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25.04.2017  |  Text: Harry  |   Bilder: Harry/Archiv BtbW MC Memmningen
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Born to be Wild MC Memmingen


20 Jahre führte Peter den Born to be Wild MC Memmingen. Anlässlich des 40-jährigen Chapterjubiläums baten wir ihn zum Gespräch


Dass es so weit kommen würde, hat niemand von uns im Entferntesten ge­­glaubt. Und sind wir mal ehrlich, in unserem jugendlichen Verhalten in den Siebzigern lag auch nicht die Spur von Absicht, Plan oder gar Strategie. Wir haben ein wenig an Mopeds herumgeschraubt, sie natürlich auch verbotenerweise getestet und ansonsten haben wir herumgehangen, getrunken, gerauft – es gab außer dem Moped eben zahlreiche andere Freizeitvergnügungen.“
Exakter können die Anfänge des Memminger Born to be Wild MCs wohl kaum beschrieben werden. Wer sollte es auch besser können als jemand, der diese Zeit miterlebt hat? Peter, der im Club auch „der Alte“ genannt wird, ist seit damals dabei und führte das Chapter als Presi 20 Jahre lang durch mitunter wilde Zeiten – und er ist immer noch der Mann der wenigen, aber präzisen Worte. Was im Rückblick auf die 40-jährige Clubgeschichte wie ein roter Faden aussehen mag, war in Wirklichkeit oft eher ein seidener Faden. Das Chapter durchlebte Höhen und Tiefen, deren Auswirkungen oft nicht zu kalkulieren waren. Zugegeben, viele Dinge können nur dann geschehen, wenn die Zeiten es zulassen – allein die Tatsache, dass es auf deutschem Gebiet länger als zehn Jahre zwei MCs mit gleichem Namen gibt, ohne dass diese voneinander wissen, ist heutzutage nicht mehr vorstellbar.
Doch jedes Ereignis in der wechselhaften Geschichte des Chapters ist ein weiterer Schritt zu dem Punkt, an dem sie heute stehen: fest verwurzelt in der großen „Borns-Familie“, ohne die traditionsreiche, bayerische Herkunft zu vernachlässigen.

20 Jahre führte Peter das Memminger Born-to-be-Wild-Chapter

Peter im Interview

BIKERS NEWS: Hallo Peter! Jetzt, da es ein dickes Buch über den Born to be Wild MC gibt, braucht man ja nur noch nachzulesen …
Peter: Klar, durch das Buch über die Borns ist unsere Geschichte sicher einem breiteren Publikum bekannt geworden. Aber würden wir wirklich alles aufschreiben, was allein bei uns in Memmingen alles passiert ist, müssten wir wohl noch zwei weitere Bände veröffentlichen.

Wobei die allgemeine Ignoranz gegenüber Fotoapparat und Schreibblock bis heute bei den meisten MCs verbreitet ist. Wie gern würde man sich heute alte Fotos anschauen …
Das ist auch richtig, das hat früher niemanden interessiert – und das ist teilweise heute noch so. Für so etwas hatten wir weder die Kohle, noch den Sinn. Wenn du von deinem neugeborenen Kind jeden Monat ein Foto machst, dann machst du das, um eine Entwicklung zu dokumentieren. Wir haben damals in den Siebzigern doch kein „Ding“ vor Augen gehabt, was es zu „entwickeln“ galt.

„Entscheidend war der Moment, als wir unsere Clique nach unserem Lebensstil benannt haben“

Aber trotzdem ist dann etwas entstanden. Und zwar Erstaunliches! Entscheidend war wohl der Moment, als wir unsere Clique der Einfachheit halber nach unserem Lebensstil benannt haben und das „Born to be Wild“-Abzeichen eigenhändig und nüchtern auf unsere Westen nähten. Durch diese gewollte Darstellung vertrittst du auch etwas, du machst dich als Gruppe bekannt und interessant. Ab diesem Zeitpunkt wollten viele mitmachen.


Sicher waren auch bei euch die ersten Jahre durch Kommen und Gehen zahlreicher Mitstreiter geprägt, oder?
Richtig. Von 1977 an hat es im Grunde bis Mitte der Achtziger gedauert, dass der hohe Durchlauf von „Mitmachern“ verringert wurde. Erstens durch regelmäßige Sitzungen, vor allem aber durch die Hilfe der Stadt, die uns 1984 die ehemaligen Umkleideräume eines Sportvereins zur Verfügung gestellt hat. Die haben wir dann zu unserem ersten, offiziellen Clubhaus ausgebaut – und das festigte ganz entscheidend unser Zusammengehörigkeitsgefühl. Von dieser Basis aus sind wir jedes Wochenende mit unseren Karren gestartet, um irgendein Rockertreffen zu besuchen.

… mit den üblichen Raufereien?
Manchmal war das nicht zu vermeiden, vor allem mit dem Alkohol. Aber wir waren auch leidenschaftliche Zweiradfahrer und unsere Fahrten waren für damalige Verhältnisse auch ganz schön lang. So haben wir dann auch die Leute aus dem Schwarzwald getroffen, die hatten den gleichen Schriftzug wie wir auf dem Rücken. Heutzutage ein No-Go, damals haben wir gleich gemerkt, dass wir uns sehr ähnelten – deswegen haben wir uns unter einem neuen Colour zusammengetan. Die hatten halt den schöneren Adler im Patch, wir den schöneren Schriftzug, so einfach entstand eine neue Gemeinschaft. Heute würde man sagen: coole Aktion. Wir waren sozusagen auf der Überholspur, denn fast gleichzeitig haben wir unter Mithilfe italienischer Freunde unser erstes Chapter in Vicenza gegründet; eine echt starke, süddeutsch-italienische Gemeinschaft.

„Wir mit unseren bajuwarischen Dickschädeln sind aus Berlin abgereist, ohne auf irgendeine Forderung einzugehen“

… die nach dem unverhofften Mauerfall eine Ansage vernehmen musste: „Es kann nur einen geben!“
Aus heutiger Sicht unvorstellbare Dinge, die sich abspielten. Da gab es also seit 1975 einen gleichnamigen Club in Berlin und keiner wusste vom anderen. Natürlich haben uns die Großstädter gleich mal eine Ansage gemacht, aber wir mit unseren bajuwarischen Dickschädeln sind erst einmal wieder aus Berlin abgereist, ohne auf irgendeine Forderung einzugehen. Ein weiteres Treffen auf neutralem, italienischen Boden brachte es dann auf den Punkt: Kampf oder Kennenlernen! Alle anwesenden Vertreter, inklusive meiner Person, diskutierten mit kühlem Kopf – und wie wir heute wissen, trafen wir die richtige Entscheidung.
Seit 1991 gilt die Vereinbarung, dass der Name weiterhin für alle bestehen bleibt und das Berliner Colour übernommen wird – als Recht des älteren Zeichens.


Wie sehen die jüngsten Clubentwicklungen und -neuerungen in Memmingen aus?
Seit vielen Jahren gibt es sowohl im Ort als auch im nahen Landsberg weitere Chapter. Ein zweites in Memmingen, um die Gruppen übersichtlicher zu halten, und das in Landsberg, um den Jungs weite Wege von ihren Wohnorten zu ersparen. Einen aktuell ganz neuen Weg haben wir im letzten Jahr eingeschlagen: Mit dem Harley-Club „South Point HDC“ aus Obersdorf verbinden uns Gemeinsamkeiten in der Gesinnung und im Handeln, sei es Reisen, Schrauben oder die Freizeitgestaltung allgemein. Den ursprünglichen Plan, den Club in unsere BtbW-Familie aufzunehmen, sahen wir allerdings mit dem nötigen Sinn für die Realität – denn müssen wir diese homogene Gemeinschaft, die sich auch bereits in einem fortgeschrittenen Alter befindet, mit den üblichen MC-Beitrittsprozeduren belasten? Aus Gründen der Vernunft haben wir uns für „nein“ entschieden. Als südlichster MC Deutschlands fährt der South Point MC nun mit unserem Freundschaftspatch auf der Brust und die Beziehungen zueinander könnten nicht besser sein.
Zum Ende möchte ich noch zwei Dinge loswerden. Was viel zu selten Erwähnung findet, ist die Rolle der Familie in unserem sehr aufwendigen Clubleben. In meinem persönlichen Umfeld läuft es dankenswerterweise perfekt (Sohn Andy übernahm 2005 das Presi-Amt von Peter und aktuell steht Sohn Elpo dem Chapter vor, Anm. d. Verf.) und wir bemühen uns, alle Familienangehörigen so gut wie möglich einzubeziehen.

„Bis auf einen Twin Cam fahren wir nur noch Pan bis Evo. Schön ist, dass wir nun auch wieder mal zwei Tage für eine Anreise brauchen“

Eine weitere Entwicklung sehe ich ebenfalls mit großer Freude, es ist eine Art Rückbesinnung, die bereits enorme Früchte trägt. Bis auf einen Twin Cam fahren wir im Chapter nur noch Pan bis Evo. Schön ist, dass wir nun auch wieder mal zwei Tage für eine Anreise brauchen und sogar wieder mit schwarzen Händen ankommen. Mit Freude stelle ich fest, dass wir immer mehr Member für diesen Trend gewinnen und auf unsere Seite ziehen.
Und als wirklich letzte Bemerkung sei mir erlaubt: Wenn am 16. und 17. Juli die Borns von Berlin bis Italien sowie viele weitere Biker zur Feier im Memminger Kaminwerk zusammenfinden, werde ich mit meiner Band „Rock Time“ einmal mehr die Halle zum Kochen bringen.     «


Kontakt
BtbW MC Memmingen
Postfach 51
87746 Erkheim
www.btbw-mc.de

Wild Corner Clubhouse
Beim Ziegelstadel 8
87766 Memminger Berg

Jubiläumsparty: 16.-17. Juni 2017
Kaminwerk
Anschützstr. 1
87700 Memmingen
 

Mehr über die Geschichte des Born to be Wild MC findet ihr in diesem Buch, erhältlich im SzeneShop: Rocker in Deutschland: Born to be Wild MC, 344 Seiten, ISBN: 978-3-927896-59-8, SzeneShop-Bestellnummer: 701373, 29,90 Euro



Zuerst veröffentlicht in BIKERS NEWS 05/2017
 

Text: Harry
Bilder: Harry/Archiv BtbW MC Memmningen

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Stand:22 January 2018 03:44:40/szene/aktuelles/born+to+be+wild+mc+memmingen_174.html