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16.06.2017  |  Text: Tilmann Ziegenhain  |   Bilder: Robin Brecht
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Sonny and Oakland in Paris

Clubleben,


Ende Mai feierten Tausende Hells Angels das 60-jährige Besteh en des Oakland-Charters in Paris. Auch Sonny Barger war dabei …


… Im Eingangsbereich bildet sich eine Menschentraube. Und sie wächst schnell, schon nach ein bis zwei Minuten dürften es über hundert Personen sein. Viele halten Kameras und Handys über ihre Köpfe in die Mitte der Menge, die sich langsam vorwärts bewegt. Auch wenn aus den hinteren Reihen nichts zu sehen ist, weiß jeder, was los ist: Sonny Barger ist eingetroffen und bahnt sich einen Weg aufs Festgelände.
Es ist Ende Mai und in Paris herrscht eine trockene, hochsommerliche Hitze. Das dürfte dem Gründer und langjährigen Presidenten des Hells Angels MC Oakland entgegenkommen, der 1998 wegen des Klimas von Kalifornien nach Arizona gezogen ist. Bis heute lebt er dort auf einer kleinen Ranch in der Nähe von Phoenix. Budde vom deutschen Nomads-Charter ist einer der Clubbrüder, die ihn dort besucht haben. „Ein ganz normaler, bodenständiger Typ“, beschreibt er den bekanntesten Hells Angel des Planeten. Zum ersten Mal hat Budde ihn in Deutschland getroffen, während seiner Book-Signing-Tour von 2011. Auch er ließ sich damals ein Exemplar seiner Autobiografie unterschreiben – damals war Budde noch Prospect. Einige Monate später war er dann im Auftrag des Clubs in den Staaten, Motorräder kaufen. Dabei blieb genug Zeit für einen Abstecher nach Arizona, um Sonny auf seinem Anwesen zu besuchen. Dort schenkte der ihm dann ein zweites, in Leder gebundenes Exemplar. Nicht nur mit Unterschrift, sondern mit einer persönlichen Widmung: „to my brother“. Nicht jeder Hells Angel kann so eine Anekdote zum Besten geben, geschweige denn die Member anderer Clubs oder freie Biker. Dennoch sind sich alle einig: Ohne Sonny keine Hells Angels und keine MC-Szene, wie wir sie heute kennen.
Zurück zum Geschehen: Keine Chance, näher als zehn Meter an die lebende Biker-Legende ranzukommen. Seine amerikanischen und französischen Brüder eskortieren ihn in eine der beiden Hallen des Event-Geländes „Dock Eiffel“, das die Pariser Hells Angels für dieses Wochenende angemietet haben und das sich bereits bei der Feier ihres 35-jährigen Bestehens im letzten Jahr bewährt hat.
Hinter den beiden großen Gebäuden links und rechts des Eingangsbereiches erstreckt sich ein weitläufiger Hof. Dort tummeln sich nicht nur aus der ganzen Welt angereiste Hells Angels, sondern auch viele Member anderer Clubs, zivile Gäste und Prominenz, wie Darsteller der Serie „Sons of Anarchy“ oder Hollywood-Star Mickey Rourke. Sie alle wollen Sonny Barger die Ehre erweisen und mit dem Oakland-Charter feiern.
Während draußen in der Lounge und im Festzelt alte Freundschaften gepflegt und neue geknüpft werden, sitzt Sonny drinnen auf der Bühne in der Halle, unweit seiner ebenfalls angereisten Frau Zolana. Dort signiert er den druckfrischen Bildband „Sonny – 60 Years Hells Angels“, der anlässlich des Jubiläums erschienen ist und zahlreiche bislang unveröffentlichte Bilder aus sechs Dekaden seines Lebens im und für den Club zeigt.
Die Pariser Hells Angels auf der Bühne haben viel zu tun. Damit so viele Gäste wie möglich eine Unterschrift von und ein Bild mit Sonny bekommen, sollen alle das Buch griffbereit halten und die dritte Seite aufschlagen. Und dann – schnell, schnell – wird einer nach dem anderen durchgeschleust. Während die übrigen Gäste in einer Schlange rechts von der Bühne stehen, warten die Hells Angels zur Linken. Doch wirklich schneller geht es dort nicht – es sind zu viele. Nach der Autogrammstunde geht die Party weiter. Drinnen, auf der Bühne, heizen Live-Bands und Feuerakrobaten ein, draußen konzentriert man sich auf Gespräche rund um Club und Motorräder.
Und warum Paris? Member des Hells Angels MC ohne amerikanische Staatsbürgerschaft dürfen bereits seit Jahren nicht mehr in die Staaten einreisen. Die amerikanischen Brüder haben deshalb entschieden, die Party nach Europa zu verlegen, damit alle die Chance haben, das Jubiläum von Oak­land zu begießen, dem wohl bekanntesten Charter des Clubs.
Für die Mehrheit der Gäste dürfte es eine einmalige Gelegenheit gewesen sein, Sonny zu treffen – denn der hat im Vorfeld bereits angekündigt, dass dies sein letzter Trip nach Europa sein wird.    «

Text: Tilmann Ziegenhain
Bilder: Robin Brecht

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Stand:22 January 2018 03:44:52/motorrad/reisen/sonny+and+oakland+in+paris_176.html