Technik: Reifenreparatur

17.12.2017  |  Text: Gau/Ahlsdorf  |   Bilder: Gau/Maaß
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Technik: Reifenreparatur
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Auch im neuen Jahrtausend bleibt ihr von der guten alten Reifenpanne nicht verschont. Doch manchmal lässt sie sich noch am Straßenrand beheben


Auch im neuen Jahrtausend bleibt ihr von oldschooligen Reifenpannen nicht verschont. Wenn der Plattfuß nicht schlagartig eintritt, sondern sich schleichend mit dem typisch walkenden Fahrgefühl ankündigt, muss nicht einmal ein einfaches Loch an der Panne schuld sein. Auch die Ventile sind Schwachstellen. Ihre Dichtheit kann leicht geprüft werden. Ihr müsst nur etwas Spucke über die Öffnung des Ventils streichen. Zeigen sich Blasen, hat sich vielleicht nur der Ventileinsatz gelockert. Mit einem Ventileindreher oder einer spitzen Zange lässt sich das lockere Teil wieder fixieren. Manche Ventilkappen haben auf ihrer Rückseite auch zwei Metallzapfen, mit denen das Ventil festgeschraubt werden kann. Im Fall von schlauchlosen Reifen kann auch der Gummi zwischen Ventil und Felge undicht sein. Das Teil lässt sich nicht so einfach flicken, es gehört getauscht.


Fährst du noch mit Schlauch?

Liegt der Fehler nicht am Ventil, so müsst ihr den Reifen selbst auf Beschädigungen untersuchen. Liegt eine Beschädigung an der Lauffläche des Reifens vor, findet ihr gar einen Nagel oder eine Schraube, dann habt ihr Glück, wenn eines der hier vorgestellten Mittel an Bord ist. Damit nämlich lassen sich die meisten Pannen zumindest so weit flicken, dass ihr bis zur nächsten Werkstatt kommt. Von längeren Fahrten mit geflicktem Reifen ist abzuraten, manche Mittel verursachen bei unsachgemäßer Anwendung sogar eine Unwucht im Rad, zum Beispiel wenn das Dichtmittel sich an der Schlauchwand nicht richtig verteilt. Auf der anderen Seite, an den Stammtischen, kursieren Storys von Bikern, die mit geflicktem Pneu noch Tausende von Kilometern abgerissen hätten. Solche Storys können stimmen. Aber so viel Glück hat nicht jeder.
Bevor ihr euch für eines der Mittel entscheidet, müsst ihr wissen, was für Reifen ihr habt: Mit Schlauch oder ohne? Reifen mit Schlauch tragen die Bezeichnung TT (Tube Type), ohne tragen sie die Bezeichnung TL (Tubeless). Auf Speichenfelgen sind Schläuche aufgezogen, denn schlauchlose Reifen halten nur über Gussrädern dicht. Eine Ausnahme sind Kreuzspeichenräder, die rollen wegen ihrer ausgefuchsten Konstruktion ebenfalls auf schlauchlosen Reifen.
Wir haben sechs Sets getestet: Viermal Sprays und Flüssigkeiten, zweimal Pfropfen. Sprays und Flüssigkeiten lassen sich für beide Reifensorten verwenden. Die Pfropfen sind nur auf schlauchlosen Reifen wirksam.

Eines der vielen Sprays im Einsatz
Reifenflicken aus der Sprühdose

Bei der Verwendung von Reifensprays kann auf den Radausbau meist verzichtet werden. In diesen Dosen befinden sich eine Kautschuk- oder Latexlösung und dazu ein extrem entzündbares Gas. Das Kautschuk dichtet Haarrisse und kleinere Leckstellen ab, das Gas befüllt den Reifen gleichzeitig mit Druck. Klar sollte sein, dass die klebrige Masse nicht bei gerissenem Schlauch, bei defektem Ventil, wenn der Reifen von der Felge gerutscht ist oder wenn der Mantel seitlich beschädigt ist, angewendet werden kann. Das Kautschuk dichtet nur punktförmige Beschädigungen ab, also kleinere und keine größeren Löcher, auch keine Risse. Und weil es in diese Löcher erst mal reingedrückt werden muss, funktioniert das wegen der Rotationskräfte nur an der Lauffläche des Reifens.
Wenn ein Nagel im Reifen steckt, müsst ihr den vor der Behandlung natürlich entfernen. Dann dreht ihr das Reifenventil, wenn so vorgeschrieben, auf halbe Felgenhöhe und lasst eventuell vorhandene Restluft ab. Die Dose mindestens eine Minute lang schütteln und bei Kälte vorwärmen. Verbindungsstück beziehungsweise Verbindungsschlauch auf das Reifenventil schrauben. Bei Sprays die Dose senkrecht halten und sprühen, bis der Reifen wieder aufgepumpt ist. Für Gel und Pressluftkartuschen gilt sinngemäß das Gleiche: Gel in den Reifen drücken, dann Luft nachfüllen. Der Luftdruck lag in allen von uns getesteten Fällen bei 1,6 bis 1,8 Bar. Das genügt, um mit mäßiger Geschwindigkeit eine Fachwerkstatt aufzusuchen. Damit die Masse sich gleichmäßig im Inneren des Reifens verteilt, solltet ihr sofort nach dem Auffüllen eine kurze Strecke mit 10 bis 15 Stundenkilometern fahren. Im Reifen schwappende Flüssigkeit kann allerdings eine Unwucht hervorrufen. Gel und Spray sind nicht für Langzeitanwendungen vorgesehen und Reifendrucküberwachungssysteme können durch die enthaltenen Lösungsmittel zerstört werden.
Geeignet sind Reifensprays für alle Reifentypen mit und ohne Schlauch. Sie sind frostsicher bis - 5 °C und dürfen Temperaturen bis 50 °C ausgesetzt werden. Zu beachten ist außerdem die Haltbarkeit. Sie beträgt je nach Anbieter zwei bis drei Jahre. Wir haben in diesem Test aber auch eine zehn Jahre alte, längst vergessene Dose mit Erfolg verwendet.

So sieht das Ergebnis von innen aus
Dicht mit Pfropfen

Technisch anspruchsvoller sind die Reparatur-Sets mit streifenförmigen (Louis) oder ringförmigen (BMW) Pfropfen. Früher gehörten die Sets zum Grundbestand im Bordwerkzeug neuer BMWs. Inzwischen müssen sie auch bei BMW gegen einen Aufpreis von 25,50 Euro geordert werden.
Die Sets bestehen aus selbstvulkanisierenden Gummipfropfen, Klebstoff, Reibahle und Gaskartuschen. Allerdings kann diese Technik nur bei schlauchlosen Reifen angewendet werden. Trockene, von Nägeln oder Schrauben verursachte Löcher werden damit verlässlich abgedichtet. Auch das aber nur kurzfristig. Eindringende Feuchtigkeit kann das Stahlgewebe der Karkasse zum Rosten bringen. Das wiederum löst weiteren Gummi aus dem Mantel. Und abgefahrene Motorradreifen bieten weniger Haftfläche für den Pfropfen: Im Betrieb kann der sich wieder lösen.
Und so geht’s: Entfernt den Nagel aus dem Reifen. Mit der Reibahle reinigt ihr das Loch, raut es auf und bringt es auf das richtige Maß. Dann tragt ihr den Klebstoff auf. Den Pfropfen ebenfalls mit Klebstoff benetzen und mit der sinnig konstruierten Durchstecknadel in das Loch einführen. Wenn ihr die Durchstecknadel wieder herauszieht, bleibt der Pfropfen im Loch stecken, er sollte einige Millimeter aus der Lauffläche des Reifens herausragen. Dieses überstehende Material kürzt ihr mit einem Messer. Zehn Minuten warten, bis der Kleber ausgehärtet ist. Anschließend schraubt ihr die CO2-Kartusche mit dem Adapter auf das Ventil. Jetzt pumpt der Reifen sich auf. Mit Spucke oder Seifenwasserlösung könnt ihr die Dichtheit überprüfen.

Reifenflicken nach klassischer Art? Das ist typische Frauenarbeit. Wir danken unserer reizenden Assistentin Jacky
Schlauch flicken

Weit mehr Arbeit steht an, wenn ihr den Schlauch nach alter Schule flicken wollt. Das ist nicht so einfach wie beim Fahrrad und ihr könnt euch leicht blutige Daumen holen. Ist das Rad aus dem Motorrad ausgebaut, muss die Kontermutter am Ventil gelöst werden. Anschließend die Ventilkappe abnehmen und mit dem Ausdreher den Ventileinsatz herausdrehen, damit die Luft entweichen kann. Dann besteht der Trick darin, den Reifenwulst ins Tiefbett der Felge zu drücken. Dafür tretet ihr am besten mit dem Stiefelabsatz auf die Reifenflanke, bis die Reifenflanke ringsum ins Tiefbett gesprungen ist. Danach solltet ihr Felgenschoner auf das Felgenhorn stecken, um beim Hebeln mit den Montiereisen die Felge zu schützen. Mit dem Eisen hebelt ihr den Reifen Stück für Stück über das Felgenhorn. Nachdem das Ventil aus seiner Öffnung gedrückt ist, kann der Schlauch aus der Felge gezogen werden.
Um weitere Reparaturen zu vermeiden, sollte das Innere des Reifens auf scharfe, spitze Fremdkörper abgetastet werden. Der Ankauf eines neuen Schlauchs empfiehlt sich in jedem Fall. Im Notfall kann der Schlauch auch geflickt werden. Das Loch findet ihr nach der alten Methode durch Aufpumpen, notfalls, indem ihr ihn in eine Wasserschüssel taucht und auf die Bläschen achtet. Ist das Loch gefunden, wird der Schlauch um das Loch herum von Dreck und Staub befreit und mit einem Stück Schmirgelpapier aufgeraut. Die aufgeraute Fläche wird dünn mit Vulkanisiermittel bestrichen. Nach fünf Minuten Trockenzeit drückt ihr den Flicken möglichst fest auf das Loch. Anschließend den Schlauch wieder aufpumpen und erneut kontrollieren.
Ob ihr beim Einbau die Rändelmutter gegen die Ventilkappe oder gegen die Felge schraubt, überlassen wir den Ratschlägen der Besserwisser eures Stammtisches. Einige behaupten, dass der Schlauch Spiel haben muss für den Fall, dass er sich gegen die Felge verschiebt.


Nie wieder Plattfuß!

Wer nie wieder Plattfuß haben will, der muss in den Geländesport gehen. Dort fährt man mit sogenannten „Mousse“-Reifen. In den Reifen steckt ein Schlauch mit durch Gas aufgeschäumtem Gummi. Die Oberfläche ist wie ein echter Schlauch verdichtet. 
Diese „Moosgummireifen“ bieten aber nur eine Härte, die einem Druck von 0,7 Bar entspricht. Dafür gibt es keine Straßenzulassung.    «




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