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Einmal von Mannheim zu den Berliner Hells Angels und zurück. Mit der Chieftain Dark Horse ein Katzensprung, wenn man sich die Probleme nicht selbst macht
Vollgetankt und gut gesättigt am Autohof Gotha. Da, wo es die leckeren Bratkartoffeln gibt. Der Bordcomputer der Indian zeigt jetzt wieder 328 Kilometer Reichweite an. Es ist Sonntag, der 15. September. Gerade haben wir die 300 Kilometer von der Demonstration der Hells Angels am Brandenburger Tor in Berlin abgeritten. Hier ist exakt Halbzeit, noch 300 Kilometer bis Mannheim. Da verheißt die Reichweitenanzeige Gutes. Die Strecke sollte doch in einem Stück zu schaffen sein? Mal probieren! Also Hahn auf und immer Vollgas, so weit es auf der Strecke geht. Zum Glück sitzen wir auf der 83-PS-Version, die schafft 190 Sachen. Bei 150, wenn keiner guckt und wir zur Entspannung mal die Stiefel von den Trittbrettern auf die hinteren Fußrasten verlegen, quittiert die Indian das mit einem sympathischen Schwänzeln. Kein Grund zur Panik, einfach weiterfahren, das Trumm hält eisern die Spur. Vollgas geht leider immer nur kurz. Zu viele Geschwindigkeitsbegrenzungen – und dann auch noch Stau am Kirchheimer Dreieck. Klar, wo sonst? Werden die dort mit ihren Baustellen denn nie fertig?

Autobahnraststätte Gräfenhausen: Alle Warnlämpchen blinken und die Kraftstoffanzeige sagt „LOW“. Wer hat da die Nerven für weitere 60 Kilometer nach Mannheim?
Autobahnraststätte Gräfenhausen: Alle Warnlämpchen blinken und die Kraftstoffanzeige sagt „LOW“. Wer hat da die Nerven für weitere 60 Kilometer nach Mannheim?

Flott geht es weiter, bergab in die Rhein-Main-Ebene, immer gegen die tiefstehende Septembersonne. Doch in der Höhe von Frankfurt, 80 Kilometer vor Mannheim, blinkt im Tacho ein Lämpchen auf, auch gegen die Sonne deutlich zu erkennen: Benzinreserve! Die Reichweitenanzeige verkündet 58 Kilometer. In Schräglage werden daraus auch kurz mal wieder 62 Kilometer. Dann aber zeigt das Display gar keine Zahl mehr an, nur noch die Meldung „LOW“. Und das große Navi-Display lässt die Landkarte hinter einer weiteren Warnung mit dicken Balken verschwinden. Im Menü bietet es die Suche nach einer Tankstelle an. Wer hätte die Nerven, jetzt noch bis Mannheim weiterzufahren? Scheiße, die nächste uns bekannte Tankstelle ist die Autobahnraststätte Gräfenhausen. Der Liter E10 kostet hier 1,64 Euro. Nach 235 Kilometern tanken wir dort 16,11 Liter. Bis Mannheim wären es noch 60 Kilometer gewesen, der Tank hat ein angegebenes Fassungsvermögen von 20,8 Litern. Bei einem errechneten Verbrauch von 6,85 Litern auf 100 Kilometer hätten wir die Strecke womöglich doch noch schaffen können und damit locker fünf Euro gespart. Aber mit 600 Kilometern in den Knochen schwindet die Risikofreudigkeit. Zum Idioten wird man dann auch: Das Navi hätte uns sicher eine günstigere Tankstelle angezeigt!

Fürs Tanken immer den rechten Deckel lösen. Der linke ist eine Attrappe
Fürs Tanken immer den rechten Deckel lösen. Der linke ist eine Attrappe

Warum berichten wir so kleinlich über ein so banales Erlebnis? Nun, weil an diesem perfekten Reisedampfer sonst kaum was zu bemängeln ist. Die Chieftain ist der Bagger unter den Indians. Die Chieftain Dark Horse ist der noch bessere Bagger mit ein paar stilistischen Goodies aus der Dark-Horse-Kollektion. Allen gemeinsam ist die elektrisch versenkbare Scheibe. Die ist wichtig für die Show, denn dann ist sie bitteschön abzusenken. Auf Touren dagegen erfüllt sie ihren Zweck nur hochgefahren. Zusammen mit dem Navi und der Musikanlage steckt so ordentlich Masse in der Fairing. Das macht die Chieftain sehr kopflastig, vor allem beim Rangieren. Aber man kann sich dran gewöhnen. Der Sattel ist hervorragend gepolstert, der Hintern schläft nicht ein. Auch bietet die Erhöhung zum Soziussitz eine gewisse Stütze. Die Floorboards sind riesig, darauf lässt es sich während langer Fahrten gut turnen. Eine Schaltwippe wäre sinnvoll, denn solange das Getriebe kalt ist, klemmt es manchmal vom ersten in den zweiten Gang. Die Koffer bieten ordentlich Stauraum, ohne Aussparung für die Federbeine, denn die Indian hat nur ein zentrales. Ein Gepäckträger ist für einen Bagger natürlich nicht vorgesehen, das würde die Linie versauen.

Die Floorboards sind riesig, darauf lässt es sich während langer Fahrten gut turnen
Die Floorboards sind riesig, darauf lässt es sich während langer Fahrten gut turnen

Das Fahrverhalten haben wir schon beschrieben. Stoisch und eisern, das wären die Eigenschaften, die wir ihm zusprechen würden. Selbst das angesprochene Schwänzeln ist wenig furchterregend und stärkt nur das Vertrauen, denn es lässt sich auch mit absichtlicher Induktion nicht weiter aufschaukeln. Wendig ist die Indian obendrein, soweit das von einem Hubraummonster wie diesem gesagt werden darf. Und damit sind wir beim Motor, dem Herzstück. Luftgekühlt und ganz ohne Sound­ma­nagement bollert er im Leerlauf wie ein alter Schiffsdiesel. Auf das Anlassen reagiert er mit zeitlupenhaftem Schlucken. Und nein, er geht nicht aus, obwohl er mit seinen 800 Umdrehungen im Leerlauf manchmal so klingt. Untertouriges Fahren in diesem Bereich, zum Beispiel im städtischen Stop-and-Go, schmeckt ihm gar nicht. Das quittiert er mit Fehlzündungen, die das Bike schlag­artig zwei Meter nach vorn treiben. Da offenbart es sich nicht, zu was für einer Bestie der Thunderstroke 111 werden kann, wenn er erst mal in Fahrt ist. Das Ride-by-Wire reagiert direkt, und so stampft er sich rücksichtslos nach vorn und macht auch dicht unter Vollgas kaum schlapp.



Hubraum ist durch nichts zu ersetzen. Eben noch hatten wir die Chieftain Dark Horse für die Reportage geordert, da befremdete uns die Pressemitteilung von Indian, dass die Modelle für den Jahrgang 2020 im Hubraum von 1811 auf 1901 Kubikzentimeter Hubraum aufgestockt würden. Unsere Dark Horse wurde also ein Auslaufmodell. Dabei hatten wir weiteren Hubraum wirklich nicht vermisst. Die Chieftain Dark Horse konnte doch alles? Was für eine Ironie, denn das erste Gespräch mit den Berliner Hells Angels endete irgendwie ähnlich, als wir vor deren Clubhaus einrollten. „Und, kann die was?“, fragte uns ein Berliner Member. „Ja“, meinten wir, „sie kann alles, und sie kann alles besser.“ Als Harley-Fahrer blickten wir uns in die Augen und resümierten fast gleichzeitig: „Aber wollen wir das?“
 

TECHNISCHE DATEN
Indian Chieftain Dark Horse 2019


Motor
Typ: Thunder Stroke 111
Hubraum: 1811 ccm
Bohrung x Hub: 101 x 113 mm
Verdichtungsverhältnis: 9,5:1
Leistung: 83 PS
Drehmoment: 151 Nm / 3000 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 193 km/h

Fahrwerk
Gabel: 46 mm Teleskopgabel, 119 mm Federweg
Schwinge: Zentralfederbein, 114 mm Federweg, pneumatisch verstellbar
Rad: vorn Gussrad, 16 x 3,5
hinten: Gussrad, 16 x 5,00
Reifen: vorn Dunlop Elite 3 130/90B16 73H
hinten: Dunlop Elite 3 Multi-Compound 180/60R16 80H
Bremse: vorn zwei schwimmende 300-mm Scheiben, zwei Vierkolben-Sättel
hinten: eine schwimmende 300-mm-Scheibe, ein Zweikolben-Sattel

Metrie
Länge: 2506 mm
Breite: 1000 mm
Höhe: 1385 mm
Radstand: 1668 mm
Bodenfreiheit: 130 mm
Lenkkopfwinkel: 25°
Nachlauf: 150 mm
Sitzhöhe: 650 mm
Leergewicht: 361 kg
zulässiges Gesamtgewicht: 628 kg
Tank: 20,8 Liter
Testverbrauch: 6,85 l / 100 km
Preis: ab 29.990 Euro

 
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