Tachologie

16.07.2018  |  Text: LoSch  |   Bilder: LoSch
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Wie weit darf ein Tacho wirklich abweichen? Und dürfen wir auch einen Fahrradtacho anbauen? Wir räumen mit Stammtischmärchen auf
Wer sich nur nach der Anzeige seines Tachos richtet, der muss nicht richtig liegen. Abweichungen zwischen gefahrener und angezeigter Geschwindigkeit sind möglich. Sie sind sogar erlaubt, und zwar in gesetzlich festgelegtem Rahmen. Grundsätzlich darf ein Geschwindigkeits­messer natürlich nicht nachgehen, nicht mal um ein kleinstes Kilometerchen. Zulässig ist es nur, wenn der Tacho eine höhere Geschwindigkeit anzeigt. Aber auch das kann gefährlich werden. Zeigt ein Tacho 50 km/h, ihr fahrt aber nur 40 km/h, dann werdet ihr zum Verkehrshindernis, was andere zu riskanten Überholmanövern anstacheln könnte.

Deshalb wurde mit dem Jahr 1991 ein neuer Maximalwert festgesetzt. Er liegt bei genau 10 % + 4 km/h über der tatsächlichen Geschwindigkeit, egal ob das Fahrzeug nach StVZO- oder EG-Typisierung zugelassen ist. Bei realen 50 km/h liegen also angezeigte 59 km/h noch im zulässigen Rahmen. Von Ende 1951 bis 1990 durfte der Tacho maximal 7 % vorlaufen. Nur die allererste StVZO von 1937 sah ganz anders aus. Die Geschwindigkeiten waren noch nicht berauschend und das Verkehrsaufkommen war gering. Deshalb gestattete der Gesetzgeber eine pauschale Abweichung von 5 %, egal ob mehr oder weniger. Genauer hätte man damals wohl schon aus technischen Gründen gar nicht sein können.

Abgefahrene Reifen oder zu wenig Reifendruck verfälschen den Messwert noch heute, dadurch verringert sich nämlich die abgerollte Strecke pro Umdrehung. Der Tacho merkt das natürlich nicht und übertreibt gegenüber der realen Geschwindigkeit. Bei hohem Tempo dehnt ein Reifen sich wiederum aus. Dann wächst der Umfang, und unser Geschwindigkeitsmesser merkt’s wieder nicht und zeigt weniger an. Eine gleichlange Strecke würde also bei schneller Fahrt kürzer angezeigt.

Wohl deshalb ist für die vorgeschriebenen Prüfszenarien nach EG (sie gelten seit 1991 auch in der StVZO) oder ECE ein erhöhter Reifendruck vorgeschrieben, aber kein neuer Reifen. Die ebenfalls vorgeschriebene Prüfung eines Tachos findet nur bis maximal 120 km/h statt, sofern die Höchstgeschwindigkeit überhaupt über 150 km/h beträgt. Darunter beschränkt man sich bei der Messung auf 100 km/h. Tachos, die ausschließlich Meilen anzeigen, sind übrigens seit 1991 überhaupt nicht mehr zugelassen.

Aus einem Guss: Die Vereinigung von Lenker, Riser und Tacho schafft einen guten Gesamteindruck
Aus einem Guss: Die Vereinigung von Lenker, Riser und Tacho schafft einen guten Gesamteindruck



Ein Tacho muss „passen“

Serieninstrumente sind oft so groß, dass sie noch bei abnehmender Sehschwäche und ohne Lesebrille ablesbar bleiben. Wir sind eitel genug, um unsere Bikes mit kleineren Tachos zu customizen. Die gibt’s zuhauf im Zubehör. Aber bevor wir sie verwenden, müssen wir wissen, ob sie an unserem Bike auch die richtige Geschwindigkeit anzeigen. Maßgeblich ist dann der K-Wert. Das ist die Relation von Reifenumfang zu Radumdrehungen zu Tachowellenumdrehungen. Der K-Wert zeigt also an, ob ein anderer Tacho überhaupt auf unser Bike „passt“.

Alle vier Jahre steht die K-Frage in der Politik auf dem Plan, sie wurde bis jetzt noch nicht normiert. Bei originalen Rad-Reifen-Kombinationen könnt ihr diesen Wert von eurem Vertragshändler erfahren, bei geänderten Fahrwerken müsst ihr ihn auf jeden Fall selbst ermitteln. Eine Anleitung dafür findet ihr in unserem Infokasten.

Die damit verbundene Ermittlung des Reifenumfanges ist auch erforderlich für Digitaltachos, die diesen Wert ebenfalls benötigen. Motogadget liefert zu seinen Betriebsanleitungen immer auch eine Übersicht der gängigsten Reifenumfänge.


Gehen auch Fahrradtachos?

Seit Sigma seine Fahrradtachos für Renn­räder bis 199,8 km/h, als Motorradcomputer sogar bis 399 km/h, ausgelegt hat, sind sie für Customizer interessant geworden. Ihr einziges Problem: Sie sind selten beleuchtet. Und darauf bestehen die Prüfer bei Erstzulassungen ab 1991, wenn das Teil anstelle eines originalen Tachos Ersatz leisten soll. Und genau wie bei diesem stößt eine mit Knopfzellen betriebene Beleuchtung auf wenig Gegenliebe. Die Spannungsversorgung sollte über das Bordnetz erfolgen, damit die Funktion sichergestellt bleibt. Wenn die Motorradbatterie selbst den Geist aufgibt, läuft gar nichts mehr, dann ist auch der Tacho egal. Trotzdem darf er im Fall eines elektronischen Tachos nicht seine eingespeicherten Informationen verlieren.

Mittlerweile werden neben den bekannten Rundinstrumenten auch digitale Anzeigen angeboten, die über interne Beleuchtung oder eine spezielle Displaytechnik verfügen. Meistens sind diese Geräte größer als ein Fahrradtacho, teilweise aber auch kleiner, sie können aber mehr. Bei einigen Modellen sind sogar Drehzahlmesser oder Kontrollleuchten integriert, teilweise bieten sie auch die Möglichkeit der waagerechten oder senkrechten Anzeige.

Seitdem es Hochgeschwindigkeitsfahrräder gibt, sind Sigma-Fahrradcomputer auch für Motorräder interessant
Seitdem es Hochgeschwindigkeitsfahrräder gibt, sind Sigma-Fahrradcomputer auch für Motorräder interessant



Tachos eintragen

Eines gilt jedoch für alle Austauschtachos: Sollen sie die Werkseinheit ersetzen, muss das in den Papieren verewigt werden – außer es liegt eine ABE vor. Die ist zum Beispiel bei den Tachos von Motogadget vorhanden, wie an der KBA-Nummer auf der Rückseite zu erkennen ist. Das spart auf jeden Fall schon mal Prüf- und Eintragungsgebühren, ganz abgesehen von Laufereien und Wartezeiten. Zubehörtachos mit E-Prüfzeichen gibt es nicht, wie wir vom TÜV Rheinland erfahren haben.

Gibt es keine allgemeine Zulassung, solltet ihr euch vorab immer bei den Graukitteln nach den Voraussetzungen für die nötige Eintragung erkundigen. Aber die Prüfstellen sind sich bei dieser Thematik nicht einig, weshalb ihr euch immerhin die beste aussuchen könnt. Wir selbst haben die Erfahrung beim Eintragen eines Sigma-Tachos gemacht, von dem der eine Prüfer eine Bescheinigung des konkurrierenden Herstellers VDO über die korrekte Anzeige haben wollte, während dem anderen die Prüfung beim ADAC reichte. Das lag wohl daran, dass die ADAC-Prüfstation sich in unmittelbarer Nähe zum TÜV befand. Laut den Bestimmungen der Richtlinie 2000/7/EG beziehungsweise des Anhangs II der Richtlinie 75/443/EWG reicht ein Rollenprüfstand. Wer den betreiben soll, ist nicht explizit aufgeführt. Auch hier habt ihr also noch Spielraum.

Natürlich hat ein Tacho auch einen Kilometerzähler. Der Kilometerstand wird für jede Inspektion oder für jeden TÜV-Termin abgelesen und niedergeschrieben. Auch beim Gebrauchtkauf könnt ihr so in Erfahrung bringen, was das Motorrad auf der Uhr hat. Aber halt! Wirklich vorgeschrieben ist ein Wegstreckenzähler erst für EG-typisierte Fahrzeuge ab 2016. In der EU-Verordnung 3/2014 wurde festgelegt, dass Fahrzeuge mit einer bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit über 25 km/h auch einen Kilometerzähler haben müssen und die Prüfung neu nach der ECE-Regelung Nr. 39 erfolgen muss. Die unterscheiden sich aber nicht großartig von der EG-Richtlinie, wie ihr im Anhang sehen könnt.

Die Abweichung, die so ein Streckenzähler haben darf, ist seit jeher klar definiert. Bis zum 27. November 1951 waren es ± 2 % und danach ± 4 %. Der Unterschied zur oben angegebenen Tachoabweichung begründet sich mit den alten mechanischen Laufwerken, in denen ja zwei getrennte Zählwerke steckten. In digitalen Tachos unterscheiden die Mikroprozessoren nicht mehr zwischen beiden Werten.


Wohin mit dem Instrument?

Seit dem 28. November 1951 ist vorgeschrieben, dass der Tacho im Sichtfeld des Fahrers liegen muss. Damit bleibt uns zumindest bei der Platzwahl eine gewisse Freiheit.

Oldstylish ist die Unterbringung im Scheinwerfergehäuse. Bei nachträglichem Einbau müsst ihr nur wissen, welchen Platz der Scheinwerfereinsatz für sich beansprucht, damit ihr nicht das Loch an der falschen Stelle bohrt. Das lässt sich recht einfach durch einen Papp-Dummy ermitteln.

Der weitverbreitetste Anbringungsort ist der am Lenker. Und rund um den Lenker finden sich noch immer viele Lösungen neben der guten alten Klemme. Üblich für Harleys ist auch die Beherbergung überm Tank im sogenannten „Dashboard“. Customizer suchen dagegen immer wieder neue Alternativen. Beliebt ist das subversive Brechen der Symmetrie durch eine außermittige Positionierung, sei es am Luftfilter, an seitlichen Rahmenzügen oder am Zylinder. Hier fängt die künstlerische Gestaltung an, und dafür findet sich selbst für so ein kleinliches Instrument wie den Tacho immer eine Möglichkeit.

Seitensprung: Hauptsache, das Instrument liegt im Sichtfeld, ansonsten gibt es keine Positionierungsvorgabe
Seitensprung: Hauptsache, das Instrument liegt im Sichtfeld, ansonsten gibt es keine Positionierungsvorgabe


 

Der K-Wert

Der K-Wert gilt natürlich nur für Tachos, die noch durch eine klassische Welle angetrieben werden. Schaut zuerst, an welches Rad die Tachowelle angeschlossen ist. Sitzt sie am Getriebe, ist es das Hinterrad.

Dann ermittelt ihr den Radumfang. Theoretisch könntet ihr natürlich auf die in der Schule gelernte Formel für den Kreisumfang (d x π, π = 3,14) unter Verwendung von Felgengröße und doppelter Reifenhöhe als Durchmesser (d), zurückgreifen. Aber Vorsicht, die mathematische Methode ist in diesem Fall ungenau, denn ein Reifen hat bei einer breiteren Felge eine geringere Höhe, da er auseinandergezogen wird. Auf einer schmaleren Felge wird er entsprechend zusammengedrückt und damit höher. Steht zum Beispiel 200/50 auf der Flanke, entspricht das nur ungefähr 10 Zentimetern Reifenhöhe. Um einen genauen Wert zu ermitteln, müsst ihr das Rad also auf der Straße abrollen oder ihr zieht einen Klebestreifen mittig über die Lauffläche des Reifens. Wenn die Enden auf Stoß sind, zieht ihr den Klebestreifen wieder ab und messt ihn auf einer geraden Fläche.

Jetzt schraubt ihr die Welle vom Originaltacho ab. Am offenen Wellenvierkant bringt ihr ein Hilfsmittel zum Feststellen der Umdrehungen an, zum Beispiel eine Büroklammer oder einen kleinen Pappstreifen. Natürlich kann die Messung auch direkt an der Tachoschnecke erfolgten, doch die ist meistens wesentlich schlechter einsehbar.

Dreht nun das Rad zehn Mal und zählt, wie oft sich der Vierkant um die eigene Achse dreht. Die Berechnung des K-Wertes kann dann erfolgen: K = zehn mal die Zahl der Umdrehungen des Vierkantes geteilt durch den Radumfang in Zentimetern. Das Ergebnis wird auf eine Stelle nach dem Komma gerundet.

Beispiel:

Radumfang 202 cm, Umdrehung Vierkant 27,5:

10 x 27,5 : 202 = 275 : 202 = 1,36 => 1,4

Der K-Wert beträgt 1,4

 


Richtlinien für Tachos

Die StVZO ab 05.05.2012 verweist auf die Rili 2000/7/EG, Anforderungen lt. 2000/7/EG (alt 92/61/EWG) und ECE Regelung Nr. 39

– Der Tacho muss im Sichtfeld des Fahrers liegen, bei Tag und Nacht gut lesbar sein und die Höchstgeschwindigkeit anzeigen können.

– Die angezeigte Geschwindigkeit darf die tatsächliche Geschwindigkeit um folgendes Maß überschreiten: 10 % + 4 km/h.

– Sofern der Tacho eine Skala hat, muss sie deutlich unterteilt sein (unter 200 km/h: Intervalle von max. 20 km/h, über 200 km/h: Intervalle von max. 30 km/h).


Der Tacho ist wie folgt zu kontrollieren:

– Bei 2000/7/EG muss der Reifendruck dem 1,3-fachen des normalen Betriebsdruckes entsprechen (Beispiel: Normalbetrieb 2 bar, Prüfung 2,6 bar)

– Bei ECE-Regelung Nr. 39 sind es nur 0,2 bar mehr als der angegebene kalte Fülldruck (Beispiel: Normalbetrieb 2 bar, Prüfung 2,2 bar)

– Das Fahrzeug ist bei folgenden Geschwindigkeiten zu prüfen:


 
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Stand:26 September 2018 09:02:50/bikes/technik/tachologie_18704.html