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Wer im Winter fährt, steht vor dem Problem der richtigen Bereifung Wer den Winter durchfährt, muss nun wieder aufpassen. Der Gesetzgeber hatte es nach mehreren Anläufen geschafft, eine einigermaßen eindeutige und vor allem verständliche Regelung für Winterreifen zu formulieren. …
Wer im Winter fährt, steht vor dem Problem der richtigen Bereifung

Wer den Winter durchfährt, muss nun wieder aufpassen. Der Gesetzgeber hatte es nach mehreren Anläufen geschafft, eine einigermaßen eindeutige und vor allem verständliche Regelung für Winterreifen zu formulieren.

Winterreifen

Eine schwammige Beschreibung

Einst hatte der Gesetzgeber die Straßenverkehrsordnung (StVO) im Jahr 2006 geändert und festgestellt: „Bei Kraftfahrzeugen ist die Ausrüstung an die Wetterverhältnisse anzupassen. Hierzu gehört insbesondere eine geeignete Bereifung.“ Aber das war eine ziemlich schwammige Beschreibung, denn was unter „geeignet“ zu verstehen ist, wurde damals nicht genau definiert. Es hätten durchaus auch gute Sommerreifen oder Ganzjahresreifen zulässig sein können. Besonders clevere Kraftfahrer zogen zwar Winterreifen auf, eierten aber mit der Mindestprofiltiefe über verschneite Straßen.
Das größte Problem bestand aber darin, dass Kraftfahrzeugführer und -besitzer nicht wussten, mit welcher Bereifung sie tatsächlich unterwegs sein durften, ohne ein Bußgeld zu riskieren. Wohlgemerkt waren die Gesetzestexte für mehrspurige Fahrzeuge formuliert, denn Motorräder hatte der Gesetzgeber schlichtweg vergessen. Man setzte einfach voraus, dass Motorräder im Winter nicht bewegt werden. Angesichts zunehmend milderer Winter werden Motorräder aber auch im Januar an sonnigen und trockenen Tagen über die Straßen bewegt.

Dieser Stollenreifen ist nur im Sportbetrieb zulässig

Winterreifen in der Praxis

Eine erneute Änderung der StVO Ende 2010 machte es für Motorradfahrer nicht verständlicher, denn wieder ging es nur um Autofahrer. Erst ein gutes Jahr später, Ende 2011, vermeldete das Bundesverkehrsministerium, dass Winterreifen auch für Motorräder Pflicht seien. Nach Änderung der StVO darf seitdem ein Fahrzeug – egal, ob zwei- oder einspurig – auf verschneiten oder vereisten Straße nur noch mit Winterreifen bewegt werden.
So weit die Theorie, und mit regulären Winterreifen seid ihr immer auf der sicheren Seite. Das Szenario sieht aber in der Praxis wie folgt aus: Ihr seid bei trockenen und sonnigen Wetterverhältnissen mitten im Winter irgendwo in Deutschland unterwegs. Abgesehen von frostigen Temperaturen, die mit Heizgriffen und Heizweste bekämpft werden, könnt und dürft ihr fahren. Zumal Sommerreifen, also Reifen ohne S+M-Kennzeichnung, bei solchen Bedingungen in der Regel die bessere Wahl sind.
Aber auf dem Heimweg verdunkelt sich der Himmel, und die ersten Flocken machen aus der kühlen Ausfahrt ein Abenteuer. Was tun? Ganz einfach: Nach den Regelungen der StVO und der EU-Richtlinie müsstet ihr euren Bock mitten in der Pampa umbereifen oder eben stehen lassen. Die Cops würden euch die Weiterfahrt untersagen und euch zur Belohnung noch um die sauer verdiente Kohle erleichtern. Ihr könntet aber auch warten, bis Schnee und Schneematsch wieder von der Fahrbahn verschwunden sind oder der nächste Räumdienst den winterlichen Abschaum in Wasser verwandelt hat. Dann stünde der Weiterreise nichts mehr im Wege. Der Gesetzgeber spricht ja nur von verschneiten oder vereisten Straßen.

Das ist ein offizieller Winterreifen, allerdings nur in Roller-Dimensionen erhältlich
Foto: Metzeler

Wo gibt’s Winterreifen?

Aber auch die frühmorgendliche Reifglätte zählt der Gesetzestext zur verbotenen Straßenlage. Und die kann euch sogar im April erwischen.
Selbst, wenn ihr euch zu den Verwegenen zählt, die ihren Bock auch bei winterlichen Verhältnissen jederzeit im Griff zu haben glauben, steht ihr vor der Ausfahrt vor einem allerersten Problem. Woher bekommt ihr überhaupt Motorradwinterreifen, und hat der Hersteller auch die passende Reifengröße für euren Hobel? Und überhaupt, wie sieht es mit einer Reifenfreigabe aus?
Spätestens jetzt steht euch eine nervige Suche bevor. Nur wenige Reifenhersteller bieten überhaupt Motorradgummis mit S+M-Kennzeichnung an. Meist handelt es sich dabei um Stollenbereifung in den enduroüblichen Dimensionen, zum Beispiel im Fall der Continental-TKC-80-Reifen. Die sind in 21 Zoll erhältlich, auch in 19, 18 und 17 Zoll, nicht aber in den 16 Zoll einer breiten Chopper-Felge.

Die Avon-MKII-Reifen sind unter Customizern für Bobber-Umbauten beliebt. Was kaum einer weiß: Diese Avons sind reguläre S+M-Reifen, also ganz legale Winterreifen
Foto: Luger

Motorrad stehen lassen

Die Reifenhersteller empfehlen übrigens grundsätzlich, das Motorrad bei winterlichen Verhältnissen stehen zu lassen. Metzeler Deutschland hat uns dazu Folgendes mitgeteilt:
„Wir haben Reifen mit einer S+M-Kennung im Programm. Dabei handelt es sich um Enduro- und Offroad-Reifen, die aber keineswegs als „Winterreifen“ zu bezeichnen sind. Wir als Hersteller raten dringend davon ab, ein Einspurfahrzeug bei winterlichen Straßenverhältnissen, also schneebedeckter Fahrbahn, einzusetzen. Wir haben für den Scooter-Sektor den Metzeler Feelfree Wintec im Katalog, der bei Kälte und Nässe aufgrund seines Lammellenprofils guten Grip und damit eine hohe Fahrsicherheit bietet. Aber auch für ihn gilt: Bei Eis und Schnee das Motorrad stehen lassen!“
Und damit haben die Männer von Metzeler recht. Jeder, der in jungen Jahren mal probiert hat, sein Bike auf schneebedeckter Straße zu bewegen, weiß es: Geradeaus kann das funktionieren, nicht aber in der Kurve oder beim Bremsen. Gehen 300 Kilo Motorrad zur Seite weg, fängt sie keiner mehr ab. Am Ende siegt nicht der Gesetzgeber, sondern die Vernunft.

Rechtsanwalt Tobias Friedemann: „Pflicht werden Winterreifen erst ab winterlichen Straßenverhältnissen, also Schneeglätte, Schneematsch, Reifglätte oder Glatteis“
Rechtsanwalt Tobias Friedemann:
„Pflicht werden Winterreifen erst ab winterlichen Straßenverhältnissen,
also Schneeglätte, Schneematsch, Reifglätte oder Glatteis“

       Die Rechtslage      

Rechtsanwalt Tobias Friedeman ist selbst Biker. Er klärt uns über die Winterreifenpflicht für Motorräder auf

Die deutsche Gesetzgebung ist manchmal sogar für Juristen schwer zu verstehen. Wenn der Gesetzgeber sich dann auch noch an Themen versucht, von denen er wenig Ahnung hat, wird es erst recht abenteuerlich. So zuletzt geschehen Ende 2010 bei der Neuregelung der Winterreifenpflicht für Kraftfahrzeuge. Seit der Änderung des § 2 Abs. 3a StVO darf ein Kraftfahrzeug auf verschneiten oder vereisten Straßen nur noch mit Winterreifen bewegt werden.

– Winterreifen sind Pflicht
Die neueste Regelung erfasst völlig unstreitig Autos. In Bikerkreisen herrschte erst mal Verwirrung, ob sie auch für Motorräder gelten soll. Die Gesetzessystematik sprach zunächst dagegen. Ende 2011 verlautbarte das Bundesverkehrsministerium, dass die Winterreifenpflicht definitiv auch für Motorräder gilt. Seitdem kommt ihr als Ganzjahresfahrer um Winterreifen nicht mehr herum. Die Verhaltensvorschrift des Gesetzgebers hat folgenden Wortlaut:
„Bei Schneeglätte, Schneematsch, Reifglätte oder Glatteis darf ein Kraftfahrzeug nur mit Reifen gefahren werden, deren Laufflächenprofil, Laufflächenmischung oder Aufbau für die genannten winterlichen Straßenverhältnisse ausgelegt sind (Winterreifen).“

– Richtlinie der EWG
Zugelassene Winterreifen müssen die Eigenschaften gemäß Anhang II Nummer 2.2 der Richtlinie 92/23/EWG erfüllen. Das Laufflächenprofil und die Struktur von Winterreifen müssen so konzipiert sein, dass diese Reifen auf Matsch und Schnee bessere Fahreigenschaften gewährleisten als normale Reifen.
Im Enduro-Sektor gibt es auch Stollenreifen ohne Kennzeichnung, die vergleichbare oder sogar bessere Fahreigenschaften als gekennzeichnete Winterreifen haben. In der Praxis aber macht es sich der Gesetzgeber leicht: Winterreifen sind nur Reifen mit M + S- oder Schneeflockensymbol-Kennzeichnung.

– Die Straßenlage entscheidet
Pflicht werden Winterreifen erst ab winterlichen Straßenverhältnissen, also Schneeglätte, Schneematsch, Reifglätte oder Glatteis. Entscheidend sind dabei nicht die Temperaturen. Wenn bei Temperaturen über dem Gefrierpunkt Schneeregen einsetzt, kann man bereits von winterlichen Straßenverhältnissen sprechen. Umgekehrt spricht nichts dagegen, an einem trockenen sonnigen Dezembertag bei Minusgraden den Bock rauszuholen und auf Sommerreifen eine Runde zu drehen. Entscheidend ist nur, dass die Straßen tatsächlich nicht winterlich, sondern schnee- und eisfrei sind.

– Was ein Verstoß kostet
Ein Verstoß gegen die Winterreifenpflicht stellt eine Ordnungswidrigkeit dar, die mit einem Punkt im Fahreignungsregister in Flensburg geahndet wird. Hinzu kommt ein Bußgeld in Höhe von 40 Euro (ohne Behinderung anderer Verkehrsteilnehmer) oder 80 Euro (mit Behinderung anderer Verkehrsteilnehmer). Verboten ist übrigens nur das Fahren ohne Winterreifen, nicht das Parken. Ein Motorrad darf ohne Winterreifen den Winter über draußen stehen, solange es nicht auf winterlichen Straßen bewegt wird. Die Ordnungsämter kontrollieren also keine Winterreifen.

– Was die Versicherungen sagen
Wer im Winter auf Sommerreifen unterwegs ist, sollte zudem an seinen Versicherungsschutz denken. Zwar tritt die Versicherung im Normalfall auch dann ein, wenn der Biker im Winter einen Motorradunfall mit Sommerreifen verursacht hat. Im Falle grob fahrlässiger Missachtung der Winterreifenpflicht könnte der Versicherungsschutz jedoch wegfallen. Wer also sein Custombike mit 300er-Pelle im Heck durch den Tiefschnee manövriert, sollte das im Hinterkopf behalten.

 
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