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Chris Dekker gilt als große Nachwuchshoffnung. Wir stellen euch den Mann und seine CB750 vor
Tin Can Customs befindet sich im Hafenviertel Amsterdams. Das ist ein inspirierendes Umfeld. Zahllose Garagenschuppen bieten Platz für junge Künstler, Zweirad-Enthusiasten, Schiffsbauer und andere kreative Menschen. Dort sitzen wir draußen in der Sonne vor dem Schuppen. Chris serviert Kaffee in einer bräunlich verwitterten Tasse. Der Kaffee schmeckt ein bisschen nach Öl: „Sorry, es waren gefettete Maschinenteile in der Tasse.“ Super, genau so sollte der Kaffee hier auch schmecken. „Als Kinder kickten wir immer mit Blechdosen auf der Straße. Spaß mit alten Dingen – das passt perfekt zum Thema meines Ladens“, erklärt Chris den Namen seines Shops in Amsterdam. Kürzlich baute er eine Honda CB750 und taufte sie auf den Namen „Jackdaw“ – zu deutsch „Dohle“. Der Rundgang durch die Garage führt uns an einigen coolen Projekten vorbei. Alle auf japanischer Basis, in einem unverkennbar rauen Stil. Die Wände hängen voll rostiger, verbeulter Tanks und aus dem Radio schallt Rock. „Meine Band“, sagt Chris, der nebenbei auch einwandfrei Gitarre spielen kann. Das Bike-Bauen brachte er sich selbst bei. Durch Probieren und viele, viele Fehler hat er sich das Know-how angeeignet.

Die Honda CB750 Jackdaw ist das erste Projekt, das Chris unter dem Namen von Tin Can Customs gebaut hat
Die Honda CB750 Jackdaw ist das erste Projekt, das Chris unter dem Namen von Tin Can Customs gebaut hat

Sein letztes eigenes Bike war ebenfalls eine CB750. „Ich hatte sie 2009 gekauft und bin damit direkt bis nach Spanien gefahren. Zurück von diesem Trip, habe ich den Motor überholt. Und zwar in der Küche meiner Wohnung, das Bad wurde zur Spritzkabine umfunktioniert. Der Vermieter hat das herausgefunden und war offensichtlich nicht amüsiert. Nachdem ich rausgeworfen wurde, habe ich bei bei meinen Eltern weitergearbeitet. Dann hatte ich eine Werkstatt, etwas später eine Garage und schließlich bin ich auf diesen fantastischen Platz in Amsterdam gestoßen. Die Miete ist günstig, und es ist die ideale Location, um kreative Menschen zusammenzubringen und sie zu vernetzen.“
Kreativität ist wichtig für Chris: „Ein kreativer Prozess ist ein ständiger Kampf, die Kontrolle zu behalten oder sie zu verlieren. Auf dem schmalen Grat zwischen Passion und Obsession kannst du wundervolle Dinge entdecken. Manchmal bin ich Tag und Nacht mit einem Projekt beschäftigt. Es macht mich wahnsinnig – aber es ist immer fucking cool, es zu machen.“ Chris fährt fort und erklärt uns das Projekt: „Die Jackdaw musste einen rauen Style bekommen. Alle Schweißnähte sind deswegen sichtbar und nackt; damit die Leute sehen können, was ich alles machen kann. Den Rahmen hatte ich mal für 50 Euro gekauft, das Heck hatte bereits der vorige Besitzer geändert. Jeroen von VVM Racing hat mir vor zwei Jahren den Sitzhalter gemacht, da ich damals weder Wissen noch Werkzeug für solche Schweißarbeiten hatte. Unter dem Motto ,I tin I can do this‘ fing ich an, am Rahmen zu arbeiten. Zum Beispiel an den Sitzrohren, die ich selbst vertieft habe. Wenn du dir die ganzen Schweißnähte anschaust, siehst du, wo ich angefangen und wo ich aufgehört habe. Es ist ein Lernprozess, abgebildet in einem Bike – und glücklicherweise geht es dabei aufwärts.“


Chopper: Ein Teil weniger, und das Bike könnte nicht fahren

Chris überholte den 74er Honda-Motor gründlich, inklusive neuer Lager und neuer Primärkette samt Spannrolle. Die Zylinder bohrte er auf respektable 836 ccm auf. In einer selbstgebauten Sandstrahlkabine wurde alles glasperlengestrahlt. „Ich werde das nie wieder machen“, seufzt Chris. „Es hat Tage gedauert, den ganzen Staub wieder zu entfernen.“ Den Platz des Starters machte er für die Elektrik frei. Jetzt ist das Bike ein Kick-only. Gleichzeitig dient der Kickstarter als Ständer. Nicht wirklich praktisch, aber es sieht verdammt cool aus. Patina ist das Schlüsselwort dieses Bikes: Alles sieht alt und verwittert aus und der Rahmen ist nur mit einer schmierigen Schicht Owatrol gegen Rost geschützt. Die Gabelbrücke hat Chris mit voller Absicht mit einer Schleifmaschine bearbeitet und ihr so den Used-Look verpasst. Dagegen bekamen die organisch geformten Lampenhalter unbeabsichtigt ihren japanischen Look. Genau wie der von Chris erfundene „Psych Bar“, der ziemlich bizarre, kurvige Lenker.

Der Tank im Frisco-Style hat einen Schlauch auf der linken Seite, der den Benzinstand anzeigt. „So bleibe ich hoffentlich niemals irgendwo liegen“, sagt Chris. Eine Frontbremse suchen wir vergeblich – zum Glück sind die vier Megaton-Auspuffrohre laut genug, um von Weitem zu warnen, dass die Jackdow heranrollt. Das Blech schließlich sieht aus wie authentischer Seventies-Stuff.

Alt? Nein! Lackkünstler KustomBart fügte den Patina-Look erst kürzlich hinzu. Chris erzählt: „Ich kam mit den wildesten Ideen zu KustomBart. Nach einem Tag Brainstorming kamen wir zu dem Entschluss, dass der einfachste Weg der beste ist: Perlweiß in alter Maltechnik und mit Goldblättern. Die Risse im Lack sind so gemalt, dass sie wie gerostet aussehen. Rost! Ja, es ist auf jeden Fall eine Diskussionspunkt, weil die Biker den Rost hassen. Das Muster des Lacks setzt sich im Sitz fort. Den hat Miller Kustom Upholstery gebaut. Großartige Arbeit! Das Bike ist nun eine runde Sache.“
 

TECHNISCHE DATEN
Jackdaw

Basis: Honda CB750 K2
Baujahr: 1974

Motor: Luftgekühlter Reihenvierer
Hubraum: 836 ccm (erweitert)
Vergaser: original, größere Düsen
Luftfilter: K&N
Getriebe: 5 Gang
Auspuff: 4-in-4-Megaton
Schwinge: CB550
Rahmen: Original, modifiziert
Gabel: Cagiva Mito, modifiziert
Stoßdämpfer: Hagon
Rad vorn: Original
Rad hinten: Original-Radnabe, 16-Zoll-Felge
Reifen vorne: Avon Speedmaster
Reifen hinten: Continental
Lenker: Tin Can Customs
Riser: Tin Can Customs
Hebel: Harley Clutch Lever, modifiziert, Gaszug innen
Griffe: Biltwell, modifiziert
Scheinwerfer: Traktor, Eigenbau-Halter
Batteriekasten: Tin Can Customs
Öltank: Tin Can Customs
Fußrasten: Tin Can Customs
Tank: Frisco Sportster, modifiziert
Rücklicht: Tin Can Customs
Sissybar: Tin Can Customs
Sitz: Tin Can Customs, 
Sitzpolster: Miller Kustom Upholstery
Lackierung: Kustom Bart

Tin Can Customs
Papaverhoek 29
NL-1032 JZ Amsterdam
Tel 0031 641 81 44 69
www.tincancustoms.com

Zuerst veröffentlicht in BIKERS NEWS 10/2015
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