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Die Pannonia Custom Show präsentierte einem bunten Melodienstrauß des osteuropäischen Customizing
Österreich ist das Tor zum Osten Europas. Wir erinnern daran, dass dieses einstige Österreich-Ungarn geographisch so ziemlich den ganzen heutigen Balkan umfasste. Und so findet seit 2013 in der kleinen, ostösterreichischen Stadt Oberwart die „Pannonia Custom Show“ statt.

„Pannonia“, das ist wiederum der Name des westlichen Teils von Ungarn, das als einstige römische Provinz diesen Namen trug. Und auch das Burgenland, der östliche Teil Österreichs also, ist Teil dieser Pannonischen Ebene.

Ihr seht, die Grenzen im neuen Europa sind fließend. Und interessant an dieser Gegend sind die zahllosen unverdorbenen Schrauber und Customizer aus Osteuropa. Sie bauen Bikes, deren Stile wir längst vergessen haben – oder sie bauen Bkes, deren Stil noch kommen wird. Lasst euch also von einem bunten osteuropäischen Melodienstrauß des Customizing auf der „Pannonia Custom Show 2015“ verzaubern.

Das ist echtes Temperament! Wenn ein Ungar so richtige Bikes zusammenschraubt, jauchzen die heißblütigen Magyarinnen
Das ist echtes Temperament! Wenn ein Ungar so richtige Bikes zusammenschraubt, jauchzen die heißblütigen Magyarinnen

Robert zum Beispiel kommt aus Tatabanya und ist gelernter Zuckerbäcker und Konditor. Er macht aber nicht nur in Süßspeisen. Seine eine zweite Leidenschaft ist das Schrauben an Motorrädern. Und voller Nationalstolz hat er sich ein Motorrad aus seinem eigenen Land vorgeknöpft.

Der ungarische Motorradhersteller hieß tatsächlich „Pannonia“, den Namen müssen wir euch jetzt ja nicht mehr erklären. Die Firma Csepel in Budapest stellte von 1954 bis 1975 Motorräder unter diesem Namen her. Roberts Custom-Pannonia brachte ihm den ersten Platz in der Klasse „Old School“ ein. Nach der Totalüberholung des Motors färbte er das komplette Gehäuse schwarz ein. Er wollte aus dem schlichten 250er Zweitakter ein hunderprozentiges ungarisches Racebike bauen. Um dafür die Aprillia-Schwinge und die USD-Gabel in den Rahmen zu kriegen, musste er natürlich alle Aufnahmestellen umschweißen.

Die größte Herausforderung für den Meister des zarten Zuckergusses aber war der Tank. Mit Hammer, Ambos und Schweißgerät formte Robert ein Fass für den nicht unbedingt zuckersüßen Sprit. Das ist noch der echte osteuropäische Geist, der sich immer darin auszeichnete, selbst aus nichts noch was zu machen.

Das Heck der ungarischen Savage kann über einen Scheiben­wischermotor abgesenkt werden
Das Heck der ungarischen Savage kann über einen Scheiben­wischermotor abgesenkt werden

Szeged ist eine kleine Stadt an der rumänisch-serbischen Grenze. Von dort kommt nicht nur Gulasch. Nagy MihályIn betreibt in Szeged eine kleine Werkstatt, sein Name hat auch eine aussprechbare Variante, bekannt ist er als „Misi“. Misis Suzuki Savage sieht aus wie einer Hightech-Werkstatt entsprungen, aber sie ist komplett von Hand gefertigt.

Als ihm ein Freund in einem Biker­magazin das Bild eines ähnlichen Umbaus aus Katalogteilen zeigte, wollte der Ungar es wissen und zwar, indem er alle Teile selbst fertigte. Er kaufte er sich einen Fräser und einen Aluminiumblock und baute seine erste Gabelbrücke. Mit vier Grad Neigung führt sie heute die Dämpfer. Mit dem neuen Fräser entstanden auch die Handgriffe, Fußrasten und zahllose Kleinteile. Die Gabelcover fertigte Misi mit Winkelschleifer und Hammer. Selbst den Scheinwerfer fertigte der Ungar selbst. Für die Räder verwendete er die Felgen einer GSX-R.

Eine besondere Herausforderung stellte die Federung des Hinterrades dar. Das Heck lässt sich nun mit dem Wischermotor eines PKWs heben und senken. Zumindest das Teil hätte Misi im Katalog nicht billiger bekommen.

Norberts Kawasaki KZ 440 „Steel Stopper“. Im Hänger befindet sich die Wegzehrung. Norberts Frau hat Brote mit echter ungarischer Salami aus hauseigener Schlachtung belegt
Norberts Kawasaki KZ 440 „Steel Stopper“. Im Hänger befindet sich die Wegzehrung. Norberts Frau hat Brote mit echter ungarischer Salami aus hauseigener Schlachtung belegt

Norbert kommt aus Egger, einer kleinen Stadt, 150 Kilometer östlich von Budapest. Er betreibt einen Custom Leder Shop und fertigt Wallets, Ledersättel und Taschen. Das erkennt ihr auch an seiner Kawasaki KZ 440.

Aber die „Steel Stopper“ hat nicht nur neue Lederfransen gekriegt, denn auch ihr Rahmen ist eine Eigenkonstruktion. Der 2-in-2-Auspuff verschwindet elegant unter dem Motor. Als Luftfilterkasten dient heute eine Soda-Flasche. Der Benzintank stammt von einer ostdeutschen Simson SR2. Den Lenker fertigte Norbert genauso selbst, wie die Armaturenhalterung oder den Trailer. Das Hinterrad des Bikes war mal das Vorderrad einer MZ.

Letzte Frage: Zwei Antriebsketten an einem Hinterrad? Während eine Kette das Bike antreibt, betätigt Norbert mit der zweiten Kette die Fußbremse. So sehen technische Lösungen in Ungarn aus.

Die Umlenkung der Hinterradbremse erfolgt über eine zweite Kette
Die Umlenkung der Hinterradbremse erfolgt über eine zweite Kette

Aber der Balkan bleibt ewig geheimnisvoll, deshalb die allerletzte Frage: Warum heißen diese ungarischen Schrauber „Robert“ oder „Norbert“? Keine Sorge, sie heißen nicht alle so. Norbert zum Beispiel legt Wert auf die Nennung seiner Helfer, und die heißen Yetidekor, Imre Csordás, Miklos Kiss, Peter Raduly, Ferenc Cseh senior und Colocar.

Zuerst veröffentlicht in BIKERS NEWS 07/2015

Motomotion / Pannonia Custom Show
Burgenland Messe
A-7400 Oberwart
Tel 0043 3352 - 330 22
www.motomotion.at
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