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Wenn ein Motorrad für jede Kurve eine Gedenksekunde erfordert, dann ist es gut. Meint Ahlsdorf und behält darüber das letzte Wort
Jüngst las ich in unserem Schwester­magazin CUSTOMBIKE, dass die Sache mit der Fahrbarkeit von Motor­rädern so ein „typisch deutsches Ding“ sei. In den USA würde man einfach fahren, scheißegal, ob fahrbar oder nicht. Dort würden die Straßen ja auch nur geradeaus führen.

Gedenksekunde für eine Kurve

Stimmt. Jede Kurve auf meiner neuen Harley erinnert mich daran. Die Gedenksekunde, die ich einlegen muss, wenn ich diesen 240er-Reifen über seine gewaltigen Flanken in die Schräglage wuchten will, hat was Meditatives. Die Federung des tiefgelegten Fahrwerks ist gar keine, denn jede Teernaht quittiert sie wie ein Starrrahmen. Und die Verwirbelungen, die meinen Schädel hinter der Scheibe beuteln, erinnern mich daran, dass BMW dieses Problem schon in den Achtzigern mit einem Spoiler gelöst hatte. „Ich weiß“, meinte einst Martin Becker von MB Cycles mit genervter Lässigkeit, „BMW ist besser.“ Währenddessen kämpfte der Customizer aus Heidelberg mit vier rundgelutschten Kreuzschlitzschrauben an der Schwimmerkammer einer Sportster. Ich hatte ihm zuvor erklärt, dass BMW dieses Problem mit einem simplen Bügel an der Schwimmerkammer schon in den Siebzigern gelöst hätte. Becker hat mich mit seiner knappen Abfertigung ganz schnell zum Schweigen gebracht. Und vielleicht war das der Tag, an dem ich zum ersten Mal drüber nachdachte, mir irgendwann doch noch eine Harley zuzulegen. Eine Harley würde nie perfekt sein und damit auch nie langweilig.

Eine Harley ist unvernünftig. 
Das macht sie jetzt auch für Ahlsdorf interessant
Ahlsdorf auf seiner Road Rod von Harley-Davidson Bergstraße


Leser beschweren sich

Früher hatten wir übrigens pro Jahr mindes­tens eine Abo-Kündigung, die der Abonnent mit den „nicht fahrbaren“ Motorrädern begründete, die wir in unserer BIKERS NEWS veröffentlichten. Zwei, drei Leserbriefe mit der gleichen Beschwerde kamen pro Jahr noch dazu. Wenn ich die Leserbriefe beantwortete, konterte ich immer mit dem Argument, dass eine Honda CB 500 ein ziemlich gut fahrbares Motorrad sei. Und es gebe gute Gründe dafür, eine Honda CB 500 nicht in der BIKERS NEWS abzubilden. Für fahrbare Motorräder seien deshalb andere Zeitschriften zuständig.

Ich weiß, Kundenservice sieht anders aus. Wenn wir eine Bank oder eine Versicherung wären, hätten wir höflich geantwortet, dem Kunden beigepflichtet und ihm durch einen Strauß von tausend Blumen doch irgendwie untergeschoben, dass er sich gefälligst einen anderen Laden suchen soll.

Offengestanden haben wir schon lange keine weiteren Beschwerden dieser Art gehabt.
Wir haben wohl alle falschen Leser aus unserem Reich der Rocker vertrieben. Sie haben ja nun vielleicht im Reich der fahrbaren Scrambler, Tracker und Cafe Racer eine neue Heimat gefunden. Heimat? Ob dieser oberflächliche Lifestyle so beständig ist wie unsere Szene, die über ein halbes Jahrhundert auf dem Buckel hat, will ich mal infrage stellen. Niemand wird in zehn Jahren noch Interesse an einer zum Cafe Racer umgebauten Zweiventiler-BMW anmelden. Die Leser haben uns wohl verstanden. Für alle, die uns nicht verstehen, nochmal in Kurzfassung: Die Philosophie des Choppers ist die Philosophie der Unvernunft. Sie ist ein Schlag ins Gesicht der Bürger, die Vernunft predigen. Und kein Geringerer als Peter Fonda hat über seinen „Captain America“ aus dem Film „Easy Rider“ einst vermerkt, dass dieses Motorrad kaum fahrbar gewesen sei. Lasst uns weiter fahren, auf einem Weg, der nicht fahrbar ist. Dann machen wir alles richtig.

Zuerst veröffentlicht in BIKERS NEWS 10/2017
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