Roter-Baron-Special: Vom Himmel geholt

14.04.2018  |  Text: Tilmann Ziegenhain  |   Bilder: Diverse
Roter-Baron-Special: Vom Himmel geholt Roter-Baron-Special: Vom Himmel geholt Roter-Baron-Special: Vom Himmel geholt Roter-Baron-Special: Vom Himmel geholt Roter-Baron-Special: Vom Himmel geholt Roter-Baron-Special: Vom Himmel geholt Roter-Baron-Special: Vom Himmel geholt Roter-Baron-Special: Vom Himmel geholt Roter-Baron-Special: Vom Himmel geholt Roter-Baron-Special: Vom Himmel geholt Roter-Baron-Special: Vom Himmel geholt Roter-Baron-Special: Vom Himmel geholt Roter-Baron-Special: Vom Himmel geholt Roter-Baron-Special: Vom Himmel geholt Roter-Baron-Special: Vom Himmel geholt Roter-Baron-Special: Vom Himmel geholt Roter-Baron-Special: Vom Himmel geholt Roter-Baron-Special: Vom Himmel geholt Roter-Baron-Special: Vom Himmel geholt Roter-Baron-Special: Vom Himmel geholt Roter-Baron-Special: Vom Himmel geholt Roter-Baron-Special: Vom Himmel geholt
Roter-Baron-Special: Vom Himmel geholt
Alle Bilder »
Rund um den Globus ist der Rote Baron ein beliebtes Thema für Customizer. Wir zeigen eine Auswahl der besten Bikes
Vom muskelbetriebenen Beach-Cruiser-Fahrrad bis zum Custombike mit Flugzeugmotor gibt es eine überraschend große Bandbreite von Richthofen-Bikes. Wir haben uns natürlich auf die motorisierten beschränkt, können aber auch so nur eine kleine Auswahl präsentieren. Die ist sortiert nach der Größe des Hubraums, der ja bekanntlich durch nichts zu ersetzen ist als durch mehr Hubraum.


Links und rechts von der Lampenmaske hat Kay Maschinengewehrattrappen im Look des LMG 08/15 angebracht, die Lampe selbst erhielt ein Fadenkreuz. Die Redewendung „Nullachtfünfzehn“ geht auf dieses Gewehr zurück, mit dem auch die Fokker des Roten Barons bewaffnet warFoto: Wutzmann

Simson Schwalbe

Den Anfang macht deswegen eine Simson Schwalbe. Über eine Million Exemplare des kleinen Zweitakters aus dem thüringischen Suhl wurden bis zum Mauerfall auf die holprigen Straßen der DDR gelassen. Diese hier stammt von 1977 und dürfte einmalig sein, denn Besitzer Kay hat sie komplett umgebaut – und zwar selbst, vom Sandstrahlen und Schweißen übers Lackieren und Tunen bis hin zum Nähen des Sitzes.

Da wäre zunächst das Triebwerk: Der Motor hat statt der ursprünglichen fünfzig nun siebzig Kubikzentimeter und mit acht PS das doppelte der Serienleistung. Außerdem ist durch die Montage des Getriebes aus einer Simson Sperber noch ein vierter Gang dazugekommen. Auch am Fahrwerk hat Kay Hand angelegt: Der komplette Rahmen musste umgebaut werden, damit die Halterung für den Anhänger aufgenommen werden kann. Den hat er sich übrigens aus zwei Propangasflaschen zusammengeschweißt. Die beiden Verstrebungen zwischen Heckblech und Beinschilden dagegen haben keine Funktion: Sie zitieren die Verspannung der Flügel von Richthofens Fokker-Drei­decker. Außerdem hat Kay die Dämpfer umgebaut – die Schwalbe liegt nun angriffslustige sechs Zentimeter niedriger, ist also bestens für den Tiefflug gerüstet. Da darf eine stilechte Bewaffnung natürlich nicht fehlen: Links und rechts neben der Lampe sind Attrappen des Maschinengewehrs 08/15 angebracht, mit der auch das Flugzeug des Roten Barons bewaffnet war. Die Lampe selbst bekam ein Fadenkreuz: „Irgendwie muss man ja mit den MGs auch zielen“, lacht Kay.

Übrigens: Dass wir Alltägliches als „nullachtfünfzehn“ bezeichnen geht genau auf dieses Gewehrmodell zurück. Eine Theorie besagt, dass die unzähligen Schießübungen die Soldaten langweilten – alles, was tägliche Routine war, bezeichneten sie deswegen irgendwann als nullachtfünfzehn. Die andere Theorie führt die Redewendung auf die Qualität des MGs zurück; und die verschlechterte sich zwischen dem ersten Modell von 1908 und seiner Weiterentwicklung von 1915. Die Waffen waren also nichts Besonderes, sondern „nullachtfünfzehn“ – was man von Kays kleinem roten Baron definitiv nicht sagen kann.   


Die 80 auf den Seitendeckeln steht für die Anzahl von Richthofens LuftsiegenFoto: Christmann

Dyna Low Rider FXDL

Dass der Rote Baron auch ein gutes Thema für eine Rennsemmel abgibt, beweist der Umbau des in die USA ausgewanderten Spaniers Francisco. Vor drei Jahren präsentierte er seine schnittige Dyna auf der Bike Week in Daytona – und sahnte auf der Rat’s-Hole-Bikeshow direkt den Pokal in der Klasse der Cafe Racer ab.

Basis seines Projekts war eine Dyna Low Rider FXDL von 2001. An deren Herzstück hat er eigentlich nicht viel verändert, abgesehen von der Montage eines 58 Millimeter großen Vergasers von S&S und eines doppelten Luftfilters des gleichen Herstellers. Die racertypische geduckte Silhouette erreichte er durch die Kürzung der originalen Standrohre um 7,5 Zentimeter, ergänzt vom Einbau einer einstellbarer Gasdruckdämpfer am Heck. Die Blecharbeiten erledigte der Richthofen-Fan selbst, dazu gehört der unten geschlossene Sitzbankhöcker ebenso wie die transparenten Motordeckel. Tank, Lampe und Lampen­maske dagegen sind wiederum original Harley, waren allerdings ursprünglich an einer Sportster und Night Rod Special montiert.

Und die 80 auf den Seitendeckeln, was hat die wohl zu bedeuten? Die steht, wie könnte es anders sein, für die Anzahl von Richthofens Luftsiegen. Was der wohl dazu sagen würde, dass er posthum ausgerechnet für einen Cafe Racer Pate stand? Schließlich stammen die Cafe Racer doch aus dem Vereinigten Königreich, dessen Piloten Richthofen einst vom Himmel schoss. Wie auch immer: Francisco betreibt jedenfalls im Süden von Miami die Customschmiede „Lord Drake Customs“, die auch eine Niederlassung im spanischen Málaga unterhält. Wenn ihr so eine Dyna haben wollt, müsst ihr ihn nur anrufen und bestellen. 30 bis 60 Tage braucht er, um so einen Cafe Racer zu bauen. Die Kosten starten bei rund 15.000 Euro fürs komplette Bike; wenn eine Umbaubasis (Sportster 883, Sportster 1200 oder Dyna) bereits vorhanden ist, bei rund 6.000 Euro.


Graf Zahl meets Roter Baron (vor dem Koffer): Die 81 steht für „Hells Angels“ und das Charter Offenbach war das 15., das in Deutschland gegründet wurdeFoto: Kircher

Ultra Classic Electra Glide

Auch Adnan vom Hells Angels MC Offenbach fährt einen Roten Baron. Bei seinem Bike handelt es sich um eine Ultra Classic Electra Glide von 2010. Motor und Fahrwerk seiner Harley sind im Originalzustand, doch das Thema Richthofen ist trotzdem nicht zu übersehen – und das nicht nur aufgrund der anspruchsvollen Lackierung, die Rene von RB-Grafix aus Rodgau aufgetragen hat. Als Erstes fallen auch hier die Attrappen des bekannten 08/15-Maschinengewehrs ins Auge – schließlich sind sie wie bei der Schwalbe an prominenter Stelle montiert, direkt links und rechts neben dem Frontscheinwerfer. Gebaut wurden sie von Clubbrüdern aus Russland. Während der deutsche Zoll bei der Einfuhr nichts an ihnen auszusetzen hatte, wollte die Kripo kurz genauer hinschauen, als Adnan im letzten Jahr in Berlin auf der Demo der Hells Angels gegen das Colour-Verbot mitfuhr – vielleicht fanden die Beamten das Bike aber auch einfach so schick wie sein Besitzer, denn am Ende gab’s kein Knöllchen.

Adnans Harley ist das einzige Bike dieser Runde, das dem Thema Roter Baron auch akustisch gerecht wird: Im Radio seiner Harley läuft eine CD in Dauerschleife, die ein Freund für ihn zusammengestellt hat. Immer wenn er das Bike anschmeißt, wird der satte Sound des großvolumigen V2s nun von Flugzeuggeräuschen und dem Knattern von Maschinengewehren ergänzt. Dabei ist Adnan eigentlich ein durch und durch friedliebender Mensch: „Der Krieg ist die größte Scheiße, die die Menschheit gemacht hat“, schließt er den kurzen Abriss seiner Biografie: Adnan ist gebürtiger Bosnier und kam 1992 nach Deutschland, als in seiner Heimat der Krieg tobte.


Die umgebaute Wild Star trägt nun offiziell die Typenbezeichnung DR-1, angelehnt an den legendären Fokker-Dreidecker Richthofens. Im Hintergrund steht dagegen das Flugzeug, mit dem er die meisten Siege erzielte: eine Albatros D III. Das Shooting fand in der ehemaligen Flugwerft Schleißheim statt, heute Außenstelle des Deutschen Museums MünchenFoto: Grna

XV 1600 Wild Star

Während die beiden Harley-Umbauten noch vergleichsweise nah am Original blieben, ist die Basis unseres nächsten Bikes kaum noch zu erkennen. Es handelte sich einst um eine Yamaha XV 1600 von 2012, die Michael von IBC Bikes aus Fürstenfeldbruck für einen Flugzeughistoriker gebaut hat. Erklärtes Ziel von Customizer und Besitzer war, dem Japan-Cruiser das passende Fahrgefühl eines Old­timers zu verpassen – der Komfort ging dabei freilich flöten: Gekuppelt wird nun mit dem Fuß, geschaltet mit der Hand. Optisch unterstreicht vor allem die Springergabel den antiken Look. Dabei handelt es sich um ein originales Harley-Teil von 1947, das Michael allerdings um zwanzig Zentimeter gekürzt hat. Fast genauso aufwendig waren die Arbeiten am Heck: Damit die zehn Zoll breite Felge ausreichend Platz hat, musste der Customizer nicht nur den Zahnriemen um die Hälfte schmälern, sondern auch Hand am Rahmen anlegen. Die Modifizierungen waren so umfangreich, dass der rote Cruiser offiziell zum IBC-Bike umgetypt wurde, also gar keine Yamaha mehr ist. Während der Motor von einer Keramik­beschichtung abgesehen weitgehend im Originalzustand blieb, hat das IBC-Team dem Thema Richthofen durch viele Details Leben eingehaucht: Hervorzuheben wären die Schalldämpfer im MG-Look, der Sattel mit farbig geprägtem Orden, der Gasmaskenbehälter fürs Werkzeug, das Porträt des Roten Barons auf dem Kupplungsgehäuse – und last but not least der Leinenstoff, der vor der Lackierung per Unterdruck auf den Blechteilen angebracht wurde.


Die Bombe auf dem oberen Rahmenzug ist nicht der Tank – der befindet sich unter dem SitzFoto: Luger

Rotec-Chopper

Unsere Auswahl von Red-Baron-Zweirädern krönt der Wuppertaler Tüftler Frank Ohle. Er hat das Thema wirklich ernst­genommen – und einen Flugzeugmotor in sein Bike gebaut. 150 PS leistet der Neunzylinder-Sternmotor des Herstellers Rotec. Den hat Frank in Australien bestellt, gegen Vorkasse, 18.000 Euro hat das 130 Kilo schwere Teil gekostet. Den starren Rahmen dagegen hat er selbst entworfen und gebaut. Klar, dass der ohne Unterzüge auskommt: Wenn ein Motor als tragendes Element dienen kann, dann wohl dieser. Im Originalzustand hat er übrigens keine Antriebswelle, sondern vorn einen Propeller und hinten einen Vergaser. An der Stelle des Propellers hat Frank einen vierteiligen Lüfterflügel montiert – eher aus optischen Gründen, versteht sich. Damit das Harley-Getriebe passt, hat Frank den Motor zerlegt und die Kurbelwelle verlängert. Die wiederum hat nur einen Hubzapfen und ein Pleuel; über Gelenke sind acht weitere Hilfspleuel befestigt.

Sein Öl bekommt der Rotec über eine Ringleitung. Problem im Ruhezustand: Das Öl sackt nach unten und kann in die Brennräume der unten liegenden Zylinder gelangen, wenn dort zufällig Ventile offenstehen. Bevor das Teil angeschmissen werden kann, muss deswegen das überschüssige Öl über einen Hahn in der Leitung abgelassen werden. Während das Frontend mit Springer­gabel und Fehling-Lenker zeitlos und klassisch auch an jedem anderen x-beliebigen Chopper verbaut sein könnte, setzen die kleine Bombe und die detailverliebte Lackierung wiederum individuelle Akzente. Dass der 350 Kilo schwere Klopper keine Straßenzulassung hat, sei hier der Vollständigkeit halber auch noch erwähnt – aber egal, hatte Richthofens Fokker ja auch nicht.
 
  Teilen
Topseller im Shop
CUSTOMBIKE-SHOW 2014

CUSTOMBIKE-SHOW 2014

 

Wir zogen unsere CUSTOMBIKE-SHOW in Bad Salzuflen zum zehnten Mal durch. Auf das Ergebnis sind wir mächtig stolz Customizing, so erklärt uns das Lexikon,…

CUSTOMBIKE-SHOW 2016

CUSTOMBIKE-SHOW 2016

 

Die weltgrößte Messe für umgebaute Motorräder stand 2016 im Zeichen des Choppers – und eines neuen Besucherrekordes

Unholy Terror

Unholy Terror

 

Wir erklären euch, was ein Schweden-Chopper ist. Das Anschauungsmaterial hat Arno Kruth von Toxic Bikes zusammengeschraubt

NitrOlympX 2016

NitrOlympX 2016

 

Wer den Geruch von purem Nitro und verbranntem Gummi liebt, ist vom 19. – 21. August bei den NitrOlympX auf dem Hockenheimring genau richtig.

Pulley  statt Zahnrad

Pulley statt Zahnrad

 

Es gibt genug Gründe, neue Pulleys zu verbauen. Wir haben bei Rick’s zugeschaut, wie die Teile aus dem Vollen gefräst werden …

R 670 SSS

R 670 SSS

 

Was macht ein Customizer nach Euro4? Er schert sich nicht drum, denn für seine Motorräder gelten die neuen Regeln zum Thema Lärm erst ab 2017 Namen…

Rogues MC

Rogues MC

 

Die Mitglieder des niederländischen Motorradclubs nennen sich „2%-er“. Das ist eine Anspielung auf die Outlaws der Einprozenter-Szene – und hat was mit…

Indian-Scout-Gespann von Iwan-Bikes

Indian-Scout-Gespann von Iwan-Bikes

 

Gespannfahren ist anders. Wer drüber lästert, sollte es erst mal probieren

Desert Racer

Desert Racer

 

Wüstensöhne sind ausdauernd. In der Karawane von Iwan-Bikes fahren die Victorys weiter

European Bike Week

European Bike Week

 

Ein Bikertreffen kann auch mal ins Wasser fallen. Dieses Schicksal ereilte die European Bike Week in Faak am See Nur einmal wurde es warm. Zum feurigen…

CUSTOMBIKE-SHOW 2015

CUSTOMBIKE-SHOW 2015

 

Im Dezember trifft sich das Who’s who der Customszene in Bad Salzuflen Björn braucht stahlharte Nerven. Er organisiert die Bikeshow unserer Verlagsmesse.…

Courage and Respect

Courage and Respect

 

Ein Bike dieser Klasse zu bauen, erfordert Mut und Respekt – und ein gutes Team

Technik: Kabelsalat

Technik: Kabelsalat

 

Versteckte Kabel sind das Geheimnis vieler Custombikes. Auf unserer CUSTOMBIKE-SHOW haben wir zugeschaut, wie’s gemacht wird

Topseller im Shop
Stand:22 April 2018 16:10:46/magazin/vom+himmel+geholt_18410.html