Annahme verweigert

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Die Helios-Klinik in Schwerin hatte eine Spende von Bikern empfangen. Sie musste das Geld wieder zurückgeben


Wir hatten in der Februar-Ausgabe über eine Spenden-Aktion von Clubs rund um Schwerin berichtet. Sie hatten 1.200 Euro gesammelt und einem Förderverein der Helios Klinik in Schwerin übergeben. Teilnehmer der Spenden-Aktion: Stormbringer Nomads MC, Warriors MC, Red Devils MC Schwerin, Hells Angels MC Schwerin, RT-Club MC Parchim und die BikerKanzlei.
Die Spende war für die Kinderstation der Helios Klinik gedacht, für die Spielzeug angeschafft werden sollte. Doch das Einvernehmen zwischen Spender und Spenden-Empfänger hielt nicht lange an. Die Polizei übte offensichtlich Druck auf die Geschäftsführung der Klinik aus und soll den Clubs Geldwäsche unterstellt haben.


„Ein unfassbarer Zustand“

Wir sprachen mit Rechtsanwalt Sven Rathjens, dessen BikerKanzlei mitgespendet hatte.

BN: Sven, fangen wir ganz vorn an. Wie kam es zur Spenden-Aktion?

Sven Rathjens: Spendenaktionen hier im norddeutschen Raum haben Tradition, wir machen so was seit Ewigkeiten. Die Clubs haben jeder für sich diverse Projekte unterstützt. Dieses Mal aber wollten alle zusammen etwas organisieren und erstmals gemeinsam auftreten.

BN: Erstmals auch mit dem Hells Angels MC Schwerin. Die Hells Angels müssen sich immer wieder Vorwürfe anhören, das seien nur PR-Aktionen für ihre Farben, mit denen sie ihr Image aufpolieren wollen.

Sven Rathjens: Ich kann jetzt nicht für die Hells Angels sprechen, aber ich halte das für Unsinn. Erstens hätten sie auch allein eine Aktion starten können. Außerdem wird in der lokalen Presse über derartige Aktionen überhaupt nicht berichtet, wie auch dieses Mal, als trotz Mitteilung und Einladung kein einziges lokales Medium vor Ort war. Wo soll also der Effekt liegen?
Das Problem ist, dass immer gleich alles in Frage gestellt wird, wenn gewisse Clubs irgendwo dabei sind. Alles wird immer sofort mit negativen Dingen in Verbindung gebracht. Dass da aber auch jede Menge Familienväter in den Clubs sind, denen fremdes Leid eben nicht gleichgültig ist, wird gern und schnell ausgeblendet und in der öffentlichen Betrachtung nicht einmal ansatzweise für möglich gehalten.

„... wie man die Hells Angels aus der Stadt vertreiben kann.“

BN: Was war dann also der Grund für genau diese Aktion?

Sven Rathjens: Die beteiligten Clubs wollten einfach ein Zeichen setzen. Es gibt hier in Schwerin einen extremen Druck von Polizei und Justiz auf die Szene. Uns ist zu Ohren gekommen, dass es sogar einen regelmäßigen Treff einiger Entscheidungsträger aus staatlichen Institutionen gibt, bei denen man sich darüber austauscht, wie man die Hells Angels aus der Stadt vertreiben kann.

BN: Und so hat sich die Szene solidarisiert?

Sven Rathjens: Was heute die Angels trifft, kann morgen auch jemand anderem passieren. Es haben alle den Kanal gestrichen voll davon, in eine kriminelle Ecke gestellt und so ohne jeglichen Beweis gebrandmarkt zu werden. Die Szene hier kennt sich schon lange, teilweise sogar noch aus DDR-Zeiten. Man versteht sich, man will zeigen, dass die bedrohlichen Szenarien, die um die Clubs in der Öffentlichkeit gezeichnet werden, einfach nicht realistisch und existent sind.

BN: Wie entstand dann der Kontakt zu der Klinik?

Sven Rathjens: Ein Member eines Clubs hatte den Kontakt zu Prof. Dr. Peter Clemens hergestellt, und dieser hatte sich aufgeschlossen gegenüber der Idee gezeigt, der Kinderabteilung der Helios-Klinik das Geld zur Verfügung zu stellen. Ihm wurde explizit gesagt, von wem das Geld kommen würde, und er hatte immer betont, dass ihm das egal sei. Die Kinder stünden im Vordergrund.

BN: Das Geld wurde übergeben, die Club-Member wurden durch die Klinik geführt. Wie war die Atmosphäre bei diesem Besuch?

Sven Rathjens: Sehr locker und aufgeräumt. Es waren fast 40 Member der Clubs vor Ort, was natürlich Aufsehen erregte. Der Besuch in der Frühchenstation war für alle sehr bewegend, und die dortigen Eltern waren nach anfänglichen Berührungsängsten begeistert über das Engagement der Clubs. Die Klinik ist nun mal auf Privatspenden angewiesen.


Unser Interviewpartner: Rechtsanwalt Sven Rathjens
BikerKanzlei
Bahnhofsweg 16b, 18059 Pölchow
Tel 0172 - 327 74 63
www.bikerkanzlei.de

„Zwei Tage nach dem Telefonat war das Geld zurücküberwiesen.“

BN: Also alles eitel Sonnenschein. Was war dann passiert?
Sven Rathjens: Ich bekam einige Wochen später einen Anruf von Prof. Clemens, der sein persönliches Bedauern darüber ausdrückte, dass die Klinik die Spende leider zurückgeben müsse. Er könne da nichts machen, seine Geschäftsleitung hätte das so angewiesen. Zwei Tage nach dem Telefonat war das Geld zurücküberwiesen.

BN: Hat er einen Grund dafür genannt?

Sven Rathjens: Er hatte sich vorher sein Bild gemacht, hatte aber niemals mit einem solch massiven Druck gerechnet. Deshalb war ihm das Ganze auch sehr peinlich.
Nachträglich erklärte Enrico Jensch, der Geschäftsführer der Klinik, per Mail, die Entscheidung der Klinik, die Spende nicht anzunehmen, hätte mit der damit verbundenen Außenwirkung für den Förderverein und sein Unternehmen zu tun, die der Verein wiederum nicht für förderlich hielt. Dass diese Entscheidung erst nach unserem Termin in unserer Klinik getroffen wurde, hätte seine Gründe, in den im konkreten Fall nicht ganz reibungslos abgelaufenen Kommunikationswegen.
Er sei allerdings von dritter Seite weder angesprochen noch über irgendetwas informiert worden. Erstmals Anfang März sei eine telefonische Nachfrage des LKA zu diesem Thema eingegangen, was ihn sehr erstaunt hat.
Zwei Beamte von der Soko Rocker aus Schwerin spielen nach wie vor eine wichtige Rolle in dem Szenario. Sie dürften wohl massiv Druck ausgeübt haben. Jedenfalls stand die Behauptung im Raum, die Spende stamme aus Geldwäsche-Geschäften von Rockerclubs. Befürchtete die Klinik ein Verfahren wegen Geldwäsche? Damit will sie natürlich nichts zu tun haben, und wie soll sie den Vorwurf auch überprüfen?

BN: Kann der Vorwurf denn generell ausgeschlossen werden?…

… weiter geht’s in der aktuellen BIKERS NEWS 05/11

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