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18.08.2017  |  Text: Michael Ahlsdorf  |   Bilder: AFE Walczak
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National Run – Bandidos MC


Alle europäischen Bandidos trafen sich zum National Run im Süden Frankreichs


Unter einem Strohdach haben die finnischen Bandidos eine Werkstatt eingerichtet. Kleine Reparaturen an den Bikes ihrer Brüder gehen hier sofort. Größere Reparaturen sind problematisch. Nach einem halben Tag liegt über jedem Teil eine dicke Schicht von Staub aus der Provence.
Wir sind in Arles, am Rande der Camargue. Der National Run der Bandidos ist eine Pflichtfahrt für alle europäischen Member – „mandatory“, wie es hier auf allen Programmzetteln heißt. Und weil es eine Pflichtfahrt ist, sind die Clubs mit ihren kompletten Chaptern eingerollt. Immer auch mit Begleitfahrzeug, einem Truck oder einem Hänger. Wenn ein Bike vor Ort nicht repariert werden kann, dann wird es eben für den Rückweg verladen. Wie das Bike eines deutschen Members, dessen Harley schon auf dem Hinweg nach einem großen Knall im Motor auf der Standspur ausrollen musste. Überall lief das Öl raus, erzählt er. Also haben seine Brüder es verladen, er selbst musste im Truck seinen Platz einnehmen. „War auch mal ganz schön, im klimatisierten Laster zu sitzen“, gesteht er schmunzelnd. Hinter ihm und seinen Brüdern liegen tausend Kilometer, ab Frankreich in glühender Hitze, immer über 30 Grad.
Auf dem Partygelände ist es nicht kühler, wenigstens spenden ein paar Bäume Schatten. Es ist – haltet euch fest – tatsächlich das Gelände der Gipsy Kings. Das war diese gitarre­schrammelnde Zigeuner-Combo, in deren Liedern es naturgemäß auch immer mal wieder um Banditen im heißen Süden geht. Im letzten Jahr waren die Gipsy Kings zu Gast auf dem National Run in Spanien. In Südfrankreich sind sie die Gastgeber.
„Das ist endlich mal wieder ein Gelände für richtige Biker“, freuen sich die Bandidos. Es ist weitläufig, liegt am Ufer der Rhone, pittoreske Zigeunerwagen und Haziendas markieren die einzelnen Locations des Runs.
Nur einmal müssen alle Member sich in die große Halle schieben. Prompt wird es da drin umso heißer und nun auch noch stickig. Es ist Samstagabend, die Stunde der großen Ehrungen. Der dänische Bandido Kok steht auf der Bühne, verleiht Patches an Prospects, die damit als Member in die Bandido Nation aufgenommen werden. Diese Nation ist inzwischen eine Föderation, die sich aus den Clubs der verschiedensten europäischen Regionen zusammensetzt.
Und Kok verleiht Patches an verdiente Member aus der Föderation, unter ihnen ein Member aus Kasachstan, dessen Namen wir uns nicht merken können, der aber die 6000 Kilometer aus seiner kasachischen Heimat auf dem Bike abgeritten hat. Ebenso ehrt er Dennis und Jasper aus dem Chapter North Coast in Dänemark. Die beiden waren am 2. April nach Shanghai aufgebrochen, nun haben sie auf dem Rückweg Station in Arles gemacht, mit 37 000 Kilometern auf den Uhren ihrer Harleys.
Eine große Stunde wird es für die deutschen Bandidos, als die Member des Harter Kern MC Xanten die Bühne zum Patchover betreten. Ihre Kutten legen sie ab und empfangen nun die Bandidos-Patches. Als Probationary Bandidos MC Xanten verlassen sie die Bühne. Großer Jubel in der Halle.
Mit den Worten „Have a good party“ verabschiedet Kok seine europäischen Brüder wieder an die frische Luft. Viele von ihnen zieht es bald danach in die Zelte oder ins Hotel. Sie müssen am Sonntag früh raus, Tausende von Kilometern liegen vor ihnen. Die Xantener Bandidos werden ihre Patches an der deutschen Grenze wieder ablegen müssen. Colour-Verbot in Deutschland. Die Party ist vorbei.   

Text: Michael Ahlsdorf
Bilder: AFE Walczak

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