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19.05.2017  |  Text: Jens Plackner  |   Bilder: Archive Dark Faces MC / Jens Plackner
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Dark Faces MC

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1977 gegründet, feiert der Dark Faces MC im Mai sein 40-jähriges Jubiläum


Eben erst dem Mopedalter entwachsen, heben fünf Motorradbegeisterte 1977 den Dark Faces MC aus der Taufe. Schon bald sind es rund 20 Jungs, in Jeanskutten, mit vielen Nieten. Und das inmitten des beschaulichen Kurorts Bad Mergentheim, der damals wie heute eher dem Gesundheitswesen und zahlungskräftigen Rentnern verpflichtet ist.
 

Damals steht das Thema Gebietsansprüche noch nicht auf der Tagesordnung – dabei gibt es in der Gegend schon den ein oder anderen MC. Auf den anfänglichen Druck anderer Clubs, die sich als Platzhirsche der Region verstehen oder auf Expansionskurs befinden, reagieren die Jungs mit stoischer Ruhe – und machen einfach weiter. Die wenigen Konflikte lassen sich im Rahmen eines fairen, sportlichen Kräftemessens lösen. Niemand kommt ernstlich zu Schaden und auch jahrelange Erbfehden entstehen nicht.



Der Club wächst, denn der Zusammenhalt stimmt und die Member eint der Wunsch, einen Gegenpol zur kleinbürgerlichen Gesellschaft der späten Siebziger und frühen Achtziger zu bilden – die Gegend selbst war und ist eher konservativ. Heute sind alle der 32 Member in Lohn und Brot. Grundständige Handwerker, Angestellte, Kleinunternehmer und ähnlich fleißiges Volk. Die Bikes sind bezahlt, man geht auf Arbeit, sorgt für sich und die Seinen, macht seinen Weg. Vielleicht sind die Dark Faces auch deshalb heute voll akzeptierte Mitglieder der Gesellschaft, von deren oberflächlichen Regeln sie sich aber nie einfangen lassen. Selbst an das nicht konforme Aussehen hat sich die Große Kreisstadt an der Tauber längst gewöhnt. Der Schock von damals ist vergessen.

In den ersten Jahren sind nicht nur die Member selbst, sondern auch ihre Bikes eine Provokation. Die ersten AME-Chopper mischen sich Anfang der Achtziger zwischen die CBs oder Zs. Mit ihnen werden die ersten Partys und Rallys besucht, wird die Urlaubstour oder die Fahrt in die nächste Kneipe unternommen. Dass die Bikes von damals nicht so sicher sind wie die heutigen, ist auch einer der Gründe dafür, dass der Club einige Member durch Unfälle verliert: Hotte erwischt es 1983, Paul 1988 und Wolfi 1994. Dazu kommen Norbert (2014) und Petro (2016), die eines natürlichen Todes sterben.



1980 veranstalten die Dark Faces ihre erste eingetragene Rally. 800 Biker aus dem gesamten Bundesgebiet kommen, doch im Folgejahr gibt es keine Wiederholung: Die Behörden machen mit dürftigen Argumenten hohe Auflagen, der Event muss kurzfristig und mit großem finanziellen Verlust wieder abgesagt werden – die einzige negative Erfahrung mit den Behörden, die den Club heute akzeptieren.

Kein Wunder, denn die Dark Faces halten Abstand zu jeglichen zwielichtigen Aktionen. Zu viel haben die Member heute zu verlieren, anders als in den wilden Gründungsjahren. Genau deshalb sind die Dark Faces heute ein Garant für Stabilität und Freundschaft in der regionalen MC-Szene, in der 14 Clubs heimisch sind. Die Kontakte zum MC Argo Riders oder den Lobos aus Creglingen und Tauberbischofsheim sind feste, freundschaftliche Bande – man ist mit dem zufrieden, was man ist und hat.



38 Jahre gründet der Club kein weiteres Chapter. Doch das Einzugsgebiet vergrößert sich immer mehr. Die Member kommen heute nicht nur aus dem Taubertal, sondern aus einem Gebiet, das sich von Dinkelsbühl über Heilbronn bis kurz vor Aschaffenburg erstreckt. Aus diesem Grund führen die Dark Faces nun in Crailsheim ein zweites Chapter. Vor gut einem Jahr feiert man dort Clubhauseinweihung. Für die Member, die noch weiter weg wohnen, gründen die Dark Faces außerdem ein Nomad-Chapter.



Es trifft sich in einem Bauwagen auf einem Campingplatz bei Kassel. Der ist so schön gelegen, dass der ganze Club sich nach der 40-Jahres-Rally dort erholen will.

Viele Member sind gekommen und gegangen. Doch richtig weg sind die Wenigsten. Member, die ihre aktive Mitgliedschaft aufgeben, dürfen Kutte und Colour behalten und auf Clubpartys tragen. Auch wenn bei einem offiziellen Wiedereintritt erneut eine Prospectzeit durchlaufen werden muss: So offen und tolerant dürften nur wenige MCs sein. Und wahrscheinlich wird es die Dark Faces genau aus diesem Grund in vier Jahrzehnten noch immer geben.



Text: Jens Plackner
Bilder: Archive Dark Faces MC / Jens Plackner

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