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Wer behauptet, dass früher alles besser war, der muss auch den Mut zum Ritt auf der neuen Honda Monkey haben
Es muss der Tropfentank gewesen sein, mit dem die Honda Monkey auch unter richtigen Bikern zum ersten Mal wahrgenommen wurde. Tropfentank also, dazu die Anmutung eines Apehangers – und ein Sattel, dessen Nieten dazu herausforderten, auch noch Fransen anzuheften. Fertig war der Kleinst-Chopper für Hippies und solche Hippies, die irgendwann mal Rocker werden wollten.

Diese Erinnerung genügte, um uns die Tränen in die Augen zu treiben, als wir die erste Meldung über eine Retro-Version der Monkey vernahmen. Die rollt natürlich nicht mehr in der Schnapsglas-Klasse von 50 Kubikzentimetern. Die neue Monkey wartet mit 125 Kubikzentimetern auf, mit knapp 10 PS und mit einer Höchstgeschwindigkeit von 95 km/h. In ihrem Format gleicht sie eher der Honda Dax – von der Dax-Fahrer einst behaupteten, dass sie darauf sogar von Harley-Fahrern gegrüßt worden wären.

Das ist also kein Kleinkraftrad mehr. Aber als wir uns auf diesen wulstigen Sattel setzen, von dem wir nicht wissen, wo auf ihm genau Platz zu nehmen ist, kommt doch ein gewisses Gefühl der Ernüchterung auf. Es ist die Haptik, die irgendwie an den Motorradverleih eines türkischen Händlers an der Mittelmeerküste erinnert. Die Leichtigkeit ist ja okay, aber sooo leicht ist die Monkey mit ihren 107 Kilo nun auch wieder nicht. Dazu kommt eine gewisse Anmutung der Billigkeit. Liegt es an der Kupplung, die noch über einen stinknormalen Bowdenzug betätigt wird? Sind wir schon so korrumpiert, dass ein Drahtseilzug uns nicht mehr genügt? Wir jammern auf hohem Niveau, denn die neue Monkey ist natürlich besser, sie hat sogar ABS!

So eröffnet sich an der Monkey mit der üblichen Gedenksekunde ein digitales Display, nachdem wir den Zündschlüssel gedreht haben. Mit Druck auf den Startknopf schnurrt das Motörchen los. Kupplung ziehen, Gang rein und ab geht die Post! Ja, das sind nicht mehr 50 Kubik, die neue Monkey kommt flotter vom Fleck. Über das Mithalten im Straßenverkehr müssen wir uns keine Gedanken machen. Aber Schalten, das müssen wir nun immer wieder. Die alte Monkey hatte drei Gänge mit Fliehkraftkupplung, die war einigermaßen idiotensicher.

Idioten also dürfen wir auf der neuen Monkey nicht sein. Die Sitzposition ist – sagen wir mal – versammelt. Welche Körperhaltung ist darauf anzunehmen? Aufrecht sitzend, dazu rechtwinklig angeordnete Beine, die Altherren-Position, die ist am natürlichsten – wenn wir uns als Chopperfahrer damit auch ziemlich scheiße fühlen. Ein Kampf gegen die Elemente wird das nicht, bei einer Höchstgeschwindigkeit von unter 100 Sachen ist mit Windwiderstand nicht zu rechnen.

Zu rechnen aber ist mit einem eigenwilligen Kurvenverhalten, das Chopper- und Bobber­fahrer kennen sollten: Mit ihren dicken Puschen will die Monkey über die Reifen­flanken gehebelt werden, um in Schräglage zu kommen. Das wiederum ist ein bisschen, als führen wir auf einem Modell-Chopper im Maßstab 1:4.

Nun, so schnurrt es sich also voran. Auf den ersten Metern und auf kurzen Strecken zaubert der kleine Affe uns tatsächlich ein Lächeln auf die Lippen, wie es uns auch auf den ersten Metern mit einem Bonanza-Rad beschert werden würde. Um Gottes willen damit aber keine Langstrecke, aus dem Alter sind wir raus!

In einem anderen Alter aber sind wir drin, in dem der Gewichtsprobleme – und da spielt die Monkey nicht mit: Sie erlaubt nur eine Zuladung von 105 Kilo. Unseren ursprünglich fürs Fotoshooting geplanten Biker mit seinen 130 Kilo wollten wir da nicht mehr raufsetzen. Wir mussten den kleineren, aber immerhin noch stämmigen Kollegen von unserem Schwestermagazin CUSTOMBIKE um seinen Einsatz bitten. Mit seinen 90 Kilo könnte der glatt noch etwas Gepäck mitnehmen. Einen alten Rucksack zum Beispiel, den man früher einen „Affen“ nannte. Mit einem Affen auf einer Monkey: Wäre das ein Wortspiel, das uns ein weiteres Lächeln auf die Lippen zaubern könnte?

Zum Glück könnt ihr, liebe Biker, den Autor dieser Zeilen gerade nicht sehen. Allemal hält er die Monkey für ein handliches und praktisches Fluchtmotorrad: Draufsetzen und losfahren, um sich schnell aus der Schusslinie zu bringen – und das immerhin im Stil der alten Zeit, in der alles besser war.    «

Die Monkey auf der offiziellen Honda-Seite
 

TECHNISCHE DATEN

Honda Monkey 125

Motor
Typ: luftgekühlt, sohc, Viertakt, 2 Ventile
Hubraum: 125 ccm
Bohrung x Hub: 52,4 x 57,9 mm
Verdichtung: 9,3 :1
Max. Leistung: 9,3 PS bei 7000/min (95/1/EC)
Max. Drehmoment: 11,8 Nm bei 5000/min (95/1/EC)
Motorölmenge: max 1,1 Liter/min 0,9 Liter
Gemischaufbereitung: Einspritzung
Starter: E-Starter
Batterie: 12 Volt, YTZ5S
Kupplung: Mehrscheibenkupplung im Ölbad
Getriebe: 4 Gänge
Endantrieb:  Kette

Fahrwerk
Rahmen: Stahlrohr-Backbone
Gabel: USD-Telegabel, 100 mm Federweg
Schwinge: zwei Stoßdämpfer, Ovalrohr-Stahlschwinge, 104 mm Federweg
Felgen: Gussaluminium mit 10 Speichen
Reifen: vorn 120/80-12 65J hinten 130/80-12 69J
Bremsen: vorn eine Scheibe, 220 mm Ø, Einkanal-ABS, 
hinten eine Scheibe, 190 mm Ø

Sonstiges
Scheinwerfer, Rücklicht: LED
Abmessungen (L x B x H): 1710 x 755 x 1029 mm
Radstand: 1155 mm
Lenkkopfwinkel: 25°
Nachlauf: 82 mm
Sitzhöhe: 776 mm
Bodenfreiheit: 160 mm
Tankinhalt: 5,6 Liter
Gewicht vollgetankt: 107 kg
Zuladung: 105 kg
Höchstgeschwindigkeit: 95 km/h
Preis
4.090,- Euro
 

Monkey-History
Monkey-History: das erste Modell
Das erste Modell war für Einsätze im Vergnügungspark in Tokio konzipiert.
Es rollte ohne Federung auf 5-Zoll-Rädern. Sein 49-Kubik-Viertaktmotor leistete 4,1 PS. Daraus wurde die Honda Monkey, zum ersten Mal mit Straßen­zulassung im Jahr 1963.
Monkey-History: mit dem Tank in Tropfenform ab 1978 wurde der Affe Kult
Kultig wurde die Monkey mit dem Tank in Tropfenform ab 1978. Mit Drei­ganggetriebe und einfach zu bedienender Fliehkraftkupplung genügte fürs Fahren ein simples Drehen am Gasgriff.
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