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Harleys erstes Elektromotorrad kommt gerade auf den Markt. Wir verraten euch jetzt schon, wie die LiveWire sich fährt
Harley-Davidson hat sich neun Jahre Zeit für die Entwicklung der LiveWire genommen. Ab September 2019 werden die ersten Exemplare ausgeliefert, zunächst in den USA, Kanada und Europa. Dabei ist die LiveWire nur das erste Modell einer ganzen Reihe, mit der Harley-Davidson zu einem der Marktführer im Bereich der elektrisch angetriebenen Zweiräder werden will.
Als wir im Jahr 2014 den ersten seriennahen Prototyp fahren durften, hieß der noch „Project LiveWire“. Sein Elektromotor steckte in einem CNC-gefrästen Aluminiumgehäuse. Beim Serienmotorrad wurde daraus ein einfacheres Gehäuse aus gegossenem Aluminium.

Das kann nur ein Elektromotor: Das Triebwerk muss auf keine Drehzahlen gebracht werden, die Leistung kommt sofort
Das kann nur ein Elektromotor: Das Triebwerk muss auf keine Drehzahlen gebracht werden, die Leistung kommt sofort

Die Lithium-Ionen-Akkus des „Revelation“ genannten Triebwerks stecken in einem mattschwarzen Alugussgehäuse, das wassergekühlt und darüber hinaus mit mächtigen Kühlrippen versehen ist. Im Betrieb erhitzen die mächtigen Akkus sich stark. Apropos Akkus: 15,5 Kilowattstunden beträgt deren Nennkapazität, 13,6 kWh davon sind für den Vortrieb nutzbar. Ironie der Technik: Die LiveWire verfügt wie ein klassisches Motorrad auch noch über eine 12-Volt-Batterie, die nicht zuletzt benötigt wird, um den großen Antriebs-Akku zu aktivieren.

Trockene Zahlen beschreiben nicht annähernd, was mit dem Bike passiert, wenn wir den Griff am rechten Lenkerende aufdrehen. Dürfen wir den eigentlich noch Gasgriff nennen? Damit jedenfalls bricht ein Sturm los, denn das Teil beschleunigt in drei Sekunden von 0 auf 100 km/h, ein Wert, der normalerweise nur von Hypersportbikes erreicht wird. Viel relevanter im täglichen Betrieb sind aber die Beschleunigungswerte im Teillastbetrieb. So katapultiert die LiveWire in sagenhaften 1,9 Sekunden von 96 km/h auf 129 km/h – und das fühlt sich wirklich an wie ein Ritt auf der Kanonenkugel. Möglich wird das durch den bärenstarken Elektromotor, dessen Leistung vom Hersteller mit 106 PS angegeben ist.

Harley Davidson LiveWire

Noch viel eindrücklicher als die Leistung ist das Drehmoment. 116 Newtonmeter gibt Harley für die LiveWire an. Bei welchen Umdrehungen, das müssen wir nicht fragen, weil sich das komplette Drehmoment immer von der ersten Sekunde und vom ersten Meter an abrufen lässt. Damit geht die LiveWire wie eine gesengte Sau. Kein 600er Supersportler mit einem Verbrennermotor wird bis 150 km/h mit dieser E-Rakete mithalten können. Die Beschleunigungsorgie wird übrigens von einem künstlich generierten Sound begleitet, ein Pfeifen, das Harley-Davidson in seinen Werbetexten mit dem Klang eines startenden Düsenjägers vergleicht.

Auch für die übrigen Ausstattungskomponenten hat Harley in die Vollen gelangt. Der verwindungssteife Rahmen besteht aus drei Aluminium-Druckgussteilen, der Lenkkopf ist mit den beiden Seitensträngen verschraubt. Die wiederum sind fest mit dem Akku-Gehäuse verbunden. Das sorgt für überragende Festigkeit. Die Alu-Druckgussschwinge stützt sich auf ein Monofederbein von Showa ab, das voll einstellbar ist. Die Upside-down-Gabel kommt ebenfalls von Showa, auch sie voll einstellbar. Monoblock-Vierkolbenbremssättel von Brembo nehmen am Vorderrad zwei 300-Millimeter-Scheiben in die Mache. Selbst bei forcierter Gangart in den Bergen oberhalb von Portland/Oregon verspürten wir kein Fading.

Von den 249 Kilo Lebendgewicht ist im Fahrbetrieb nichts zu spüren. Das Handling geht spielerisch leicht vonstatten, das Fahrgefühl gleicht einer Maschine mit 200 Kilo. Dazu kommen Kurven-ABS, eine Antischlupfregelung und eine Traktionskontrolle. Nach 117 Jahren Motorradbau zieht Harley endlich eine Weltbereifung auf: Vorn 120/70 ZR 17, auf dem Hinterrad 180/55 ZR 17. Mit den montierten Michelin Scorcher Sport hatten wir auf unseren Testfahrten nichts zu meckern. Bei Nässe hätten wir immerhin auf den „Rain“-Modus zurückgreifen können.

Insgesamt sieben verschiedene Fahrmodi bietet die LiveWire an, „Rain“, „Road“, „Range“ und „Sport“ sind fest vom Hersteller installiert, drei lassen sich darüber hinaus konfigurieren. Im Modus „Range“ zeigt das Display ein grünes Blatt. Dann geht die LiveWire besonders schonend mit der Kapazität um, in diesem Modus wird auch besonders spürbar rekuperiert. „Rekuperation“ ist die Rückgewinnung von Ladungskapazität im Schiebebetrieb. Sobald man den Griff zurückdreht, treibt das Hinterrad den Elektromotor an, was neuen Strom erzeugt.

In Hinsicht auf die Reichweite müssen wir uns noch auf die Aussagen der Company verlassen. Es kursieren verschiedene Reichweitenwerte: 146 Meilen (235 Kilometer) im Stadtverkehr oder 95 Meilen (153 Kilometer) im kombinierten Stop-and-go-Highway-Zyklus. Mit 65 Meilen, also 104 Kilometer, blieb unsere Testfahrt im sicheren Bereich. Das Nachladen mit 230 Volt Hausnetzspannung dauert eine Nacht, denn nach einer Stunde ist Strom für etwa 20 Kilometer Fahrstrecke getankt. An Schnellladestationen können in 40 Minuten 80 Prozent der Kapazität nachgeladen werden, in 60 Minuten sogar 100 Prozent.

Natürlich ist die LiveWire ein rollender Computer. Die H-D Connect Smartphone-Einbindung bietet umfassende Cloud- und Konnektivitätsfunktionen über das LTE-Mobilfunknetz und die jeweils aktuellste Version der Harley-Davidson-App. Gesteuert wird das über ein TFT-Farbdisplay im 4,3-Zoll-Format mit Touchscreen-Funktion. Die nächste Ladestation oder den Standort eines Händlers kann man sich anzeigen lassen – und eines wird Harley-Fahrer noch besonders interessieren: Die Maschine schlägt automatisch auf dem heimischen Smartphone-Alarm, wenn sie unbefugt bewegt wird.

Das Display gleicht keinem herkömmlichen Tacho. Auf einem Touchscreen lassen sich Ladezustände abrufen und Fahrmodi einstellen
Das Display gleicht keinem herkömmlichen Tacho. Auf einem Touchscreen lassen sich Ladezustände abrufen und Fahrmodi einstellen​
 

TECHNISCHE DATEN
Harley-Davidson LiveWire

Motor
Typ: wassergekühlter Permanentmagnetmotor
Leistung: 106 PS / 11000 U/min
Drehmoment: 116 Nm / 0–5000 U/min
Akku: Lithium-Ionen
Nennkapazität: 15,5 kWh
Ladezeit: ca 10 Std. bei 230 V, 1 Std. bei Schnellladung
Reichweite: 158–235 Kilometer
Beschleunigung: 3 Sek. von 0 auf 100 km
Endantrieb: Zahnriemen

Fahrwerk
Rahmen: Aluguss
Gabel: Showa
Schwinge: Aluguss mit zentralem Showa-Federbein
Rad: vorn Aluguss 17 x 3,5, hinten Aluguss 17 x 5,5
Reifen    vorn 120/70 ZR17, Michelin Scorcher Sport, hinten 180/55 ZR17, Michelin Scorcher Sport
Bremsen: vorn Doppelscheibe 300 mm, Vierkolben-Bremssattel hinten Scheibe 260 mm, Zweikolben-Bremssattel

Sonstiges
Länge: 2135 mm
Breite: 830 mm
Höhe: 1080 mm
Lenkkopfwinkel: 24,5°
Nachlauf: 108 mm
Sitzhöhe: 761/780 mm
Bodenfreiheit: 130 mm
Fahrgewicht. 249 kg
Preis: ab 32.995 Euro
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