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Bobber dieses Stils haben Geschichte geschrieben. Wie fahren sie sich heute?
Es waren die Rowdys von Hollister, die dem Stil des Bobbers zum Durchbruch verhalfen: Man nehme eine ausgeleierte Harley und entferne ihre schwülstigen Blechteile. Vor allem kürze man die Schutzbleche wie den Schwanz eines Hundes. Fertig war der nach einem Bobtail benannte Bobber!
Damit also tobten die Halbstarken von 1947 durch die Mainstreet dieses kleinen kalifornischen Städtchens Hollister. Und weil die American Motorcycle Association danach erklärt haben sollte, dass nur ein Prozent aller Biker „hoodlums and troublemakers“ seien, trug das den Mythos vom Onepercenter in alle Welt.

Bobber, Scrambler oder Hillclimber? Die grobstolligen Reifen gehören nicht zum ursprünglichen Bobber-Stil. In den ersten Jahren beließ man es bei der Serienbereifung
Bobber, Scrambler oder Hillclimber? Die grobstolligen Reifen gehören nicht zum ursprünglichen Bobber-Stil. In den ersten Jahren beließ man es bei der Serienbereifung

Jetzt darf getreten werden
Funktioniert dieser Spirit auch noch heute? Um das rauszufinden, haben wir die Bike-Farm in Melle besucht. Dort hegt Gerd Remmert eine Vorliebe für alte Eisen im alten Stil. Und dort lernen wir: Erst mal will so eine alte Flathead aus den Dreißigerjahren angeworfen werden. Klar, auch damals beschränkte das Customizing sich nicht nur auf das Absägen von Schutzblechen. Aber hatten die Bobber schon einen Amal-Doppelvergaser? Der macht die Prozedur noch etwas komplizierter: Benzinhahn auf, tupfen, bis die Schwimmerkammern – und zwar beide – überlaufen und dann auch noch beide Chokes ziehen. Gashahn zweimal aufdrehen nicht vergessen. Jetzt darf getreten werden. Es klappt nicht? Eine weitere Kunst besteht dann noch darin, die Zündung im Wechselspiel mal an-, mal auszuschalten und trotzdem weiterzutreten. Irgendwann ertönt es, das Knallen, Donnern und Poltern eines Harley-Big-Twins der allerersten Generation. Übrigens längst nicht so tieffrequent, wie wir es erwarten. Den Spaß, einen möglichst niedrigen Leerlauf einzustellen, machten die Rocker sich erst mit den Choppern aus der Generation der Shovelhead.

Zähne zusammenbeißen
Jetzt aber wird’s richtig vertrackt. Die Flat­head der Bike-Farm hat nämlich eine Fußkupplung. Die sogar im wirklich alten Stil, nämlich mit einer an der Flanke des Tanks angebrachten Kulissenschaltung. So war das im Original. Die nachfolgende Generation der Chopperfahrer pflegte auch diese Armaturen zu entfernen und ließ nur noch einen kleinen Hebel am Getriebeausgang übrig. Der lag dann links unterm Hintern des Fahrers, und weil das Schalten dann so aussah, als würde der Fahrer eine Reitpeitsche führen, nannte man diesen Hebel „Jockeyshift“.

Den also hat die Flathead nicht, und deshalb erfolgt das Schalten fast wie beim Auto. Kupplung treten, Gas halten, den Hebel aus dem Leerlauf zurückziehen. Und halt, wirklich drin ist der Gang erst nach dem Einkuppeln! Also den Hebel weiter halten, Zähne zusammenbeißen, Kupplung kommen lassen und einhändig losfahren.



Hoppla, sanft kommt die Kupplung nicht. Ein gewaltiger Ruck geht durch Mann und Maschine und zum Glück sind zwanzig Meter vor uns frei, denn die Fahrtrichtung lässt sich einhändig so schnell nicht korrigieren. Aber dann ist die Fuhre in Schwung – und die erste Wendung steht auch schon an. Jetzt um Gottes willen keine Linkswendung, denn die Kupplung ist links und das Bein auf der Innenseite der Kurve können wir beim Rangieren nicht absetzen. Aah, geht doch: Endlich wieder geradeaus! Jetzt die Kupplung noch mal treten und mit der Hand den Hebel zwei Stufen nach vorn schieben, schon sind wir im zweiten Gang. Und so weiter. Irgendwie ist es wie Autofahren, wenn das tückische Vergessen nicht wäre und die vielen jahrzehntealten Mechanismen in der eigenen Motorik, die es verhindern, dass uns dieser Rhythmus sofort in Fleisch und Blut übergeht. Beim Ausrollen nie das Treten der Kupplung vergessen. Zum Stehen gebracht wird die Maschine nur mit dem rechten Bein!

„Ich könnte schon wieder!“
Mit weichen Knien steigen wir von der Maschine. Eine spontane Spaßrunde wie auf der Mainstreet von Hollister wird uns damit nicht gelingen. Die Show für die Fotostrecke liefert nun Gerd, der mit diesen alten Eisen verwachsen ist, vor allem im Umgang mit Handschaltungen und Fußkupplungen. Aber für ein „Ich könnte schon wieder“ hat es gereicht. Bike-Farm, wann sehen wir uns das nächste Mal?
Harley-Davidson Flathead, Bj. 1939

Besitzer: Gerhard Remmert
Erbauer: Bike-Farm Melle

Motor
Typ: Flathead
Hubraum: 1200 ccm
Vergaser: Amal-Doppelvergaser
Auspuff: Bike-Farm
Getriebe: Viergang
Primärtrieb: Kette/Bike-Farm
Kupplung: Mehrscheiben-Nasskupplung
SekundärtriebKette

Fahrwerk
Rahmen: Harley-Davidson
Lenker: Bike-Farm
Lenkerhalter: Bike-Farm
Räder: vorn: 3,25 x 19, hinten: 4 x 18
Bremsen: vorn und hinten Trommel

Sonstiges
Elektrik: Bike-Farm
Scheinwerfer: Custom
Rücklicht: Oldstyle
lnstrumente: Bike-Farm
Armaturen: Bike-Farm
Sitz: Old Style Solo Seat
Fußrasten: Bike-Farm
Verkleidung: Bike-Farm
Schutzbleche: Bike-Farm
Tank: Cannonball WR Style Racing
Lack: Vossi, Lackcenter Melle

Kontakt
Bike-Farm Melle GmbH
Industriestraße 24a
49324 Melle
Tel. 05422 926080
www.bike-farm.de
 
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