Harley Shovel brutal: Frisco 74

24.04.2017  |  Text: Michael Ahlsdorf  |   Bilder: Christian Heim
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Harley Shovel brutal: Frisco 74
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Ein Chopper mit Fußkupplung ist echt oldschool. Und was man früher in der Schule gelernt hat, vergisst man nicht so schnell
Links, unterm Tank, da befindet sich eine Halterung fürs Zündschloss. In der stecken auch der Choke und der Schalter fürs Abblendlicht. Und darin steckt eine klitzekleine Leuchtdiode. Die leuchtet grün und zeigt den Leerlauf an. Das tut sie nicht immer, dieses Bike ist schließlich ein paar Jahrzehnte alt.
Als dieses Bike gebaut wurde, da gab es noch gar keine Leuchtdioden. Und längst nicht alle Bikes hatten die heute übliche Schaltmechanik – üblich war eine Fußkupplung. Der Schalthebel war über ein langes Gestänge an der Seite des Tanks angebracht. Wer sein Bike dann zum Chopper umbaute, ließ erstmal dieses Gestänge verschwinden. Übrig blieb ein Hebel über dem Getriebe, zu bedienen wie die Peitsche eines Reiters – deshalb nannte man den Hebel „Jockeyshift“. Und übrig blieb natürlich die Fußkupplung. So ein Bike sollen wir jetzt fahren?



Es ist Carsten Behrens von Custom Chrome Europe, der uns seinen Chopper zur Verfügung gestellt hat. Eine Starrrahmenmaschine im Wishbone-Rahmen von 1952 mit einem Shovelhead-Motor irgendwann aus den Siebzigern, alles ganz im Stil der klassischen Chopper aus der Dave-Mann-Ära. Jedem Hipster würde der Schweiß durch sein Holzfällerhemd schießen, wenn er dieses Bike sähe. Und dann müsste er es ja noch fahren.
Carsten warnt uns: Der Late Shovel mit seinen 1340 Kubikzentimetern wäre drei Jahrzehnte jünger als die Panheads, die ursprünglich in diesen Wishbone-Rahmen steckten. Die Verdichtung sollten wir ernst nehmen. Der Choke müsse an warmen Sommertagen aber nicht gezogen werden. Zündung an, zwei-, dreimal Gas aufdrehen und „Gib ihm“! Was sich dann abspielte, verraten wir an dieser Stelle nicht. Danach baten wir Carsten jedenfalls darum, seine Shovel für uns anzutreten. Auch die Fotostrecke ließen wir ihn absolvieren.

Die persönliche Testfahrt

Um die persönliche Testfahrt kamen wir trotzdem nicht herum. Wenn der Motor erstmal läuft, stirbt er zum Glück so schnell nicht mehr ab. Wir können uns also ganz auf die Schaltvorgänge konzentrieren: Seitenständer hoch, linkes Bein heben, Kupplung treten. Es beginnt zu schleifen und zu rasseln. Das muss so sein, denn die Kupplung ist eine Mehrscheibenkupplung, die wegen des Belt-Antriebes aber nicht im Ölbad läuft. Sind diese Scheiben nicht unter Druck, dann verursachen sie eben diese typischen Geräusche.
Jetzt den Gang rein. Ganz analog zur einer Fußschaltung: Für den ersten Gang den Jockeyshift nach vorn schieben, klick, schon isser drin. Wie beim Auto die Kupplung kommen lassen. Unter unbeholfenem Stempeln des rechten Beines, das linke muss ja oben bleiben, setzt das Bike sich in Bewegung.

Eigentlich wie Autofahren

Und dann geht alles von alleine, denn mit zunehmendem Tempo wird die Fuhre auch stabiler. Kupplung treten, Hand vom Lenker, unter den Hintern langen und den Jockeyshift zurückschieben. Dank der Billardkugel ist der Griff nicht zu verfehlen, jeder Gang ist sauber drin und eigentlich ist es wie Autofahren, nur mit Schräglage. Der 1340er-Shovelhead hat Tinte aufm Füller, das Bike wiegt sonst kaum was; so drückt es gut nach vorn.

Zum Beweis: Wir sind auch gefahren. Auf den anderen Bildern seht ihr aber den Besitzer

Der überschmale Z-Lenker ist leicht zu händeln. Auch ohne zweiten Bowdenzug geht das Gas schnell zurück. Carsten musste den Rückholzug einsparen. Der erste Zug ist innenverlegt, aber ein zweiter hätte nicht durch den Lenker gepasst. Und so vertrauen wir der Rückholfeder des Keihin-Butterfly-Vergasers, wenn wir Gas wegnehmen, um hochzuschalten.
Schnell haben wir uns an die Schaltvorgänge gewöhnt. Der dritte Tag, meint Carsten, sei tückisch, wie beim Skifahren. Die Unfälle passieren dann, wenn man glaubt, alles sei in Fleisch und Blut übergegangen und dann bringt man doch was durcheinander. Ihm allerdings sei das nicht passiert. Die erste Fahrt hätte er durch den Feierabendverkehr einer Großstadt unternommen, eine Stunde Stop-and-go, danach hätte er nichts mehr falsch gemacht.
Nur enge Linkskurven mit schleifender Kupplung, die bleiben gemein, denn dann kann ja nur das kurvenäußere Bein abgesetzt werden. In den Wendungen für die Fotostrecke setzten wir deshalb besser links an.

Immer auf das grüne Licht gucken!

Und schließlich rollen wir wieder vor Carsten aus. Prima, freuen wir uns, ging alles reibungslos, blicken Carsten lachend in die Augen, wollen beide Beine auf den Boden setzen – und mit einem gewaltigen Ruck würgt der Motor sich ab. Der Gang war noch drin. Statt Carsten anzulachen, hätten wir auf diese kleine grüne Leuchtdiode gucken sollen. Die ist und bleibt das wichtigste Instrument an diesem Bike, dessen meiste Zubehörteile aus dem Custom-Chrome-Katalog kommen. Auch die Zündschlosshalterung mit ihrer Leucht-diode kommt von Custom Chrome. Ohne solltet ihr dieses Bike besser nicht fahren.    «


TECHNISCHE DATEN „Frisco 74“

Motor
Typ: Late Shovel, 1340 ccm
Getriebe: 4-Gang, Dome Top
Vergaser: Keihin Butterfly
Luftfilter: CCE
Auspuff: Santee (CCE)
Motormount: CCE

Fahrwerk
Rahmen: Wishbone, Bj. 1952
Räder: vo. 3,25“-19“ Avon Speedmaster / hi. 5“-16“ Shinko Super Eagle
Radblende: EMD Alu (CCE)
Gabel: Sportster Hugger, gekürzt
Tauchrohre: Jammer Products (CCE)
Lenker: Wannabe Choppers

Sonstiges
Interner Gasgriff: CCE
Griffe: Dock 66
Bremsarmatur: Kustom Tech, Alu Satin (CCE)
Fußrasten: oker Machine
Fußkupplung: CCE
Schaltknauf: Mooneyes
Scheinwerfer: TT & Co Japan
Rücklicht: CCE
Tank: 2,2 Gallonen (ca. 5 Liter), Paughco (CCE)
Heckfender: Lowbrow Stingray 6“ (CCE)
Sitz: Biltwell (CCE)
Sissybar: CCE
Auspuffband: CCE
Kickstarter: CCE

Kontakt
Custom Chrome Europe
Carl-von-Ossietzky-Straße 8
55459 Grolsheim
Tel 06721 - 4007-0
www.custom-chrome-europe.com

Zuerst veröffentlicht in BIKERS NEWS 05/2017
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Stand:18 July 2018 05:02:02/blog/harley+shovel+brutal+frisco+74_174.html