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26.04.2017  |  Text: Carlos  |   Bilder: Carlos
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Make Bike Week Great Again


Irgendwie hat Daytona den Schuss nicht gehört. Dramatischer Besucherrückgang, bedeutungslose Bikeshows und ein nur noch nerviges Affentheater in der Main Street zeugen vom Niedergang der einst größten Motorradveranstaltung weltweit …


Am Ende der Main Street grient dich Donald Trump an. Ja, auch in Daytona gibt’s kein Entrinnen, überall werden Shirts mit dem reinmontierten Konterfei des neuen US-Präsidenten feilgeboten. Es ist nicht überliefert, ob Donald Motorrad fährt, auf den Shirts aber sitzt er in Terminator-Manier auf einer Fat Boy, mit Hillary Clinton als gerade runterfallender Sozia hintendrauf: „If you can read this, the bitch felt over.“ Haha, brandneu. Alternativ gibt’s noch Sprüche wie „Finally someone with balls“ oder natürlich das unvermeidliche „Make America great again“ mit diversen Sons-of-Anarchy-Motiven. Aber dass Trump am Ende der Main Street einen eigenen Stand hat, umsäumt von riesigen Fahnen und Bannern, wo es vom Hoodie bis zur Gürtelschnalle allen möglichen Trump-Tinnef zu kaufen gibt, ist schon krass. Man stelle sich vor, auf den Hamburg Harley Days gäbe es einen riesigen Merkel-Stand mit Wir-schaffen-das-Handtaschen – irgendwie strange.
Aber genug davon, es ist Mitte März, die 76. Daytona Beach Bike Week hat gerade begonnen. Es ist erschreckend ruhig in der Stadt, die Temperaturen fallen in den Keller, weil selbst in Florida die Ausläufer des riesigen Tiefs zu spüren sind, das gerade halb Amerika unter einer dicken Schneeschicht begräbt. Regen und Sturm haben sich angesagt …

Dieses Jahr gab’s „nur“ drei Tote

Es ist ja schon seit Jahren so, dass immer weniger Biker sich auf den Weg nach Florida machen. „Auf dem letzten Biketoberfest war definitiv mehr los als jetzt“, ist sich Edmund aus Trier sicher, mit dem wir am Rande des Kraut-Meetings sprechen. Die halbe Million Besucher jedenfalls, von der schon seit Jahrzehnten die Rede ist, kommt schon lange nicht mehr. Rückschlüsse lässt die Unfallstatistik zu. Anfang des Jahrtausends starben noch regelmäßig mehr als zwanzig Biker bei Unfällen während der Bike Week, letztes Jahr waren es vier, in diesem Jahr verloren sogar „nur“ drei ihr Leben. „Es hat sich nichts an der Verkehrspolitik geändert, weshalb wir den Rückgang an Todesopfern nur mit dem Rückgang an Besuchern begründen können“,­ sagt Daytonas oberster Sheriff. Rechnet man grob um, dürften heute vielleicht noch 150000 Biker nach Daytona kommen. Womit eigentlich Sturgis mit seinen weit über 300000 Besuchern den inoffiziellen Titel „World’s largest Motorcycle Event“ erben müsste …

Ratte mit Träne im Knopfloch

Die Bike Week ist heute eher eine Regionalveranstaltung. Die Meute kommt aus den nahegelegenen Staaten bis Tennessee und Alabama. Kaum jemand ballert heute noch von Kalifornien aus rüber an die Ostküste. Auch die Customizer nicht. Früher waren sie alle hier und zeigten ihre neuen Eisen, war die Rat’s Hole Show die wichtigste Bikeshow on earth, glich eine Trophäe auf der Boardwalk-Show einem Ritterschlag für Customizer. Jetzt stehen nur noch ein paar müde Umbauten auf dem Hinterhof des Indian-Händlers und Big Daddys grüne Ratte hat eine Träne im Knopfloch ob des Trauerspiels. Irgendwas ist da falsch gelaufen …

Das Thema Customizing hat in Daytona enorm an Bedeutung verloren. Wer geiles Oldschool-Material sehen will, geht donnerstags zu Willie’s Tropical Tattoo …

Harte Chopper und roughes Oldschool-Material gibt es ohnehin nur auf ein paar wenigen Shows zu sehen. Ansonsten dreht sich alles um Tourer und Bagger mit idiotisch großen Vorderrädern, schwul geschwungenen Koffergeschwüren mit fetten Subwoofern am Heck und iPad-Dashboards in der ausladenden Frontverkleidung. Jeder Penner baut sich eine 1000-Watt-Anlage in seinen Kofferfisch und beschallt damit halb Florida. Das finden auch die Mexikaner und Schwarzen dufte, die mit ihren Glitter-Baggern nochmal eins draufsetzen (gefühlte 5000 Watt) und die Main Street mit Gangster-Rap und Chicano-Pop malträtieren. Nach einer halben Stunde bluten die Lauschlappen, zumal sich dazu noch immer ein fett aufgerissenes „Sweet Home Alabama“ irgendeiner Coverband aus irgendeinem Saloon gleichzeitig in den Gehörgang drückt. Begleitet vom zarten Bollern mehrerer hundert offener Auspuffanlagen – ein einziger Wahnsinn.

Back to the Racing-Roots

Dennoch: Man muss diesen Wahnsinn mal erlebt haben. Die Atmosphäre mit Sonne, Meer und Motorradparty lässt keinen kalt. Die Möglichkeiten Spaß zu haben sind in all den Saloons, auf den Partys, Swap Meets und Campgrounds, Bikeshows und nicht zuletzt auf den vielen verschiedenen Rennen ohnehin immer geboten.

Billy Lane hat mit den „Sons of Speed“ ein Oldschool-Racing-Championat ins Leben gerufen. Der erste Lauf fand auf dem New Smyrna Speedway, ein paar Meilen außerhalb Daytonas statt. Traumhafte Motorräder, beschissene Organisation. Der geile Pacemaker (oben mit der Nr. 213) hat’s leider fast jedes mal verbaselt, die Jungs einzufangen

Denn das ist am Ende die gute Nachricht: Es gibt wieder deutlich mehr Racing in und um Daytona – und das nicht nur auf dem großen Speedway, wo ja während der Bike Week traditionell die Superbikes bei den Daytona 200 an den Start gehen. Von Moto Cross über Flattrack bis zum Oldschool-Racing mit Vorkriegs­material geht’s heftig zur Sache. Und so fing es ja damals auch an, 76 Bike Weeks ago.    «

Beim Kraut-Meeting treffen sich die deutschen Biker – eine alte Tradition der BIKERS NEWS. Programm gibt’s keins, aber immerhin ein Gruppenfoto. Jedes Jahr am Bike-Week-Donnerstag, High Noon am Pier Ecke Main Street/Boardwalk

Zuerst veröffentlicht in BIKERS NEWS 05/2017

Text: Carlos
Bilder: Carlos

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Stand:22 January 2018 03:44:27/szene/aktuelles/make+bike+week+great+again_174.html