Technik: Kabelsalat

18.11.2017  |  Text: Ahlsdorf  |   Bilder: Grna
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Technik: Kabelsalat
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Versteckte Kabel sind das Geheimnis vieler Custombikes. Auf unserer CUSTOMBIKE-SHOW haben wir zugeschaut, wie’s gemacht wird
Die Konkurrenz ließ sich nicht lumpen. Sie stellte ein abgedrehtes Bike auf die Räder, das aus einer anderen Welt zu kommen schien. Dabei kam es nur aus Frankreich, vom Team von Esteves Motorcycle Design. Aufgebaut im Dezember 2016 vor großem Publikum, auf dem Biker Build-Off der weltgrößten Messe für umgebaute Motorräder, der CUSTOMBIKE-SHOW.
Aber die Franzosen schossen sich mit ihrem rollenden Raumschiff nicht in das Herz der Zuschauer. Die Gäste bejubelten stattdessen die Harley von MB Cycles aus Heidelberg, hochelaborierte deutsche Handwerkskunst, die sich aber nur dem kundigen Betrachter erschließt – und auch nur auf den zweiten Blick. Ihr Geheimnis lag in dem Zusammenbringen eines Twin-Cam-Motors mit einem Evolutiongetriebe in einem spezialgefertigten VG-Rahmen. Das wiederum ist umrahmt von einer Menge faszinierender Detaillösungen rund um den Antriebsblock: Der Rahmen dient als Öltank, die Bremshydraulik ist unterm Tank versteckt und der Sensor für das Keyless-Go-Startsystem des modernen Triebwerks ist im Sattel vernäht.

Martin Becker von MB Cycles legt Hand an. Nebenher erklärte er uns ein paar Tricks
Martin Becker von MB Cycles legt Hand an. Nebenher erklärte er uns ein paar Tricks​


Tricks vom Profi

Die große Kunst bestand also mal wieder im Verstecken, damit von außen alles ganz einfach wirkt. Aber das Versteckspiel fand diesmal nicht im Dunklen statt, sondern im Rampenlicht unserer Biker-Build-Off-Bühne in Bad Salzuflen. Wir konnten Martin Becker und seinem Team von MB Cycles über die Schulter schauen und uns ein paar Tricks von ihnen erklären lassen. Den größten Teil dieser Arbeit leistete in Martins Team ganz sicher Benny von Mean Machines. Er war es, der die Kabel und Züge durch Rohre und Rahmen verlegte. Martin selbst wusste, dass er dafür nicht die Nerven haben würde, wenn die Zeit drängt und es dann auch noch fummelig wird.
Das Innenverlegen von Kabeln und Zügen erfolgt meistens über mehrere Stufen. Erst muss eine Führung gelegt werden. Benny benutzte dafür in den meisten Fällen Schweißdraht. Er kann von außen über lange Wege durch Rohre geschoben werden, ohne sich zu stauchen, und er ist biegsam genug, um auch den Krümmungen von Rohren zu folgen. Hat der Schweißdraht seinen Weg gefunden, lötet Benny ein erstes Kabel an sein Ende, um es hinter dem Draht herzuziehen, der nun komplett aus der Ausgangsöffnung herausgezogen werden kann. Dieses Kabel ist wiederum die Führung, an das nun ganze Kabelbäume oder gar Bowdenzüge gelötet werden. Erst damit hat die Elektrik ihren Weg durch Lenker und Rahmen gefunden.

Hier wird der Schweißdraht eingeführt. Ein erstes Kabel wird hinten angelötet, an das wiederum der Kabelbaum gelötet wird
Hier wird der Schweißdraht eingeführt. Ein erstes Kabel wird hinten angelötet, an das wiederum der Kabelbaum gelötet wird

Das mit dem Schweißdraht funktioniert übrigens nicht immer. Z-Lenker, meint Martin, könne man mit Schweißdraht gar nicht zu Leibe rücken. In solchen Fällen hilft er sich mit einem Faden und einem Staubsauger. Kein Scheiß: Knotet man eine kleine M4-Mutter an diesen Faden, lässt sie sich mitsamt dem Faden durch den Z-Lenker saugen. Damit wäre die Führung hergestellt, der nun die Kabel folgen könnten. Diese Show konnte Martin uns auf der CUSTOMBIKE-SHOW leider nicht bieten, sein Bike hatte keinen Z-Lenker.


Von wegen Show: Alles ist echt!

Aber von wegen Show: Alles am Auftritt des Teams war echt. Es lief nicht wie bei Fernsehköchen, die immer schon „was vorbereitet“ haben. So war dieses Bike vorher nicht schon einmal zusammengesetzt worden. Nur einen einzigen Test leistete Martin Becker sich vorher in seiner heimischen Werkstatt. Er bastelte sich einen sogenannten „fliegenden Kabelbaum“ für die nötigsten Komponenten. Will heißen, er verkabelte den Motor provisorisch mit außenliegenden Strängen, um Ladestrom und Zündstrom zu überprüfen, damit sein Bike in Uffeln auch wirklich anspringt.
Der komplette Kabelbaum des Bikes wurde in Uffeln also tatsächlich zum ersten Mal verlegt. Nur einzelne Komponenten, wie die elektronische Regelung des Soundmanagements von Jekill & Hyde, kamen vollständig aus der Packung. Der Kabelbaum wird auch nicht mehr wieder herausgenommen werden können. Mit diesen Kabeln wird das Bike bis zum letzten seiner Tage fahren müssen.
Dem sollte nichts im Wege stehen. Martin Becker ist Perfektionist. Als wir eine blau um­mantelte Quetschklemme fotografieren wollten, sprang er fast an die Decke. So wird die bei ihm nicht verbaut, erklärte er. Das Erste, was er bei diesen Quetschklemmen macht, ist das Entfernen der farbigen Ummantelungen. Dann quetscht der die Kabel hinein und dann verlötet er sie. Und dann kommt noch schwarzer Schrumpfschlauch drüber. Das sei deutsche Wertarbeit.
Vielleicht lag es daran, dass MB Cycles die Herzen seiner Zuschauer gewinnen konnte. „Auf der Bühne“, so Becker, „sind wir professionell rübergekommen. So typisch deutsch. Die Franzosen rollten immer erst zur Mittagszeit ein und machten dann erst mal Party.“


Custombike international

Tatsächlich hat bisher nur ein ausländischer Gast-Customizer den Biker Build-Off gewonnen, und zwar der Weißrusse Yuri Shif im Jahr 2015. Aber wer den Biker Build-Off gewinnt, das entscheiden nicht wir, sondern ihr. Am dritten und letzten Tag der CUSTOMBIKE-SHOW müssen die über die drei Tage öffentlich zusammengeschraubten Bikes der Kandidaten aus eigener Kraft auf die Bühne rollen – und dann werden eure Stimmzettel gezählt. Schwarz auf Weiß und unbestechlich. Wollt ihr auf der kommenden CUSTOMBIKE-SHOW mal selbst die Jury spielen? Dann besucht uns, in den Messehallen von Bad Salzuflen am ersten Wochenende im Dezember.    «

Auf der Bühne der CUSTOMBIKE-SHOW. Links das Bike des Franzosen Esteve, auf den ersten Blick ist es spektakulärer. Rechts das Bike von MB Cycles. Vorn seht ihr die Stimmzettel mit einer deutlichen Mehrheit für MB Cycles aus Heidelberg(Foto: Heil)
Auf der Bühne der CUSTOMBIKE-SHOW. Links das Bike des Franzosen Esteve, auf den ersten Blick ist es spektakulärer. Rechts das Bike von MB Cycles. Vorn seht ihr die Stimmzettel mit einer deutlichen Mehrheit für MB Cycles aus Heidelberg


 


MB Cycles/Martin Becker
Hans-Bunte-Straße 6
69123 Heidelberg
Tel. 06221 7559823
Mobil 0157 85615899
www.mbcycles.de


EMD – Esteves Motorcycle Design
Za route du Malzieu
F-48200 Saint-Chély d‘Apcher
Tel. 0033 466310535
www.estmd.com


1.–3. Dezember 2017:
CUSTOMBIKE-SHOW
Messezentrum Bad Salzuflen
Benzstraße 23
32108 Bad Salzuflen
www.custombike-show.de
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Stand:25 February 2018 22:10:11/magazin/technik+kabelsalat_171113.html