... das letzte Wort

24.02.2018  |  Text: Michael Ahlsdorf  |   Bilder: Friedrich
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Wann dürfen wir ein Patch mit Stolz tragen? Ahlsdorf erklärt es uns, er behält darüber … das letzte Wort
Die Clubnachrichten waren schon immer unser schwierigstes Kind. Wir mussten uns im Lauf der Jahrzehnte einen ledernen Magen zulegen, um zu verdauen, was dieses Balg uns monatlich einbrockte.

Aber irgendwie waren sie doch auch unser liebstes Kind. Mit seinen Patschhändchen langte es immer wieder genau in die Mitte der Herdplatte. Rührend, wenn auf vollmundige Gründungsanzeigen zwei Monate später die Auflösungsanzeigen folgten. Sie brachten dann den Dank für „klärende Gespräche“ mit den benachbarten Clubs zum Ausdruck. Wir konnten Wetten drauf abschließen, wer sich in welcher Gegend wie lange halten würde.

Die Hormone des zweiten Frühlings
Der Trubel geht längst nicht mehr nur auf das Konto der Jugend. Neuerdings quellen unseren alten Rockern die Hormone des zweiten Frühlings aus den Ohren, da wollen auch sie es mit den Clubgründungen noch einmal probieren. Sie sind klüger geworden, die Begriffe „Wild“ und „Eagle“ und „Devil“ verwenden sie nicht mehr für ihre Clubnamen. Sind ja alle schon vergeben. Stattdessen geben sie sich harmlose familiäre Namen mit irgendwas wie „Old“ oder „Sons“ oder „Brothers“. Die Buchstaben „MC“ legen sie sich ohnehin nicht mehr zu, das könnte teuer werden. Mehr als „Nomads“ lassen sie sich auch nicht mehr aus der Nase ziehen, denn auch alle Ortsnamen sind schon vergeben. Ihren Schiss reden die selbsternannten „Old Sons of Brothers Nomads“ sich dann mit ihrer kosmopolitischen Grundeinstellung schön: Sie würden schließlich keine Gebietsansprüche erheben. Ja, ja ...

Im hohen Alter steckt man ein klärendes Gespräch eben nicht mehr so einfach weg. Eigentlich kann ich mich da nur noch fremdschämen. Was ist aus unserer Szene geworden, die einst so hochgewachsen, kerngesund und sexy war?

Das Alter packt uns an allen Fronten
Das Alter packt uns längst an allen Fronten. Ihr erinnert euch, wir hatten einen Winter. Und einer meiner besten Freunde hatte beschlossen, ausgerechnet zum Jahreswechsel das Zeitliche zu segnen. Wir mussten ihn unter die Erde bringen.

Weil es eine Biker-Beerdigung war, fuhr ich auf dem Motorrad vor, im Januar, im strömenden Regen dicht über dem Gefrierpunkt. Die anderen Biker rümpften die Nase. Ich hatte meine vollverkleidete BMW in Senioren-Beige genommen, die sah natürlich scheiße aus.

Sie aber sahen scheiße aus, wie sie aus ihren Autos stiegen. So war ich der Einzige, der an dem Tag sein Patch mit Stolz tragen durfte: „Dresser“ steht drauf, wegen meiner Vollverkleidung. Ist natürlich nur ein Brustpatch. Ich bin ja auch alt und gebe es zu: Ich habe keinen Bock mehr auf klärende Gespräche.
 

Zuerst veröffentlicht in BIKERS NEWS 05/2016
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