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Wir feiern die Nummer 400 der BIKERS NEWS. Da haben uns die Kollegen von der Zeitschrift CUSTOMBIKE was mitgebracht
Geld verdirbt nicht unbedingt den Charakter. Geld kann sogar gute Menschen formen. Wir hätten es selbst nicht geglaubt. Aber dieses Bike ist ein Projekt von Bones Legacy aus Las Vegas. Und Bones Legacy ist selbst ein Projekt guter Menschen, die sich nicht ins Rampenlicht der Öffentlichkeit stellen wollen.


Das ist ein Gooseneck-Lenkkopf, 13“ over, also 30 Zentimeter lang. Respekt vor der damals üblichen, extrem aufwendigen Rahmenmodifikation. „Squaring“ nannte man das Anfügen von Kanten, „Molding“ nannte man die muldenförmige Bearbeitung der Rahmenzüge

Die Jungs haben Kohle, einer von ihnen hat sie sich in den 80er Jahren mit Graffiti-Kunst verdient. Ein anderer von ihnen verstarb in jungen Jahren, er wurde „Bones“ genannt, und so heißt das Projekt dieser Menschen „Bones Legacy“, das „Bones-Vermächtnis“. Und der dritte Mann von Bones Legacy ist endlich einer, dessen echten Namen wir nennen dürfen. Es ist Paul Ponkow.

Paul Ponkow ist der Schrauber von Bones Legacy. Er ist der Mann, der alte, legendäre und manchmal verschollen geglaubte Custombikes auftreibt. Es handelt sich um echt alte Custombikes aus den ersten Jahren des professionellen Customizings in den USA. Diese Bikes sind bald auch schon ein halbes Jahrhundert alt, und genau die restaurieren die Jungs um Paul Ponkow. Sie machen das einfach so, ohne Geld dran zu verdienen. Aber eines Tages, so hoffen sie, können sie mit diesem Fuhrpark von Bikes ein Museum eröffnen. Zum Fahren sind sie ohnehin zu schade.

Bartträger müssen aufpassen. Hier wird offen angesaugt, und zwar vor der Nase des Fahrers
Bartträger müssen aufpassen. Hier wird offen angesaugt, und zwar vor der Nase des Fahrers

Bis dahin sorgen sie nur dafür, dass diese Bikes hin und wieder in einer Zeitschrift vorgestellt werden. Denn eine gute PR gehört nun mal auch zum Geschäft, auch wenn mit diesen Bikes gar keine Geschäfte gemacht werden sollen.

Klingt das alles wie ein Märchen? Ihr glaubt das nicht? Unsere Kollegen von der Zeitschrift CUSTOMBIKE waren drüben in Las Vegas. Sie haben mit Paul Ponkow und seinen Buddies geraucht, getrunken und Motorräder angeguckt. Und zur 400sten BIKERS NEWS haben sie uns was mitgebracht, die Story und die Bilder zu diesem Digger.

Gespart wird woanders. Das Blattgold kommt von American Polishing and Plating Henderson, Nevada
Gespart wird woanders. Das Blattgold kommt von American Polishing and Plating Henderson, Nevada

Digger – so nannte man Custombikes mit einem weit nach vorn und nach unten gereckten Vorbau. Wo der Name herkommt, weiß heute niemand mehr genau. Aber der Name ist naheliegend, weil er die Optik eines Bikes suggeriert, das sich in den Boden graben will. Der Digger-Style kam in den Jahren, als wir hier das Wort „Customizing “ noch gar nicht kannten, häufig vor. Das war die Zeit, in der selbst Bikes bewusstseinserweiternd wirkten, je abgedrehter, desto wirksamer.

Dieser Digger entstand im Jahr 1981, ziemlich spät also, wenn wir von den frühen Jahren des Customizing reden. Basis ist eine Honda CB 750 von 1972. Ja, auch in den Staaten gab es eine Phase, in der man sich japanische Reihenvierer vorknöpfte. In diesem Fall war es eine Customschmiede namens „Denvers“. Die hatte im Auftrag des Besitzers Jim den Rahmen und die Gabel gebaut, war also für die reine Technik zuständig. Aber dann waren da noch der Lack und das „Molding“, also die schwülstige Ausformung der Rahmenzüge. Beides war damals genauso wichtig wie die technischen Gimmicks, und beides erledigte Crazy Carl. Das fertige Bike hieß schließlich „Freight Train“, ein Lastzug also.

Der Motor ist noch ziemlich original das 750er Triebwerk einer Honda CB. Aber nur ziemlich, denn er wird von einer elektronischen Zündung geregelt
Der Motor ist noch ziemlich original das 750er Triebwerk einer Honda CB. Aber nur ziemlich, denn er wird von einer elektronischen Zündung geregelt

Doch bald wollte von diesem Stil niemand mehr was wissen. Der Freight Train fristete drei Jahrzehnte ein trauriges Daseinin einem Schuppen, bis die Jungs von Bones Legacy ihn auftaten und sich vorknöpften. Da war das Bike eigentlich nur noch ein verrosteter Schrotthaufen, und Bones Legacy stand vor einer monatelangen Arbeit, an der neben Paul Ponkow noch Dennis Trudelle, Sonny Boy und Alan Vanderploeg mitwirkten.

Die Jungs von Bones Legacy sind auf eigene Weise Perfektionisten. Wenn es um die Ausdeutung des Begriffs „Restaurieren“ geht, sind sie keine Originalheimer. Schließlich verbauten sie an der Freight Train sogar noch eine elektronische Harley-Zündung, und auch Lack und Molding modifizierten sie hier und dort in geringen Maßen.

Hättet ihr’s gemerkt? Nein? Da seht ihr mal, wie perfekt die Arbeit von Bones Legacy ist. Ihre Freight Train ist offensichtlich besser als das Original, denn manchmal kann man den Zeitgeist eben erst drei Jahrzehnte später richtig verstehen und das dazu passende Motorrad bauen. Aber die Jungs von Bones Legacy sind gute Menschen, wir sagten es schon. Um die kaum merkliche Variation des Themas auch ja nicht zu verheimlichen, verpassten sie dem Namen ihrer Freight Train eine Ziffer. Die neue Freight Train heißt „Freight Train 2“.

Wer traut sich, ein Bike mit diesen „Tiller Bars“ zu fahren? Bones Legacy nennt für die „Freight Train 2“ keinen Preis
Wer traut sich, ein Bike mit diesen „Tiller Bars“ zu fahren? Bones Legacy nennt für die „Freight Train 2“ keinen Preis

Das ist ehrliche Arbeit an einem Motorrad, das nach seinem Umbau ziemlich genauso alt ist wie unsere BIKERS NEWS. Im Unterschied zum Motorrad hat unsere BIKERS NEWS sich nach 400 Ausgaben viel deutlicher verändert. Vielleicht sollten auch wir mal über eine Modifikation unseres Namens nachdenken. Hm, dafür müssten wir vielleicht auch ein bisschen mehr Geld haben, aber so weit wird ein Blättchen aus dem schmierigen Arsch der Szene wohl nie kommen.

400 Ausgaben haben nicht genügt, um uns reich zu machen. Schade, denn das haben wir ja nun gelernt: Geld verdirbt nicht unbedingt den Charakter. Geld könnte auch bessere Menschen formen.

Aus dieser Perspektive offenbart sich die schlanke Linie. Custombikes der ersten Stunde mussten nicht breit sein
Aus dieser Perspektive offenbart sich die schlanke Linie. Custombikes der ersten Stunde mussten nicht breit sein
 

TECHNISCHE DATEN
Freight Train 2
Basis: Honda CB 750, 1972

Motor
Typ: Reihenvierzylinder, ohc
Hubraum: 750 ccm
Vergaser: 4 Keihin 38 mm
Zündung: Dyna Electronic
Luftfilter: Velocity Stacks
Schalldämpfer: Bologna Cut Dragpipes

Fahrwerk
Rahmen: Denvers 1980, 13” Gooseneck, 45° Rake
Gabel: Vintage Denvers 1980, Narrow Springer 30” Over
Räder
vorn: WM1 19”
hinten: Harley Drop Center 16“
Reifen
vorn: Avon Speedmaster Racing 2.75 x 19
hinten: Avon Speedmaster 5 x 16
Bremsen
vorn: Spool
hinten: Honda
Lenker: Bones Legacy Tiller bars

Sonstiges
Armaturen: Barnett
Sissybar: Denvers
Benzintank: Vintage Gary Little John Prism Tank
Öltank: H-D Horseshoe
Scheinwerfer: 4“ Mini Fog
Rücklicht: Eigenbau, Vintage Yankee-Gläser
Sattel: Marc’s Custom Upholstery Henderson, Nv.
Lack & Molding: Sonny Boy, www.bigtwin-motorcycles.de
Oberflächenveredelung: Blattgold von American Polishing and Plating Henderson, Nevada
Restaurator: Bones Legacy, Las Vegas, 
www.boneslegacy.com

Zuerst veröffentlicht in BIKERS NEWS 08/2015
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