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19.05.2017  |  Text: Michael Ahlsdorf  |   Bilder: Benjamin Grna
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Three Weels Scout - Gespannfahren

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Gespannfahren ist anders. Wer drüber lästert, sollte es erst mal probieren


Ja, ja, wir prahlen großkotzig: Gespannfahren kennen wir! Beim Beschleunigen zieht’s nach rechts, beim Verzögern zieht’s nach links. Hat was mit Physik zu tun, mit Massenträgheit, muss man sich nur dran halten.



Und so schwingen wir uns in den Sattel. Gang rein, Gas geben, die Prophezeiung erfüllt sich. Das Gespann wird nur links angetrieben – und wie ein Spielzeugauto, das ihr mit dem Finger nur auf der linken Seite anschiebt, drängt die Fuhre nach rechts. Kein Problem, das korrigiert man mit Gegenlenken. Das Bewegungsmuster im Körper sitzt noch: Jedes Hochschalten ein Walzertakt, denn während des Auskuppelns muss ja auch das Gegenlenken für eine halbe Sekunde zurückgenommen werden, um beim erneuten Beschleunigen den Hebel am Lenkerende blitzschnell wieder anzusetzen. Alles immer mit elegantem, aber kaum sichtbarem Hüftschwung.

Jetzt das Ganze rückwärts. Wir treten die Bremse. Und da passiert’s. Statt wie erwartet nach links zu ziehen, schüttelt sich die Fuhre und fast reißt es uns nach rechts in die Reihe der parkenden Autos. Prompt werden die Knie weich und die Schweißperlen spritzen von der Stirn.



Woran lag’s? Wir haben den gebremsten Seitenwagen vergessen. Im Unterschied zu Krädern aus der Zeit des Wirtschaftswunders hat diese Scout auch rechts einen Anker. Ein Tritt auf die Fußbremse, bissige Scheibenbremse auch noch, und schon blockieren die Räder auf beiden Seiten. In alter Gewohnheit hatten wir aber die Gegenbewegung schon eingeleitet und stifteten so die Verwirrung.
Tja, jedes Gespann hat sein eigenes Leben. Aber im Gegensatz zum Verhalten einer Frau begründet sich das eines Gespannes in der Physik – und die ist berechenbar. Und so, erklärt uns Bernd Peintner von Iwan-Bikes, gibt es auch Bremskraftverteiler, die den von uns geschilderten Effekt neutralisieren können.

Aber warum denn? Man muss es ja nur wissen, dann lässt der Effekt sich sogar für die Unterstützung von Kurvenfahrten und allerlei Kunststückchen nutzen. Schließlich zieht das Gespann beim Bremsen tatsächlich nach links, wenn nur die Vorderradbremse aktiviert wird. Das aber muss einem Gespannfahrer erst in Fleisch und Blut übergehen. Zeitraum dafür: drei Tage.



Da wir nur einen Tag für unser Fotoshooting haben, lassen wir Martin, den Mechaniker von Iwan-Bikes, vor unserer Kamera fahren. Martin beherrscht natürlich auch die klassische Showeinlage aller Gespannfahrer: das Anheben des Seitenwagens. Es lässt sich durch ein kurzes, aber beherztes Ziehen des Lenkers nach rechts induzieren. Dann denkt das Gespann, es würde eine scharfe Rechtskurve kriegen und müsste aus ihr rausfliegen. Auch hier gilt: Probiert das nicht am ersten Tag – und probiert es vor allem nicht auf der Scout von Iwan-Bikes, denn die ist 30.000 Euro wert.

Es handelt sich übrigens um das erste Gespann mit einer Indian Scout als Zugpferd. Mit ihrem kraftvollen und vor allem durchzugsstarken Motor bietet sie sich dafür an. Nur ist sie ab Werk nicht gespanntauglich. Die erforderlichen Modifikationen hat Iwan-Bikes in Eigenregie durchgeführt – und davon waren einige erforderlich, denn die Physik eines Gespannes ist eine andere als die eines Solokrads. Um die Seitenkräfte wegzustecken, rüstete Iwan-Bikes die Räder auf Speichenfelgen um. Am Rahmen befinden sich nun mehrere Hilfsverstrebungen, die an das serienmäßige Gussfahrwerk geschraubt wurden.

Darüber hinaus wurden die Federbeine verstärkt. Eine Korrektur des Nachlaufes hat Iwan-Bikes sich gespart. Sie ist normalerweise erforderlich, denn mit dem für Solokräder üblichen langen Nachlauf kann das Lenken im Gespannbetrieb zu einem Kraftakt werden. In diesem Fall ist es das tatsächlich nicht. Der sonst erforderliche Kraftaufwand wird durch das leichtgewichtige GFK-Boot egalisiert, es stammt ebenfalls aus dem Hause Iwan-Bikes.

Auch nicht erforderlich war eine Neuabstimmung des Motors oder des Getriebes. Die Scout hat genug Dampf in allen Lebenslagen. Womit ihr aber rechnen müsst, ist ein erhöhter Verschleiß von Kupplung und Reifen wegen der Belastung und wegen des asymmetrischen Antriebes. Ihr solltet es euch leisten, denn wer einmal das Fahren mit dem dritten Rad begriffen hat, kommt vom Trip nicht mehr runter. Ein eigenes Leben kann so faszinierend sein – wenn’s nicht das einer Frau ist.

Text: Michael Ahlsdorf
Bilder: Benjamin Grna

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Ausgabe 7/17 erscheint am 16. Juni

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Stand:29 May 2017 22:53:25/motorrad/three+weels+scout+-+gespannfahren_175.html