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Ihr wollt mit einer russischen Triumph in die Ukraine? Macht es, und bringt uns eine Abenteuergeschichte mit!
Wir haben einen Reporter in Österreich. Er ist unter dem Namen „Gau“ bekannt, und er ist ein ziemlicher Kosmopolit. Nein, das ist keine Krankheit. Ein Kosmopolit ist überall in der Welt zuhause. In der Sowjetunion kassierte man dafür schon mal zehn Jahre Lagerhaft, denn Genosse Stalin wünschte keine weltoffenen Menschen in seinem Land. Bei uns ist das anders, und unser Gau schöpft aus dem Vollen. Mit seinem Motorrad ist er immer da, wo sonst keiner sein will. Über seine Abenteuertouren durch Albanien, Serbien, Kosovo, Rumänien, Bulgarien, Moldavien, Transnistrien und die Ukraine hatten wir schon mehrfach berichtet. Wer seine Storys gelesen hat, der weiß, warum niemand freiwillig in diese Länder fährt.

Wer eine GS-BMW fährt, wird diesen Witz nicht verstehen. Aber so können Lenkerprotektoren auch aussehen
Wer eine GS-BMW fährt, wird diesen Witz nicht verstehen. Aber so können Lenkerprotektoren auch aussehen

Vom Grenzübertritt in die Ukraine brachte Gau einst besondere Erinnerungen zurück. Dort wurden die Dokumente und das Motorrad besonders misstrauisch kontrolliert. Schließlich stellten die Zöllner die Frage nach dem Fahrzeugtyp, den sie in den Reisepass eingetragen wollten. „Triumph“, das kannte keiner. Nachdem die Mehlmützen ihre Frage zum zehnten Mal gestellt hatten und Gau zum zehnten Mal „Triumph“ antwortete, einigte man sich auf „BMW“. Auf den folgenden 3000 Kilometern durch die Ukraine hatte unser Österreicher viel Zeit zum Nachdenken. Wieder in der Heimat beschloss er, seine Triumph Tiger in eine russische Version umzubauen. Das sollten die Zöllner in Zukunft verstehen. Gau packte seine Tiger T400 am Kragen.

Also erstmal weg mit allem Kunststoff! Der fette Mittelrohrrahmen, die breite Gabel und vor allem der wuchtige Dreizylinder boten all das, was man unter russischer Urtümlichkeit verstehen könnte. Chrom ging aus dem gleichen Grund gar nicht. Gabel und Räder wurden deshalb schwarz pulverbeschichtet. Berny, alias „der Blechmann“, trieb aus rohen Alu-Platten die Rundungen für einen neuen Alutank heraus. Oben drauf setzte er einen Racing-Einfüllstutzen. Der Lack kriegte natürlich den Farbton „Panzergrau“. Gau ist ein armer Schlucker, nicht anders als die Russen. Um Geld zu sparen, kürzte er die originalen Spiegel und drehte sie um. Achtung, Schlaglöcher! Die Steinschlaggitter eines Mini Cooper dürften nun auch den russischen Rollbahnen standhalten. Die selbstgebogenen Eisenrohre am Motocross-Lenkers dienen als zusätzliche Protektoren. So begründen sich auch der grobstollige Metzeler 140/80-17 und die Federkomponenten von Wilbers im Heck. Nach der Umwelt fragt jenseits des Ural keiner. Ein offener Luftfilter und größere Düsen waren also kein Thema. Es galoppieren jetzt ein paar mehr russische Panjepferdchen durch die Auspuffanlage von MIVV. Westliche Hochtechnologie verbirgt sich nur im LED-Miniaturtacho. Überhaupt stellte die Elektrik die größte Herausforderung dar, die gesamte Steuerung steckte ja unter der entsorgten Verkleidung. Jetzt musste Gau also den kompletten Kabelbaum neu stricken.

Nach der Umwelt fragt hinterm Ural keiner. Vergaserabstimmung und Schalldämpfer sind deshalb modifiziert
Nach der Umwelt fragt hinterm Ural keiner. Vergaserabstimmung und Schalldämpfer sind deshalb modifiziert

Am wichtigsten für die nächste Einreise: Die Triumph-Schriftzüge hat Gau durch kyrillische Buchstaben ersetzt. Der Russe, so belehrt uns Gau, kennt kein „ph“ und auch kein „r“. Als wenn wir das jetzt noch überprüfen würden … Stolz redet Gau nun von seiner „Russen-Triumph“. Der österreichische Kosmopolit kann die nächste Einreise wagen. Sollten wir ihm erklären, dass das Wort „Russe“ und dann auch noch der rote Stern auf dem Zylinderkopf für eine Einreise in die Ukraine nicht besonders gut gewählt ist? Passierscheine in die Ukraine sollte man anders gestalten. Halt, wir verraten’s ihm nicht. Sonst bringt er von seiner nächsten Reise keine Abenteuer mit.

Zuerst veröffentlicht in BIKERS NEWS 07/2015
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