BACK TO THE ROOTS Teil 10

22.01.2018  |  Text: Fips  |   Bilder: BN
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BACK TO THE ROOTS Teil 10
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BIKERS-NEWS-Gründer Fips blickt in den Rückspiegel und erzählt von den frühen Tagen der MC-Szene – anlässlich ihres 30-jährigen Bestehens geht es dieses Mal um die Biker Union, die als Interessenvertretung der Biker und Rocker gegründet wurde
Es begann damit, dass die Polizei 1986 dieses ominöse Plakat mit gewaltbereiten Rockern in allen Revieren aufgehängt hatte. Als Doc Baumann das Plakat in der BIKERS NEWS veröffentlichte, verbrannte er sich die Finger mit dem Vorschlag, einen Dachverband der Rocker zu gründen. Nichts war damals unpopulärer, als sich der Gefahr auszusetzen, dass andere sagen könnten, wo es langgeht – doch das Thema blieb in der Diskussion. Doc machte klar, dass die BIKERS NEWS keinen Rocker-Dachverband gründen könne, sondern dass das aus der Szene selbst heraus geschehen müsse. So nahm ein bekannter Präsident aus Mannheim, der ans „Chef sein“ gewöhnt war, die Dinge in die Hand. Die Mitglieder vieler MCs glaubten an die Sache und so wuchs die Biker Union – auch dank der massiven Unterstützung durch die BIKERS NEWS.

Feindliche Übernahme?
Da die Biker Union zunächst kein eigenes Büro besaß, wurden die organisatorischen Dinge wie das Führen der Mitgliederliste und des Schriftverkehrs erst mal an den Computern des Huber Verlags erledigt. Auch das Verlagspersonal erledigte große Teile der „Fließbandarbeit“ – natürlich ohne Vergütung. Bei dieser „Zusammenarbeit“ wurde der Verlag ganz nebenbei ausspioniert, denn der Vorstand der Biker Union fand es nicht gut, dass eine „kommerzielle“ Zeitschrift wie die BIKERS NEWS einen solchen Einfluss auf die Szene hatte. Als ich eines Tages von einer Reportage aus den USA zurückkam, hatte man meine damalige Lebensgefährtin (Huber) „überredet“, mich rauszuschmeißen. Ich hatte den Huber Verlag auf sie angemeldet, weil ich zu der Zeit eine sehr erfolgreiche Büromöbelfirma führte und nicht zwei Firmen auf meinen Namen laufen lassen wollte – dieser Umstand sollte nun genutzt werden.
So stand ich also vor dieser lächerlichen fristlosen „Kündigung“, die der Vorstand der BU eingefädelt hatte, um sich so den Einfluss der BIKERS NEWS durch die Hintertür zu erschleichen. Man wollte mir, der ich die Idee der Biker Union befürwortete und ihr half, mein Werkzeug auf unehrenhafte Weise entreißen. Das misslang allerdings. Nach dieser Aktion fuhr ich sofort zur Bank, überzog alle Konten des Verlags bis zum Äußersten und teilte meiner treuen Lebensgefährtin mit, dass ich alle Konten geplündert hätte. Ich zeigte ihr 250.000 DM in bar, die sie als Inhaberin des Verlags nun der Bank schuldete. Ich überließ ihr die Wahl: Entweder sie ging mit mir zum Notar und überschrieb den Huber Verlag auf mich und bekäme als „Belohnung“ ein neues Auto – oder ich würde direkt zum Flughafen fahren, wieder in die USA düsen und das Geld verprassen! Sie entschied sich für die erste Option, die Sache war in zwei Stunden erledigt.

In der Ausgabe vom Dezember 1986 berichtete die BIKERS NEWS von der ersten Sitzung des „Dachverbandes“ und druckte auch die Liste der anwesenden Clubs ab
In der Ausgabe vom Dezember 1986 berichtete die BIKERS NEWS von der ersten Sitzung des „Dachverbandes“ und druckte auch die Liste der anwesenden Clubs ab

Rote Karte von den Clubs
Nachdem es der BU nicht gelungen war, die BIKERS NEWS hinter meinem Rücken zu übernehmen, fing sie an, nun selbst eine Zeitschrift auf den Markt zu schmeißen. Doch sie musste schnell erkennen, dass man dafür kreativ sein musste. Es wurde dann versucht, das Ganze mit den Beiträgen der Mitglieder zu subventionieren, bis es sich rechnen würde – dem Geld vieler Biker also, die glaubten, die BU würde sich um die Probleme der MCs kümmern. Doch mit den MCs wollte die BU offensichtlich nichts am Hut haben – außer mit deren Mitgliedsbeiträgen. Man kümmerte sich massiv um den Verkauf von Patches und T-Shirts und um den Aufbau einer Konkurrenz zum Platzhirsch BIKERS NEWS, aber nicht um die Clubs. So traten die großen MCs von damals bald wieder aus und gründeten nur zwei Jahre später ihren eigenen Dachverband, das „Komitee“ (siehe Beitrag in der letzten Ausgabe, Anm. d. Red.). Damit hatte die BU von den alteingesessenen MCs die rote Karte bekommen. Die kleinen MCs, die das nicht so überblickten, blieben dabei und ließen sich vor den Karren spannen – denn sie glaubten, etwas für die Solidarität zu tun. In Wirklichkeit liefen auch die ganzen Großveranstaltungen der BU an den Kassen des Vereins vorbei. Was dann auch zur Folge hatte, dass einem eingesetzten „Ersatzvorstand“ ein Betrug in Höhe von rund 100.000 DM nachgewiesen werden konnte! Er verschwand auf Nimmerwiedersehen und das Geld, das die ganzen Mitglieder durch Beiträge und T-Shirt-Kauf für die „gemeinsame Sache“ zusammengetragen hatten, wohl auch. Während die BIKERS NEWS immer wieder den Kopf hingehalten hat und die Anzeigen und Berichte der BU kostenlos abdruckte, verschwand das Geld in privaten Taschen – im Namen der MC-Solidarität! Wer nicht selbst beteiligt war, hat es mehr oder weniger hingenommen.
In Sachen Verständigung unter den Clubs, für die die BU einst angetreten war, blieb nichts übrig. Einmal wollte die BU die Präsidentenrally „übernehmen“ und sagte ein paar Tage vorher einfach ab. Das war dann auch der letzte ernstzunehmende Auftritt als „Dachverband der Rocker“. Bald richtete die BU ihre Aufmerksamkeit nicht mehr auf die Entwicklung der Rockerszene, aus der sie einst gegründet worden war, sondern öffnete sich für alle Motorradfahrer, was mehr Mitglieder versprach. Man begann, sich als Everybody’s Darling zu präsentieren und kümmerte sich um den Unterfahrschutz an Leitplanken und anderen ADAC-Scheiß, der mit Rockern überhaupt nichts mehr zu tun hatte, aber für Publicity sorgte und Mitgliedsbeiträge in die Kassen spülte. Die Belange, für die die BU einst eintreten wollte, gerieten weit in den Hintergrund und die ganze Organisation wurde zum Selbstzweck. Rockerclubs brauchen so eine BU nicht – das ist eher etwas für Buntkombifahrer.

Marburg, Dezember 1986: Gene L. Thoms (Pres Bones Mannheim) und Fips auf der BU-Sitzung beim Lawmen MC
Marburg, Dezember 1986: Gene L. Thoms (Pres Bones Mannheim) und Fips auf der BU-Sitzung beim Lawmen MC

Anspruch und Wirklichkeit
Einige der Engagierten in der Biker Union rennen sich wahrscheinlich immer noch die Füße platt und meinen, sie würden sich für die Rockerszene einsetzen. Aber das Geschehen in der MC-Szene wird in Wahrheit eine Etage höher bestimmt, völlig ohne die „Rockervertretung“. Es hätte die „Interessenvertretung der Biker und Rocker“ sein müssen, die aufdeckt, was die Behörden derzeit mit den MCs treiben. Aber einmal mehr steht wieder der Huber Verlag an der Front, der das Buch „Jagd auf die Rocker“ verlegt hat. Die Mitglieder der Biker Union werden das Buch sicher interessiert lesen, aber die Szene weiter ignorieren, sodass Anspruch und Wirklichkeit weiter weit auseinanderklaffen. Ich finde es mehr als anmaßend, sich „Vertreter der Rocker“ zu nennen und den wirklichen Problemen der Szene aus dem Weg zu gehen. Der Name „Biker Union“ würde völlig reichen, eine Interessenvertretung der Rocker war der Verein noch nie. Mit Ärger denke ich an die vielen Mitglieder, die auch MC-Member sind und sich für die BU den Arsch aufgerissen haben – in der Hoffnung, etwas für die gemeinsame Sache der MC-Szene zu tun. 30 Jahre besteht die Biker Union nun – für die Rocker hat sie nichts erreicht.

Zuerst erschienen in BIKERS NEWS 05/2016
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Stand:22 June 2018 05:14:37/blog/back+to+the+roots+teil+10_18110.html