Es gibt genug Gründe, neue Pulleys zu verbauen. Wir haben bei Rick’s zugeschaut, wie die Teile aus dem Vollen gefräst werden …
… Als der badische Customizer „Rick’s“ die ersten selbstgefertigten Räder auf den Markt brachte, war das sein Durchbruch in der Customszene. Der Laden boomte, Rick’s expandierte und wurde im Jahr 2011 sogar Vertragshändler für Harley-Davidson. Inzwischen macht Rick’s alles, was rund ist. Und dazu gehören Pulleys, die zahnradähnlichen Scheiben des harley-spezifischen Riemenantriebes.
Von ihnen kann Rick’s viele gebrauchen, denn er ist auch für seine Breitreifen-Umbauten bekannt; man denke nur an das „Fat Ass“-System für Big Twins: Mit einer Zwischenwelle und einem weiteren Belt wird der Sekundär-Belt nach außen verlegt. Das schafft Platz für Reifen bis zu 300 Millimeter Breite, in Ausnahmefällen sogar bis zu 330 Millimeter. Jüngstes System ist eine Umrüstung für Sportster auf 240er-Reifen. Auch dafür ist ein neues Abtriebspulley am Getriebeausgang erforderlich.

So kommen die Zähne ins Rad

Die Pulleys werden im eigenen Hause hergestellt. Wer eine Drehbank für Felgen hat, der kann darauf auch Pulleys fertigen. Was noch hinzukommt, ist eine Stanzmaschine für die Zahnräder des Pulleys. Sie ist mit einem Kranz von messerscharfen Zähnen bewaffnet, die sich rotierend Zehntelmillimeter um Zehntel­millimeter in den Rohling fressen. Für jeden Zehntelmillimeter braucht dieser Kranz ein paar Sekunden, in denen er sich anhebt, sich schabend in den Rohling hineinsenkt, sich wieder anhebt, einen Zahn weiter dreht und am nächsten Zahn im Rohling ansetzt. Macht bei einem Pulley von 60 Zähnen und einer Zahntiefe von einem knappen Zentimeter einen langen Tag. Wenn an der Maschine nichts ausfällt, kann so ein Pulley dann also fertig sein. Genauer gesagt, nur seine Zähne, zumal das Pulley danach noch in eine Sonderbehandlung kommt, um den Zahnkranz zu härten.

Maße aus dem Rechner

Die Rohlinge wurden zuvor wie Wurstscheiben von meterlangen Aluminiumblöcken abgeschnitten und rundgedreht. Das erfolgt auf einer gekapselten Drehbank, computergesteuert. Die verschiedenen Meißel für die verschiedenen Arbeitsstufen sind darin auf einem großen Revolver angebracht, auch sie greifen computergesteuert ein. Eine weitere Arbeitsstufe ist gegebenenfalls noch das Ausfräsen von Löchern für die Ausbildung von Streben, damit die Pulleys Gewicht verlieren und besser aussehen.
Alles das ist zuvor in Computerprogrammen festgelegt worden. Darin sind auch die exakten Vorgaben für die Maße eines einzelnen Zahnes verzeichnet. Die Lage der dafür vorgeschriebenen Messpunkte und ihre genauen Maße sind natürlich ein Betriebsgeheimnis von Rick’s. Wir dürfen aber verraten, dass Rick’s mit metrischen Maßen arbeitet, während die originalen Harley-Teile nach zölligen Maßen gefertigt werden.
Verraten dürfen wir auch, dass ein Pulleyantrieb selbst ohne die seitlichen Anlaufscheiben funktionieren muss. Wenn die Pulleys sauber ausgerichtet sind, dann bleibt der Riemen an seinem Platz. Deshalb haben viele Pulleys auch nur eine oder gar keine Anlauf­scheibe.

Vom Pulley zum Riemen

Der Riemen für den Sekundärantrieb wurde im Jahr 1980 für die FXB-Sturgis eingeführt. Aber die moderne Technik hat die Methoden der guten alten Mofazeit nicht auf den Mülleimer der Schraubergeschichte geworfen. Auch mit Pulleys können die Endübersetzungen geändert werden, ohne dass der vorhandene Belt ausgetauscht werden muss. Das funktioniert nicht anders als in früheren Zeiten beim Mofatuning. Der Schlitz in der Achsaufnahme der Schwinge ermöglicht den Ausgleich der veränderten Riemenspannung bis zu einem gewissen Maß. Ein Riemen kann aber nicht wie eine Kette um einzelne Glieder verlängert oder verkürzt werden. In solchen Fällen müssen neue Riemen mit mehr oder weniger Zähnen bestellt werden. Auch diese Techniken hat Rick’s für einige sportlichere Ausführungen seiner Bikes praktiziert und entsprechende Lösungen parat.    «



Rick’s Motorcycles GmbH
Flugstraße 1
76532 Baden-Baden
Tel 07221 - 3939-0
www.ricks-motorcycles.com

 
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Stand:24 April 2018 16:16:55/motorrad/test+und+technik/pulley++statt+zahnrad_176.html