Alles über Rocker

08.08.2018  |  Text: BN  |   Bilder: Christian Heim
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Endlich ist sie da: die fünfte Auflage des Standardwerks „Alles über Rocker“
Tilmann: Ahlsdorf, seit einem halben Jahr ist unser Buch „Alles über Rocker“ vergriffen. Erst jetzt kommt die neue, fünfte Auflage raus. Ich habe ja mitbekommen, wie oft und wie lange du daran gearbeitet hast – aber erkläre unseren Lesern doch mal, warum es so lange gedauert hat!

Ahlsdorf: Uns kam der Trubel um die Colour-Verbote dazwischen. Gerade als ich die nächste Auflage in Angriff nehmen wollte, zeichneten sich die einschneidenden Veränderungen in der Szene ab. Im September kam der neue Gesetzentwurf zur Verschärfung des Vereinsgesetzes. Wenn wir schon zu diesem Zeitpunkt eine fünfte Auflage auf den Markt gebracht hätten, wären die meisten Inhalte nach einem halben Jahr nicht mehr aktuell gewesen. Seit dem 16. März haben wir das Colour-Verbot. Bandidos, Gremium und Hells Angels dürfen ihre Abzeichen nicht mehr in der Öffentlichkeit tragen. Aber im Buch hätten die Leser, wenn es vorher erschienen wäre, nichts zu dem Thema finden können. Wir mussten also erstmal abwarten, wie die Dinge sich entwickeln. Erst nach dem 16. März konnte ich das Buch auf den aktuellen Stand bringen.

Die beiden BN-Redakteure Ahlsdorf und Tilmann reden über die neue Auflage von „Alles über Rocker“

Wäre es früher fertig gewesen, hätte es bei vielen Bikern unterm Weihnachtsbaum gelegen; stattdessen gab es Wollsocken – schlecht für die Leser, schlecht für unseren Verlag.

Ja, aber es wäre unverantwortlich gewesen, unsere Leser mit einem Buch an der Nase herumzuführen, das nicht mehr aktuell ist. Wir hätten die sechste, wirklich aktuelle Auflage ja schon ein halbes Jahr später rausbringen müssen.


Das heißt aber nicht, dass sich in der neuen Auflage alles um das Colour-Verbot dreht ...

Natürlich nicht. Aber wer mehr über das Colour-Verbot, über seine Geschichte, die Hintergründe und rechtlichen Bestimmungen wissen will, wird auch das in dem Buch finden. Das Kapitel umfasst 16 Seiten, aber auch in den anderen Kapiteln geht es immer wieder um dieses Thema.


Genau wie in der BIKERS NEWS sind in „Alles über Rocker“ Kennzeichen abgebildet, die eigentlich verboten sind. Erkläre unseren Lesern bitte noch einmal, warum wir das dürfen.

Irgendjemand muss Bürgern und Bikern ja erklären, was verboten ist und was nicht. Das nennt man „staatsbürgerliche Aufklärung“ – und die ist auch mit der verschärften Fassung des Vereinsgesetzes nach wie vor erlaubt. In einem Schulbuch werden ja auch Hakenkreuze abgebildet, um damit zu erklären, dass genau dieses Kennzeichen in der Öffentlichkeit nicht gezeigt werden darf. Wir verfahren genauso, zumal diese betroffenen Colours unsere ganze Szene entscheidend geprägt haben. Unzählige Clubs haben ihre Kennzeichen nach den Vorbildern der Hells Angels oder der Bandidos entworfen. Die verbotenen Colours haben also eine ganz massive historische Bedeutung. Dazu erkläre ich auch im Buch immer wieder, dass die abgebildeten Abzeichen historisch sind. Alle Fotos, auf denen sie zu sehen sind, wurden also vor dem 16. März 2017 geschossen.


Was dürfen die Leser sonst noch erwarten?

Danke für die Frage! Das Buch heißt schließlich „Alles über Rocker“. Natürlich weiß ich, dass die deutliche Mehrheit unserer Szene vom Colour-Verbot gar nicht betroffen ist. Um diese Szene geht es nach wie vor in den drei großen Themenblöcken: „Die Gesetze. Die Geschichte. Die Maschinen.“ Es geht um die immer gleichen Fragen, welche Bräuche wir haben,
welche Regeln, wie sie entstanden sind. Und es geht um die geschichtlichen Entwicklungen unserer Szene, die ja immerhin schon ein
halbes Jahrhundert auf dem Buckel hat.


Auch das Kapitel über die neue Rockergeneration mit ihren Supportern, Migranten und Streetgangs hast du für die neue Auflage überarbeitet. Da hat sich in den letzten Jahren schließlich einiges getan. Und es ist nach wie vor das große Reizthema in der MC-Szene …

Also bevor unsere alten Leser sich wieder aufregen müssen: Es ist nur ein einziges Kapitel – von insgesamt über dreißig. In diesem einzigen Kapitel kläre ich natürlich darüber auf, wer diese jungen Heißsporne sind, die unsere Szene aufmischen. Das ist ja wohl meine journalistische Pflicht. Ich muss schließlich auch darüber aufklären, was unseren Lesern passiert, wenn sie es mit einem vertrauteren Gegner – mit der Polizei – zu tun bekommen. Das ist nun mal ein Service, der bei uns immer wieder angefragt wird.


Zulassungsrecht? Rahmenmanipulationen? Und last but not least die geliebten loud pipes. Auch da hat sich mit Euro 4 seit der letzten Auflage einiges getan …

Ja klar! Der dritte Themenblock erklärt alles über Chopper, ihre Geschichte, ihre Fahrphysik und das Geheimrezept, das hinter dem Klang eines Harley-Motors steckt. Und natürlich gibt’s ein Kapitel über Euro 4 und über das immer noch zulässige Soundmanagement. Das ist sicher der ausführlichste und gleichzeitig verständlichste Text, der je über dieses Thema geschrieben wurde. Unser Verlagsgründer Fips hat unter dem Titel „Rocker in Deutschland“ bereits eine ganze Reihe Bücher veröffentlicht. Was unterscheidet seine Bücher von „Alles über Rocker“? Fips erzählt überwiegend von der Vergangenheit – und das aus seiner persönlichen Perspektive und der des Bones MC. Die Bücher haben nicht umsonst den Untertitel „Ein autobiografischer Rückblick.“ Das sind wunderbar geschriebene Geschichten, ungeheuer lebendig. Und weil sie so authentisch sind, sind sie auch so wichtig. Ich erzähle nicht aus der persönlichen Perspektive, sondern liefere den großen Überblick. Bei mir finden die Leser Zeittafeln und Tabellen, politische, rechtliche und zulassungsrechtliche Hintergründe, alles seriös recherchiert. Mein Buch ist ein Ratgeber, es liefert das, was man woanders „Fakten, Fakten, Fakten“ nennen würde.

Motorräder kommen nicht zu kurz. Im dritten Themenblock des Buches geht es unter anderem um die Fahrphysik der Chopper

Gähn! So langweilig habe ich das gar nicht in Erinnerung …

Meinen Stil kennt man ja wohl nach 20 Jahren BIKERS NEWS. Ich hab noch von niemandem gehört, der über meinen Texten eingeschlafen wäre. Mein Buch hat darüber hinaus eine eigene Komposition: Jedes Kapitel ist in sich abgeschlossen. Man kann mittendrin einsteigen, kann lesen, ohne die vorherigen Kapitel gelesen haben zu müssen. Es schadet natürlich nichts, trotzdem alles zu lesen.


Welches Kapitel hast du am liebsten geschrieben? Oder ahlsdorfisch formuliert: am wenigsten ungern?

Eigentlich das Kapitel, das gar kein richtiges Kapitel ist. Immer wenn ich das Biker-Lexikon lese, denke ich: Mensch, das ist eigentlich am appetitlichsten – und ich kann nicht aufhören, darin zu blättern. Das Lexikon wird mit seinen jetzt 18 Seiten ja immer dicker. Und kaum ist es fertig, schnappe ich schon wieder fünf weitere Begriffe auf, die in der Szene neu dazu gekommen sind und die in der nächsten Auflage erklärt werden müssen. Das wird dann die sechste Auflage sein.    «

 


Michael Ahlsdorf: Alles über Rocker.
Die Gesetze, die Geschichte, die Maschinen.

5. Auflage, 376 Seiten, 24,90 Euro,
SzeneShop-Artikelnr. 805312


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Stand:16 October 2018 08:09:40/blog/alles+ueber+rocker_18723.html