Harley-Davidson Panhead: Alupfanne

09.07.2018  |  Text: Tilmann Ziegenhain  |   Bilder: Volker Rost
Harley-Davidson Panhead: Alupfanne Harley-Davidson Panhead: Alupfanne Harley-Davidson Panhead: Alupfanne Harley-Davidson Panhead: Alupfanne Harley-Davidson Panhead: Alupfanne Harley-Davidson Panhead: Alupfanne Harley-Davidson Panhead: Alupfanne
Harley-Davidson Panhead: Alupfanne
Alle Bilder »
Erik von Freestyle Custom liebt Aluminium. Mit dem futuristischen Look frischte er einen klassischen Bobber ungewöhnlich auf
Wer sich auf einem Bike von Freestyle Custom fortbewegen möchte, muss nicht nur über das nötige Kleingeld verfügen. Auch Geduld ist nötig, denn bis ein Motorrad aus der Frankfurter Werkstatt startklar ist, können ein paar Monate vergehen. Schließlich entstehen hier Unikate zwischen Handwerk und Kunst. Dafür nimmt sich der gebürtige Pole Erik Pogorzelec Zeit.

Zeit sollten auch Interessenten mitbringen, zumindest in der Planungsphase, denn bevor auch nur eine Schraube angefasst wird, will sich Erik ein Bild vom zukünftigen Besitzer machen. In langen Gesprächen versucht er herauszufinden, was für einen Menschen mit welchen Charaktereigenschaften und Vorlieben er vor sich hat.

So hatte ein Kunde nach über fünfzehn Jahren noch immer nicht seinen Bobber-Traum verwirklicht. Einige Teile wie Rahmen, Getriebe und Räder lagen schon bereit – was zwischen Familie und Beruf fehlte, war das nötige Zeitfenster. Eines Tages haute seine Frau ihm eine Regionalzeitung auf den Tisch. „Hier ist die Antwort auf dein Problem“, kommentierte sie den Bericht, den das Blatt über Freestyle Custom veröffentlicht hatte.

Schon am nächsten Tag stand der Familienvater im knapp 800 Quadratmeter großen Atelier des Wahl-Frankfurters. Hier musste auch er sich einem Verhör unterziehen: Mit verschiedenen Bildern aus diversen Schrauberforen konnte er schließlich klarmachen, was er sich vorstellte: Robust sollte der Bobber werden, mit klassischen Elementen wie Springergabel und Handschaltung.

So muss ein Bobber sein: vorn und hinten 16“-Ballonreifen, ´ne vernünftige Springergabel – und obendrauf ’ne geile Mieze
So muss ein Bobber sein: vorn und hinten 16"-Ballonreifen,
’ne vernünftige Springergabel – und obendrauf ’ne geile Mieze



Als die grobe Marschrichtung fürs Design stand, offenbarte ein Blick auf die vorhandenen Teile das erste größere Problem: Der Rahmen war Flickwerk, das nicht mehr verwendet werden konnte. Nach einiger Zeit fand Erik in den Staaten Ersatz in Form eines alten Starrrahmens von 1959.

Klar war, dass die Panhead keine Trailer-Queen, sondern ein Bike für die Straße werden sollte. Deshalb musste auch  der geplante Solositz nicht nur gut aussehen, sondern auch für ein Mindestmaß an Fahrtkomfort sorgen. „Es gibt zwei Möglichkeiten, einen Sitz bequem zu machen“, weiß Erik. „Entweder mit Polstern oder durch Anpassung an die Anatomie.“ Klar, dass die Wahl auf die zweite Variante fiel: Der Allerwerteste des Kunden musste als Negativform für die obere der beiden Schalen herhalten, die danach passend gedengelt und zusammengeschweißt wurden.

Auch beim Herzstück gehen optische und technische Optimierungen Hand in Hand: Der Öltank in Form des Kartensymbols Pique ist über Kupferleitungen mit dem Motor verbunden. Das sieht nicht nur gut aus, sondern sorgt auch für eine bessere Kühlung. Schließlich war die Verkehrssituation eine völlig andere, als die 1200 ccm große Panhead das Licht der Welt erblickte: Staus oder Stop-and-go-Verkehr gab es nicht, sodass der Fahrtwind die Big Twins ausreichend kühlen konnte. Und auch das Stück Gummi zwischen Tank und Leitung hat seinen Sinn: Es dämpft die Vibrationen des Motors, damit die Leitungen nicht abgeschüttelt werden. Und das ist notwendig, denn der Motor hängt durch Modifikationen, wie größere Ventile und eine verbesserte Nockenwelle, gut am Gas.

Die 59 auf Tank und Rahmentasche verrät das Baujahr, doch moderne Details durchbrechen die klassische Linie
Die 59 auf Tank und Rahmentasche verrät das Baujahr,
doch moderne Details durchbrechen die klassische Linie



In der Panhead hat Erik klassische und moderne Element gekonnt vereint: Das Frontend mit Springergabel und Trommelbremse, der Starrrahmen und der kurze Heckfender sorgen für eine klassische Linie, der eigenwillig geformte Tank im Alu- und Kupfer-Look setzt einen avantgardistischen Akzent. Aluminium ist Eriks Steckenpferd: Er liebt die Farbe und vielfältigen Einsatzmöglichkeiten des Materials, für viele seiner Bikes biegt und formt er diesen Stoff.

Wer ebenfalls so einen Freestyle-Bobber haben möchte, muss sich sputen, denn es wird nur sieben Bikes in diesem Stil geben. Diese Panhead ist Nummer zwei. Wenn seine Glückszahl erreicht ist, will Erik sich neuen Ideen widmen – und von denen hat er mehr als genug für ein Leben.

 

TECHNISCHE DATEN

59er, BJ. 2015


Basis

Typ: Harley-Davidson Panhead

Baujahr: 1959


Motor

Hubraum: 1200 ccm

Leistung: 75 PS (verstärkt)

Vergaser: Zenith

Luftfilter: Twin Air Racing

Auspuff: 2-in-1, Freestyle Custom

Primärtrieb: 1“-Belt

Sekundärtrieb: Kette




Fahrwerk

Rahmen: Original

Gabel: Springer, W&W

Bremsen: Trommel (vorn und hinten)

Räder: 16“, Harley-Davidson

Reifen: 16“, Shinko Classic



Sonstiges

Lenker: Freestyle Custom, mit innen liegendem Gasgriff

Armaturen: Kustom Tech

Tacho: Motogadget

Tank: Freestyle Custom, mit eingearbeitetem Tacho

Öltank: Freestyle Custom

Sitzschale: Freestyle Custom

Sattlerarbeiten (Sitz und Tasche): Katharina Von Der Eiche

Lack: Freestyle Custom

Schildhalter.: Freestyle Custom, mit integriertem Rücklicht

Fender: Freestyle Custom

Schaltung: Handschaltung


Kontakt
Freestyle Custom
Talstraße 112
60437 Frankfurt am Main
Tel. 0177 - 164 54 90
www.freestyle-custom.de

Zuerst veröffentlicht in BIKERS NEWS 01/2016
  Teilen
Stand:13 December 2018 20:52:12/blog/harley-davidson+panhead+alupfanne_18626.html