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30.10.2017  |  Text: Michael Ahlsdorf  |   Bilder: HD.M.G.I.
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Technik: Ratchet-Top-Getriebe überholen


Woher hat das Ratchet-Top-Getriebe seinen Namen? Und wie funktioniert es überhaupt? Wir haben die Revision eines alten Harley-Getriebes begleitet


Das Ratchet-Top-Getriebe war ein Dauerbrenner. Es wurde 40 Jahre nach gleichem Prinzip für die Harley-Davidson Big Twins gebaut. Einzig das Schaltschema änderte sich gelegentlich. Seinen Namen hat das Ratchet Top vom charakteristischen Buckel auf der Oberseite. In ihm steckte die Schaltwalze, also das „Ratchet“. Abgelöst wurde das Ratchet-Top- vom Dome-Top-Getriebe im Jahr 1980. Der Name verrät es: Fortan zeigte die Getriebeoberseite ein domähnliches Gehäuse.

Die ersten von Harley mit einem Viergang-Ratchet-Top-Getriebe ausgestatteten Motorräder waren die 1936er Knucklehead- und Flathead-Big-Twins. Alle Vierganggetriebe – ausgenommen die fürs Jahr 1939 – sind vom Typ „Constant Mesh“. Das heißt, dass diese Vierganggetriebe zwei Schaltmuffen aufweisen, eine für den ersten und zweiten Gang der Neben- oder Vorlegewelle, sowie eine für den dritten und vierten Gang auf der Hauptwelle. Das Schaltschema für alle 1936er- bis 1946er-Modelle ist 1-N-2-3-4, ab 1947 drehte sich das Schema zu 4-3-2-N-1 um.

Bei dem 1939 eingebauten Vierganggetriebe handelt es sich um eine Mischung von Constant-Mesh- und Sliding-Gear-Getriebe. Es weist ein verschiebbares Zahnrad des zweiten Gangs auf der Nebenwelle auf sowie eine Schaltmuffe für den dritten und vierten Gang auf der Hauptwelle. Das Schaltschema dieses Getriebes war 1-2-N-3-4. Der Leerlauf lag also zwischen zweitem und drittem Gang. Der erste Gang sollte ein besonders niedrig übersetzter Gang für Steilstrecken sein, doch in der Praxis bewährte sich das Anfahren aus dem zweiten Gang nicht. Den Leerlauf zwischen den zweiten und den dritten Gang zu legen, war also keine gute Idee. Das macht aber die Harleys des Baujahrs 1939 einzigartig.

Der Getriebetyp Ratchet Top ist bis 1979 kaum verändert worden. Einen größeren Unterschied wiesen die Getriebegehäuse ab 1965 auf. Damals erhielten sie einen zusätzlichen Flansch für den Alu-Primärkasten. Darüber hinaus änderte sich dreimal die Länge der Hauptwelle, und auch die Schaltwalze und die Gangradübersetzungen variierten.



Tipps für die Dichtung


Unsere Fotos dokumentieren die Revision eines Ratchet-Top-Getriebes von 1973 durch die Firma Harley Davidson Motoren und Getriebe Instandsetzer (HD.M.G.I.). Mit 28 Jahren Erfahrung hat sie sich auf die Restaurierung alter Harley-Motoren und -Getriebe spezialisiert. In der Werkstatt werden im Fall einer kompletten Getrieberevision natürlich sämtliche Buchsen, Lager und andere Verschleißteile ausgetauscht. Auch das Lager des vierten Ganges im Gehäuse wird gehont.

Darüber hinaus wird das vierte Gangrad umgearbeitet: Es läuft ursprünglich auf einer Messingbuchse, die wegen der seitlichen Kräfte der Primärantriebs schnell verschleißt. Dort dringt dann Öl aus. HD.M.G.I. ersetzt diese Buchse durch zwei Nadellager. Eine weitere Undichtigkeit begründet sich im von Harley-Davidson entwickelten Spacer des vierten Gangrades. Er ist ohne Dichtung ausgelegt, weshalb Metall auf Metall läuft. Ein von HD.M.G.I. entwickelter dreiteiliger Spacer mit Viton-O-Ring dichtet die Stelle dauerhaft ab.

Durch die Stehbolzen dringen unten gerne auch mal ein paar Tropfen Öl aus dem Gehäuse. HD.M.G.I. schafft Abhilfe und versiegelt die Stehbolzen von innen mit Zweikomponenten-Epoxidharz.

Nach diesen Arbeiten, so verspricht HD.M.G.I., ist das Getriebe absolut dicht. Die Harley kann dann auch wieder abgestellt werden, ohne vorher eine Pappe drunterzuschieben. Aber Achtung: Die Fahrsaison nähert sich ihrem Ende, die Schraubersaison beginnt wieder. Rechtzeitige Anmeldung ist vor so einer Operation sinnvoll.





HD.M.G.I.
Isingort 1a
48739 Legden
Tel 0176 - 31 74 64 22
www.hd-instandsetzer.de

Text: Michael Ahlsdorf
Bilder: HD.M.G.I.

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Stand:21 November 2017 07:30:48/magazin/technik+ratchet-top-getriebe+ueberholen_171010.html