Lobo MC vor Gericht: Streit unter Brüdern

19.05.2017  |  Text: Tilmann Ziegenhain  |   Bilder: Tilmann Ziegenhain
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Lobo MC vor Gericht: Streit unter Brüdern
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Am 30. März standen Member des Lobo MC wegen gefährlicher Körperverletzung vor Gericht. Clubgründer Joe hatte sie angezeigt
Vor dem Gebäude hat sich eine lange Schlange gebildet. Im Eingangsbereich müssen alle durch eine ausgiebige Kontrolle der Justizbeamten. Drinnen reichen die Sitzplätze nicht. Derartig eng ist es selten im Amtsgericht Maulbronn. Die heutige Sitzung ist öffentlich, der Saal voller Zuschauer. Genauer gesagt: Voller Member des Lobo MC, denn auf der Anklagebank sitzen vier ihrer Clubbrüder. Unter ihnen ist auch Marco, Präsident des Motherchapters Pforzheim.

Der Vorwurf: Am 31. Oktober 2015 sollen sie Markus D. (Name von der Redaktion geändert) gemeinsam verprügelt und beraubt haben. Auch ein Schlagstock und eine Keule sollen zum Einsatz gekommen sein. Geraubt worden sei die Kutte des Geschädigten.

Auch diese Bonkarte und diese Ringe spielten bei der Verhandlung eine Rolle

Heute, rund anderthalb Jahre später, wird die Sache vor Gericht verhandelt. Joe hat seine ehemaligen Clubbrüder angezeigt und sagt neben dem Geschädigten selbst als zweiter Zeuge aus. Doch nicht nur im Zusammenhang mit diesem Vorfall belastet er seine ehemaligen Member, sondern auch wegen des angeblichen Konsums und Verkaufs von Betäubungsmitteln. Doch die Ermittlungen hierzu wurden eingestellt. Zu lange sei es her, zu unspezifisch seien die Aussagen, heißt es in den Akten der Polizei.

Das Vorspiel

Dem Prozess sind interne Streitigkeiten vorausgegangen (siehe Berichte in BIKERS NEWS 01/2016 und 02/2016). 2013 war Clubgründer Joe auf dem vierzigjährigen Jubiläum des Lobo MC offiziell vom Amt des Präsidenten von Pforzheim zurückgetreten, blieb aber in beratender Funktion Mitglied des 12er-Rates. Der ist die oberste Führung des Clubs, er organisiert und koordiniert Aktionen, die alle Chapter betreffen.

Kare, Marco und Ulli (v. links) sind der 12er-Rat des Lobo MC. Der ist die oberste Führung des Clubs, er organisiert und koordiniert Aktionen, die alle Chapter betreffen - die 12 verweist auf den zwölften Buchstaben des Alphabets: L für Lobo.

Nach seiner Abdankung hat sich der Konflikt zwischen ihm und dem Rat dann offensichtlich zugespitzt. Der 12er-Rat meint, Joe habe sich nicht an Mehrheitsentscheidungen gehalten. „Um die Sitzungen zu strukturieren, haben wir die Chapter gebeten, im Vorfeld Themen einzureichen. Die haben wir dann zu einer Tagesordnung sortiert, alle Punkte sollten nach und nach abgehandelt werden. Wegen Krankheit konnte Joe oft nicht an den Sitzungen teilnehmen, aber wenn er anwesend war, wollte er sich nicht an diesen Ablauf halten und alleine bestimmen. Damit hat er unsere Handlungsfähigkeit massiv eingeschränkt“, so Marco damals im Interview mit der BIKERS NEWS.

Das „Elite-Chapter“

Joe dementierte seinerzeit in der nächsten Ausgabe: „Ich habe mich bestimmt nie wie ein Diktator benommen, auf die Meinung meiner Jungs habe ich immer sehr großen Wert gelegt.“
Auch Kare, ebenfalls Mitglied des 12er-Rates, hatte ein Beispiel gegeben: „Er hat versucht, im direkten Kontakt einzelne Member um sich zu scharen. Er nannte das ,Elite‘. Das entspricht aber nicht unserer Clubphilosophie und musste zum Konflikt führen.“
Im Interview vom Februar 2016 erwiderte Joe wiederum: „Ich habe einen Elitetrupp ins Leben gerufen – und zwar, um den Club zu schützen, nicht um ihm zu schaden. Der Hauptclub Pforzheim ist nicht mehr in der Lage dazu.“

Justizbeamte kontrollieren die Zuhörer am Eingang

Am Abend des 31. Oktober 2015 fährt Jo auf die Halloween-Party des Lobo MC Bretten. Mit dabei ist neben seiner Lebensgefährtin und Membern des neu gegründeten Nitros MC auch Markus D. Den hatte der Club rausgeworfen, doch Joe gab ihm ein neues Colour. Und das trägt er an diesem Abend. Es kommt zum Streit, D. wird aufgefordert, die Kutte auszuziehen. Als er sich nach merhmaliger Aufforderung immer noch weigert, wird sie ihm unter Gewaltanwendung abgenommen.
Auch die Member des Nitros MC geben an diesem Abend ihre Kutten ab, allerdings ohne groß zu zögern. Joe habe die Gründung des Clubs genehmigt, meinen sie.

Im Laufe der heutigen Verhandlung bestreitet der, das getan zu haben. Es stehe ihm schlicht nicht zu – und er habe auch nicht gefragt, als er den Club gründete. Heute kommen die Member des Nitros MC wieder zu den Lobos. Zwar ohne Colour, doch zumindest dieser Konflikt scheint aus der Welt zu sein – sie sind heute weder als Zeugen noch als Zuschauer in Maulbronn.
Der Clubgründer wird ausgeschlossen

Nach dem Vorfall auf der Party beruft der Club eine Vollversammlung ein, um den Konflikt aus der Welt zu schaffen. 12er-Rat-Mitglied Ulli: „Auch Joe war eingeladen, er ist allerdings nicht erschienen. Uns war wichtig, dass wir die Entscheidung auf eine breite Basis stellen. Das Ergebnis ist, dass nahezu einstimmig beschlossen wurde, Joe aus dem Club auszuschließen.“
Joe dagegen sieht sich nach wie vor als Führer des gesamten Clubs: „Ich bin nach wie vor Oberpräsident des gesamten Clubs und habe auch nicht vor, dieses Amt niederzulegen“, äußerte er sich gegenüber der BIKERS NEWS in der Februar-Ausgabe 2016.

Auch seine Abwesenheit auf der Vollversammlung kommentierte er: „Eigentlich war eine Vorstandssitzung mit allen Präsidenten am üblichen Ort in Pforzheim einberufen – und zwar hauptsächlich, um diesen erbärmlichen Vorfall (...) auf der Halloween-Party in Bretten zu klären. Marco hat dann aber ohne mein Wissen eine Vollversammlung draus gemacht und diese nach Bretten verlegt. Man hatte also von vornherein geplant, dass ich dieser Sitzung fernbleibe, denn ich wurde nicht über diese Änderung informiert. Und ich bin dieser Sitzung dann auch ferngeblieben.“

Die Sitzung ist öffentlich, der Saal voller Member des Lobo MC, die die Verhandlung verfolgen wollen

Der Staatsanwalt ermahnt den Richter

Zurück nach Maulbronn: Dort schweigen alle vier Angeklagten. Allein ihre Anwälte melden sich zu Wort – vor allem durch kritische Fragen an die Zeugen. Der erste ist Markus D., der Geschädigte. Er sei wegen Intrigen aus dem Club ausgeschlossen worden, Joe habe ihn dann irgendwann angerufen und gefragt, ob er wieder eintreten wolle, so der 44-Jährige. Auch von der „Lobo-Elite“ habe Joe ihm erzählt.

Zur Sache selbst äußerte er sich zunächst nur knapp: Man sei zusammen auf die Party gefahren und dort sei die Sache dann eben eskaliert. Dr. Bernd Lindner, dem Richter, reicht das nicht: „Soll ich die deswegen verklagen?“, fragt er – Gelächter im Saal. Lindner wird im Laufe der nächsten Stunden noch mehrmals flapsige Bemerkungen machen. Bis der Staatsanwalt ihn zu mehr Ernsthaftigkeit ermahnt.

Doch die ist in der Sache gegeben. Bis ins kleinste Detail wollen Richter und Anwälte vom Zeugen wissen, was genau geschehen ist: Was er genau weiß und was er nur vermutet; was er gesehen und was er gehört hat; wer dabei war und wo genau. Selbst eine Skizze muss er zeichnen. Und er wird gefragt, wie oft ihn der Angeklagte Pforzheimer Präsident Marco G. geschlagen habe – ob dieser seine Ringe anhatte oder nicht und ob er selbst, D., stand oder bereits am Boden lag.

Auch über sein Verhältnis zum Club muss er sprechen: Wann er wo eingetreten ist, was er über einen Austritt oder Ausschluss von Clubgründer Joe wisse. Und nicht zuletzt, warum er damals überhaupt zu dem Fest gefahren sei. Ob er nicht damit habe rechnen müssen, unwillkommen zu sein. Und ob er nicht davon ausgehen musste, dass es als Provokation aufgefasst werden würde, wenn er dort mit dem Colour des Chapters Pforzheim auftrete, das ihn doch ausgeschlossen habe.
Doch D. wehrt ab: Clubgründer Joe höchstpersönlich habe ihm das Colour erneut verliehen – und nur der hätte es ihm auch wieder abnehmen dürfen.

Nicht zuletzt steht auch die Frage im Raum, warum er nicht unmittelbar und selbst Anzeige erstattet hat, nun aber als Zeuge aussagt.

Auf der Anklagebank: vier Männer des Lobo MC und ihre Anwälte (sechster von Rechts: Marco, Präsident Motherchapter Pforzheim)

Clubgründer Joe als Zeuge

Joe selbst tritt als zweiter Zeuge auf. Um 11:15 Uhr betritt er den Saal. Auch ihn durchlöchern Richter und Anwälte rund anderthalb Stunden mit Fragen. Ob er immer noch Oberpräsi des Lobo MC sei. „Ja, richtig“, so Joe, der im Laufe seiner Aussage auch davon erzählt, wie er dreieinhalb Jahre in den Knast gegangen sei, weil er den Club und die Member mit Familien habe schützen wollen. Ja, er habe den Geschädigten D. wieder zurück in den Club geholt, denn der sei zu Unrecht ausgeschlossen worden. Er selbst habe am fraglichen Abend nicht mit einer Eskalation gerechnet und sei gut gelaunt zur Party angereist.

Doch man habe im Vorfeld gegen ihn gehetzt. Weil er Drogen im Club nicht geduldet habe. Das hätte er nach all den Jahren nicht von ihnen erwartet, meint er in Richung der Member im Saal. Ebenso wenig, dass sie ihm nicht zum sechzigsten Geburtstag gratulieren würden.

Auch Marco hätte seit Langem gegen ihn intrigiert und sich in den Vordergrund gedrängt. Als Beispiel ist von Bonkarten die Rede, auf die Marco statt des Clublogos sein eigenes Gesicht habe drucken lassen. Kurz darauf kursiert dann prompt ein Exemplar im Zuschauerraum, das auf die Beschreibung passt. Doch es ist anlässlich des privaten, runden Geburtstages von Marco gedruckt worden. So seien die privaten Bons bei der Abrechnung einfach besser von den clubeigenen zu unterscheiden gewesen.

Bewährungsstrafen nach Geständnissen

Ursprünglich waren zwei Verhandlungstage angesetzt, rund ein Dutzend weitere Zeugen hatten beide Seiten geladen. Doch bereits am Nachmittag des ersten Tages ist der Prozess vorbei: Einer der vier Angeklagten wird freigesprochen, er war offensichtlich versehentlich angeklagt worden. Die anderen drei bekommen Freiheitsstrafen zwischen sieben und neun Monaten, ausgesetzt zur Bewährung auf zwei Jahre. Zwei der Angeklagten müssen außerdem mehrere Hundert Euro Strafe zahlen, der dritte nur deshalb nicht, weil er aufgrund einer Erkrankung Frührentner und knapp bei Kasse ist.

Bewaffneter Raub?

Dass es am Ende so schnell geht, liegt am Richter. Er signalisiert den Angeklagten und ihren Anwälten „aus verfahrensökonomischen Gründen“, sie würden ohne Geständnis wahrscheinlich nicht mit Bewährung davonkommen. Schließlich schwebe da neben der Körperverletzung auch noch der Vorwurf des bewaffneten Raubes im Raum. Und auf den hatte es vor allem der Staatsanwalt abgesehen. „Wollten die nur, dass D. die Kutte nicht mehr trägt? Oder wollten die sie selbst behalten?“, präzisiert der seine Frage. Juristisch ein feiner Unterschied, denn nur die zweite Variante wäre Raub. Der Betroffene, der die Kutte mutmaßlich an sich genommen hatte, wäre dann nach einer Verhandlung am Landgericht nahezu sicher in den Knast gegangen.

Auch wenn es vergleichsweise glimpflich für Präsident Marco und die übrigen Angeklagten ausgegangen ist, haben er und der Lobo MC Konsequenzen aus dem Prozess gezogen. Eine davon ist, dass Kutten und Colour laut Satzung mittlerweile nicht mehr dem einzelnen Member, sondern dem Club gehören.
 
 

Interview mit Joe, dem Gründer des Lobo MCs, zur Verhandlung gegen vier Ex-Brüder.


Lobo-MC-Gründer Joe und Sabine

BIKERS NEWS: Joe, wie kam es zu dem Zerwürfnis zwischen dir und deinem Club? Es gab ja schon Anfang 2016 Pressemitteilungen des Lobo MC, auf die du dann in der BIKERS NEWS in Form eines Interviews reagiert hast. Wie kam es zur Verhandlung in Maulbronn? Das ist doch eigentlich ein No-Go in der Szene ...
Joe: Eigentlich gehört die Sache absolut nicht in die Medien, schon 2016 nicht, das war und ist reine Clubsache. Ich verstehe nicht, wie der Marco euch zur Verhandlung einladen konnte. Beide Seiten haben sich schon damals irgendwie lächerlich gemacht – wie ein prominentes Ehepaar, das seine Scheidung über die Medien austrägt. Da ihr diesen Bericht jetzt allerdings unbedingt bringen wollt, habe ich mich auf Anraten von Freunden zu diesem Interview entschlossen.

Okay, also wie kam es zu diesem Zerwürfnis? Ich war von August 2014 bis Oktober 2015 leider sehr krank und konnte mich nicht mehr wirklich um den Club kümmern. Ich habe damals Marco als Präsi von Pforzheim und Stellvertreter im Zwölferrat vollstes Vertrauen geschenkt und das obwohl ich ihn schon öfter mal darauf hinweisen musste, dass ich ihm nur Pforzheim und nicht den ganzen Club gegeben habe. Ich hielt ihn für einen etwas hitzköpfigen Jungwolf, der mir sein Können zeigen wollte. Die Zeit, wo ich krank war, sollte seine Probezeit sein, denn ich hatte für mich schon beschlossen, dass er spätestens zu seinem 40. Geburtstag die ganze Führung übernimmt.

Vorausgesetzt natürlich, er hätte das dann immer noch gewollt, denn als Oberchef ist man ziemlich allein. Ich war überzeugt, dass er den Club in meinem Sinne weiterführt. Dem war aber leider nicht so. Als ich Mitte September wieder einigermaßen fit war, musste ich feststellen, dass es da so einiges gab, was nicht in meinem Sinne war und worüber ich auch nicht informiert wurde. Auch musste ich mit Erschrecken feststellen, dass der Konsum gewisser Substanzen rasant zugenommen hatte und hauptsächlich gegen das Letztere bin ich dann auch massiv vorgegangen. Nicht zuletzt, weil es einen Club zerstören kann und eine Familie erst recht. Das hat dann wohl einigen der Herren nicht gepasst und es kam zu massiven Hetzkampagnen gegen mich, hinter meinem Rücken. Marco hat dann wohl seine Chance gewittert, den Club sofort zu übernehmen – anders kann ich mir sein hinterhältiges Verhalten nicht erklären.

„Man hatte mich von der Herde getrennt – das war die einzige Möglichkeit, mir Gehör zu verschaffen“

Und auf der Halloweenparty 2015 in Bretten ist das Ganze dann eskaliert?
Richtig. Damals noch völlig ahnungslos, wollte ich mit ein paar Freunden – einem kleinen, neu gegründeten Club, der sich an diesem Tag beim Lobo MC vorstellen wollte –, zwei Membern, meinem Prospect, deren Frauen, meiner Frau und zwei Kindern beziehungsweise Jugendlichen zu besagter Party. Als ich dann dort den Bauzaun mit Eingangsschleuse und meine mit Schlagstöcken bewaffneten Jungs stehen sah, war klar, dass etwas nicht stimmte und es wurde auch ziemlich schnell klar, das Ganze ging gegen mich. „Wie erbärmlich ist das denn?“, dachte ich noch kurz und dann ging es schon los.

Meinen Freunden und einem der Member wurden die Kutten abgenommen und mein Prospect wurde von vier Mann zusammengeschlagen. Um die Sache abzukürzen: Ich habe dann mit dem gesamten damaligen Zwölferrat gesprochen und wir haben beschlossen, am kommenden Wochenende eine Präsiversammlung abzuhalten, obwohl es für ein solches Verhalten ja eigentlich keine Entschuldigung gibt. Dass das Ganze auch wieder nur eine weitere Verarsche war, wurde einige Stunden vor der Versammlung klar. Durch puren Zufall habe ich erfahren, dass der Marco aus der Präsiversammlung eine Vollversammlung gemacht hatte, an der jeder Member teilnehmen musste, und aus Platzgründen hatte er die Versammlung an einen anderen Ort verlegt. Nur mich hatte man vergessen zu informieren. Oder war es Absicht? Keine Ahnung, normalerweise wäre ich auf die Versammlung gefahren und hätte ein Donnerwetter vom Feinsten reingelassen, aber diese weitere, absolute Respektlosigkeit hat mich irgendwie umgehauen.

Nur wenige Wochen vorher hatte ich eine schwere Herz-OP und meine Frau wollte schon den Notarzt holen. Ich bin also aus gesundheitlichen und durchaus nachvollziehbaren Gründen nicht zur Schlachtbank gegangen und habe das Ergebnis dann circa zehn Tage später aus den Medien erfahren. Noch so ein Schlag ins Gesicht. Man hatte nicht mal den Mut, mir das persönlich zu sagen. Später habe ich dann erfahren, dass der Marco allen verboten hatte, mit mir Kontakt aufzunehmen, weil er es mir persönlich mitteilen wollte. Bis heute warte ich auf Marco.

Ich habe dann per Interview bei euch auf das Ganze reagiert. Man hatte mich ja von der Herde getrennt – das war also leider die einzige Möglichkeit, mir Gehör zu verschaffen. Damals war mir auch noch nicht klar, dass ich es mit lauter Fähnchen im Wind zu tun habe, die sich nur heimlich bei mir melden oder mich nur dann grüßen, wenn es keiner sieht. Hätte ich es gewusst, hätte ich anders reagiert und mein Urheberrecht gleich eingefordert, denn solche Leute sind absolut nicht würdig, mein Abzeichen zu tragen, das steht nämlich auf keinen Fall für Hinterhältigkeit und Feigheit. Jetzt denke ich, dass mein Interview damals die ganze Sache nur schlimmer gemacht hat.

Lobo-MC-Gründer Joe

„Man will mich ganz ausschalten“

Inwiefern? Wie ging es danach weiter?
Danach ging es erst richtig ab. Zuerst lungerten, meistens an den Wochenenden, irgendwelche Prospects, Member oder Mitläufer aus Marcos unmittelbarem Umfeld bei mir vor dem Grundstück rum, um mich auszuspionieren und um Fotos zu schießen von den Leuten, die mit mir befreundet sind. Am Anfang war das ja noch ganz lustig, weil sich einige dieser Spitzel so richtig dumm anstellten. Selbst ein Blinder hätte sie bemerkt. Dann wurden aber Freunde von uns bedroht und dumm angemacht, meine Frau wurde bis zu ihrem neuen Arbeitsplatz verfolgt und man sprach gegen mich ein Bad Standing aus, was ja nichts anderes bedeutet wie Freiwild oder „zum Abschuss freigegeben“.

Als dann ein weiterer Freund verletzt wurde und man mit circa dreißig Mann nachts vor meiner Tür stand und mir drohte, sodass die Nachbarn Angst bekamen, war absolut Schluss mit lustig. Es musste etwas passieren, das Ganze ging absolut zu weit und musste gestoppt werden. Das hatte alles schon lange nichts mehr mit Rockerehre zu tun. Ja, und so kam es dann zur Anzeige und zu dieser Verhandlung. Ich hätte auch anders reagieren können, das stimmt, aber dann für solche Leute wieder ins Gefängnis gehen und andere, die mir nur helfen wollen, mit reinzuziehen, das war es nicht wert.

Ich habe mir vor vier Jahren mit meiner Frau ein Haus gekauft und ich lass mir doch nicht von solchen Leuten mein Leben kaputt machen. Seien wir doch mal ganz ehrlich, diese ganze Schikane lief doch darauf hinaus. Man will mich ganz ausschalten. Dank Marco ist der ganze Mist ja schon wieder mehrfach in den Medien gelandet, mit dem Hintergrund, mich richtig schlecht in der Szene darzustellen.

Einer der Jungs wurde ja freigesprochen – unter anderem auch dank deiner Aussage. Wie kam es überhaupt zu dieser Anzeige gegen ihn?
Im Rahmen der Ermittlungen muss es da wohl zu einer Verwechslung gekommen sein. Da auch mir meistens nur die Spitznamen der Jungs bekannt sind, ist das auch im Vorfeld nicht aufgefallen. Als ich ihn dann auf der Anklagebank sah, hab ich das auch gleich aufgeklärt. Ob nun Freund oder Feind, ein Unschuldiger darf nicht für Dinge bestraft werden, die ein anderer begangen hat.

„Es kann nicht sein, dass Männer ohne Rückgrat mit meinem Abzeichen auf dem Rücken rumlaufen“

Wie soll es nun weitergehen?
Auf jeden Fall werde ich jetzt mein Urheberrecht ganz massiv geltend machen. Es kann nicht sein, dass Männer ohne Rückgrat, die Ehre, Stolz und Treue zwar in den Mund nehmen, aber nicht mal schreiben können, weiterhin mit meinem Abzeichen auf dem Rücken rumlaufen und es vielleicht irgendwann einmal zum Clubverbot schaffen. Ich weiß nicht, ob ich den Club danach ein viertes Mal aufbauen soll. Irgendwie bin ich es denen, die die ganze Zeit hinter mir und manchmal auch vor mir standen, wohl schuldig.

Unsere letzte Frage geht, wenn du gestattest, an deine Frau, die ja auch die ganze Zeit hinter dir steht. Sabine, was hältst du persönlich von der ganzen Sache?
Sabine: Ich bin so was von enttäuscht, das kann sich keiner vorstellen. Es gibt da einen alten Spruch, der wohl alles sagt: ,,Die schlimmsten Feinde sind die, die sich einmal Freunde nannten.“ Jungs, als der größte Teil von euch noch nicht mal geboren war, hat Joe diesen Club gegründet. Ihr könnt eure Clubgeschichte noch tausendmal umschreiben und Joe völlig ausradieren, so wie ihr das ja schon versucht habt, aber glaubt mir, die Legende lebt weiter. Und dafür habt ihr selbst gesorgt, als ihr das Ganze in die Medien gezerrt habt.

Euer Gründervater Joe hat den Club über vierzig Jahre im Rahmen der Legalität geführt, weil er sehr genau wusste, was passiert, wenn er gewisse Dinge zulässt oder einfach nur wegschaut. Er wollte euch mit vielen seiner Entscheidungen nur schützen. Vielleicht haben dem einen oder anderen nicht all seine Entscheidungen gepasst, aber das kann auch nicht sein bei so vielen Leuten. Ohne ihn würde es weder diesen Club noch das Abzeichen geben und ihr behandelt ihn wie Dreck, weil einige wenige Lügen erfunden haben, um sich selbst auf den Thron zu setzen.

Ihr seit wirklich erbärmlich und eine Schande für die alte Szene. Wegen solchen Leuten, die sich jetzt Präsi oder Zwölferrat nennen, verkommt die ganze Szene zu Streetgangs und darf jetzt schon teilweise ihr Abzeichen nicht mehr tragen. Ihr solltet euch in Grund und Boden schämen!

Sehr harte Worte, Sabine; vor allem wenn man bedenkt, dass Frauen in der Szene nicht wirklich was zu sagen haben ...
Stimmt, aber entweder hasst mich jetzt die ganze Szene oder sie denkt endlich mal darüber nach, was der eigentliche Sinn der Clubs war und was leider mittlerweile zu einem großen Teil draus geworden ist. Denn wenn es so weitergeht, wird es bald keine Szene mehr geben!    «

Zuerst veröffentlicht in BIKERS NEWS 06/2017
 
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Stand:24 April 2018 16:17:29/szene/aktuelles/lobo+mc+vor+gericht+streit+unter+bruedern_175.html