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Wird Harley-Davidson bald den ersten Vertragsdealer in Havanna eröffnen? Wir zeigen euch die letzten Bilder einer bis dahin unberührten Szene
Schminkt’s euch ab! Kuba ist kein Geheimtipp mehr. Schon als wir vor bald zwanzig Jahren für die erste Story über die karibische Bikerszene unterwegs waren, winkten die Einheimischen ab: Wir sollten uns keine falschen Hoffnungen machen, in Kuba gäbe es keine originalen alten Motorräder mehr. Die hätte der Timmermann ein paar Jahre zuvor längst abgegriffen.

Christian Timmermann, das war der deutsche Indian-Papst. Alle pilgerten damals nach Berlin an die Glienicker Brücke, um seine dort zur Schau gestellten echten Chiefs und Scouts zu bewundern. Auf der Suche nach weiteren Schätzen war Timmermann längst so schlau gewesen, auch Kuba abzugrasen. Dieses Land hatte Anfang der 60er Jahre dicht gemacht, aus den USA kam nichts und niemand mehr rein, aber auch nichts mehr raus. Die Kubaner machten aus der Not eine Tugend. Sie erhielten ihre amerikanischen Autos und Motorräder mit allen Mitteln, die eine verkrustete und längst korrupte Planwirtschaft hergibt. Wer da 30 Jahre später ins Land kam und alte amerikanische Vehikel liebte, für den eröffnete sich ein El Dorado. Denn keine Harley war jünger als eine Panhead. Für kleines Geld, es mussten ja nur Devisen sein, ließen die Kubaner sich ihre Indians und Harleys auch noch abschwatzen. Seitdem reisen alljährlich Reporter nach Kuba, um auch noch die letzten und allerletzten Relikte dieser Szene aufzutun. Und tatsächlich finden auch sie alte Indians und Harleys, zusammengeschustert von improvisationsfreudigen Harlistas, die sich entweder mit russischen Ersatzteilen zu helfen wissen, die gute Freunde im Westen haben, oder die einfach nur die richtigen Funktionäre schmieren.

Auch die Spezialisten von W&W haben mal eine Panne. In Kuba ruft man dann nicht den ADAC
Auch die Spezialisten von W&W haben mal eine Panne. In Kuba ruft man dann
nicht den ADAC


Hätten wir ahnen können, welches Universum sich den Jungs von W&W da noch auftut? Ihr wisst es, W&W ist einer von diesen Aftermarket-Lieferanten, die Teile für alte und neue Harleys verkaufen. Und W&W ist immer dicht am Puls der Szene, offensichtlich auch an der von Kuba. W&W hat sich mit vier Mann, und vor allem auf eigenen alten Harleys, ins Abenteuer gestürzt. Die Männer nahmen einfach die Knuckle mit dem Doppelvergaser und die 1948er Panhead aus dem W&W-Fuhrpark mit. Zuhause bleiben mussten Smartphones und GPS, denn drahtlose Medienträger sind in Kuba unerwünscht. Und die Harleys machten beim kubanischen Zoll erstmal acht Tage Zwischenstation. Das kann man ja auch keinem kubanischen Zöllner erklären, warum man nach Kuba ausgerechnet die alten Böcke mitbringt, die dort sowieso noch laufen.

Ab 1960 blieb in Kuba die Zeit stehen. Deshalb fahren hier auch immer noch die alten Ami-Schlitten auf vier Rädern
Ab 1960 blieb in Kuba die Zeit stehen. Deshalb fahren hier auch immer noch die alten Ami-Schlitten auf vier Rädern

Tatsächlich haben die Würzburger Jungs noch Locations, Bikes und Typen gefunden, die bis dahin unentdeckt geblieben waren. Und sie haben darüber jetzt einen Bildband veröffentlicht. Das Buch heißt „Mas revoluciones!“ und ist über den W&W-Katalog erhältlich. Die entdeckten Typen mit ihren Motorrädern sind übrigens nicht nur Sohn von Che Guevara. Über diesen Sohn von Che Guevara hatten wir ja auch mal eine Story gemacht, der fährt nämlich ebenfalls eine Harley. Mit dem Kapital seines Namens hat er natürlich den Zugang zum inneren Kreis dieser Szene, die ganz sicher nicht nur aus Heiligen, sondern ebenso aus korrupten Schiebern und Bonzen besteht. Stattdessen sind sie zu Gast bei Sergio Morales, dem Mann, der in Havanna auf der Straße schraubt – wo sonst? – und der hinter seinem Wohnzimmer ein gewaltiges Teilelager hütet. Klar, jedes dieser Teile wurde längst dreimal als Ersatzteil verwendet, und als es um die Betankung der streikenden Knucklehead von W&W geht, kann er nicht mal einen richtigen Trichter auftreiben.

Sergio Morales, der Mann mit dem gewaltigen Teilelager, schraubt auf der Straße
Sergio Morales, der Mann mit dem gewaltigen Teilelager, schraubt auf der Straße

So, hier blättern wir zusammen mit W&W im nun wirklich letzten Fotoalbum über die echte, alte Harley-Szene in Kuba. Es ist nämlich allerhöchste Eisenbahn. Nach dem Handschlag von Obama mit Raúl Castro dürfte eine Öffnung Kubas nicht mehr in weiter Ferne liegen. Wenn jetzt noch Fidel Castro stirbt, dann sind die letzten Tages dieses karibischen Biotops gezählt. Dann wird Harley-Davidson die feierliche Eröffnung der Räume des ersten Vertragsdealers in Havanna verkünden. Die Spezies der waschechten Harlistas wird entweder aussterben oder sich anpassen und verschwinden. Oder einer dieser Harlistas weiß, wie das mit dem Kapitalismus funktioniert. Dann wird er das Amt des Geschäftsführers der ersten kubanischen Filiale von Harley-Davidson bekleiden. Vielleicht ist es sogar der Sohn von Che Guevara? Für irgendwas muss diese Revolution doch gut gewesen sein.

W&W Cycles AG
Ohmstraße 2, 97076 Würzburg
Tel 0931 - 250 61 16
www.wwag.com
 

Kuba
Kuba ist bekannt für alte Eisen, Musik, Tanz, Rum und Zigarren. Die kubanische Revolution erfolgte unter Führung von Fidel Castro und Che Guevara. Die bärtigen Männer stürzten den Diktator Batista im Jahr 1959. Wenig später konnte die Sowjetunion ihren Fuß unmittelbar vor die Haustür der USA stellen, und in der Kubakrise von 1962 stand die Welt kurz vor einem Atomkrieg. Als einer der letzten sozialistischen Staaten ist Kuba auf der Weltbühne zunehmend isoliert. Die Länge der Haupt­insel beträgt 1250 Kilo­meter. Der Abstand nach Key West (USA) beträgt 154 Kilometer, nach Mexiko 210 Kilometer.
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