Rocker sind keine Modelleisenbahner. So kommt es vor, dass einzelne Mitglieder oder gar ganze Clubs ins Rotlichtmilieu, in Drogenhandel oder Schutzgelderpressungen verwickelt sind. Andere tun gerne so, als wäre das der Fall, weil sie sich mit einem gefährlichen Eindruck schmücken wollen. Das sind allerdings Ausnahmen, die von der bürgerlichen Presse vor allem in den Sommerlöchern gerne breitgetreten werden.

Wie werde ich Mitglied in einem MC?

Lasst Euch in der Szene blicken. Kontaktadressen findet ihr in der BIKERS NEWS oder auf Clubveranstaltungen. Jeder Club macht in der Regel eine Party im Jahr und veranstaltet offene Abende in seinem Clubhaus. Dort werdet Ihr schon ins Gespräch kommen, wenn Ihr nicht aufs Maul gefallen seid.
Besauft Euch nicht sinnlos und rempelt keinen an. Schwallt niemanden voll, gebt nicht an, seid offen und ehrlich. Dann werdet Ihr Anschluss finden. Alles weitere ergibt sich. Auf eine eventuelle Mitgliedschaft werdet Ihr beizeiten angesprochen, brecht nichts übers Knie!

Wie verläuft der weitere Weg zur Mitgliedschaft?

Zunächst wirst Du ein sogenannter "Hangaround" sein. Du hängst halt mit dem Club rum und machst vieles ohne Colour mit. Die offizielle Anwartschaft beginnt als "Prospect". Da trägst Du einen Teil des Colours und musst Dich über längere Zeit in Deiner Zuverlässigkeit für den Club bewähren. Erst dann wirst Du eines Tages vollwertiges Mitglied, also "Member".

Könnt ihr mir mal eben eine Liste aller Clubs rübermailen?

Nein. So eine Liste gibt es nicht, nicht mal in Deutschland, und das ist gut so. Auch wir sind nicht die Verwalter der Szene, zumal die Clublandschaft viel zu lebendig ist, als das sie sich so einfach verwalten ließe.
Für einen ersten Überblick können wir die BIKERS-NEWS-MC-Liste empfehlen. Sie ist allerdings nicht vollständig, denn viele Clubs wollen nicht in irgendwelchen Listen geführt werden.

Woher bekomme ich dann die Adresse eines MCs?

Die findest Du in den Clubnachrichten der BIKERS NEWS oder in unserer Linkliste auf dieser Homepage. In den Clubnachrichten geben wir den MCs jeden Monat aufs Neue die Möglichkeit, ihre Adresse zu veröffentlichen. Tun sie das nicht, haben sie ihre Gründe dafür. Die Redaktion der BIKERS NEWS gibt deshalb keine weiteren Adressen an Leser oder Clubs weiter.

Wie finde ich raus, welche Clubnamen oder Colours schon vergeben sind?

Gewisse Namen und Namenskombinationen sind schon mehrfach vergeben. Wer jetzt noch die Wörter "Black", "Death", "Rider" oder "Biker" in seinem Namen unterbringen will, ist nicht nur phantasielos, sondern selbst schuld. Auch gewisse Farbkombinationen in Schriftzügen sind schon vergeben. Sie sind allerdings zu vielfältig und auch oft regional gebunden. Wir können sie hier nicht aufzählen, zumal keine dieser Auskünfte in der bunten und schnellebigen Clublandschaft jemals verbindlich sein könnte. Lies aufmerksam die Clubnachrichten und halte Dich eine Weile in der Szene auf. Dann bekommst Du ein Gespür für das, was geht.

Was ist ein Colour?

Das Colour ist das Wappen eines Clubs, das auf dem Rücken der Kutte getragen wird. Es ist in der Regel dreiteilig mit Namen ("Top Rocker"), Bild ("Centercrest") und Herkunftsort ("Bottom Rocker"). Dazu kommen die Buchstaben "MC". Einzelne der gebogenen Schriftzüge werden auch an der Vorderseite der Kutte als "Side Rocker" getragen. Clubs sehen es nicht gerne, wenn ihr Colour oder Teile davon, manchmal auch nur Farbkombinationen oder Schriftzüge, kopiert werden. Wir haben uns in Deutschland für die Schreibweise "Colour" entschieden. In den USA heißt es gelegentlich "Color", meistens aber "Backpatch".

Was ist eine Kutte?

Ärmellose Weste des Bikers aus Jeans-Stoff oder Leder. Clubs versehen sie mit Colour und Abzeichen, die über die Zugehörigkeit und Funktion in der Clubhierarchie Auskunft geben. Damit wird die Kutte zum Heiligtum ihres Trägers. Es gibt in Rockerkreisen keine größere Erniedrigung, als das gewaltsame Abnehmen der Kutte. Lederweste "Biker" von BIKERS NEWS, erhältich im SzeneShop, Art.-Nr. 150939, 169,00 Euro

Dürfen Freebiker ein Colour tragen?

"Freebiker" sind freie Biker, also Biker ohne Mitgliedschaft in einem Club. Es wäre ein Widerspruch in sich, als Freebiker mit einem Colour unterwegs zu sein. Trotzdem probieren es viele, oft mit Rückenabzeichen aus einem Katalog. Wer so unterwegs ist, macht sich bei Einprozentern lächerlich.
Wer Freebiker ist, und trotzdem ein Abzeichen auf dem Rücken tragen will, dem empfehlen wir unser "Independent Biker"-Patch aus dem Szeneshop. Diese Patches sollen nicht mit Clublogos verwechselt werden. Sie haben deshalb das kleine Format eines Brustbalkens und können auf der Brust oder auf dem Ärmel getragen werden.
 

Was für ein Colour darf man tragen?

Grundsätzlich gilt nur eins: Jeder Rückenaufnäher sollte mit Bedacht aufgetragen werden. Empfehlenswert bei Neugründungen von Clubs oder Fahrgemeinschaften ist darüber hinaus immer ein Inserat in unseren Clubnachrichten. Und nach der Veröffentlichung wartet einfach auf das, was passiert.
Wir können Euch aber weder Lebenshilfe und Beratung in Stilfragen bieten, noch versenden wir Formulare für Einsteiger. Grundsätzlich gibt es keine Gesetze in der Szene, die wir womöglich kodifizieren oder verwalten. Sowas schaffen nicht mal deutsche Rocker.

Was ist ein Einprozenter?

1 prozenterDas 1%-Patch geht auf ein Ereignis im Jahr 1947 in Hollister zurück. Während eines Renn-Wochenendes kam es zu Schlägereien und Auseinandersetzungen mit der Polizei, die später als "Hollister Bash" bezeichnet wurden. Die American Motorcycle Association (AMA) soll damals die Wogen zu glätten versucht haben, indem sie verkündete, dass nur ein Prozent aller Biker zu derartigen Ausschreitungen neigen. Dabei kann es sich um eine Legende handeln, denn die AMA dementiert eine solche Behauptung. Trotzdem tragen die Outlawbiker seitdem das 1% Patch in ironischer Verkehrung - aber auch mit Stolz.

Welche Gesetze gelten in der Szene?

Niemand führt ein Gesetzbuch, und es gibt auch keine Richter, deren Spruch Gültigkeit hätte. Auch wir sind weder Richter noch Gesetzgeber. In unserem Buch "Alles über Rocker" schildern wir viele Fälle, die mit den ungeschriebenen Gesetzen unter Bikern und MCs zu tun haben. Sie sind insofern sehr lehrreich.
Darüber hinaus gilt nur eines: Voreiligkeit ist fehl am Platz. Wer über Nacht einen MC gründen will, weil ihm gerade ein Colour-Motiv eingefallen ist, aber noch nicht mal eine Mitgliedergemeinschaft vorweisen kann, der sollte sich über keine Folgen wundern. Es ist grundsätzlich ratsam, sich mindestens eine Saison in der Szene aufzuhalten und Treffen zu besuchen, um ein Gespür für die möglichen Umgangsformen zu bekommen.

Was für ein Motorrad brauche ich als Rocker?

Hängt ganz vom Club ab. Bei vielen ist in der Clubsatzung der Besitz einer Harley vorgeschrieben. Ansonsten werden Chopper jeder Art bevorzugt. Das sind Motorräder, die aller überflüssigen Zubehörteile entledigt wurden, um ein möglichst schnörkelloses und ehrliches Motorrad zu fahren. Schnell muss es nicht immer sein, aber laut und in keinem Fall von der Stange!

Wie bekomme ich so ein Motorrad?

Tja, genau die Erfahrung muss jeder echte Biker und Rocker selbst machen. Man kann eben nicht alles fertig kaufen. Genau darüber beweist ein Biker, was er kann. Tipps, wie man sich eine Harley baut, "die lang, schwarz und böse aussieht", geben wir deshalb nicht! Im Ernst, solche Fragen flattern immer wieder bei uns rein.
Wer zwei linke Hände hat und trotzdem dazugehören will, kann sich an professionelle Schrauber wenden, die sogenannten "Customizer". Von denen findet ihr jeden Monat neue Inserate in unserer BIKERS NEWS.

Wie kommt man an eine Helmbefreiung?

Eine Helmbefreiung ist mit ärztlichem Gutachten möglich. Unsere Erfahrung damit: Ihr werdet täglich einmal von der Polizei angehalten und müsst eure Helmbefreiung aus der Jacke zerren. Bei der Gelegenheit wirft der Wachtmeister auch gleich mal einen genaueren Blick auf euer Maschinchen.

Muss mein Helm eine bestimmte E-Norm erfüllen?

Nein. Auch Helme ohne E-Norm sind zulässig, die Straßenverkehrsordnung schreibt lediglich das Tragen eines "geeigneten" Schutzhelmes vor. Aber da Richter in entsprechenden Prozessen meistens keine Ahnung von der Materie haben, geben sie für ihre Urteilsfindung den Helmen mit Normen den Vorzug.
Im Falle eines Unfalles könnte es außerdem passieren, dass eure Versicherung sich beim Zahlen querstellt.
Offiziell nicht zulässig sind nur Helme, die offensichtlich keine ausreichende Schutzwirkung bieten, wie beispielsweise Bau-, Feuerwehr- oder Stahlhelme.

Kann die Polizei mein Motorrad nur aufgrund einer vermeintlich zu lauten Auspuffanlage auf der Stelle beschlagnahmen und in Verwahrung nehmen?

Normalerweise bekommt man einen Mängelbescheid und gegebenenfalls die Aufforderung zu einer weiteren Vorführung. Aber auch die Polizei weiß inzwischen, dass ihre Klienten zur Vorführung ordentliche Dämpfer anschrauben, um just danach wieder mit Knalltüten weiterzufahren. Deshalb zieht sie die Fahrzeuge oder auch nur die Dämpfer zur Beweissicherung ein. Bei Harleys ist das inzwischen die Regel, nicht die Ausnahme. Wer mit Knalltüten fährt, für den gilt nämlich nur eins: Er darf sich nicht erwischen lassen!

Könnt Ihr Anwälte empfehlen, wenn es hart auf hart kommt?

Wir führen

hier

eine nach Postleitzahlen sortierte Liste mit Anwälten, die sich für Biker engagieren. Von denen dürfen wir aber aus wettbewerbsrechtlichen Gründen keinen empfehlen. Ihr müsst selbst checken, ob die Männer fit sind. Eure Erfahrungen interessieren uns dann natürlich.

Die bei euch abgebildeten Motorräder haben ungewöhnliche Kennzeichenkombinationen.
Wo bekommt man die zugeteilt?


Nirgends. Da auch Behörden unser Heft mitlesen, bearbeiten wir die Kennzeichen, damit die Besitzer der Motorräder keinen Ärger bekommen.


Text: Dr. Michael Ahlsdorf
Bilder: ---

Stand:23 September 2017 11:10:51/extras/rocker+faq/