Frank Hanebuth: Rocker-Hochzeit

18.08.2017  |  Text: Tilmann Ziegenhain  |   Bilder: Maik Wöll
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Frank Hanebuth: Rocker-Hochzeit
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Frank Hanebuth hat seiner langjährigen Freundin Sarah das Ja-Wort gegeben. Mehr als 700 Gäste waren geladen
Samstag, 22. Juli 2017. Auf dem Bürgersteig gegenüber ist kaum noch Platz. Zwar ist noch über eine Stunde Zeit, aber die Plätze mit dem besten Blick auf die Sankt-Michaelis-Kirche sind bereits vergeben. Offensichtlich hat sich halb Wedemark versammelt, um das Spektakel zu verfolgen. Gegen 14 Uhr ist es dann so weit: Begleitet von einem großen Motorradkorso fährt Frank Hanebuth in einer riesigen Stretchlimousine vor – Beifall und Jubel in der Menge, durch die er sich den Weg zur Kirche bahnt.
Bereits am Tag zuvor hatten seine langjährige Freundin Sarah und er sich auf dem Standesamt das Ja-Wort gegeben. Auf die Gretchenfrage, warum sie auch kirchlich heiraten würden, antwortet Frank: „Wir finden die kirchliche Trauung wichtig, das gibt dem Ganzen etwas Feierliches. Ohne würde etwas fehlen – wenn schon, denn schon!“ Und wie oft geht Frank Hanebuth ansonsten in die Kirche? „Immer an Heiligabend.“
Pastorin Wibke Lonkwitz gibt sich alle Mühe, dass es eine Zeremonie wie jede andere wird. Die Gäste, die vor der Kirche warten, erinnert sie deswegen freundlich, aber bestimmt daran, dass das Brautpaar und ihr Gottesdienst im Mittelpunkt stehen und das Fotografieren und Filmen in der Kirche nicht gewollt ist. Trotzdem gibt sie zu, dass ihre Gemeinde selten so viele Gäste und Schau­lustige anzieht. Frank ist zufrieden mit ihr: „Das hat sie sehr gut gemacht; sie war relaxt und hat sich an die Situation angepasst.“
Der Gottesdienst startet mit leichter Verspätung, denn die Braut lässt auf sich warten. Doch irgendwann fährt auch sie vor, in einem Rolls-Royce, ebenfalls begleitet von einem großen Motorradkorso. Gegen viertel nach drei verlässt das frisch getraute Paar die Kirche. Auf dem Platz gegenüber werden Sarah und Frank von den ersten Gratulanten umzingelt. Sektgläser werden verteilt, das Musikcorps Langenforth spielt auf und Luftballons mit den Namen des Brautpaars steigen in die Luft.
Schon bald setzt sich eine lange Kolonne von Bikes und Autos in Bewegung. Ziel ist das nahe gelegene Ausflugslokal „Waldkater“, wo die große Hochzeitsfeier stattfindet. Mehr als 700 geladene Gäste, Freunde und Familie, Clubbrüder und Geschäftsleute, finden sich dort ein – und eigentlich hätten es noch mehr sein können: „Insbesondere beim Club war es nicht einfach, ich musste schwer sortieren“, meint Frank. „Aber warum heiratet man? Man macht das vor allem für seine Frau. Und da bringt es nichts, wenn sie nur 0,1 Prozent der Gäste kennt. Also habe ich die Zahl der Hells Angels unter den Gästen stark runtergefahren. Das ist ja auch keine Clubveranstaltung. Eine gute Idee war, dass wir alle durcheinander gesetzt haben – alle kommen gut miteinander aus.“
Natürlich ist unter den Gästen auch viel Prominenz wie Marc Terenzi oder der frühere Box-Promoter Eberhard „Ebby“ Thust. Oder Carsten Marek, Inhaber der Hamburger Kult-Kiez-Kneipe „Ritze“. Als der vor Kurzem vor der Ritze einen „Walk of Fame“ für den ehemaligen Betreiber eingeweiht hat, war auch Frank eingeladen. Im Anschluss wurde er von Freunden und Brüdern ins Babylon gelotst, wo stilecht Junggesellenabschied gefeiert wurde.
Heute sieht man Braut und Bräutigam dagegen selten alleine. Sarah und Frank sitzen vor der großen Bühne auf dem weiträumigen Außengelände des Waldkaters, gegenüber hat die Hochzeitsgesellschaft an mehreren Reihen langer Tafeln Platz genommen. In einer kurzen Ansprache bedankt sich Frank bei allen, die seine Frau und ihn auch in den letzten Jahren unterstützt haben, die nicht immer leicht waren: „Ihr seid die Menschen, die wir lieben, mit denen wir gerne zusammen sind und mit denen wir gerne feiern.“ Dann wird der Hochzeitskuss noch mal für alle wiederholt, die in der kleinen Kirche keinen Platz gefunden hatten – Beifall der Gäste, dann geht es weiter im Programm: Unter anderem sorgen Yvonne Parker und ihre Travestie-Show, Bands sowie Laser- und Feuershow für Unterhaltung. Und natürlich wurde auch an die rund achtzig Kinder gedacht, für die ein Extraprogramm samt Clown organisiert wurde.
Das Datum der Hochzeit ist bewusst gewählt: Fast auf den Tag genau vor vier Jahren wurde Frank auf Mallorca festgenommen. Die spanischen Behörden werfen ihm unter anderem vor, eine kriminelle Vereinigung gebildet und die illegale Prostitution gefördert zu haben. Zwei Jahre saß er deswegen in Untersuchungshaft, nach Zahlung einer Kaution von 60.000 Euro kam er frei, durfte das Land aber rund drei Jahre nicht verlassen. Neben der Trauung sollte heute eigentlich auch die Einstellung der Ermittlungen gefeiert werden. Doch das spanische Damoklesschwert schwebt noch immer über Frank, denn das Verfahren kann offenbar noch immer eröffnet werden: „Uns wurde erklärt, dass innerhalb von vier Jahren Anklage erhoben werden muss. Aber im Moment weiß keiner irgendwas Genaues. Außerdem wurden die Richter und Staatsanwälte ausgetauscht. Vielleicht erfahren wir nach der Sommerpause, wie es weitergeht.“
Zwar muss Frank jeden Monat eine neue Erlaubnis beantragen, in Deutschland bleiben zu dürfen, sich aber immerhin nicht mehr wöchentlich bei der spanischen Polizei melden. Und er ist gut vorbereitet – dazu gehört ein fester Wohnsitz in Spanien: „Wenn der Richter sagt, dass wir kommen müssen, dann kommen wir jederzeit.“ Eine Klage auf Schadensersatz ist nicht geplant. Noch nicht: „So weit denke ich nicht. Für uns ist jetzt wichtig, dass wir gut aus der Sache rauskommen, mit oder ohne Prozess. Wir wollen, dass der Sachverhalt sich klärt. Und wo nichts ist, ist nichts. Wir sind aber gut aufgestellt, haben gute Anwälte.“
Die Flitterwochen werden irgendwann nachgeholt, momentan hat Frank zu viel nachzuholen, was während seines unfreiwilligen Aufenthalts in Spanien liegengeblieben ist. Wohin es gehen soll, steht auch noch nicht fest. Vielleicht ein Land, in dem man Spanisch spricht? Frank lacht: „Das muss nicht sein …“    «
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Stand:24 April 2018 16:18:20/motorrad/szene/frank+hanebuth+rocker-hochzeit_178.html