Stau in der Grauzone

20.01.2012  |  Text: Maxine Zimmermann  |  
Stau in der Grauzone
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Seit Jahren kämpft die Biker Union für ein legales Vorbeischlängeln am Stau Im stockenden Verkehr schlängeln wir uns gern mal zwischen den Autos durch. Problem sind dann nicht nur Autofahrer, die im deutschen Trotz die Spur…
Seit Jahren kämpft die Biker Union für ein legales Vorbeischlängeln am Stau

Im stockenden Verkehr schlängeln wir uns gern mal zwischen den Autos durch. Problem sind dann nicht nur Autofahrer, die im deutschen Trotz die Spur wieder dichtmachen, sondern auch der Gesetzgeber. Doch manchmal geht’s auch ohne Ticket. Dann nämlich, wenn der Wachtmeister ein Einsehen hat.


Willkommen in der Grauzone!

Willkommen in der gesetzlichen Grauzone! Mit dem Vorbeischlängeln verstoßen wir gegen die Straßenverkehrsordnung und können einen saftigen Strafzettel kassieren. „Grundsätzlich sind ein Durchfahren der Rettungsgasse oder das Nutzen des Standstreifens nicht erlaubt“, betont Ulrich Chiellino, Fachreferent für Verkehrs­psychologie und ADAC-Mitarbeiter im Ressort Verkehr. Aber: „Wo kein Kläger, da kein Richter. Meistens wird es doch geduldet – woraus sich aber kein Rechtsanspruch ableiten ließe.“
Obwohl die Straßenverkehrsordnung das Durchschlängeln nicht gestattet, kann ein lockerer Polizist Gnade vor Recht ergehen lassen. Denn im Gegensatz zum Autofahrer sind wir dem Wetter schutzlos ausgeliefert. Rolf Frieling, Vorsitzender der Biker Union (BU) sowie der Motorrad Initiative Deutschland (MID): „Bei hohen Außentemperaturen und starker Sonneneinstrahlung besteht die Gefahr eines Hitzestaus in der Bekleidung und einer Dehydrierung des Körpers. Das kann sogar zu einem Kreislaufkollaps führen. Und bei niedrigen Außentemperaturen und Regen kühlt der Körper schnell aus.“ Beide Wetterextreme beeinträchtigen die Beherrschung des Motorrades. Verliert der Biker beim langen Stehen das Gleichgewicht oder erleidet er gar einen Schwächeanfall, stellt er selbst eine Unfallgefahr dar. So ist er doppelt gestraft, denn damit verstößt er dummerweise auch gleich noch gegen ein anderes Gesetz. Laut der Straßenverkehrsordnung (StVO) muss sich jeder Verkehrsteilnehmer so verhalten, dass kein anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird.


Rolf Frieling (BU und MID): „Wenn das Vorbeifahren im Stau so gefährlich ist, müsste man das anhand der Unfallstatistik nachweisen können.“

Zwei Meinungen zu einem Thema
So weit müsste es gar nicht kommen, ginge es nach der MID und dem ADAC. Der ADAC fordert eine Sonderregelung für Zweiradfahrer im Stau, die es ihnen gestattet, an stehenden Fahrzeugen mit geringer Geschwindigkeit (20 km/h) und gebotener Vorsicht vorbei zu fahren. „Hier wäre zu überlegen, ob nicht Standstreifen die sichere und bessere Variante wären, wenn über so eine Freigabe nachgedacht wird“, sagt Ulrich Chiellino. Er plädiert allerdings dafür, dass diese Regelung erst dann in Kraft tritt, wenn die Fahrzeuge stehen und nicht schon bei stockendem Verkehr.
Hier unterscheidet sich die Meinung des ADAC von der Vorstellung der MID. Denn das Ausweichen auf den Standstreifen hält Rolf Frieling für keine gute Lösung. „Die Nutzung der Rettungsgasse durch motorisierte Zweiradfahrer ist gängige Praxis in allen europäischen Ländern. Eine deutsche Sonderregelung wäre daher nicht sinnvoll.“ Die MID möchte daher die so genannte „Rettungsgasse“ zum Vorbeifahren nutzen, also den schmalen Streifen zwischen zwei Spuren, der im Ernstfall für Rettungsfahrzeuge freigemacht werden muss. Und diese Rettungsgasse für Biker wünscht Frieling sich nicht erst bei völligem Stillstand. Der Kräfteverschleiß von Bikern im Stop-and-Go-Verkehr und bei langsam rollenden Kolonnen sei nämlich wesentlich höher als beim völligen Stillstand des Verkehrs.


Ulrich Chiellino (ADAC): „Die Mühlen mahlen manchmal etwas langsamer, als einem lieb ist.“

Keine klare Regelung in naher Zukunft

Der Weg zur Gesetzesanpassung ist lang und steinig. Sowohl im Jahr 1999 als auch 2009 ist die Initiative der MID am Widerstand der Länder im Bund-Länder-Fachausschuss Straßenverkehrsordnung gescheitert. Und das, obwohl beim zweiten Anlauf im Jahr 2008 der damalige Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee das Anliegen ausdrücklich befürwortet hatte. Die Ländervertreter begründeten ihre Entscheidung mit einer möglichen Beeinträchtigung der Verkehrssicherheit. …


Info & Kontakt: Biker Union
Hauptverwaltung, Fuchstanzweg 19, 65760 Eschborn
Tel 06173 - 60 83 70
hauptverwaltung@bikerunion.de
www.bikerunion.de

… weiter geht’s in der BIKERS NEWS 02/12

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