70 Jahre Hells Angels MC

15.04.2018  |  Text: Tilmann Ziegenhain  |   Bilder: Philip Nürnberger
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70 Jahre Hells Angels MC
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Im März feierte der Hells Angels MC sein 70-jähriges Bestehen. Die offizielle Europa-Party stieg in Berlin
Samstag, 17. März 2018, Berlin. Dutzende Biker aus Deutschland und ganz Europa stehen bei eisigen Temperaturen in einer Schlange und warten. Sie alle wollen ins Clubhaus des Nomads-Charters im Stadtteil Marzahn-Hellersdorf. Und es werden immer mehr, denn dort steigt die offizielle europäische Party zum runden Geburtstag des Hells Angels MC – auf den Tag genau vor siebzig Jahren wurde der Club im kalifornischen San Bernardino County gegründet. Grund für die Wartezeiten von bis zu anderthalb Stunden und mehr sind aber nicht organisatorische Probleme der Gastgeber, sondern die Kontrollen der Polizei. Die ist mit zwei Hundertschaften und LKA-Mitarbeitern vor Ort, insgesamt sind es über zweihundert Beamte und Dutzende Einsatzwagen, dazu kommen Zelte, Absperrungen und Flutlichter. Jeder Gast wird intensiv durchsucht und muss sich ausweisen. Die Aufgaben sind dabei gendersensibel verteilt: Männliche Polizisten tasten ab, die Kolleginnen übernehmen die Schreibarbeit am Computer. Auch Kutten werden fotografiert und Clubzugehörigkeiten abgefragt. Auf die Frage, ob es einen besonderen Anlass oder Hinweise auf eine Gefährdungslage gebe, die den Aufwand rechtfertigen würden, heißt es von Seiten der Beamten: „Nein – das ist in Berlin Standardprogramm.“

Trotzdem hat die Polizei offensichtlich immer noch keine eigenen Kontrollscheine anfertigen lassen und stattdessen Vorlagen für Fahrzeugkontrollen umfunktioniert. Um Verwechslungen zwischen Mensch und Maschine auszuschließen, haben sie die Zeile „Dieses Fahrzeug wurde kontrolliert“ vorsorglich durchgestrichen. Doch immerhin: Nach dem Prozedere hat jeder Gast nun einen Zettel mit seinem Namen und einer Nummer. Wer das Gelände der privaten Party im Laufe des Abends verlassen und erneut betreten wolle, würde beim zweiten Mal schneller abgefertigt, so die Polizeibeamten; das heißt zwar ein weiteres Mal Durchsuchen, aber keine zweite Aufnahme der Personalien. Ein Service, der freilich weniger aus Rücksicht auf die Gäste angeboten wurde, sondern vielmehr, um unnötige Doppelungen im Datensatz zu vermeiden.

Rund 250 Polizisten kontrollieren alle Gäste, die sich deshalb auf lange Wartezeiten einstellen müssen
Rund 250 Polizisten kontrollieren alle Gäste, die sich deshalb auf lange Wartezeiten einstellen müssen


So oder so: Wer einmal drin ist, will ohnehin nicht wieder raus – schließlich herrscht auf dem Gelände der Nomads eine ausgelassene, gemütliche Feierstimmung. Hinter dem Clubhaus haben die Member zwei große Zelte aufgebaut, in denen neben einer Bühne und einem Verkaufsstand mit Support-Stuff auch fürs leibliche Wohl gesorgt wird. Und auch das Clubhaus selbst steht den Besuchern offen. Dort tauscht man sich am Tresen aus, erweist den verstorbenen Membern aus aller Welt, denen ein separater Raum im Erdgeschoss gewidmet ist, die Ehre oder bestaunt die zahlreichen, üppigen Geschenke diverser Clubs.

Zu denen gesellen sich fast noch einmal so viele Geschenke verschiedener Hells-Angels-Charter für Django. Der hatte am Tag zuvor nämlich sein 40-jähriges Anniversary im Rahmen eines Abendessens gefeiert und zählt damit zu den dienstältesten Hells Angels aus Deutschland – nur vier oder fünf Member sind länger dabei. Django ist über die Grenzen Deutschlands hinaus eines der bekanntesten Gesichter des Clubs – was nichts daran ändert, dass auch er heute rund zwei Stunden warten muss, bis er die Kon­trollen passiert hat. „Die Politik tut alles, um die Szene zu zerstören. Das verstößt klar gegen die Menschenrechte, zu denen sich auch Deutschland bekannt hat. Für uns gibt es darauf nur eine Antwort: jetzt erst recht!“, kommentiert Django.

Auf der Bühne sorgt derweil ein bunt gemischtes musikalisches Programm für die Unterhaltung von Membern und Freunden des Clubs. Den Anfang macht der in der MC-Szene gern gebuchte und selbst Motorrad fahrende Ski-King, der mit beliebten, rockigen Klassikern die ersten Füße zum Wippen bringt, gefolgt von Hot Jumpin’ 6 und ihrer handgemachten Mischung aus frühem, authentischem Rhythm ’n’ Blues und Rock ’n’ Roll. Zum Abschluss werden mit den drei Drummern von Stamping Feet wieder modernere Töne angeschlagen. Die Gruppe covert bekannte Songs des Pop- und Rock­universums und verpackt ihre Trommelrhythmen in eine Entertainment-Show im Stil der Blue Men Group. Die Stimmung vor der Bühne ist prächtig und vor allem die Ladys sind im ausgelassenen Tanzmodus.

André vom gastgebenden Nomads-Charter begrüßt die Gäste. Danach eröffnet Budde (links) das Buffet
André vom gastgebenden Nomads-Charter begrüßt die Gäste. Danach eröffnet Budde (links) das Buffet


Zwischen den Bands betreten immer wieder Member die Bühne. Zuerst natürlich die gastgebenden Nomads: President André begrüßt das internationale Publikum mit einer kurzen englischen Ansprache, während Budde im Anschluss daran das Tortenbuffet mit dem Hinweis eröffnet, man möge die mit dem Death Head geschmückten Kalorienbomben nicht einstecken, sondern sich hier und jetzt einverleiben. Auch Frank Hanebuth und die Hannoveraner Hells Angels betreten die Bühne. Nachdem Frank den geschichtsträchtigen Abend genutzt hat, um drei neue Member im Charter H.A.nnover aufzunehmen, dankt er noch einmal den Nomads um Presi André für den großen Aufwand, den sie in die Organisation der Party gesteckt haben. Dann richtet er das Wort erneut an die Gäste, die sich vor der Bühne versammelt haben: „Schön, dass ihr alle hier seid; schön, dass wir hier waren“. Mit einem dreifachen „AFFA“ verabschieden sich sein Charter und er – denn in Hannover steht am gleichen Abend noch eine andere Veranstaltung auf dem Programm.

Die Brüder in den USA feiern zeitgleich. Gastgeber ist das kalifornische Mothercharter Berdoo
Für den letzten offiziellen Teil des Abends kommen dann zur vorgerückten Stunde noch einmal die Nomads auf die Bühne. Zuvor haben sie die Gäste gebeten, sich vor der Bühne zu versammeln, denn nun sollen alle den Brüdern in den Staaten zuprosten. Die Meute kommt der Bitte natürlich gerne nach; und so heben Hunderte Hells Angels, Member anderer Clubs und Freunde die Gläser und trinken auf die Brüder in den USA, die – mehr oder weniger zeitgleich – ebenfalls feiern. Gastgeber ist dort natürlich das Mothercharter Berdoo. Dessen Member haben sich dabei etwas ganz Besonderes für die Gäste ausgedacht, denn die nehmen mit ihren Tickets automatisch an der Verlosung einer Road Glide teil. Zuvor hatten sie der Harley eine Jubiläums-Lackierung verpasst: Stilecht im Look eines Bombers, samt Pin-up – passt, schließlich geht der Name des Clubs auf eine amerikanische Bomberstaffel zurück.

Und die Party in Berlin? Die verläuft friedlich, bis in den frühen Morgen – und das auch ohne die Polizei, die irgendwann im Laufe der Nacht ihre Stellung räumt.    
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Stand:22 April 2018 16:29:34/magazin/70+jahre+hells+angels+mc_18410.html