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Die Bobber Garage lässt eine 1955er Panhead im neuen, alten Glanz erstrahlen
Liechtenstein? Dazu fällt uns in der Regel nur ein Wort ein: Steueroase. Ausländer bringen ihr Geld gerne in die konstitutionelle Erbmonarchie, auf dass es fruchtbar sei und sich vermehre. Doch es geht auch anders: Gibt man seine Kröten nämlich in die Schrauberhände von Reini und seinem Team, kommt ein stilechtes Krad retour.

Ironie der Geschichte: Ausgerechnet auf Bobber haben sich die Liechtensteiner eingeschossen. Und die wurden in den Vierzigern und Fünfzigern von amerikanischen Veteranen mit kleinem Budget gebaut – billig sollten sie sein. Und leicht wie die europäischen Motorräder, die die heimgekehrten Soldaten während ihrer Stationierung in Übersee kennengelernt hatten. Frontfender? Überflüssig! Heckfender? Na gut, aber gekürzt bitteschön! Auf überflüssiges Klimbim verzichtet der klassische Bobber. Und dieser Philosophie des „weniger ist mehr“ hat sich auch die Bobber Garage verschrieben. Ob Knuckle und Panhead oder auch Shovel, Evo und Twin Cams, die erst nach der klassischen Bobber-Ära produziert wurden: Es gibt keine Harley, die hier nicht schon gebobbed wurde.

Nur das Nötigste – am Lenker sorgen Mikroschalter für eine cleane Optik
Weniger ist mehr – am Lenker sorgen Mikroschalter für eine cleane Optik

Das hat sich in den letzten Jahren über die Landesgrenzen hinweg rumgesprochen – auch wenn die zugegebenermaßen klein sind. Auch Utti, ein Biker aus Düsseldorf, wollte ein Krad aus der Bobber Garage. Für ein erstes Gespräch reiste er deswegen eigens ins Fürstentum, um persönlich die Details zu klären. Der Traum seiner schlaflosen Nächte hatte dabei bereits ziemlich klare Konturen: Eine Harley aus den Fünfzigern, das Frontend mit Springergabel, vorn und hinten Trommelbremsen. Und natürlich nur mit den nötigsten Teilen, die für eine Straßenzulassung in Deutschland unerlässlich sind. Nach ein paar Stunden in der Garage stand fest: alles machbar. Und das Ganze in einem überschaubaren Zeitraum.

Ein Bobber wie aus dem Lehrbuch: Kein Schutzblech vorn, ein gekürztes hinten, gleiche Reifengröße, Springergabel, Solositz
Ein Bobber wie aus dem Lehrbuch: Kein Schutzblech vorn, ein gekürztes hinten, gleiche Reifengröße, Springergabel, Solositz

Als Erstes musste natürlich die passende Basis her. Reini hörte sich um und fand schließlich eine 1955er Panhead im Wishbone-Rahmen, die sich in einem akzeptablen Zustand befand. In der Garage angekommen, wurde das Bike erst einmal in seine Einzelteile zerlegt. Alle Teile, die wieder verwendet werden konnten, überholte Reini und machte sie für den Neuaufbau passend. Die Springergabel ist Neuware: W&W hatte ein passendes Teil im Angebot – und auch die zugehörige Trommelbremse.

Schön anzusehen, aber wartungsintensiv: Bei der Duplex­trommelbremse müssen zwei Nocken aufeinander abgestimmt werden
Die Duplex­trommelbremse ist eine Nachfertigung von W&W

Der Rest wurde in Handarbeit gefertigt oder angepasst: Ein stilechter kurzer Heckfender, der dicht an der Pelle klebt, ein flacher Solo-Sattel, durch Spiralfedern gedämpft, sowie Tank, Lampen und diverse Kleinteile. Damit war das Bike auch schon fertig fürs neue Lackkleid. Das fertigte auch in diesem Fall der bekannte Custompainter, Lackierer und Pinstriper Marcus Pfeil, der von Anfang an die Motorräder aus der Bobber Garage einkleidete. Nun schmückt ein dezentes Erdbraun die Panhead, den Tank ziert ein passender Harley-Davidson-Schriftzug aus längst vergangenen Tagen – alles so, als habe das Bike in diesem Zustand bereits einige Jahre und Kilometer auf dem Buckel.

Während der Tank bei Marcus zum Lackieren war, gingen Rahmen, Räder, Gabel und einige Kleinteile zum Pulverbeschichter. Diese Zeit nutzte Reini, um sich Motor und Getriebe vorzuknöpfen. Dabei gab es keine bösen Überraschungen: Das Herzstück war für sein Alter noch gut in Schuss, nur ein paar neue Dichtungen und Kosmetik – und schon war der Motor bereit, wieder in den Rahmen gepflanzt zu werden.

An einem Samstagmorgen, vier Monate nach dem ersten Treffen in Liechtenstein, stand der fertige Bobber dann vor seinem neuen Zuhause in Düsseldorf. Lieferung frei Haus. Reini hatte auch sein eigenes Bike mitgebracht. Die erste Fahrt unternahmen der Erbauer und der Besitzer zusammen. Zwei Stunden trieben sie die Bikes durch Düsseldorf und Umgebung, Zwischenstopps legten sie bei Frank von Independent Choppers und Andreas von Thunderbike ein. Zurück blieb ein breites Grinsen im Gesicht des neuen Besitzers Utti. Die Liechtensteiner können eben doch mehr als Steuerschlupflöcher.

Zuerst veröffentlicht in BIKERS NEWS 10/2015

 

TECHNISCHE DATEN
Utti Bobber


Basis: Harley-Davidson Panhead

Motor: Original 1200 ccm Panhead

Vergaser: 38 mm Dell’ Orto

Zündung: Custom-Zündanlage

Auspuff: 2-1 Fishtail

Antrieb: 1,5“ Belt, geschlossen

Getriebe: Original 4-Gang

Rahmen: Original Wishbone

Baujahr: 1955

Gabel: Springer, W&W

Räder: 3x16“ Speichenräder

Reifen: 5.00x16“

Bremse vorn: Duplextrommel, W&W

Bremse hinten: Originaltrommel

Lenker: Buckhorn Springer

Sitz: Spirit Leather

Heckfender: Bobber Garage

Elektrik: Bobber Hubi

Tacho: Motogadget

Lackierung: Marcus Pfeil Custompainting



Bobber Garage

Landstraße 126, FL 9490 Vaduz

Tel. 00423 3922490, www.bobber.li
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