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Mainhattan Choppers haben sich eine Harley-Davidson Softail vorgenommen. Das Custombike prescht nun mit 2,2 Litern Hubraum und 138 PS über den Asphalt
Von Haus aus sind Harleys nicht gerade schwachbrüs-tig, jedenfalls nicht in Sachen Hubraum. Selbst die Twin Cams kamen vor zehn Jahren schon mit knapp anderthalb Litern daher, also in etwa so viel, wie es sich heutige Durchschnittsautos gönnen. Leider hat es Milwaukee nicht so mit der Leistung, denn die Hubraumschlegel müssen mit weniger als 70 PS auskommen. Vergleichsweise wenig, wenn man bedenkt, dass Harleys in der Regel Eisenschweine sind, die locker mehr als 300 Kilogramm mit sich rumschleppen müssen – von Kraft und Herrlichkeit ist da nichts mehr zu spüren.

Mainhattan Choppers hat mit einer 2005er Softail deshalb kurzen Prozess gemacht. Die Mannschaft um Chef Wolfgang hat das Serientriebwerk kurzerhand durch ein viel gewaltigeres Kraftpaket des amerikanischen Herstellers Jims ersetzt. Fette 2,2 Liter Hubraum, oder umgerechnet 131 Kubikzoll, stehen jetzt als Drehbuch für dramatische Beschleunigungsorgien zur Verfügung. Für PS-Freaks: Der V2 drückt abartige 138 PS, ans Hinterrad wohlgemerkt. Das ist beeindruckend, aber nicht furchteinflößend. Im Gegenteil, es verstärkt den Reiz, gleich mit dieser Höllenmaschine einen Tanz auf dem Asphalt hinzulegen.

Ein Blick aufs Airbrush erklärt, warum das Bike auch „Skull“ genannt wird
Ein Blick aufs Airbrush erklärt, warum das Bike auch „Skull“ genannt wird

Doch vorher machen wir uns mit dem Rest der komplett umgebauten Softail vertraut: Hinten werkelt eine 240er-Pelle auf einer 8,5 Zoll breiten Felge, vorn steckt ein vergleichsweise schmaler 100er auf einem 19-Zoll-Rad, eingeklemmt in einen Springergabel-Nachbau. Das gesamte Bike ist ziemlich flach, die Fußrasten vorverlegt. Eine Mischung aus Dragster und Oldschool. Ziemlich „mean“, also böse, wie Amis sagen würden.

Harley-Davidson Softail Twin Cam
Ziemlich mean: eine Mischung aus Dragster und Oldschool

Vor der Sitzprobe steht die Suche nach den Knöpfen für das Air-Ride-Fahrwerk, das die herkömmlichen Stoßdämpfer ersetzt. Wir müssen das Heck hochpumpen, damit der Fender nicht aufsetzt. Der geringe Abstand zwischen Schutzblech und Reifen sieht im Stand zwar cool aus, könnte aber während der Fahrt zu unangenehmen Überraschungen führen.
Kaum im Sattel finden Hände und Füße alles am gewohnten Platz. Die Sitzposition ist gut. Sofort suchen wir nach dem geheimnisvollen Schalter, der die Tüten von Jekill & Hyde auf Durchzug stellt. Ein Druck auf den Startknopf und das Hubraummonster erwacht mit einem knackigen Schlag aus seinem Tiefschlaf, brummelt bassig und stampfend vor sich hin. Allerdings ist der Sound dann doch zu laut. Wir schließen die Soundklappen, wollen uns nicht gleich den Zorn der Anwohner zuziehen. „Social Sound Control“ nennen die niederländischen Auspuffbauer das.

Ob das sozial ist? Das Social-Soundcontrol-System von Jekill & Hyde hat regulierbare Klangnuancen
Ob das sozial ist? Das Social-Soundcontrol-System von Jekill & Hyde hat regulierbare Klangnuancen

Dem Tritt auf den Schalthebel folgt der typische Einlegeschlag. Ein Zug am Kabel und der 54er-Mikuni-Vergaser wird geflutet, der Luftfilter saugt schnorchelnd lebenswichtigen Sauerstoff an, das Gemisch schießt in die gewaltigen Brennräume und explodiert in Vortrieb. Der Schub ist so gewaltig, dass sich uns die Nackenhaare stellen. Die Gashand verlangt in Kurven nach viel Gefühl, sonst überholt das Hinterrad, schmiert der Gummi schwarze Striche auf den Asphalt.

Dann endlich passieren wir das Ortsschild. Auspuffanlage auf volle Dröhnung stellen, rechte Hand abkippen und den Höllenhund von der Leine lassen. Die riesigen Kolben drücken mitsamt den Pleueln auf die Kurbelwelle und katapultieren die Softail nach vorn. Fünf Gänge nur hat das Getriebe, zum Glück lang genug übersetzt. Während sich die Hände am Lenker festkrallen, fliegt die Tachonadel in für Chopper aberwitzige Regionen. Der Lappen wäre jetzt schon weg. Aber die Beschleunigung ist einfach zu abartig, um sie nicht auszureizen und zu genießen. Dazu die akustische Attacke auf unser Trommelfell.
Viel zu schnell kommt das nächste Ortsschild. Gas weg, Anker werfen. Beim Bremsen stellt sich die Springergabel auf. Für manche ungewohnt, aber typisch für das Konstruktionsprinzip.
Als die Häuser wieder verschwinden, muss die Softail in kurviges Geläuf. Aber auch das meistert sie souverän. Klar, die Schräglagenfreiheit ist wie immer begrenzt und auch ein Luftfahrwerk ist nicht „State of the Art“. Fette Chopper sind eben keine Rennmaschinen. Trotzdem geht es flott voran, egal wo. Auch der breite 240er im Heck zickt nicht rum. Er verlangt beim Einlenken zwar etwas Druck, aber wir gewöhnen uns schnell dran.

Der Schub ist so gewaltig, dass sich uns die Nackenhaare stellen
Der Schub ist so gewaltig, dass sich uns die Nackenhaare stellen

Als wir von unserem Ausritt zurückkehren, grinst Wolfgang. Wahrscheinlich hat er unseren Gesichtsausdruck schon von weitem gesehen. Denn die Power dieser Harley ist durch nichts zu ersetzen. Hier stimmen Optik und Performance. Bei Mainhattan Choppers legt man eben Wert auf Fahrbarkeit – und auf Hubraum.

Einzig der weit herausragende Big-Sucker-Luftfilter stört etwas, da er das Knie nach außen drückt, während der rechte Fuß verzweifelt die Fußraste sucht. Aber auch das wird noch erledigt, wie Wolfgang versichert. Die Raste soll noch verlängert werden. Dann ist das Bike perfekt und die Bikerweisheit wieder einmal bestätigt. Hubraum ist eben alles – Power aber auch.

TECHNISCHE DATEN
Skull

Basis: Harley-Davidson Softail Twin Cam, Baujahr 2005

MOTOR
Typ: Jims
Hubraum: 2200 ccm
Leistung: 138 PS
Vergaser: 54er-Mikuni-Vergaser
Getriebe: Fünfgang
Auspuff: Jekill & Hyde mit Eigenbaukrümmer
Primärantrieb: Performance Machine mit 1-Zoll-Versatz

FAHRWERK
Rahmen: Doppelschleifen-Stahlrohrrahmen
Räder
vorn: 100/90/19
hinten: 240/50/16 auf 8,5“ x 16“
Felgen: Rick’s
Gabel: Springer-Nachbau
Bremse vorn: RST Stocker
Special: Legend Air Ride

SONSTIGES
Fußrasten: RST Stocker
Heckfender: Mainhattan
Sitzbank: Mainhattan
Schilderhalter: Genscher
Blinker: Paaschburg & Wunderlich
Griffe: RST Stocker
Spiegel: Paaschburg & Wunderlich
Armaturen, Taster und Hebel: Rebuffini
Tacho: Motogadget
Rücklicht: MSH
Reservekanister: W&W
Scheinwerfer: Arlen Ness
Airbrush: Mainhattan Choppers

Kontakt
Mainhattan Choppers
Berner Straße 107a
60437 Frankfurt-Niedereschbach
Tel. 069 442038
www.mainhattan-choppers.com
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