Mowls MC: Mofarocker auf Europatour | Teil 1

10.03.2017  |  Text: Ingo/Tilmann Ziegenhain  |   Bilder: Archiv Mowls MC
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Mowls MC: Mofarocker auf Europatour | Teil 1
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Vier verrückte Jungs fahren mit acht Rädern und 200 ccm Hubraum von Karlsruhe nach Monaco. Was sie in 14 Tagen auf 1047 Kilometern erleben, erzählt ihr Tagebuch …
Schon seit ein paar Jahren geistert die Idee immer wieder durch seinen Kopf. Irgendwann macht Ingo ernst, der erste Schritt ist ein virtueller: Er gründet eine What’s-App-Gruppe, für die er auf ungezählten durchzechten Partynächten die Werbetrommel rührt. Der Plan: Vom heimischen Karlsruhe ins 1047 Kilometer entfernte, mondäne Monaco fahren. An sich kein spektakuläres Vorhaben, doch die Strecke soll in der Schnapsglas-Klasse von 50 Kubikzentimetern absolviert werden. Immer mehr abenteuerlustige Mitmenschen begeistern sich für das Vorhaben – am Ende zählt die What’s-App-Gruppe knapp 20 Mitglieder. Als sich abzeichnet, dass Ingo das wirklich durchziehen will, bleibt schließlich ein harter Kern von vier Mofa-Maniacs übrig: Danny, 24 Jahre und Bachelor der Fahrzeugtechnologie, Ali, 28 Jahre, Metzger und Lebensmitteltechniker, Phil, 27 Jahre und Mechatronikmeister – und Ingo selbst, 26 Jahre alt und Ausbilder für Mechatronik.
Nur Ali hat noch nie auf einem Mofa ge­­sessen, die anderen drei haben bereits als Jugendliche ihren Schein gemacht. Phil hat seinen Hobel im Alter von 17 Jahren durch Tuning-Maßnahmen auf eine Maximalgeschwindigkeit von 100 km/h gebracht. In der Region nichts Besonderes, im nahen Elsass gibt es eine lebendige Scooter- und Mofa-Szene. Dass drei von ihnen solides technisches Wissen mitbringen, wird ihnen auf der Strecke schließlich zugutekommen.
Ingo bleibt in der Planungsphase die treibende Kraft. Er organisiert mit Google-Streetview die Strecke, denn die Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h zwingt sie auf Straßen und Wege jenseits der Autobahn.
Während er und Phil bereits im Besitz eines Mofas sind, müssen die anderen beiden sich noch eins zulegen – „runtergerockte Mühlen“ sollen es sein und nicht der teure „Premium-Shit“, den Händler für viel Geld anbieten. Natürlich bekommen alle vier Mofas einen Namen: Frenchy, PinkPanther, RoteRakete und BlackMamba – letzteres wird im Laufe der Tour aufgrund zahlreicher Pannen in BeschisseneBlackMamba umgetauft. Irgendwann steht fest, dass die Truppe selbst auch einen Namen braucht. Die MC-Szene kennen die vier Jungs nur aus den einschlägigen Dokumentationen auf N24 und Co., aber einen gemeinsamen Namen, eine Kutte und ein Colour wollen sie auch. So bekommt das Projekt schließlich den Namen „Mowls MC“ – wobei „MC“ Mofa- und nicht Motorradclub meint. „Mowl“ wird ausgesprochen wie das deutsche „Maul“ und steht in der Internet-Kommunikation für die freundliche Aufforderung, selbiges zu halten; es bezeichnet aber auch das Teil der Bong, in das die Mischung aus Tabak und Marihuana kommt, oder dient als Umschreibung für relaxtes Arbeiten, zum Beispiel mit einem Bier und Musik. Das alles wissen die Jungs nicht, für die es einfach eine Wortschöpfung aus „M“ für „Mofa“ und „Owl“ ist, der englischen Bezeichnung für Eule. Irgendwo im Internet finden sie ein passendes Eulen-Logo und laden es runter, ein Kumpel entwirft damit ihr Colour.
Warum das Ganze? „Nun, auf diese Frage finden wir auch nach der Tour keine plausible Antwort. Spielt auch keine Rolle, wir haben es einfach getan“, meint Ingo ...


Tagebuch einer Schnapsidee
festgehalten von Ingo, Mastermind des MowlsMC

Tag 1: Der Start in das große Ungewisse


Um 6:30 Uhr klingelt der Wecker, aufwachen! Als ob wir geschlafen hätten … Endlich ist er gekommen: Der Tag, den wir uns seit einem Dreivierteljahr herbeigesehnt und für den wir etliche Tage und Nächte im Schrauberkeller verbracht haben, um unsere Feuerstühle flottzumachen. Ein Schluck Wasser ins Gesicht, ab ins Auto und nach Kehl, Philipp und seine Frenchy abholen. Die Frenchy wird auf dem Anhänger verzurrt und dann geht’s zurück nach Karlsruhe zum Startpunkt. Auf der Fahrt verrät Philipp, dass er für die Tour nur die Hinterradbremse zur Verfügung hat! Kein Stress Philipp, wir fahren ja nur über die Alpen – und wo es hoch geht, geht es bekanntlich auch wieder runter!
Es ist kurz nach 9 Uhr, Treffpunkt! Nun heißt es, nichts vergessen. Habe ich drei Ersatzschlüpfer und zwei Paar Socken? Und die zwei T-Shirts? Ach, egal! Erst mal Weißwürste und ein Hefe, es ist schließlich Urlaub. Hefe leer, Weißwürste verputzt, jetzt geht’s tatsächlich los!
Auf den Hobel, fertig, los! Wir knattern zum Schloss in Karlsruhe, wo uns die treusten Seelen verabschieden. Die Crowd hat an alles gedacht! Bier, Chips, Fruchttiger und sogar ein Bundeswehr-Überlebenspaket von 1986! Was soll da schiefgehen!?

Kurz vor dem Startschuss gibt’s erstmal Weißwürste und ein Hefe. Es ist schließ­lich Urlaub
Kurz vor dem Startschuss gibt’s erstmal Weißwürste und ein Hefe. Es ist schließ­lich Urlaub

Noch einmal schön winken und ciao. Stolz wie Harry umkurven wir noch mehrmals das Schloss und dann verlassen wir unsere geliebte Fächerstadt! Petrus hat allerdings auch eine Idee und die heißt Platzregen! Erste Regenpause in Rüppurr. Hmm, dann trinken wir halt mal ein Radler! Wir haben ja 15 Dosen fest am Mofa verzurrt – Moment, eine Dose hat sich ja nach 20 Metern von Alis BlackMamba verabschiedet und explodierte auf dem Asphalt. Ingo hat der Strahl erwischt, Bierduft auf Haut und Klamotten nach drei Minuten Mofatour – geil!
Dem Regen folgt Sonne und wir fliegen mit 29 km/h dem Schwarzwald entgegen. Zumindest so lange, bis sich bei Dannys PinkPanther die Polradmutter löst. So stehen wir in Oberweier am Straßenrand und was gibt es Besseres, als bei Sonnenschein zu schrauben!? Richtig, bei Regen! Wir dürfen uns bei einer reizenden Omi auf die Terrasse stellen und gehen die Sache an. Die Rollenverteilung ist schnell klar, Phil und Ingo bilden das Mechanikerteam, Danny ist der Mann für die flüssige Nahrung und Alex der DJ am Schrauberradio. Leider haben wir die wichtigsten Werkzeuge aus Gewichtsgründen wegrationalisiert, sodass wir uns aus der Nachbarschaft eine Rätsche mit 17er-Nuss organisieren müssen. Gesagt, getan, Polradmutter wieder festgezogen und weiter geht’s.
Der Regen und die Sonne geben sich die Klinke in die Hand. Durch mehrere Regenunterbrechungen haben wir einiges an Zeit für die ohnehin straff geplante Auftaktetappe verloren. In Freudenstadt ist es dann so weit, die BlackMamba will nicht mehr! An der Ampel geht sie aus und beim Versuch, sie wieder anzutreten, rutscht uns das Herz in die Hose. Ein metallisches Geräusch und viel Widerstand lässt uns vom Schlimmsten ausgehen. Haben wir ernsthaft an Tag 1 einen Kolbenfresser?
Da wir physisch und psychisch angeschlagen sind, entscheiden wir uns, erst mal essen zu gehen und unsere Flüssigkeitsspeicher aufzuladen. Was für eine Wohltat! Maultaschen mit Ei überbacken, dazu ein paar Halbe! Das Brauhaus in Freudenstadt ist zu empfehlen!
Danach geht es wieder raus zur BlackMamba. In einer Bushaltestelle gehen wir auf Fehlersuche. Dann kommt er, der Engel in Weiß! Als hätte er oder sein Trauzeuge gewusst, was auf ihn zukommen wird, steht er da mit seinem schneeweißen Mechanikeranzug! Wir nennen ihn liebevoll Schwarzwald-Seppel, denn selbst wenn wir ihn nach seinem Namen gefragt hätten, er hätte ihn in seinem Zustand nicht mehr aussprechen können – der Durst an seinem Junggesellenabschied war einfach zu groß.

Erste Panne der BlackMamba, geschraubt wird in einer Bus­haltestelle. Geholfen hat ein sturztrunkener Schwarzwald-Seppl auf Junggesellenabschied
Erste Panne der BlackMamba, geschraubt wird in einer Bus­haltestelle. Geholfen hat ein sturztrunkener Schwarzwald-Seppl auf Junggesellenabschied

Aber schrauben wollte er! Und wir hatten keine Wahl, es war ein Mofa-Rennfahrer, der selbsterkorene König der Zündapp-Bergsteiger in allen Bereichen. So musste er doch diese poplige Hercules wieder zum Laufen bekommen. Nach einer Stunde schrauben läuft die BlackMamba wieder, ohne dass wir wissen, was das Problem gewesen ist. Ein Kolbenfresser war es jedenfalls nicht. Zum Glück. Das eigentliche Problem sollte sich in den nächsten Tag dann noch mal zu Wort melden.
Somit geht es kurz außerhalb von Freudenstadt daran, ein passendes Nachtlager zu suchen. Das geht schneller als erwartet: eine frisch gemähte Wiese und ein wenig Brennholz. Danke, Bauer X! Die Zelte werden aufgeschlagen und das Lagerfeuer, das Ali in Minutenschnelle zu einem wahrlichen Hexenfeuer hochzüchtet, erwärmt unsere vom Regen geschundenen Körper.
Danach geht es ab in die Zelte, denn wir wollen am folgenden Tag den Bodensee erreichen …

Durch die beiden Pannen haben die Jungs das Tagesziel verpasst. Jetzt heißt es Kräftesammeln für den nächsten Tag. Danke an Bauer X für das schicke Nachtlager!
Durch die beiden Pannen haben die Jungs das Tagesziel verpasst. Jetzt heißt es Kräftesammeln für den nächsten Tag. Danke an Bauer X für das schicke Nachtlager!

Tag 2: Nichts läuft!

Der Dauerregen, der an unsere Zeltwände prasselt, verhindert Schlimmeres und somit sind wir um 9 Uhr wach und bereit für Tag zwei unserer aufregenden Tour. Da wir am Vortag unser Tagesziel Alpirsbach um 15 Kilometer verpasst haben, wollen wir es krachen lassen und am Ende des Tages unsere Füße in den wunderschönen Bodensee strecken. Also schnell das ganze nasse Zeug zusammenpacken, lecker Wurst- und Käsebaguette speisen und in die Regenkombi springen. Phil beweist dabei mit Abstand am meisten Geschmack: Ein klassischer Fallschirmspringer-Overall schützt ihn auch vor dem stärksten Regen.
Schnell erreichen wir Alpirsbach, wir haben ein gutes Gefühl! Dass Gefühle täuschen können, wissen wir spätestens ab dem heutigen, zweiten Tag unserer Tour. Aber der Reihe nach … In Rötenberg im schönen Schwarzwald verliert Alex’ BlackMamba enorm an Leistung. Wir entscheiden uns, in einer Bushaltestelle Schutz vor der Witterung zu suchen und uns auf die Suche nach dem Problem zu begeben. Ein Blick unter die Zündungsabdeckung bringt Gewissheit: Ein Metallplättchen, das auf den Dauermagneten des Polrads geklebt ist, hat sich gelöst und dafür gesorgt, dass die Zündspule verschmort ist. Nun haben wir mit solchen Ausfällen beim besten Willen nicht gerechnet. Die üblichen Verschleißteile wie Unterbrecher, Zündkerzen und Kupplungslamellen haben wir in Hülle und Fülle mit auf die Reise genommen, aber man rechnet nicht mit einem Defekt des Polrads. Die Frage ist also, wie es nun weitergehen kann. Kleben? Zu riskant! Ersatz wäre nicht schlecht, aber woher?
Dann geschieht ein Wunder: Ein Nachbar, der wohl beobachtet hat, dass wir am Mofa schrauben, öffnet sein Küchenfenster und fragt uns, ob wir einen Kaffee möchten. Fünf Minuten später steht er samt Tablett köstlichen Kaffees vor unseren Mofas und wird Zeuge unserer Polradproblematik. Da man im Schwarzwald zusammenhält, vermittelt er uns kurzerhand an einen Bekannten aus dem Nachbardorf, der „auch ganz gerne an Mofas schraubt“.
Wir haben eine Chance, die es zu nutzen gilt. Am Telefon wird die Teilenummer verglichen und tatsächlich: Der Mofaclub „Slow­rider“ aus Aichhalden hat das passendePolrad. 15 Minuten später wird es angeliefert und wir sind auf Wolke 7! Das Polrad eingebaut, den Zündzeitpunkt eingestellt und die Reise kann für Alex und seine BlackMamba weitergehen. Ein köstliches Alpirsbacher Klosterbräu wird natürlich zu Gunsten der Mofa-Brüderschaft an Ort und Stelle mit dem defekten Polrad geköpft! Somit kann uns nichts mehr aufhalten! Nie mehr! Denken wir …
Wir fliegen Richtung Bodensee, ein Lächeln in all unseren Gesichtern! „Was soll jetzt noch passieren?“, ist die berechtigte Frage nach dieser Panne und der genialen und unverhofften Hilfsaktion unserer Mofafreunde.

Die BlackMamba wird zum Sorgenkind – sie braucht einen neuen Kupplungskorb
Die BlackMamba wird zum Sorgenkind – sie braucht einen neuen Kupplungskorb

Über ein Straßenfest in Winzeln, wo wir der Hingucker sind, wollen wir schnellstmöglich den Bodensee erreichen. An einer Ampel kurz vor Rottweil die nächste Panne – wie sich rausstellen sollte die „Endgegnerpanne“! Alex klagt, dass er die BlackMamba nicht auskuppeln kann. Gleiches Spiel wie immer, Phil und Ingo an die Schraubenschlüssel, Ali sucht im Schrauberradio nach dem besten Sender und Danny sorgt für das leibliche Wohl. Was wir nach dem Öffnen des Kupplungsdeckels zu Gesicht bekommen, ist eine Katastrophe. Der Kupplungskorb, in dem sich die Kupplungslamellen bewegen, ist komplett verschliffen, die Bewegung der Lamellen bis auf ein Minimum eingeschränkt. Die Maßnahme ist klar: „Wir brauchen einen neuen Kupplungskorb!“
Wir erinnern uns an den Vormittag und es ist klar: Die Slowrider Aichhalden müssen uns nochmals aus der Patsche helfen. Ähnliches Spiel, ein kurzes Telefonat bringt die Erlösung. 30 Minuten später ist sie wieder da, unsere Lichtgestalt, der Retter unserer Tour. Nur den Kupplungskorb einsetzen, neue Lamellen rein und alles sollte passen? Denkste! Der Korb passt nicht, ein paar zehntel Millimeter Übermaß machen uns einen Strich durch die Rechnung! Da wir keine Wahl haben, versuchen wir es mit ein wenig Druck, wohlwissend, dass es keine Wohltat für die Lager sein wird. Der Startversuch scheitert, die Schwergängigkeit der Zahnräder ist einfach zu viel für die zarten 1,5 PS unseres Sachs-505-Motors.

Wir schrauben auf verbotenem Terrain, die Polizei wird auf uns aufmerksamWir schrauben auf verbotenem Terrain, die Polizei wird auf uns aufmerksam

Inzwischen wird auch die Polizei auf uns aufmerksam, denn wir schrauben auf einer Schnellstraße, auf der wir sowieso niemals sein dürften. Aber die Polizei ist sehr hilfsbereit und erklärt uns, wie wir die BlackMamba am besten aus der Gefahrenzone gezogen bekommen und wo wir am besten weiterschrauben können. Phil klappert indes seine alte Schraubercommunity zusammen, um weitere Kupplungskörbe zu organisieren, einer davon müsste doch passen. Er hat Erfolg und Phils Cousin sowie eine weitere Delegation machen sich, bepackt mit Werkzeug und drei Kupplungskörben, auf den Weg zu uns. Wow, schon wieder so ein unglaublicher Einsatz, der sich doch auszahlen muss! Nach einem kleinen Frustmahl beziehen wir unser heutiges Nacht- und Schrauberlager.
Gegen 22 Uhr erreichen uns das Werkzeug und die Kupplungskörbe, danach läuft bei Phil und Ingo alles Hand in Hand: Binnen kürzester Zeit wird ein Abzieher für den eingepressten Kupplungskorb erstellt. Der funktioniert tadellos und der Kupplungskorb ist im Handumdrehen von der Kurbelwelle gelöst. Perfekt, jetzt nur noch einen anderen Kupplungskorb rein und alles ist wieder gut! Ne, ne, ne: Ein Blick auf das Hauptzahnrad, das in das Zahnrad des Kupplungskorbes greift, nimmt uns jegliche Zuversicht! Acht Zähne, direkt nebeneinander, sind abgeschert. Wir haben einen Getriebeschaden, die Stimmung ist am Boden.
Nach einer kurzen Phase der Trauer raffen wir uns wieder auf und lassen die Strippen qualmen. Facebook, Ebay, Quoka, alles wird abgegrast, um einen passenden Motorblock zu organisieren. Über unsere Lichtgestalt von den Slowriders haben wir die Nummer von „El Presidente“ persönlich erhalten. In dieser Nacht kommen wir jedoch zu keiner Info, es ist schon zu spät. So legen wir uns mit einem Mix aus Angst und Zuversicht in unsere Zelte und hoffen, dass uns der nächste Tag einen Motorblock beschert. Falls nicht, ist die Reise für Alex und seine BlackMamba hier zu Ende …

Tag 3: Nach dunklen Wolken kommt der Sonnenschein

Das Wetter prophezeit es uns schon in den frühsten Morgenstunden: Für uns scheint nun die Sonne! Und diese Vorahnung bestätigt sich während des Telefonats mit „El Presidente“ von den Slowrider Aichhalden. Er hat den Motorblock und fährt ihn zu uns! Wow, letzte Zweifel, ob es für Alex und die BlackMamba weitergehen kann, sind weggeblasen. Zelte abreißen, mit Sack und Pack auf den Lidl-Parkplatz, alle benötigten Teile vom alten Motorblock abschrauben und warten, bis der neue Block angeliefert wird. Dann kommt er, ein Glücksmoment, wie es ihn selten gibt – die Reise geht weiter! In Rekordzeit setzen wir den neuen Motor zusammen. Springt die BlackMamba an? Klar tut sie das!

Ein neuer Motorblock für die BlackMamba – wir haben den Pannen-Endgegner bezwungen!
Ein neuer Motorblock für die BlackMamba – wir haben den Pannen-Endgegner bezwungen!

Wir sind back on the road! Ein unglaubliches Gefühl, wir haben den Pannen-Endgegner bezwungen, da war das gelöste Plättchen im Polrad wie eine Schürfwunde im Vergleich zu einem Beinbruch. So geht es weiter, heute sollten wir den Bodensee erreichen. Die gut 60 Kilometer nach Überlingen spulen wir in einer Rekordzeit ab, dann geht es das traumhafte Bodenseeufer entlang bis nach Meersburg. Im Supermarkt wird das Grillgut für den Abend eingekauft und anschließend ziehen wir weiter zu einer Grillhütte, in der wir einen herrlichen Abend und auch die Nacht verbringen.

Tag 4: Wir verlassen Deutschland und entern Österreich

Der vierte Tag steht ganz im Zeichen des abendlichen Spiels unserer Nationalmannschaft. Wir scheuen jedes Risiko und setzen uns ein nicht allzu ehrgeiziges Tagesziel. Wir arrangieren uns mit dem Gedanken, das Spiel in Bregenz zu verfolgen. Aber auch das rund 50 Kilometer entfernte Bregenz muss erst mal erreicht werden. Und wir haben ja die BlackMamba dabei, die immer mal wieder eine Überraschung für uns parat hat.
Zunächst lässt uns am Ortseingang Friedrichshafen Ingos RoteRakete aufhorchen. Ein Sound, bei dem selbst gestandene Motorräder vor Neid erblassen. Diagnose klar: Schalldämpfer ab! Mit Wehmut wird der Dezibelkiller wieder montiert und schon sind wir im Zentrum von Friedrichshafen. In der Fußgängerpassage gönnen wir uns zum Frühstück einen Kaffee und ein süßes Stückchen. Als Danny aus dem Fenster unsere inzwischen mit gehöriger Patina versehenen Feuerstühle bestaunt, verdreht er nur die Augen – die BlackMamba steht auf der Felge, die Luft ist raus. Kein großer Stress, aber dennoch eine Stunde Arbeit. Es spielen sich Szenen ab wie an jedem Ort, an dem wir stoppen: Männer und Frauen, Jung und Alt bleiben in Scharen stehen und begutachten begeistert unsere fahrbaren Untersätze – Small- und Tech-Talk inklusive. Ingo hat auf der Suche nach Flickzeug ein kleines Scharmützel mit der Polizei, das jedoch keine weiteren Folgen hat. Lediglich der nicht vorhandene Helm wird bemängelt und auf die Frage, was der Flachmann in der Brusttasche zu suchen habe, ist die Antwort klar: „Nur Dekoration!“

Das Etappenziel Bodensee ist erreicht
Das Etappenziel Bodensee ist erreicht

Mit dem neu erworbenen Flickzeug ist das Loch schnell gestopft, das Hinterrad wieder an Ort und Stelle und wir können weiter dem Ufer entlang nach Bregenz reiten! Der Schönheit wegen nehmen wir die berühmte Insel Lindau mit und dann kommt, auf was wir uns alle freuten: Ein Strandbad mit warmen Duschen, genug Seife und einem Kiosk, der kaltes Weizenbier ausschenkt. Wir sind im Himmel!
Die letzten Meter über die Grenze nach Österreich und zum Campingplatz in Bregenz fahren wir im Autopilot, gedanklich sind wir sowieso schon beim Deutschlandspiel und der Abendplanung. Auf dem Campingplatz angekommen, werden wir standesgemäß direkt zur Fußballkneipe chauffiert.
Dem emotionalen Feuerwerk, verursacht durch das 1:0 von Gomez, lassen wir Taten folgen und beschließen kurzerhand, den späteren Abend in Dornbirn ausklingen zu lassen, denn dort sollten die Aussichten auf einen gelungenen Partyabend besser sein. Wir feiern ausgelassen das Matura der jungen Dornbirner Erwachsenen und zu früher Stunde geht es über einen kleinen Snack am Hauptbahnhof zurück zur Basis, dem Campingplatz in Bregenz. Was war das für ein toller Tag!

Tag 5: CHF statt €

Zugegeben, dieser Morgen ist hart. Jedes Bier und jeder Havanna-Cola zollt seinen Tribut. Wir gehen es ganz ruhig an und frühstücken ausgiebig, um wieder zu Kräften zu kommen. Der Plan geht auf und somit steht unserem heutigen Tagesziel, Chur in der Schweiz, nichts mehr im Wege! Na ja, außer unsere Mofas natürlich, aber dazu später mehr … Nach dem ausufernden Frühstück mit allem, wirklich allem, was man sich nach einer durchzechten Partynacht wünscht, beginnen wir, unsere Campingutensilien, die großzügig auf dem Campingplatz verteilt sind, zusammenzusuchen und sie irgendwie auf unsere Mofas zu verzurren. Dann geht es ab auf die Straße. Es geht noch wenige Kilometer das Ufer entlang bis der Rhein zu sehen ist, ab dann können wir, was die Routenführung betrifft, eigentlich kaum mehr etwas falsch machen: Wenn wir dem Rhein folgen, erreichen wir irgendwann zwangsläufig Chur, unser heutiges Tagesziel. Wir passieren die Grenze zur Schweiz, Wahnsinn, das nächste Land! Bei herrlichem Sonnenschein und 30 Grad fahren wir auf dem Rheindamm den Bergen entgegen. Niemand weit und breit, nur wir vier, unsere geliebten Mofas und ein Panorama, wie man es sich nicht schöner malen könnte.
Wir genießen jeden Kilometer, nach einiger Zeit und ordentlich Strecke gestatten wir den Mofas  und uns vor einer Art Grenzhäuschen eine kleine Pause. Wir sind schließlich super in der Zeit.  Plötzlich steht wie aus dem nichts der begeisterte Mofa-Liebhaber Max aus Oberbüchel neben uns –  für uns ganz klar der Typ des Tages. Er ist begeistert von unserem Vorhaben und lädt uns auf zwei Bier auf seinem herrlichen Anwesen ein. Gerne hätten wir direkt vor Ort unser Schlaflager bezogen, aber wir haben leider erst 14 Uhr und noch etliche Kilometer bis Chur zu fahren. So heißt es notgedrungen Abschied nehmen und Gas geben – ohne Fleiß kein Preis!
Wir wechseln die Rheinseite, um in Liechtenstein unsere finanziellen Angelegenheiten zu regeln, dann können wir Chur quasi schon riechen. Doch es war wieder so weit: Die BlackMamba verlor mal wieder Luft! Na ja, was soll’s!? Während Phil den Reifen flickt, tauscht Ingo an der RotenRakete seinen inzwischen verschlissenen Zündunterbrecher. Eine Stunde später sind wir wieder bereit, in Chur einzureiten.
Ein Freund von uns, der liebe Uli aus der Schweiz, der eigentlich Deutscher ist, wartet bereits am Hauptbahnhof auf uns. Ab geht’s in einen herrlichen Biergarten gegenüber. Wir genehmigen uns ein paar Siegerbier, denn diese Etappe lief bis auf den platten Reifen ausgezeichnet. Als Uli die Heimreise in sein niedliches Schweizer Bergdorf antritt, müssen wir uns überlegen, wo wir die Nacht verbringen. Also ab ans Rheinufer, ein paar Meter außerhalb von Chur bietet sich eine Fläche mit Rindenmulch an, uns als Nachtlager zu dienen. Ali zündet in gewohnter Manier das Lagerfeuer an, Ingo versorgt den Spirituskocher mit Brennstoff und dann werden Spaghetti gekocht. Da es immer noch sehr warm ist, verzichten wir auf das Aufstellen des Zeltes und legen uns direkt neben das Lagerfeuer, was sich als unser Glück herausstellen sollte …

Dem Tagesziel steht nichts mehr im Wege – na ja, außer unsere Mofas natürlich
Dem Tagesziel steht nichts mehr im Wege – na ja, außer unsere Mofas natürlich

Hier geht’s zum zweiten Teil der Story!

 
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