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13300 Kilometer durch Russland. In 30 Tagen. Auf Harleys. Im zweiten Teil unserer Reisereportage erreichen die Hells Angels Wolle, Bernie und Michel früher als geplant Wladiwostok, setzen nach Japan über – und ziehen Resümee aus ihrem Abenteuer.
Das hartnäckige Gerücht von der schlechten Qualität russischer Straßen und Infrastruktur entpuppt sich als das, was es ist: ein Gerücht. Ganz im Gegenteil sind gerade die Tankstellen moderner als hierzulande und oft sogar mit W-LAN ausgestattet, wissen die drei Angels zu erzählen. Und das Netz ist gut ausgebaut, selbst östlich des Urals kommt man spätestens alle 200 Kilometer an einer Tankstelle vorbei. Das westliche Bild vom rückständigen Russland stimmt so nicht – da sind sich Wolle, Michel und Bernie einig, die ehrfürchtig auf die Landkarte schauen und ein Gespür für die riesigen Ausmaße der ehemaligen Weltmacht bekommen haben. Beeindruckt sind sie aber vor allem von der Herzlichkeit der Menschen, die ihnen auf ihrem Weg begegnen: „Eins muss man noch mal ganz klar sagen: Ich bin jetzt oft in Russland gewesen und die Gastfreundschaft, die wir dort erlebt haben, ist nicht vergleichbar mit der Gastfreundschaft, die wir hier haben. Umso weiter du nach Osten kommst, umso gastfreundlicher sind die Menschen“, betont Wolle und sein Sohn ergänzt: „Die Reaktion der Leute war super. Die Menschen haben sich gefreut, das kennt man hier in Deutschland gar nicht. Jeder dritte hat uns zugewinkt, hat gehupt, hat sich gefreut, dass er Motorräder sieht. Wenn wir mal an der Tankstelle waren oder im Restaurant sind viele Kinder gekommen und haben gefragt, ob sie sich die Maschinen mal angucken, sich draufsetzen oder ein Foto machen können. Das war schon gigantisch. Wolles Trike zum Beispiel kannten sie nur aus der Zeitschrift, weil Putin wohl auch so ein Teil fährt – das war eine richtige Attraktion.“ Und selbst wenn der Lebensstandard der Bevölkerung zum Teil noch nicht auf West-Niveau liegt – die Menschen haben, was sie brauchen. Was die Medien im Westen berichten, stimme so nicht. Russland habe fast 80 Jahre Kommunismus überlebt, dagegen sei die derzeitige Eiszeit in den Beziehungen zum Westen nichts, referiert Wolle über die Stimmung der Bevölkerung. „Erst wenn du da warst, kannst du dir eine Meinung bilden“, ist er überzeugt.

Mit erfahrener Begleitung erträglicher: der Verkehr in Moskau

Einreiseverbot für Hells Angels

Doch warum nicht so einen Trip durch die Staaten machen? Das ist für die europäischen Hells Angels nicht mehr möglich, sie dürfen nicht mehr einreisen. Doch selbst wenn er könnte – Wolle will gar nicht in die USA. Auch Bernie nicht, und das nicht nur, weil er schon oft dort war: Russland ist für das Trio viel interessanter, eben weil noch nicht viele Menschen dorthin gereist sind. Das einfache Leben fern von Technik versetzt Wolle zurück in seine Jugend. „Wenn du irgendwann in deinem Leben mal Zeit hast, so eine Tour zu machen – ich kann es nur empfehlen. Aber mach sie, solange alles noch nicht so erschlossen ist – damit auch ein bisschen Abenteuer dabei ist. Nicht wie in Amerika: Da fährst du auf einen dicken Highway und prasselst durch. Wenn du auch mal Straßen hast, die Scheiße sind – dann sind die eben Scheiße. Das gehört dazu, sonst brauchst du so eine Tour auch nicht zu fahren.“


Durch den Taifun nach Japan

Am Ende erreichen Wolle, Michel und Bernie zwei Tage früher als geplant Wladiwostok. „Wenn du in Wladiwostok bist, denkst du, du bist in einer europäischen Großstadt, wegen des westlichen Flairs“, ist Wolle begeistert. „San Francisco!“, wirft Bernie vergleichend und ergänzend ein. Von dort geht es mit dem Schiff weiter. Nach einem Zwischenstopp in Südkorea setzt die kleine Fähre zum endgültigen Ziel der Reise über: Japan. Unter den rund 350 Fahrgästen befinden sich nicht nur einige andere Motorradfahrer, sondern auch ein großer Pulk schwätzender koreanischer Omas auf Kaffeefahrt. Unterwegs lernen die drei Angels an einem weiteren Beispiel, was kulturelle Unterschiede sind, denn in einer First-Class-Kabine erwartet der Asiate zum Schlafen keine Betten, sondern Matten. Doch an Schlaf ist ohnehin nicht zu denken: Das Trio liegt in voller Montur im Bett und checkt, wo sich die Rettungsboote befinden, denn während der Überfahrt gerät das kleine Schiff in einen Taifun. „Eine Nacht Achterbahn-Flatrate“, wie Bernie es im Nachhinein beschreibt: Acht Meter hohe Wellen reißen die Fähre hin und her, überall übergeben sich die Passagiere oder hauen sich die Köpfe an den Flurwänden an – noch drei Tage später sind die Jungs wackelig auf den Füßen.

Anderes Land, andere Schriftzeichen. Zum Glück auch hier mit lateinischer Variante

Asiatisches Kontrastprogramm

Im japanischen Sakaiminato angekommen, warten schon die Clubbrüder des Nomads Charters Japan. Sie organisieren die notwendige Umschreibung des Führerscheins und japanische Nummernschilder und schaffen es schließlich, die Bikes zwei Minuten vor Betriebsschluss aus dem überfüllten Hafenzoll zu holen. Japan ist nach Russland das absolute Kontrastprogramm: Viele Menschen auf wenig Raum, Linksverkehr, Hightech überall: „Die sind uns technisch weit voraus“, erzählt Wolle beeindruckt, „die haben sogar beheizte Klodeckel, kein Witz.“ – Die drei lachen. Auch von der Kultur der Japaner sind sie fasziniert, von der Disziplin im Alltag, Wolle vor allem vom allgegenwärtigen, offenen Lächeln der Damen. Doch die ausgeprägte Höflichkeit ist auch bei den Männern ein Muss: „Da lächelt auch noch der Richter, wenn er dich zu zehn Jahren verknackt“, lacht Bernie.


Mission erfüllt!

Nach einer Übernachtung geht es am nächsten Morgen zum vorletzten Ziel, dem Clubhaus der Hells Angels in Nagoya. In der Stadt finden Wolle, Michel und Bernie dann endlich auch mal Zeit, die Sehenswürdigkeiten zu besuchen, was während der streng getakteten Zeit in Russland kaum möglich war – wobei es in den Weiten Sibiriens auch gar keine historischen Bauten wie in Nagoya gibt, wo die drei unter anderem den historischen Palast besuchen, der im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde und der seit 2009 Stück für Stück wieder aufgebaut wird. In Osaka haben die Jungs ihre Bikes dann verschifft, ein paar Wochen später kommen sie in Hamburg an. „Die gleiche Strecke zurück? Da wäre dann das Feuer raus“, meint Wolle – zurück geht es mit dem Flieger von Tokio über Moskau nach Frankfurt.


Was bleibt?

13 300 Kilometer in dreißig Tagen – was bleibt? An erster Stelle neue Freundschaften mit den Clubbrüdern, die Wolle, Michel und Bernie in Kaunas, Moskau, Kazan, Wladiwostok und Japan getroffen haben. Und natürlich ein anderes Empfinden für Entfernungen: 400 Kilometer zu einer Party nach Frankfurt oder Offenbach? Lächerlich – die reißen die Jungs jetzt auf einer Arschbacke runter. Und während für Bernie feststeht, dass er die Reise noch einmal machen wird, liebäugelt Wolle mit China – „einmal rechts abbiegen“, lacht er mit einem Blick auf die Karte. Klar ist, dass das Go-East-Abenteuer in die Geschichte des Hells Angels MC eingehen wird – da ist sich auch Pressesprecher Django sicher.

Zuerst veröffentlicht in BIKERS NEWS 03/2016

 

Die Medienseite des Hells Angels MC zeigt bewegte Bilder der Russlandreise, es stehen zwölf kurze Clips über den Trip bereit: Videocliparchiv
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