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14.07.2017  |  Text: Tilmann Ziegenhain  |   Bilder: Privat
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Bandidos MC Leverkusen: Razzia mit Polizei-Randale


Anfang Juni hat die Polizei das Clubhaus des Bandidos MC Leverkusen durchsucht – warum dabei so viel zu Bruch gehen musste, bleibt offen


Am Abend des 2. Juni durchsuchten Polizeibeamte das Clubhaus des Bandidos MC im Leverkusener Stadtteil Schlebusch. Auch drei Privatwohnungen in Leverkusen und Erftstadt wurden unter die Lupe genommen. Grund für den Einsatz waren Schüsse, die am Morgen auf ein Einfamilienhaus in Leverkusen-Küppersteg abgegeben worden waren. Mehrere Projektile waren in der Hauswand und in einem Fenster in der ersten Etage eingeschlagen.
Die Ermittlungen hatten die Beamten auf die Spur mehrerer Tatverdächtiger gebracht, die dem Club zugerechnet werden. Drei Personen im Alter von 26, 26 und 30 Jahren wurden im Zuge des Einsatzes in den Privatwohnungen festgenommen. Dort fanden die Ermittler unter anderem mehrere Gaspistolen, Munition und eine Zwille mit Stahlgeschossen, wie es in der Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Köln heißt.

Auch die gesamte Fensterfront ging zu Bruch

Im Clubhaus waren während der Razzia keine Personen anwesend. Dennoch wurde der Einsatz mit einem massiven Aufgebot durchgeführt, auch das Spezialeinsatzkommando SEK war dabei. Im Zuge der Durchsuchung wurden nicht nur Türen aufgebrochen und das Innere verwüstet, auch die gesamte Fensterfront ging zu Bruch. Die Nachfrage der BIKERS NEWS, warum das Einschlagen der Fenster notwendig war, obwohl die Beamten durch die Tür ins Innere gelangten, ließ die Pressestelle der Kölner Polizei unbeantwortet – die Frage betreffe „die taktische Vorgehensweise der Polizei, wozu grundsätzlich keine Stellung genommen wird“. Auch unsere Frage, warum am Tag nach dem Einsatz Beamte vor dem Vereinsheim postiert wurden und wie lange diese Maßnahme durchgeführt wurde, beantwortete die Pressestelle nicht – auch dies betreffe die polizeiliche Taktik.
Die Razzia und die anschließende Bewachung des Clubhauses blieb von Seiten der Politik derweil nicht unkommentiert, wie der Leverkusener Anzeiger berichtete: Friedrich Busch, der für die FDP im Stadtrat sitzt, nutzte die Gelegenheit, um Kritik an Oberbürgermeister Uwe Richrath (SPD) zu üben. Der hätte die Eröffnung des Clubhauses vor rund zwei Jahren verhindern müssen. Richrath wiederum bat daraufhin den Polizeipräsidenten um eine Einschätzung. Dessen Antwort, zitiert im Leverkusener Anzeiger: Seit der Eröffnung 2015 seien die Delikte in der Umgebung nicht angestiegen und „[a]uch Übergriffe oder Gewalttaten von Mitgliedern der ,Bandidos‘ zum Nachteil der in der Nachbarschaft wohnenden Bevölkerung sind bei der Polizei Köln nicht bekannt geworden.“ Außerdem sei nicht von einem „Bandenkrieg“ zwischen rivalisierenden Rockergruppen, sondern von einem privaten Streit auszugehen, wie Presse-Staatsanwältin Natalie Neuen sich gegenüber „RP Online“ äußerte. Bereits vier Tage nach den Schüssen wurden zwei der drei Tatverdächtigen wieder freigelassen – gegen den dritten lag ein Haftbefehl wegen eines anderen Delikts und von einer anderen Staatsanwaltschaft vor.
Und die gefundenen Waffen? Die haben offensichtlich mit den Schüssen auf das Einfamilienhaus nichts zu tun, wie der Kölner Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer auf unsere Nachfrage mitteilte: „[B]ei den Waffen handelt es sich um Zufallsfunde, die nach dem jetzigen Stand der Ermittlungen in keinem Zusammenhang zu den weiteren Vorwürfen stehen.“ Und auch, ob es sich überhaupt um verbotene, nicht frei verkäufliche Waffen handelte, ist unklar: Die waffenrechtliche Beurteilung war bei Redaktionsschluss noch nicht abgeschlossen. In der Pressemitteilung der Polizei und den anschließenden Medienberichten hatten sie trotzdem einen unbestreitbaren Nachrichtenwert …    «

Text: Tilmann Ziegenhain
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Stand:20 August 2017 21:04:59/szene/bandidos+mc+leverkusen+razzia+mit+polizei-randale_177.html