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Härter kann man eine Gixxer nicht rannehmen: Wir fuhren die neue GSX-S im sechsten Gang bei 1000 Umdrehungen
Vierzig Jahre GSX-R sind für viele ein Grund zu feiern. Bei uns wecken sie schöne Erinnerungen, denn wenn wir einst an schönen Wochenenden den Rettungshubschrauber hörten, dann wussten wir: Das ist die Geburtsstunde eines neuen Streetfighters!

Die Story war immer die gleiche. Ein Buntkombiträger hatte sich mit seiner Suzuki GSX-R spätestens auf seiner dritten Ausfahrt in die Leitplanken geschleudert. Bei uns geschah das im Odenwald, aus dem der Rettungshubschrauber den Biker prompt über unser Verlagsgebäude hinweg in ein Mannheimer Krankenhaus expedierte. Kaum genesen, machte der Biker sich an die Überreste seiner Suzi. Er entledigte sie ihrer ohnehin zerrissenen Verkleidung, tauschte den Stummellenker gegen einen Superbike-Lenker aus, reckte das Heck in die Höhe und senkte die Gabel in die Tiefe. Und schließlich – jaa, das war die Krönung – verpasste er dem Scheinwerfer diese alienartige Lampenmaske.

 Die GSX-S ist ein Fertig-Fighter. Auch die Lampenmaske im Stil der Neunziger hat  sie schon
Die GSX-S ist ein Fertig-Fighter. Auch die Lampenmaske im Stil der Neunziger hat 
sie schon


Das war er dann, der nächste Streetfighter. Und das waren die Neunzigerjahre. Wer noch nicht weiß, womit die Neunzigerjahre sich auszeichneten, der weiß es jetzt: Die Siebziger waren das Jahrzehnt der Schlaghosen, die Achtziger das Jahrzehnt der Neonleuchten, die Neunziger das Jahrzehnt der Streetfighter. Damit wisst ihr jetzt auch: Alles kommt wieder. Suzuki macht es uns sogar ganz leicht. Die neue GSX-R heißt GSX-S. Damit ist sie nackt, also ohne Verkleidung, die nach einem Ritt in die Leitplanken ja ohnehin nicht mehr verwertbar wäre. Da habt ihr schon mal was gespart.

Und überhaupt ist die neue GSX natürlich ganz anders. Die erste Gixxer vom Jahr 1985 hatte gerade mal 750 Kubikzentimeter Hubraum, der Dreiviertelliter war damals eine eben noch zulässige Größe. Aber die GSX-R hatte 100 PS, holte raus, was aus der freiwilligen Leistungsbeschränkung der Motorradindustrie in Deutschland rauszuholen war. Und damit wurde die Suzi zum neuen Witwenmacher. Theoretisch. Die ersten Biker waren tatsächlich gefallen. Sie hatten geheiratet. Gott, wie viele knickten plötzlich in Fotzenknechtschaft ein und endeten als erbärmliche Schnauzbartträger im Hypothekenviertel. Aber deren GSX-R blieb bei diesem Lebenswandel natürlich heil. Da war es absehbar, dass ihr Besitzer sie bald in einer Kleinanzeige „aus familiären Gründen“ zum Verkauf anbieten musste.

Immerhin waren weitere Halbstarke nach­gewachsen, die das Vermächtnis des asiatischen Bandeisens mit Alurahmen auf sich nahmen. Spätestens die erledigten das mit der Leitplanke im Odenwald, und in dritter Generation folgten ihnen die Streetfighter, über die wir heute so milde lächeln wie weiland über die Schlaghosen der Siebziger.

Wir wiederholen uns. Deshalb endlich zur Frage: Wie also fährt sich die neue GSX? Nun, mit einem Wort: Perfekt! Natürlich ist sie für Biker unserer Glaubensrichtung viel zu schnell. Wer von uns sie wirklich aufdreht, wird den Effekt eines Turboboosters im Videospiel verspüren: Links und rechts und oben und unten zieht die Welt plötzlich Streifen.

Der Drehzahlmesser ist ein Ladebalken, der sich auf der oberen Zahlenskala entlangrankt. Wenn ihr von dem Motorrad was haben wollt, müsst ihr ihn immer zwischen den Zahlen „5“ und „10“ halten
Der Drehzahlmesser ist ein Ladebalken, der sich auf der oberen Zahlenskala entlangrankt. Wenn ihr von dem Motorrad was haben wollt, müsst ihr ihn immer zwischen den Zahlen „5“ und „10“ halten

Wer das erleben will, der muss zuvor den Drehzahlmesser im Auge behalten. Der ist natürlich Flüssigkristall, und deshalb für Oldschooler nicht so leicht zu verstehen. Der sich künstlerisch windende Balken hat zwei Markierungen, eine „5“ und eine „10“. Und das, liebe Leser, sind die Drehzahlen zwischen 5000 und 10000 Umdrehungen, in denen ihr fahren müsst.

Es hat ein Weilchen gedauert, bis wir das verstanden hatten, weil die GSX für unsere Maßstäbe ja schon vorher genug Dampf in den Asphalt drückte. Aber erst ab 5000 ertönt dieses animalische Kreischen, das auch der letzten Hausfrau in ihrem Kleinwagen verkündet: Hier kommt ein junggebliebener Halbstarker.

Bemerkenswert für uns war der umgekehrte Effekt. Den hat ein echter Halbstarker wahrscheinlich noch nie ausprobiert, aber wir treiben unsere Testmotorräder eben wirklich an ihre Grenzen: Im höchsten, also im sechsten Gang, lässt die Suzi sich tatsächlich noch unter flüsternd brabbelnden 1000 Umdrehungen im Schritttempo fahren. Ganz ohne Ruckeln. Theoretisch habt ihr also ein Automatik-Motorrad, das ihr nur zum Anfahren schalten müsst. Die Suzi beschleunigt dann teigig, aber ruckfrei. Probiert das Gleiche mal mit einer Harley! Ob dieser Versuch im Sinne der Erfinder war, stellen wir mal dahin, aber das Ergebnis spricht zumindest für die ausgereifte, um nicht zu sagen idiotensichere Motorsteuerung.

Hier kommt Sound raus. Bei 1000 Umdrehungen ist der aber nur ein leises Flüstern
Hier kommt Sound raus. Bei 1000 Umdrehungen ist der aber nur ein leises Flüstern

Das sah bei den Motorrädern der Achtzigerjahre natürlich noch anders aus, die erforderten echte Männer, um sie zu beherrschen. Die wussten damals auch noch, was in ihren Triebwerken drinsteckt. Heute wissen das nicht mal mehr die Importeure. Die Suzuki GSX-S wird nämlich in den Werksangaben mit 145 PS geführt. Eine Leistung, mit der heutzutage ein Racer eigentlich keine Butter mehr vom Brot holen kann. Und tatsächlich offenbarte unser Testmotorrad auf unserem Prüfstand eine Leistung von 156 Pferdchen. Das freilich ist ein ganz anderer Schnack und erklärt den geschilderten Turbobooster-Effekt.

Noch weitere Fragen? Nö. Also Bahn frei, denn wenn die Leitplanke vor unseren Augen in alle Richtungen Streifen zieht, ist es bereits zu spät. Oder es ist ein neuer Anfang. Danach können wir loslegen, um aus der neuen GSX einen wunderbaren Vintage-Streetfighter zu schrauben. Eine Verkleidung haben wir ja nicht bezahlen müssen. Jetzt also nur noch den Stummellenker weg … halt, die GSX-S hat ja schon einen Superbike-Lenker. Okay, dann also die Lampenmaske ran. Wie? Eine Lampenmaske hat sie auch schon? Tja, der Streetfighter war eigentlich längst fertig, die GSX-S ist eben schon ab Werk ein Fertig-Fighter.      «
 

TECHNISCHE DATEN
GSX-S1000


Bauart: 4-Zylinder-Reihenmotor
Hubraum: 999 ccm
Bohrung x Hub: 73,4 x 59,0 mm
Verdichtung: 12,2:1
Leistung: 145 PS bei 10000 U/min, ohne Staudruck
Drehmoment: 106 Nm bei 9500 U/min
Kühlsystem: Wasser
Motorschmierung: Nasssumpf mit Wärmetauscher
Auspuffsteuerung: Suzuki Exhaust Tuning System
Kupplung: Mehrscheibenkupplung im Ölbad, Seilzug
Getriebe: 6-Gang
Endantrieb: Kette
Rahmen: Brückenrahmen, Alu
Gabel: Upside-down-Telegabel
Schwinge: Alu, Zentralfederbein mit Hebelsystem
Bremse vorne: 2 Scheiben, Ø 310 mm, 4 Kolben, ABS
Bremse hinten: 1 Scheibe, Ø 250 mm, 1 Kolben, ABS
Felge vorn: 3.50x17
Felge hinten: 6.00x17
Reifen vorn: 120/70ZR17 (58W)
Reifen hinten: 190/50ZR17 (73W)
Sitzhöhe: 815 mm
Leergewicht fahrfertig: 209 kg
Zulässiges Gesamtgewicht: 400 kg
Tankinhalt: 17 l
Preis: 12.195 Euro
 
Die Lampenmaske
Mit Lampenmaske und ohne. Streetfighter waren die Sünde der Neunzigerjahre. Aber es ist wie mit den Pornobrillen der Siebziger: Alles kommt wieder! (siehe Bildergalerie)
 
Mehr Sicherheit
Der Name der gemeinnützigen Organisation „MEHRSi“ steht für „Mehr Sicherheit“. MEHRSi macht den Behörden Druck und lässt immer mal wieder einen Zuschuss für einen Leitplanken-Unterfahrschutz springen. Für das GSX-Sterbebett müsst ihr natürlich spenden, denn das Geld liegt nicht auf der Straße.
Der Name der gemeinnützigen Organisation „MEHRSi“ steht für „Mehr Sicherheit“.
MEHRSi gemeinnützige GmbH
Zuckerberg 19, 50997 Köln
Tel. 02233 2037-70, www.mehrsi.org
 

Zuerst veröffentlicht in BIKERS NEWS 10/2015
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