Fahrtest: Harley-Davidson Oldschool-Shovel

18.06.2018  |  Text: Michael Ahlsdorf  |   Bilder: Christian Heim
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Fahrtest: Harley-Davidson Oldschool-Shovel
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Eine Harley ist immer auch eine Herausforderung. Wer sich ihr stellt, wird mit Fahrspaß belohnt
Es ist die ganz alte Schule: Zündung an, Benzinhahn auf, Choke am Vergaser ziehen, zweimal den Gasgriff pumpen. Danach den Kickstarter ausklappen, draufsteigen und Totpunkt suchen. Und dann treten! „Das ist ein S&S-Vergaser“, erklärt zuvor Waldi vom Bikershop Bittner. „Wenn die Maschine läuft und du mal richtig Gas gibst, dann geht der Choke von alleine zurück.“ Das quittieren wir mit ungläubigem Blick. „Okay, manchmal musst du den Choke auch selbst zurückschieben.“ Und das unter einer leichten Drehung des Choke-Hebels, es ist ja ein S&S-Vergaser, denken wir noch. Aber dafür muss dieses Monster doch erst mal anspringen.

Im Bikershop Bittner stehen fünf erwachsene Männer um die Shovelhead mit ihrem 103 Kubikinch starken S&S-Triebwerk. 103 Kubikinch, das sind an die 1700 Kubikzentimeter. Was sonst so in diesem Motor stattgefunden hat, das wollen wir eigentlich gar nicht wissen. Das Motorrad geht an einen Kunden, der sich um zulassungsrechtliche Feinheiten nicht scheren muss. Fünf Mann also sind wir, einer tritt, einer gibt Ratschläge, aber drei Mann halten die Shovel auf der anderen Seite fest, damit sie während des Schwungholens nicht vom Ständer kippt. Abwechselnd treten Waldi und sein Mechaniker. Kaschump! Immer wieder. Bis es hinten einmal kurz und verklemmt „Bröb“ macht. Na also. Noch ein Tritt – und die höllischen Gewalten toben drauflos. Das Brüllen und Scheppern vervielfacht sich in der Akustik der Halle.



„Schnell noch warmfahren“, brüllt Waldi, pustet schwer nach der Treterei, sitzt aber prompt auf und poltert los. Ein vielversprechendes Schauspiel. Fünf Minuten später treffen wir uns auf der Landstraße. Aber ach, als wir endlich übernehmen und aufsitzen dürfen, das brüllende „Potato Potato“ vernehmen, das Geschüttel zwischen den Beinen verspüren, den Gang einlegen und die Kupplung kommen lassen, erstirbt der Motor, erbärmlich und völlig ohne Dramatik. Sang- und klanglos im wörtlichen Sinne rollt die Shovel aus. Es hätte ja wenigstens „Puff“ machen können, begleitet von einem kleinen Wölkchen, das aus dem Luftfilter kriecht. Alles noch mal von vorn, diesmal nur zu zweit auf einer Seitenstraße von Büttelborn, in der Einflugschneise des Frankfurter Flughafens. Die kreischenden Triebwerke der Flugzeuge übertönen wenigstens die peinliche Stille, nachdem die Shovel erstorben ist. Ja, die Bittner-Shovel ist ein zickiges Biest mit hochgezüchtetem Triebwerk, das sich aussucht, wen es auf sich reiten lässt. Dann aber offenbart der Motor Kraft und Herrlichkeit in allen vier Gängen seines Ratched-Top-Getriebes.

Von der Gutmütigkeit alter Harleys ist freilich nichts mehr übrig geblieben. S&S profilierte sich einst als Performance-Tuner, dessen Motoren launisch waren, aber immer konnten, was eine Serien-Harley nicht konnte. So auch diese Maschine, die ihren Fahrer hochgedreht, unter gewaltigem Radau und ebensolchem Schütteln nach vorn treibt. Das muss man wollen. Und doch ist sie bemerkenswert leicht zu händeln. Gefühlt wiegt sie nicht viel, es ist eben ein Chopper, Baby, ohne überflüssige Teile. Selbst der Schwingsattel ist abgespeckt, was die Vibrationen so ungefiltert in den Unterleib treibt. Um so direkter vermittelt sich der Kontakt zur Straße. Die Handlichkeit und Wendigkeit könnte auch den Shinko-Reifen zu verdanken sein. Sonst zieht man den Bobbern in unserer Szene so gerne die Avon-Mk-II-Reifen auf. Die aber sind ursprünglich Reifen für den Gespannbetrieb und enden deshalb an ihrer Flanke mit einer harten Reifenkante, die das Profil schlagartig beendet. Die Shinko E270 haben das nicht, mit ihnen ist jede Schräglage erlaubt.
Das gute Handling der Shovel versöhnt uns mit den Launen ihres Motors. Aber jedes Custombike ist nun mal eine Maßanfertigung auf Kundenwunsch. Dieser Kunde wollte es im Vortrieb offensichtlich etwas härter. Von Bittners Bikershop konnte er es kriegen.

Der Mann und die Maschine. Das erste Tretritual am kalten Motor haben wir in einem Film festgehalten. Ihr seht ihn in unserem BIKERS-NEWS-Blog unter: tinyurl.com/Kickstart-Shovel
Der Mann und die Maschine. Das erste Tretritual am kalten Motor haben wir in einem Film festgehalten. Ihr seht ihn in unserem BIKERS-NEWS-Blog unter: tinyurl.com/Kickstart-Shovel
 

TECHNISCHE DATEN
FL Shovel, Bj. 1978


Motor

Typ: S&S

Hubraum: 1700 ccm

Zündung: Crane-Doppelzündung

Vergaser: S&S Super E

Luftfilter: RSD-Trichter

Auspuff: BSB Customs mit Messingendkappen

Getriebe: 4-Gang, Ratchet Top

Primärtrieb: Belt

Kupplung: Trocken-Kupplung

Sekundärtrieb: Kette


Fahrwerk

Rahmen: Original H-D

Gabel: CCE Springer

Schwinge: TTS

Federbeine: H-D Progressive Suspension

Rad vorn: OEM, 3x16 Speichenrad
hinten: OEM, 3x16 Speichenrad

Reifen vorn: Shinko 5.00
hinten: Shinko 5.00

Bremsen vorn: PM 4 Kolben
hinten: PM 4 Kolben, Ritzelbremse


Sonstiges

Elektrik: BSB Customs

Lampe: H-D, OEM

Rücklicht: Classic Taillight

Instrumente: Panhead, mod. BSB Customs

Armaturen: Kustom Tech

Sitz: Antonio Martins da Silva

Lederapplikationen: Max Leather Work’s

Nabenabdeckung: Kustom Tech

Tank: OEM, mod. BSB Customs

Benzinhahn: Kustom Tech

Lenker: H-D Slim

Lenkerhalter: Thunderbike Oldschool Messing

Fußrasten: Zodiac

Fender hinten: BSB Customs

Lack: SCB Customs Paint


Kontakt
Bikershop Bittner GmbH
Oberdorf 13
64572 Büttelborn
Tel. 06152 937368
info@bikershop-bittner.de
www.bikershop-bittner.com
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Stand:26 September 2018 09:30:01/bikes/tests/fahrtest+oldschool-shovel_18605.html