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Aktuelle Ausgabe PROBELESEN »


  38. Jahrgang • Heft 421 • 05/2017  

 
  STORYS und EVENTS  
  • Die Russen kommen! Nightwolves MG in Berlin
  • Colour-Verbot: Was jetzt alles verboten ist
  • Bandidos MC Herne East: Polizei auf Zick-Zack-Kurs
  • Hells Angels MC Bonn: Rocker auf dem Klageweg
  • Daytona 2017: Make Bike Week Great Again
                      
  CLUBLEBEN  
  • Born to be Wild MC: 40 Jahre in Memmingen
  • Die verschollene Kutte: Eine Biker-Kutte auf Irrwegen
  • Warlocks MC: 50 Jahre Clubgeschichte
  • Back to the Roots, Teil 22: Fips’ erstes Bike: „Kreidler fahren …“
 
                              
   BIKES und TECHNIK   
  • Frisco 74: Fußkupplungs-Shovel im Fahrtest
  • Custom Three-Wheeler: VG-Trike mit Indian-Motor
  • Unter Spannung: Steuerketten-Wechsel beim Twin Cam
            
  AUS DER SZENE  
  • Blood Red Section MC Plauen
  • Born to be Wild MC Berlin
  • Celler MC: Kickerturnier
  • 40 Jahre Highway Driver MC WHV
  • Road Eagle MC Arnsdorf
  • Lobo MC Bretten
  • Rolling Wheels MC Berlin
  • Bastards MC: Burlesque Party
  • Devils MC Ungarn: Motor Show
           
  STANDARDS  
  • Checkpoint
  • Rocker des Monats
  • Leserbriefe
  • Jail Mail
  • Clubnachrichten
  • Abonnement
  • Swapmeet
  • Anzeigenindex
  • News & Händlermeile
  • Termine
  • Kolumne: Das letzte Wort
  • Impressum und Vorschau
     

… Die Angst vor den Russen sitzt tief im Bewusstsein der Deutschen – „die Russen kommen“, das heißt nichts Gutes, das heißt Frauen und Uhren in Sicherheit bringen. Dass sie einst kommen mussten, um sich und uns von den Nazis zu befreien, wird oft vergessen.
Dass sie heute kommen wollen, um daran zu erinnern, leider ebenfalls.
Der 9. Mai gilt bis heute als wichtigster Feiertag Russlands. Jedes Jahr erinnert man sich dann an den Sieg im Großen Vaterländischen Krieg. 2015 jährte sich das Ende des
Zweiten Weltkriegs zum 70. Mal. Damals fuhr der russische Motorradclub Night Wolves MG erstmals entlang der einstigen Marschroute sowjetischer Truppen von Moskau nach Berlin –
unter großer öffentlicher Beachtung. Westliche Medien und Behörden waren sich dabei einig: Die Night Wolves seien ein nationalistischer Club, der den expansiven, autoritären Kurs Putins unterstütze – um das Andenken an die Opfer des Krieges ginge es den Bikern dagegen nicht. Auch das Bundesinnenministerium und das Auswärtige Amt erklärten hochoffiziell, die Gedenkfahrt fördere die deutsch-russischen Beziehungen nicht.
Ganz von der Hand zu weisen sind diese Vorwürfe sicherlich nicht: Russlands Demokratiedefizit ist offensichtlich und Night-Wolves-Präsident Chirurg und Putin verbindet eine gestandene Männerfreundschaft, der Club ist also bestens ins politische System integriert. Das wiederum rechtfertigt aber nicht, wie vor zwei Jahren mit den russischen Bikern umgegangen worden ist – auch von deutscher Seite, die drei Membern trotz gültiger Visa die Einreise verweigerte. Dass ein Gericht die Entscheidung schließlich wieder kippte, machte das Ganze nur noch peinlicher für die Deutschen, die den Nachtwölfen ungewollt noch mehr Bedeutung verliehen hatten.Vor ziemlich genau zehn Jahren absolvierte BIKERS-NEWS-Chef Tilmann ein Auslandssemester in Russland. Dort lernte er auch die Night Wolves, ihr Moskauer Hauptquartier und ihren Präsidenten Chirurg kennen.Viel Zeit verbrachte er damals mit der deutschen Polizistin Ellen, die länger blieb und durchs ganze Land reiste. Ihre Aufzeichnungen sind vor Kurzem als Buch erschienen – auch ein Abend bei den Night Wolves kommt drin vor.Ellen Lugert: Russisch rückwärts. Tagebuch einer Reise. Größenwahn Verlag
Etwas mehr Entspannung wäre also angebracht, wenn der Club am 9. Mai wieder nach Berlin kommt. Am besten macht man sich einfach selbst ein Bild von den Bikern, die das sowjetische Ehrenmal besuchen. Mauern werden heute weltweit genug errichtet. Nicht nur zwischen Ländern und Menschen, sondern auch in den Köpfen. Wir Deutschen sollten es eigentlich besser wissen – wir Biker sowieso.

Stand:25 May 2017 20:18:11/magazin/bikers+news/content-23697_40-23688_60.html