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Das erste Jahr der BIKERS NEWS war das letzte Jahr der legendären „Vierer“. Auf diesen Kleinkrafträdernwurde unsere Rockerszene erwachsen Die Zeitreise beginnt in diesen unmöglichen Cowboystiefeln. Wie haben wir die nur …
Das erste Jahr der BIKERS NEWS war das letzte Jahr der legendären „Vierer“.
Auf diesen Kleinkrafträdern wurde unsere Rockerszene erwachsen

Die Zeitreise beginnt in diesen unmöglichen Cowboystiefeln. Wie haben wir die nur ein ganzes Wochenende lang tragen können? Womöglich haben wir auch noch darin geschlafen. Und was haben wir dafür gegeben, überhaupt solche Stiefel zu kriegen?
Nun also gilt es, damit ein Motorrad anzutreten – und mit der Stiefelspitze nicht an der Fußraste hängenzubleiben. Das Bike ist im Maßstab nämlich ein bisschen kleiner geraten: Es ist eine Hercules K 50 SX von 1972, ein sogenanntes Kleinkraftrad mit 50 Kubikzentimetern und sechs und einem viertel PS.

Die legendären Vierer

Im Reich der Halbwüchsigen

Ein Kleinkraftrad der Führerscheinklasse 4, eine „Vierer“ also. Die konnte im fließenden Verkehr mithalten und schaffte sagenhafte 80 Stundenkilometer! Mensch, was hätten wir im Jahr 1972 für dieses Bike gegeben? Es war das Ticket ins Reich der Halbwüchsigen, ins Reich derer, zu denen auch wir gehören wollten. Auf der gewaltigen Sitzbank hätten wir die Gabi mitnehmen können, oder die Regina, oder gar diesen scharfen Feger in den Plateau-Stiefeln aus der Parallelklasse. Wir hätten sie schon dazu gebracht, dass sie sich gut an uns festhalten.
Nochmal innehalten also: Den Zündschlüssel im Scheinwerfergehäuse hatten wir auf „on“ gedreht. Ladekontrollleuchte? Gibt’s nicht. Die 6-Volt-Anlage der Hercules hat gar keine Batterie. Davor hatten wir den Benzinhahn aufgedreht. Und jetzt gilt es noch, diesen Hebel am linken Lenkerende zu ziehen, der betätigt einen eigenen kleinen Kolben im Bing-Vergaser, mit dem er das Gemisch anreichert.

Hahn auf, Hebel ziehen, einfach reintreten:

Einfach treten!

Totpunkt suchen? „Quatsch“, sagt Norbert von der Moped-Garage im nordbadischen Neulußheim. Norbert kennt sich aus, ihm gehört die Hercules. Er verkauft sogar die Ersatzteile dafür. Deshalb weiß er es besser: „Einfach treten!“
Einfach treten, und tatsächlich kommt sie sofort: Rängdängdäng! Das Motörchen dreht sich. Jetzt um Gottes willen nicht die Kerze im Stand verrußen lassen. Kupplung ziehen, Gang rein. Ach du Scheiße, wie kommt man denn damit vom Fleck? Eiernd setzt das Maschinchen sich in Bewegung. Das liegt aber nicht am Fahrwerk. Wir setzen einfach zu viel Kraft an. Das kommt davon, wenn man sonst nur schwere Harleys fährt.
Nervtötend langsam geht’s irgendwie nach vorne, völlig ohne Druck. Raufschalten. Immer noch zu lahm, ewig passiert gar nichts. Nächster Gang. Der Motor orgelt sich endgültig in den Keller, gleich steht er vor seinem letzten Atemzug. Schnell wieder zwei Gänge runterschalten, ordentlich aufdrehen, und jetzt kommt sie: Räng. Rääähäng! Es liegt an den Drehzahlen. Untertouriges Anfahren müssen wir uns abgewöhnen, da spielt ein Zweitakter gar nicht mit.

Vollgas! Stummellenker, Rennsatz, Kolbenklemmer

Immer auf Drehzahlen halten

Endlich haben wir den Bogen raus: Immer auf Drehzahlen halten. Hatte Norbert ja auch schon gesagt und zur Einführung beherzt am Gas gedreht. Nur so kommen wir vom Fleck, begleitet von einem metallischen Heulen irgendwo in den Obertönen. Zum Ende des fünften Ganges streift der Zeiger die 80-km/h-Marke. In ganz engen Kurven geht plötzlich sogar so was wie Schräglage.
Na also, 80 Stundenkilometer, das war im zarten Alter von 16 Jahren die Schallmauer. Und ein Stummellenker machte uns gar gefühlte 20 Stundenkilometer schneller. Wir waren angekommen im Reich derer, vor denen uns unsere Eltern immer gewarnt hatten.

Stundenkilometer! Jetzt sind wir die, vor denen uns unsere Eltern immer gewarnt haben!

The Leader of the Pack

Kaum vorzustellen, dass damals alles damit angefangen hatte. Wir konnten Rocker werden. Klar, die Kreidler Florett war der Leader of the Pack. Aber mit ihrem Pressstahlrahmen kam sie einfach nicht an die Linie eines Easy-Rider-Choppers heran. Die Vorderradschwinge der Hercules entsprach auch nicht gerade dem Ideal einer langen Gabel. Aber die Hercules wirkte immerhin ein wenig drahtiger, und irgendwann kriegte sie auch wieder eine Telegabel. Bis dahin tat es eben ein Fuchsschwanz am Lenkerende.

Pumpen! Zweitakter haben kein Ölbad im Kurbelgehäuse. Tankstellen mussten deshalb eigene Zapfstellen für das erforderliche Benzin-Öl-Gemisch einrichten

Nostalgie auf dem Asphalt

Ihr erinnert euch? Not konkurrierte stets mit Elend. Das Tourenpaket bestand aus Plastiktüten: Fürs Gepäck und gegen die Nässe. Eine Regenkombi konnten wir uns noch nicht leisten. Also zogen wir zwei weitere Plastiktüten über diese Stiefel. Waren ja schwer genug zu kriegen, die unbequemen Dinger. Genau so schwer wie die BIKERS NEWS, die vor 35 Jahren noch nicht frei verkäuflich im Kioskregal auslag.
Damals nahmen wir jeden Weg auf uns, wenn es nur der richtige war. Wir wussten wenigstens, welchen wir zu nehmen hatten. Er führte nach oben.
Heute treibt uns in diesem Outfit nur die Nostalgie über den Asphalt. War früher wirklich alles besser? Probiert es selbst – auf einem Sechseinviertel-PS-Maschinchen und in diesen unmöglichen Cowboystiefeln.

   Kleinkraftrad   

Es ist dem Diplom-Ingenieur Alfred Kreidler zu verdanken, dass am 24. August 1953 eine neue Fahrzeugklasse ins Leben gerufen wurde. Seine Kreidler K 51 war kein Fahrrad mit Hilfsmotor und auch kein Motorfahrrad, denn sie verfügte über feste Fußrasten und einen Kickstarter. Damit wurde die Kreidler das erste „Kleinkraftrad“.
Die neue gesetzliche Regelung sollte als „Lex Kreidler“ in die deutsche Zweiradgeschichte eingehen. Der Hubraum der Kleinkrafträder war auf 50 Kubikzentimeter beschränkt, nicht aber ihre Leistung. Sie durften ab dem Alter von 16 Jahren mit dem Führerschein der Klasse 4 sogar auf Autobahnen gefahren werden.
Das machte die Kleinkrafträder in den 70er Jahren für alle Halbstarken und zukünftigen Rocker interessant. Kreidler blieb mit seiner „Florett“ in dieser Klasse führend, vor allem wegen der leistungssteigernden Rennsätze aus dem eigenen Hause, die im öffentlichen Straßenverkehr natürlich nicht verbaut werden durften. Kein Jung-Rocker scherte sich darum.
Die Hersteller einigten sich in den 70ern zwar auf eine freiwillige Leistungs­beschränkung von 6,25 PS, aber die Jugendlichen landeten mit ihren heißgemachten Maschinchen trotzdem viel zu schnell im Straßengraben. Irgendwann genügte kein Lehrlingsgehalt mehr, um die Versicherungstarife bezahlen.
Im Jahr 1981 wurde die Klasse der Kleinkraft­räder von der Klasse der Leichtkrafträder abgelöst. Das waren die sogenannten „80er“, doch die Leichtkrafträder waren zu brav und deshalb unbeliebt.
Umso interessanter sind beide Klassen heute für Sammler und Nostalgiker.
Ironie der Geschichte: Die Kleinkrafträder waren besonders heiß begehrt, wenn sie ab dem Alter von 18 Jahren ohne Geschwindigkeitsbeschränkung die großen Kennzeichen eines echten Motorrads trugen. In jungen Jahren wollte noch jeder mit Kuchenblechen fahren, und diese Kleinkrafträder wurden deshalb liebevoll „Großschild“ genannt.


Kreidler Florett Super 4
  • Typ    K 54/2A
  • Baujahr    1964
  • Hubraum    49,9 ccm
  • Vergaser    Bing  1/16/59
  • Leistung    4,2 PS bei 6500 U/min
  • Gemisch    1:25
  • Getriebe    4 Gang Fußschaltung
  • Bordnetz    6 V
Kreidler Florett Super 4


Hercules K 50 SX
  • Typ    K 50 SX
  • Baujahr    1972
  • Hubraum    49,9 ccm
  • Vergaser    Bing 1/19
  • Leistung    6,25 PS bei 8000 U/min
  • Gemisch    1:25
  • Getriebe    5 Gang Fußschaltung
  • Bordnetz    6 V
Hercules K 50 SXTyp	K 50 SXBaujahr	1972Hubraum	49,9 ccmVergaser	Bing 1/19Leistung	6,25 PS bei 8000 U/minGemisch	1:25Getriebe	5 Gang FußschaltungBordnetz	6 V


   Hexenwerk   

Warum kann ein Zweitaktmotor wirklich funktionieren? Er stößt im gleichen Moment verbrannte Abgase aus, in dem er neues brennfähiges Gemisch komprimiert. Und der Explosionstakt ist gleichermaßen der Ansaugtakt für das neue Gemisch. Oder war es umgekehrt?
Die Lösung des Rätsels liegt im Kurbel­gehäuse, das einen wesentlichen Teil zum Spiel der Abläufe beiträgt. Achtet mal drauf: Der Vergaser führt das Gemisch nicht in den Brennraum, sondern ins Kurbelgehäuse ein. Die Bewegung des Kolbens nach oben führt zum Unterdruck im Kurbelgehäuse und saugt so das Gemisch an. Und weil das Kurbelgehäuse gleichzeitig geschmiert werden muss, ist das Benzin mit Motoröl angereichert, das bei der Verbrennung die bekannte blaue Fahne verursacht.
Bewegt der Kolben sich nun nach unten, so wird das Gemisch bereits im Kurbelgehäuse komprimiert und durch Überströmkanäle in den Brennraum gedrückt. Dieser Druck stößt gleichzeitig die verbrannten Gase aus dem Brennraum heraus.
Wer einen Zweitakter durch Erhöhung der Kompression tunen will, der muss also nicht nur das Volumen des Brennraums verringen, sondern auch das des Kurbelgehäuses. Sonst geht der ganze Effekt im wörtlichen Sinne nach hinten los.
Der abgebildete Motor hat einen sogenannten „Nasenkolben“, der für eine gewisse Ordnung zwischen verbrannten und unverbrannten Gasen sorgt und die Verwirbelungen steuert. Sein Prinzip ist besonders einfach und deshalb auch besonders anschaulich. Die Kleinkrafträder der 70er Jahre hatten komplexer angeordnete Überströmkanäle und deshalb bereits Flachkolben.

Motor schnitt
links: Kolben kurz hinterm oberen Totpunkt:
Das explodierende Gemisch drückt den Kolben gleich nach unten. Bis eben wurde noch neues Gemisch durch den Einlasskanal (blau links) ins Kurbel­gehäuse gesaugt


rechts: Kolben kurz vor dem unteren Totpunkt:
Das verbrannte Gemisch strömt bereits durch den Auslasskanal (rot), denn das neue Gemisch ist bereits im Kurbelgehäuse komprimiert und wird nun durch den Überströmkanal (blau rechts) in den Brennraum gedrückt


Das Schmieröl wird einfach mitverbrannt und so entsteht die typische blaue Fahne eines Zweitakters. Problematisch ist bei Gemischschmierung der Schleppbetrieb (zum Beispiel lange Bergabfahrten), da aufgrund der geschlossenen Drosselklappe nur sehr wenig Öl an die beweglichen Teile gelangt
Das Schmieröl wird einfach mitverbrannt und so entsteht die typische blaue Fahne eines Zweitakters.
Problematisch ist bei Gemischschmierung der Schleppbetrieb (zum Beispiel lange Bergabfahrten),
da aufgrund der geschlossenen Drosselklappe nur sehr wenig Öl an die beweglichen Teile gelangt

 Norbert kennt sich aus. Bei ihm kriegt ihr alle Ersatzteile für KleinkrafträderMoped-GarageAkazienweg 1768809 NeulußheimTel 06205 - 287 10 64www.moped-garage.net
 Norbert kennt sich aus. Bei ihm kriegt ihr alle Ersatzteile für Kleinkrafträder

Moped-Garage
Akazienweg 17
68809 Neulußheim
Tel 06205 - 287 10 64
www.moped-garage.net
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