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Foto: Sheriff Flüchtlinge: Urängste …In der Juni-Ausgabe des letzten Jahres hatten wir über den Besuch des Median Empire MC in einem kurdisch-syrischen Flüchtlingslager berichtet
Foto: zg Flüchtlinge: Urängste …Die Supporterclubs der Bandidos nannten sich Bulldogs, Harami oder La Onda. Sie hatten überwiegend türkische Member
Foto: Kottlorz
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… verkaufen sich gut. Aber wir müssen drüber nachdenken, welche Auswirkungen die Flüchtlingswelle auf unsere Migranten-Szene hat
Wir haben in Österreich einen Reporter. Er nennt sich „Gau“, und er arbeitet hauptberuflich in den technischen Hilfswerken des Landes. In diesem Job leistete er im September täglich Vierzehn-Stunden-Schichten an der Grenze zu Ungarn. Seine Bilder von den dortigen Flüchtlingscamps vermittelten uns einen ziemlich persönlichen Eindruck von dem, was uns bis dahin nur über Fernsehbildschirme erreicht hatte.

Noch nachdenklicher stimmten uns seine Worte. Er erzählte von Flüchtlingskindern, die fröhlich Fußball spielten, ohne zu ahnen, was noch auf sie zukommen würde. Er erzählte aber auch von den vielen jungen Männern unter den Flüchtlingen, von den verschiedenen Kriegsparteien, die auf den österreichischen Feldbetten plötzlich nebeneinander lagen und von den Auseinandersetzungen, die sie schon in den Zelten untereinander ausfochten. Die österreichischen Helfer hatten Angst. Und unser Gau kam lange nicht mehr zum Motorradfahren.

Angst? Kein Motorradfahren? Zwei Schlagworte, wenn es um das geht, was unsere alten Biker erleben, die unseren Migranten-MCs gegenüberstehen. Wir haben diese Clubs und Gangs ja schon längst in den eigenen Reihen, und wir haben schon vor Jahren darüber berichtet.
Die bürgerliche Presse hatte die Migranten-MCs erst ein bisschen später entdeckt. Deren Reporter recherchierten bis dahin noch in an den Haaren herbeigezogenen Storys über Unterwanderungen der MCs durch Nazis. Da fuhren für die Bandidos bereits komplette Supportchapter mit Membern aus Türkengangs, wie wir sie in der BIKERS NEWS im Jahr 2009 vorgestellt hatten.
Vor über einem Jahr hatten wir darüber hinaus über den Median Empire MC berichtet. Er benennt sich nach dem untergegangenen Reich der Meder, das in der Antike den Raum von Ost-Anatolien bis nach Indien beherrschte. Der Median Empire MC war aus dem Kölner Chapter „Dark City“ des Mongols MC hervorgegangen.

In der Juni-Ausgabe des letzten Jahres hatten wir über den Besuch des Median Empire MC in einem kurdisch-syrischen Flüchtlingslager berichtetFoto: zg
In der Juni-Ausgabe 2014 hatten wir über den Besuch des Median Empire MC in einem kurdisch-syrischen Flüchtlingslager berichtet (Foto: zg)


Der Mongols MC gründete sich im Jahr 1969 in Kalifornien. Er war der erste MC, der sich aus Migranten rekrutierte – aus Südamerikanern, nicht aus SyrernFoto: Sheriff
Der Mongols MC gründete sich im Jahr 1969 in Kalifornien. Er war der erste MC, der sich aus Migranten rekrutierte – aus Südamerikanern, nicht aus Syrern (Foto: Sheriff)


Über den Mongols MC hatten wir sowieso längst berichtet. Er war einst im Jahr 1969 in Kalifornien gegründet worden. Und er war gewissermaßen der erste Migranten-MC der Welt. Denn die amerikanischen Mongols rekrutieren sich aus Latinos, Südamerikaner also. Und die Latinos sind die Migranten, gegen die die US-amerikanische Gesellschaft sich mit hohen Zäunen entlang der mexikanischen Grenze zu schützen versucht. Und weil die amerikanischen Mongols mit fremden Umgangsformen und Taktiken aufwarteten, die kein amerikanischer Biker bis dahin kannte, war es ihnen sogar gelungen, den Hells Angels den Bottom-Rocker „Califorinia“ abzutrotzen. Kein anderer Club außer den Hells Angels und den Mongols trägt diesen Schriftzug im Colour.

Das war vielleicht ein Vorgeschmack auf das, was noch in Europa auf uns zukommen kann. Die bürgerliche Presse hatte das wiederum schneller aufgetan. Urängste verkaufen sich in der Medienlandschaft besonders gut, erst recht, wenn den Bürgern fremde Kulturen, wie Rocker, Moslems und dann auch noch Netzwerke und Unterwanderungen aller Art, zusammenkommen. Nachdem wir jedenfalls über den Besuch der Member des Median Empire MC in kurdisch-syrischen Flüchtlingslagern berichtet hatten, kursierte in der bürgerlichen Presse auch noch ein Foto, das Median Empire-Member mit über der Schulter hängenden Kalschnikoffs zeigte. So zogen sie in Syrien gegen den IS in den Kampf. Was dann noch kommen musste, dauerte ein bisschen länger. Erst im darauffolgenden Jahr kursierten Meldungen, die wiederum von MC-Membern berichteten, die auf der Seite des IS kämpften.
Prompt stellte man auch uns vor die Frage, was denn an diesen Meldungen dran sei? Ja klar, in beiden Fällen war was dran! Angesichts der inzwischen zahllosen Migranten in unserer Szene kommen natürlich auch immer wieder ein paar besonders durchgeknallte Jungs auf die Idee, in einen echten Krieg zu ziehen.

Doch die wenigsten meistern wirklich den Weg zurück nach Syrien. Seit Jahren verbreiten sie dagegen unter unseren Bikern Angst und Schrecken – möglicherweise nur gefühlt. Aber ihnen war es gelungen, die Onepercenter-Szene aufzumischen. Und die überalterten Onepercenter versuchen nun oft genug erfolglos, die Geister loszuwerden, die sie einst gerufen hatten, um die Mannschaftsstände in ihren Reihen aufzufrischen.
Auch der Bandidos MC war in den letzten Jahren klüger geworden. Er trennte sich von vielen seiner Gangs, die dann zu anderen Clubs wechselten oder eigene aufmachten.

Die Supporterclubs der Bandidos nannten sich Bulldogs, Harami oder La Onda. Sie hatten überwiegend türkische MemberFoto: Kottlorz
Die Supporterclubs der Bandidos nannten sich Bulldogs, Harami oder La Onda. Sie hatten überwiegend türkische Member (Foto: Kottlorz)


Was beweist: Die Jungs sind nicht weg. Und was nun befürchten lässt: Im Zuge des über uns hinwegbrechenden Flüchtlingsstroms werden es noch mehr. Die Rockerszene ist schon immer ein gutes Sammelbecken für alle, die sonst keinen Platz in der Gesellschaft finden. Um in der Szene mitzumischen, müssen sie nicht mal Motorrad fahren. Es gibt ja noch die polizeilich so genannten „rocker-ähnlichen Gruppierungen“, mit anderen Worten: die Streetgangs.
Die Mehrheit der neuen Flüchtlinge sind Männer in jungen Jahren, wie unser Reporter berichtet. Oft seien sie bereits in Sippen, Clans und Gangs organisiert. Sie bringen obendrein ein hinreichendes Aggressionspotential mit, um ihre Feindschaften und Sippenfehden sogar in den Zelten und Notaufnahmelagern weiter auszufechten. Und sie werden womöglich dem von der bürgerlichen Presse geschürten Mythos aufsitzen, dass in der Rockerszene schnelles Geld zu verdienen ist. Natürlich mit Drogenhandel, Zuhältereien und Schutzgelderpressungen. Und wenn die Kohle mit der Mitgliedschaft in einem Club nicht zu verdienen ist, dann wechseln sie eben zu einem anderen Club. Haben wir ja alles schon gehabt.

Im Editorial der April-Ausgabe des Jahres 2009 hatten wir die Migranten in unserer Szene willkommen geheißen. Wir sind eine Subkultur. Sie sind eine Subkultur. Und vergesst es nicht: Auch wir haben schön öfters richtige Scheiße gebaut, das ist nur etwas länger her.
In unserer Rockerkultur hatte man den Traum vom schnellen Geld vor Jahrzehnten geträumt und damals mit einer ersten Einknastung den Preis dafür bezahlt. Einige Migranten aus unseren Clubs und Gangs machen gerade die gleiche Erfahrung. Vielleicht lernen sie daraus, und vielleicht kommen sie danach geläutert wieder. Das kann unserer überalterten Szene gut tun, und überhaupt kann unser Land Auffrischungen jeder Art gut gebrauchen. Gangster aber brauchen wir nicht.

 

Die Route 66 war eine Straße der Flüchtlinge.
Die „Motherroad“ wurde in der ersten echten Roadstory berühmt, als John Steinbeck in den 30er Jahren seinen Roman „Früchte des Zorns“ veröffentlichte. Er erzählte die Geschichte der langen Dürre in Oklahoma, in deren Folge die dortigen Farmer ihre Habseligkeiten packten. Über die Route 66 kämpften sie sich in klapprigen Autos nach Kalifornien durch, um sich als Erntehelfer zu verdingen. Dort hausten sie in Lagern unter menschenunwürdigen Bedingungen – ausgebeutet von feindseligen Kaliforniern.
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