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  38. Jahrgang • Heft 419 • 03/2017  

 
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checkpoint… Prost Mahlzeit, jetzt haben wir den Salat:
Am 19. Januar haben Union und SPD das verschärfte Vereinsgesetz beschlossen. Das ist aber nicht der Grund, warum Rolling-Wheels-Member Harty und meine Wenigkeit sich hier einen Schnaps gönnen – doch dazu später mehr.
Bemerkenswert am Votum des Bundestages ist, dass den Abgeordneten die Bedenken bekannt waren, die im Rahmen der öffentlichen Anhörung des Innenausschusses im Dezember geäußert worden waren. Dort hatten zwei renommierte Jura-Professoren begründet, warum das Gesetz in dieser Form nicht haltbar ist. Unter anderem hatten sie argumentiert, das Grundrecht auf Vereinigungsfreiheit könne nicht einfach eingeschränkt werden, nur weil man das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung stärken wolle.
Auch Uli Grötsch von der SPD-Fraktion hat das persönlich gehört, verlor am 19. Januar allerdings kein Wort darüber, im Gegenteil. O-Ton Grötsch: „Uns geht es (…) darum, den Bürgerinnen und Bürgern unseres Landes ein Gefühl der Sicherheit zu vermitteln ...“ Zumindest in seinem Fall liegt der Verdacht also nahe, dass es der Politik darum geht, von anderen Problemen abzulenken.
Auch Parteikollegin Susanne Mittag hatte die Experten gehört, auch sie sprach am 19. Januar im Bundestag. In ihrem Fall können allerdings nicht ohne Weiteres böse Absichten unterstellt werden – sie weiß es einfach nicht besser. O-Ton Mittag: „Wenn man sich einmal die Mühe macht, den Begriff ,Rocker‘ im Netz zu suchen – es suchen ja alle immer gerne im Netz –, erhält man zunächst seitenweise Aufzählungen (…) aus dem Bereich der organisierten Kriminalität.“
Ich muss zugeben, dass mich das verunsichert hat. Bis dato kannte ich nämlich nur die Variante, dass Experten und Politiker wenigstens so tun, als würden sie nicht nur googlen. Doch offensichtlich war es Frau Mittag wichtiger zu betonen, dass sie im digitalen Zeitalter angekommen ist. Man lernt nie aus.
Wer allerdings geglaubt hat, der Tiefpunkt der Debatte sei mit diesem Beitrag erreicht, wurde eines Besseren belehrt. Thorsten Hoffmann von der Union braucht nämlich nicht mal eine Tastatur, ihm reicht die Fernbedienung. So läuft die politische Bildung ganz einfach nebenher im Rahmen eines gemütlichen Fernsehabends: „Wenn sich jemand ein wenig mit der Rocker- und Motorradszene auskennt, stellt er fest, dass [Sons of Anarchy] durchaus einen hohen Realitätsgehalt hat. (…) ich möchte nicht, dass Fernsehserien zu einer von uns akzeptierten Wirklichkeit werden.“
Ich muss es in meiner jugendlichen Naivität noch einmal betonen: Demokratie lebt davon, dass man miteinander redet. Dass man zwar auch mal zugespitzt, leidenschaftlich und vereinfachend argumentiert, dabei aber bei den Fakten bleibt und gewisse Umgangsformen respektiert. Zu letzteren hätte auch gehört, dass die Abgeordneten sich mit den betroffenen Clubs in Verbindung setzen, um ihre Meinung zu hören – eigentlich ganz einfach.
Trotzdem: So richtig aufgeregt habe ich mich auch nicht – eher fremdgeschämt. Nein, die Bundestagsdebatte vom 19. Januar war alles andere als eine Sternstunde der Demokratie.
Und da kommen wir zum Bild von Harty und mir, das bereits im Dezember entstanden ist. Auf unserer CUSTOMBIKE-SHOW hatte ich mich auf die Suche nach waschechten Rockern begeben. Neben der Hauptbühne haben wir sie dann fotografiert, als Belohnung gab’s einen leckeren Haselnussschnaps aus meinem Privatbesitz. Unter dem Titel „Eine Szene, viele Gesichter“ präsentieren wir nun in jeder Ausgabe einen dieser geilen Typen.
Es gibt also trotz dieses irrsinnigen Gesetzes, trotz der Politik mit ihren alternativen Fakten, ihrer Unwissenheit und Ignoranz genug Gründe, die Tassen zu heben. Einer ist, dass die MC-Szene weiter bestehen wird – und dass selbst die Abgeordneten das wissen.

 

Stand:22 January 2018 03:41:02/magazin/bikers+news/content-23246_40-23224_60.html?s=