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Die rechtlichen Auflagen für Rückspiegel wurden in den letzten Jahren verschärft. Wir erklären euch, was beim Umbauen noch geht
Seit fast einem Jahrhundert hat sich der Gesetzgeber mittlerweile Gedanken gemacht, wie wir die Lage hinter uns im Auge behalten sollen. Ihr könnt euch sicher denken, dass der Schminkspiegel eurer Lady in der Regel nicht mehr reicht. Die älteste schriftliche Überlieferung der Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO) entstammt dem Jahr 1937. Es lag wohl am geringeren Verkehrsaufkommen, dass die Auflagen human waren. Da hieß es nur: „Kraftfahrzeuge, außer Krafträder und offene Elektrokarren, müssen einen nach Größe und Art der Anbringung ausreichenden Spiegel für die Beobachtung der Fahrbahn nach rückwärts haben.“ Also keinerlei Vorgaben für Motorräder. Custombikes mit einer entsprechend alten Erstzulassung dürfen also völlig legal unbespiegelt zur HU fahren. Noch nicht mal ein Zahnarztspiegel ist nötig.

Alter schützt vor Spiegelpflicht: Triumph von 1953
Alter schützt vor Spiegelpflicht: Triumph von 1953

Obwohl wir doch alle immer schön brav waren, packte der Nikolaus 23 Jahre später schlechte Nachrichten aus seinem Sack. In der Neufassung der StVZO wurde der Rückspiegel für Krafträder ab Neujahr 1961 Pflicht. Zum Glück war es erst mal nur einer. Die StVZO formulierte recht allgemein, dass Größe und Art ausreichen müssen, um alle Verkehrsvorgänge hinter sich beobachten zu können. Das hörte sich eigentlich gar nicht so schlecht an. Aber dann gab es noch die Auslegungsvorschriften, die eine Mindestfläche von 60 Quadratzentimetern definierten.
Und da von genau einem Spiegel die Rede war, durfte sich die Gesamtfläche auch nicht durch die Addition mehrerer auf das geforderte Maß ergeben – zwei Spiegel mit jeweils 30 Quadrat­zentimetern waren also nicht zulässig. Auch ein verchromter Spiegelarm durfte nicht zur Berechnung der Gesamtfläche herangezogen werden. Dafür durften Sicherheitsfanatiker zusätzliche Spiegel anbauen, die sich nicht an diese Größenforderung halten mussten. Die Spiegelfläche durfte plan oder konvex, also nach außen gewölbt, sein. Da es keine Bauartgenehmigungspflicht für Spiegel gab, stand unter Beachtung der Auflagen auch einem Eigenbau nichts im Weg. Nur scharfe Kanten durfte er nicht haben, denn die waren in einem anderen Paragraphen verboten. Ab dem 1. Januar 1990 wurde der zweite Spiegel Pflicht, zumindest wenn das Motorrad eine Höchstgeschwindigkeit über hundert Stundenkilometer aufwies. Darunter genügte weiterhin ein alleiniges, übrigens links anzubringendes Exemplar. So galt es wenig später auch für die Motorräder aus der ehemaligen DDR, die hatten noch eine Gnadenfrist bis Mitte des Folgejahres. Ab dem 1. Juli 1991 wurden in Deutschland dann alle gleich behandelt.

Zum Vergleich: Oben ein konvexer, unten ein planer Spiegel
Zum Vergleich: Oben ein konvexer, unten ein planer Spiegel

Neuzulassungen nach dem EG-Recht waren in Hinsicht auf Spiegel schon immer etwas strenger reglementiert. Aber auch die StVZO bezieht sich seit dem 1. April 2000 auf die EWG-Richtlinie 97/24/EG und schreibt deren Anwendung vor. Mittlerweile wurde der Text auf den Bezug zu der Richtlinie 2002/24/EG etwas geändert, beinhaltet aber wesentlich die alten Regularien.
Waren die alten StVZO-Auflagen doch recht schwammig, so wird für Europa wirklich alles geregelt, was man sich so vorstellen kann. Die einfache Vorgabe, dass das zu verwendende Sicherheitsglas konvex sein muss, reicht nicht aus. Die Biegung ist auch noch mittels Formel klar vorgegeben. Weiterhin muss das Spiegelglas von einem mindestens 2,5 Millimeter dicken Rand umgeben sein. Außerdem war dem europäischen Verwaltungsrat auch die deutsche Fläche zu klein und er legte ein Mindestmaß von 69 Quadratzentimetern fest. Damit daraus nicht utopische Formen entstehen, zum Beispiel 69 Zentimeter lang und 1 Zentimeter hoch, bestehen klare Vorgaben zu den Ausmaßen. In die Fläche muss ein Kreis mit 78 Millimeter Durchmesser passen, zusätzlich muss sie von einem Rechteck mit den Maßen 12 x 20 Zentimeter umfasst werden können. Runde Spiegel dürfen dagegen einen maximalen Durchmesser von 15 cm haben, mindestens hingegen müssen sie 94 mm aufweisen. Wenn die Spiegel auch noch den Material- und Sicherheitsprüfungen standhalten, erhalten sie das erforderliche Bauartgenehmigungszeichen. Das ist nämlich Pflicht und muss auch im eingebauten Zustand gut lesbar sein. Es setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen. Zum einen das altbekannte E-Zeichen, das das Land kennzeichnet, in dem der Spiegel seine Zulassung erhielt. Dann steht darüber oder links daneben der Buchstabe „L“, der die Fahrzeuggattung der zwei- und dreirädrigen Kraftfahrzeuge verrät. Und zu guter Letzt befindet sich unterhalb oder auf der rechten Seite die Prüfnummer. Dass für Europa natürlich zwei Spiegel vorgeschrieben sind, habt ihr euch sicher schon gedacht.

Schriftliches Bekenntnis: EG und ECE verlangen ein gut sichtbares Prüfzeichen auf dem Spiegel
Schriftliches Bekenntnis: EG und ECE verlangen ein gut sichtbares Prüfzeichen auf dem Spiegel

Spiegel müssen einstellbar sein – und das auch noch in der normalen Fahrhaltung. Nur mit welchem Körperteil die Einstellung vorgenommen werden soll, darüber wird keine Aussage getroffen. Der Spiegel darf also auch tief befestigt sein, um mit dem Stiefel justiert zu werden. Eine vorgeschriebene Mindesthöhe gibt es nämlich nicht. Sind die Spiegel aber unter 2 Meter Höhe angebracht, dann dürfen sie maximal 20 Zentimeter über den Lenkerrand hinausragen. Von der Fahrzeugmitte ist ein waagerechter Abstand von mindestens 28 Zentimeter vorgeschrieben. Selbst die Anbringung im Blickfeld ist reglementiert: Der Blickwinkel von Auge zu Spiegel darf, gemessen von der Waagerechten, 55 Grad betragen, diesen Wert aber nicht überschreiten. Wir haben das alles für euch in einer Grafik verarbeitet, Bilder sagen bekanntlich mehr als tausend Worte. Und natürlich dürft ihr die geprüften Spiegel auch sorgenfrei an alten StVZO-Fahrzeugen verwenden, weil sie die damaligen Kriterien allemal erfüllen.

Alle EG-typisierten Neuzulassungen müssen sich seit 2016 an die ECE-Regelung 81 halten. Dabei geht es nicht um die Sicherheit, sondern um weltweit gleiche Regularien im Handel. Nicht dass mit ECE alles ganz anders wäre, aber ein paar kleine Unterschiede zu den EG-Richtlinien bestehen schon. Gab es dort eine klare Vorgabe über den Sichtbereich und musste man laut der StVZO den rückwärtigen Verkehr beobachten können, nimmt es ECE da nicht so genau. Der Spiegel muss nur die deutliche Sicht nach hinten gewährleisten und wenn dort nur eine hinten liegende Hand zu sehen ist. Bis auf fehlende Höhen- oder maximale Breitenangaben gleichen die Auflagen aber den europäischen. Es gilt mal wieder die alte Regel für Customizer: Wer das ältere Bike hat, der hat auch mehr Möglichkeiten – bis Baujahr 1937 braucht es nicht mal einen Schminkspiegel.
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